Definition & Begriffserklärungen zur Gleichberechtigung & Patriarchat: Was bedeuten diese 7 Begriffe wirklich?

Du stolperst in meinen Texten über gewisse Begriffe wie Patriarchat, internalisierte Misogynie, strukturelle Ungleichheit, die möglicherweise emotionale Reaktionen auslösen.
Häufig liegt das daran, dass zwei Menschen über ein und denselben Begriff sprechen, ihm aber unterschiedliche Bedeutung geben. Ihnen fehlt eine gemeinsame Definition, eine Grundlage.

Hier findest du eine kleine Liste von Begriffen, die helfen soll, Missverständnisse zu vermeiden.
Viele dieser Begriffe werden durch Zitate und Kommentare ergänzt, die nicht von mir stammen. Die Urheber sind nicht immer bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Matriarchat

Wikipedia sagt: „Es gibt jedoch keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Matriarchat.“

Warum nicht? Weil sich mit sowas nicht beschäftigt wird. Es müsste sich dann eingestanden werden, dass es andere (möglicherweise sogar bessere) Wege gibt, als das Patriarchat. Aber das macht grad gar nichts, denn wir definieren, was Matriarchat ist und nicht irgendein Wissenschaftler.

Die meisten Menschen (auch nicht wenige Frauen) glauben, das Matriarchat sei ebenso ein hierarchisches System wie das Patriarchat – nur eben umgedreht, in dem Frauen einfach Männer dominieren. Das wollen die meisten Männer nicht, also sind sie dagegen.
Doch warum nicht? Weil sie Sorge haben, dass ein solches System ihnen etwas antun könnte, was das aktuelle System heute Frauen antut?
Doch die Sorge ist unbegründet, denn das Matriarchat ist keinesfalls ein hierarchisches System.

Es ist ein Kreis. Ein Kreis mit Kindern und Leben in seinem Zentrum.

Wo Mütter (und Väter) geschützt und gut versorgt werden, können Kinder gedeihen und wo Kinder gedeihen, kann die Gesellschaft gedeihen. Matriarchat ist nicht „gegen Männer“ gerichtet, sondern gegen Herrschaft.
Für ein artgerechtes, gesundes, nachhaltiges Leben für alle.

Es konzentriert sich darauf, alle Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen und in die heranwachsenden Generationen zu investieren. Alle Erwachsenen beteiligen sich an der kooperativen Betreuungsarbeit und der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung. Es fördert Verantwortung und Zusammenarbeit als soziale Logik.

Patriarchat

(wörtlich: „Väterherrschaft“)

„Patriarchat“ bezeichnet eine Gesellschaftsform bzw. Herrschaftssystem, in dem „das Männliche“ als das selbstverständliche, normierende und dominierende Prinzip gilt und das die bevorzugte Stellung von Männern aufrechterhält. Weltweit ist es die vorherrschende Gesellschaftsform.

„Patriarchale Werte, Normen und Praktiken gehen mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen und der Unterdrückung oder Verdrängung weiblicher und nicht heteronormativer Perspektiven, Teilhabe- und Entwicklungschancen einher. Sie erhalten sexistische Strukturen und Muster aufrecht und begünstigen geschlechtsspezifische Gewalt.“ Quelle: Gemeinsam gegen Sexismus

Das Patriarchat als Gesellschaftsform ist der Ursprung für Kapitalismus, Kolonialismus, Adultismus, Sexismus, Rassismus und anderen diskriminierenden Arten von Hierarchie, die wir heute kennen.

>>> Schule & Patriarchat: Was das Schulsystem mit dem Patriarchat und den Epstein-Files zu tun hat<<<

Es konzentriert sich auf die Ängste und Wünsche erwachsener Männer. Frauen wird Autonomie und Macht verweigert. Die Macht der Männer entsteht durch Einflussnahme – die Fähigkeit, Ressourcen zurückzuhalten, zu verweigern, zu dominieren. Es fördert irrationale Autorität und hierarchische Ausbeutung als soziale Logik.

Das Patriarchat beschreibt eine Gesellschaftsstruktur, in der Männer im Durchschnitt mehr Macht, Ressourcen und Einfluss haben als Frauen. Diese Struktur ist historisch gewachsen.
Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Mann mächtig ist oder jede Frau unterdrückt wird. Es beschreibt ein Muster auf gesellschaftlicher Ebene.

  • Das Narrativ, dass Macht durch Härte erworben wird, ignoriert, wie Verletzlichkeit selektiv bestraft wird. Männer werden für Aggression belohnt. Frauen werden dafür bestraft. Von Frauen wird Sanftheit verlangt, bei Männern wird sie verachtet. Das System bricht jeden, nur nicht alle gleichermaßen.
  • Das Narrativ, dass das Hinterfragen des Patriarchats (z. B. durch Feminsimus) die Gesellschaft zerstört, ignoriert, wen die Gesellschaft seit Jahrhunderten stillschweigend zerstört. Was in Frage gestellt wird, ist nicht die Stabilität, sondern die Hierarchie. Und die Hierarchie hat schon immer Opfer von vielen verlangt, um wenige zu schützen.
  • Das Narrativ, dass Männer standardmäßig Führungskräfte sind, wird so oft wiederholt, dass sie als Wahrheit erscheint. Repräsentation schafft Glauben. Abwesenheit schafft Zweifel. Wenn Führungspositionen ständig mit Männern besetzt werden, wird auch Kompetenz unbewusst so kodiert.
  • Das Narrativ, dass Traditionen ohne Frage bewahrt werden müssen, ignoriert, wem Traditionen eigentlich dienen sollten. Nicht alle Traditionen sind kulturelle Schätze. Einige sind historische Kompromisse mit Ungerechtigkeit. Nur weil es etwas schon lange so gemacht wird, bedeutet es nicht, dass es moralisch okay ist.

Du glaubst, in Deutschland oder anderen „westlichen Staaten“ gäbe es kein Patriarchat? (klick)

Feminismus

Feminismus wird oft missverstanden. Manche verbinden den Begriff mit Männerhass oder extremen Forderungen.
Im Kern bedeutet Feminismus jedoch etwas sehr Einfaches: die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Feminism is the radical notion that women are people.

Zu deutsch: Feminismus ist die radikale Erkenntnis, dass Frauen Menschen sind.

Dieser eine Satz sagt im Grunde schon alles. Die Problematik ist, dass Frauen nicht als gleichwertige Menschen wahrgenommen (von einzelnen Menschen sicherlich, möglicherweise auch von dir, jedoch nicht vom System selbst) werden, sondern als Objekte. (Oder warum wird noch immer von Männern über Frauenkörper in Gesetzestexten bestimmt und was sagen noch gleich die Statistiken zu sexuellem Missbrauch, Femiziden etc.?) .

„Ihr seid doch schon gleichberechtigt.“

Egal, wieviele Rechte unsere Vorfahrinnen und wir schon für uns Frauen erkämpft haben:
Rechte auf dem Papier zu haben bedeutet nicht Gleichberechtigung im Alltag.

Doch es geht nicht nur um Rechte Einzelner, sondern um ein ganzes System.
Feminismus fordert das Patriarchat heraus.

Wir schulden dir keine Form des Feminismus, die für dich bequem ist.

„Aber Feminismus spaltet…“

Wer meint, dass doch Harmonie ohne Feminismus herrscht, spricht von der Ruhe der Privilegierten. Dieses “Argument” soll davon abhalten, Missstände zu benennen. Unser Schweigen schützt nur die bestehenden Verhältnisse.
Denn wer Gleichberechtigung als Bedrohung empfindet, hat in der Regel von Ungleichheit profitiert.

Männer herauszufordern wird als Störung dargestellt.
Das Patriarchat herauszufordern wird als maßlose Übertreibung dargestellt.
Objektivität hat praktischerweise immer ein männliches Gesicht gehabt.

Gleichberechtigung ist aber kein Nullsummenspiel: Nur weil Frauen etwas dazu gewinnen, bedeutet das nicht automatisch, dass die meisten Männer wirklich etwas verlieren. Tatsächlich gewinnen auch sie dazu:

Viele Männer lernen z. B. früh, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen, nicht weinen sollen, immer stark und erfolgreich sein müssen und Probleme alleine lösen sollen. Diese Erwartungen führen zu Druck. Männer nehmen seltener psychologische Hilfe in Anspruch und haben höhere Suizidraten. Männer würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, stoßen aber auf berufliche oder gesellschaftliche Hürden.
Gleichberechtigung bedeutet daher auch, Männer von starren Rollenbildern zu befreien.

Wie du siehst: Feminismus kämpft nicht nur für wahre Gleichberechtigung von Frauen, sondern ebenso von Männern.

  • Das Narrativ, Feminismus sei zu weit gegangen, setzt voraus, dass es jemals einen fairen Ausgangspunkt gegeben habe. Korrekturen erscheinen nur dann extrem, wenn Ungleichgewicht als normal angesehen wird. Gerechtigkeit erscheint immer radikal für diejenigen, die bequem auf Ungleichheit stehen.
  • Das Narrativ, dass Frauen für die kleinen Schritte und Rechte dankbar sein sollten, vergisst, wie viel Widerstand diesen Rechten entgegengebracht wurde. Fortschritt wurde nie geschenkt. Er wurde erkämpft. Dankbarkeit wird oft gefordert, um weitere Herausforderungen zu verhindern.
  • Das Narrativ, Feminismus hasse Männer, verwechselt Verantwortlichkeit mit Feindseligkeit. Systeme fühlen sich angegriffen, wenn sie hinterfragt werden. Privilegien fühlen sich verfolgt, wenn sie benannt werden. Feminismus will nicht, dass Männer leiden. Er will das Ende unverdienter Herrschaft.
  • Das Narrativ, dass Männer nun unterdrückt werden, weil Frauen Rechte haben, verwechselt Unannehmlichkeiten mit Ungerechtigkeit. Der Verlust des uneingeschränkten Zugangs zu Herrschaft fühlt sich nur dann wie ein Verlust an, wenn Überlegenheit mit Normalität verwechselt wurde. Gleichberechtigung fühlt sich wie Unterdrückung an, wenn man nie erwartet hat, den Raum teilen zu müssen.
  • Das Narrativ, dass Frauen zu viel verlangen, wenn sie Sicherheit fordern, verkennt das Ausmaß dessen, was ihnen genommen wurde. Sie verlangen keinen Komfort. Sie verlangen, sich in der Welt bewegen zu können, ohne bei jedem Schritt Risiken abwägen zu müssen. Sicherheit ist kein Luxuswunsch. Sie ist die Grundvoraussetzung, die ihnen historisch vorenthalten wurde.
  • Das Narrativ, dass Feministinnen ihre Politik unangemessen in alles einbringen, während Männer sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, ist eine Lüge. Männer bringen ihre Politik in Witze, Fernsehen, Literatur, Kinderbücher und Filme, Spielzeug, Religion, soziale Normen, Stereotypen, Kulturen, Traditionen, Klassenzimmer, die Wirtschaft und das gesamte System des menschlichen Lebens ein. Denn ihre Politik ist unser Gesellschaftssystem. Unsere Gesellschaft sieht alles durch die männliche Brille. Der Unterschied liegt nicht in der Präsenz, sondern in der Macht. Die männliche Ideologie wird als neutral, universell und natürlich dargestellt.
  • Das Narrativ, dass Männer logisch und Frauen emotional sind, ist eine Verzerrung, die dazu dient, Macht zu schützen. Männliche Wut wird als Autorität umgedeutet. Männliche Anspruchsmentalität wird zu Führungsstärke. Männliche Gewalt wird kontextualisiert. Die Trauer, Angst und Wut von Frauen werden hingegen als Instabilität abgetan. Emotionen sind nicht das Gegenteil von Logik. Emotionen sind einfach nur unbequem, wenn sie von Menschen gezeigt werden, die keine strukturelle Dominanz haben.

Strukturelle Ungleichheit & Privilegien

Strukturelle Ungerechtigkeit ist eine Form sozialer Ungleichheit, die von Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen ausgeht. Diese Strukturen können bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen oder privilegieren und sind die Ursache von struktureller Gewalt.

Der Begriff Privileg wird in diesem Zusammenhang oft missverstanden: Viele denken dabei an Luxus, Reichtum oder ein besonders bequemes Leben.
Sozialwissenschaftlich bedeutet er jedoch etwas anderes:

Ein Privileg ist ein Vorteil, den jemand hat, ohne ihn bewusst gewählt oder verdient zu haben.
Dieser Vorteil entsteht durch gesellschaftliche Strukturen.

Ein Beispiel: Wenn eine Person nachts ohne Angst alleine nach Hause gehen kann, während eine andere sich ständig unsicher fühlt, ist das ein Unterschied in der Lebensrealität. Die erste Person hat in diesem Bereich ein Privileg.

Aber: Ein Privileg bedeutet nicht, dass jemand keine Probleme hat. Ein Mann kann arm, krank und unglücklich sein oder in einzelnen Bereichen auch Nachteile und trotzdem gesellschaftlich aufgrund seines Geschlechts gegenüber Frauen bevorteilt werden.

Der Begriff soll also nicht einzelne Menschen beschuldigen, sondern strukturelle Unterschiede sichtbar machen. Frauen benennen hier ein strukturelles Problem und kein individuelles. Und auch die, die sich oft ganz laut & vehement da rausnehmen wollen, profitieren gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst von diesen Strukturen.

„Wenn ein System manchen Gruppen Vorteile verschafft, profitieren die, die diese Vorteile haben, oft unbewusst davon.
Das heißt nicht, dass sie schuld daran sind, aber dass Gleichberechtigung für alle wichtig ist.“

Liste männlicher Privilegien im Patriarchat (nicht vollständig):

Männliche Privilegien im Alltag

  • Weniger Angst vor sexueller Belästigung im öffentlichen Raum: Verhalten, Kleidung oder Wege müssen aus Sicherheitsgründen nicht angepasst werden, sich im Öffentlichen Raum bewegen zu können
  • Weniger Druck bezüglich Aussehen und Jugendlichkeit: Gesellschaftliche Erwartungen an Schönheit, Körperform und Alter treffen Frauen meist stärker, was mehr Kosten und Aufwand verursacht. Erwartungen nicht erfüllen, wird bei Männern weniger sanktioniert.
  • Weniger Angst vor Gewalt in der Öffentlichkeit: von Vergewaltigung, Entführung, K.O.-Tropfen im Drink, sexueller Gewalt und Missbrauch seltener betroffen
  • Weniger Angst in Beziehungen und Familien vor Gewalt: statistisch weitaus seltener betroffen von Missbrauch oder Mord innerhalb von familiären Strukturen oder Beziehungen
  • Mehr Bewegungsfreiheit ohne soziale Bewertung: sich allein, spät abends oder auf Reisen oft bewegen, ohne dass es moralisch bewertet oder infrage gestellt wird
  • Mehr Vertrauen in Autorität in gemischten Gruppen: werden oft schneller als natürliche Führungspersonen wahrgenommen, selbst ohne besondere Qualifikation
  • Weniger Druck, emotionale Arbeit in Beziehungen zu leisten: übernehmen seltener die Organisation von sozialen Kontakten, Geburtstagen, Familienkommunikation usw.
  • Höhere Wahrscheinlichkeit, im Alltag als „Standard“ betrachtet zu werden: Viele Produkte, Arbeitskleidung, Sicherheitsausrüstung (z. B. Anschnallsysteme in Fahrzeugen); Medikamentendosen oder medizinische Studien basieren historisch stark auf männlichen Durchschnittswerten.
  • Weniger Unterbrechungen oder „Übergehen“ in Gesprächen: Studien zeigen, dass Frauen in gemischten Gruppen häufiger unterbrochen und weniger ernst genommen werden.
  • Geringere soziale Sanktionen für sexuelle Aktivität: erleben seltener Stigmatisierung für ein aktives Sexualleben als Frauen
  • Geringeres Risiko, für emotionales Verhalten abgewertet zu werden: Ärger oder Frustration zu zeigen, wird eher als Stärke oder Führungsqualität interpretiert, während Frauen dafür als „hysterisch“ oder „überempfindlich“ gelten.
  • Weniger Erwartung, „nett“ oder harmonisch zu sein: gesellschaftlich seltener erwartet, freundlich, kompromissbereit und sozial angepasst aufzutreten
  • Mehr gesellschaftliche Akzeptanz für technische oder handwerkliche Interessen: werden seltener hinterfragt, wenn sie sich für Technik, IT oder Ingenieurberufe entscheiden

Feminism never taught me to be wary of men. It was men who taught me that. Feminism never taught me to not wear clothes that made me feel alright, to not go out alone late at night, to not trust any men until they prove their intent. It was men who taught me that by constantly harassing, hurting ganda dator g women. Feminism never taught me anything about men. It was men who taught me everything about men. – Farida D.

Zu deutsch: „Feminismus hat mir nie beigebracht, Männern gegenüber misstrauisch zu sein. Das haben mir Männer beigebracht.
Feminismus hat mir nie beigebracht, keine Klamotten zu tragen, in denen ich mich wohlfühle, nachts nicht alleine auszugehen und Männern nicht zu vertrauen, bis sie ihre positiven Absichten bewiesen haben. Das haben mir Männer beigebracht, indem sie Frauen ständig belästigt und verletzt haben. Der Feminismus hat mir nie etwas über Männer beigebracht. Es waren die Männer, die mir alles über Männer beigebracht haben.“
– Farida D.

Männliche Privilegien in der Erwerbsarbeit

  • Höhere Wahrscheinlichkeit, in Führungspositionen zu arbeiten: in vielen Branchen überproportional in Chef- und Entscheidungsrollen vertreten
  • Höhere durchschnittliche Bezahlung für vergleichbare Arbeit: geschlechtsspezifischer Lohnunterschied in vielen Ländern existent
  • Geringere Erwartung, unbezahlte Care-Arbeit zu leisten: übernehmen im Schnitt weniger Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen
  • Mehr gesellschaftliche Akzeptanz für Durchsetzungsvermögen: Verhalten wie Dominanz oder Härte wird oft positiv bewertet – bei Frauen hingegen als „aggressiv“ oder „unsympathisch“
  • Weniger Zweifel an fachlicher Kompetenz: in technischen oder führungsbezogenen Rollen oft automatisch als kompetent wahrgenommen, während Frauen ihre Kompetenz häufiger beweisen müssen.
  • Weniger Kritik für ambitioniertes oder karriereorientiertes Verhalten: für Ehrgeiz oft gelobt, während Frauen dafür als egoistisch oder „zu karrierefixiert“ beurteilt werden
  • Geringeres Risiko, aufgrund von Elternpflichten als weniger engagiert zu gelten: erleben im Beruf seltener den Eindruck, weniger belastbar oder verfügbar zu sein
  • Geringere Wahrscheinlichkeit, aufgrund von Familienplanung benachteiligt zu werden: Schwangerschaft und Mutterschaft können Karrieren von Frauen stärker beeinflussen als Vaterschaft die von Männern.
  • Geringere Wahrscheinlichkeit, im Beruf sexualisiert wahrgenommen zu werden: müssen sich seltener damit auseinandersetzen, dass ihr Aussehen oder ihre Attraktivität im Arbeitskontext thematisiert wird.

Misogynie

Wikipedia sagt: „Misogynie (von altgriechisch misos „Hass“ und gyne „Frau“), Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass ist ein Oberbegriff für soziokulturelle Einstellungsmuster der geringeren Relevanz oder Wertigkeit von Frauen beziehungsweise der höheren Relevanz oder Wertigkeit von Männern. Sie wird sowohl von Männern als auch von Frauen selbst über die psychosoziale Entwicklung verinnerlicht (Sozialisation, Habitualisierung) und stellt die Erzeugungsgrundlage für den hierarchisierenden Geschlechtshabitus von Männlichkeit und Weiblichkeit dar. Sie ist damit die Basis hegemonialer Männlichkeit oder patriarchaler Beziehungsgefüge.

Misogynie ist tief in zahlreichen menschlichen Kulturen verwurzelt. Da sie sozialen Normen oder Idealen jedoch widerspricht, gilt sie gesellschaftlich als „krankhaftes“„abnormes Gefühl“. Aufgrund dieser fundamentalen Widersprüchlichkeit wird Misogynie gesellschaftlich und individuell meist verdeckt – etwa durch Leugnung, Tabuisierung, Höflichkeit oder sozial erwünschte Gleichheitsrhetorik. Dann bleibt sie individuell unbewusst und gesellschaftlich diffus.“

Internalisierte Misogynie

Internalisierte Misogynie bedeutet, dass unbewusst frauenfeindliche Denkmuster übernommen wurden. Sie betrifft alle Geschlechter, die im selben patriarchalen Herrschaftssystem aufgewachsen und geprägt wurden.

  • Internalisierter Sexismus: Wir glauben unbewusst, dass Männer kompetenter, interessanter oder wertvoller sind, weshalb sich oft von Frauen abgegrenzt wird, um „besser“ dazustehen. Auch Frauen selbst tun das.
  • Identifikation mit der dominanten Gruppe: Nach der Sozialen-Identitäts-Theorie neigen Menschen dazu, sich mit Gruppen zu identifizieren, die mehr Macht oder Status haben. Wenn Männer also gesellschaftlich als die „höher bewertete“ Gruppe wahrgenommen werden, versuchen die meisten Menschen sich dieser Gruppe anzunähern, indem sie sich z. B. von Frauen distanzieren.
  • Soziale Rollenbilder und Erziehung: Viele Menschen wachsen in Umfeldern auf, in denen Konkurrenz zwischen Frauen normalisiert wird (z. B. „Frauen sind zickig“, „Man kann Frauen nicht trauen“). Solche Glaubenssätze prägen das Verhalten im Erwachsenenalter.

Die nächsten zwei Beispiele zeigen Situationen, in denen insbesondere Frauen internalisierte Misogynie gegen andere Frauen zeigen. Diese Muster schaden Frauen und ihren Beziehungen zu anderen Frauen. Danach betrifft es wieder die gesamte Gesellschaft.

  • Konkurrenz statt Komplizenschaft: Frauen haben gelernt, dass es immer nur Platz für eine Frau gibt – ein Posten im Aufsichtsrat, eine Auserwählte im Boys Club, eine Prinzessin, die vom Prinzen geheiratet wird. Auch als „Queen-Bee“-Phänomen bekannt: Ein in der Forschung verwendeter Begriff für Frauen in Machtpositionen, die andere Frauen eher blockieren als fördern oder sich distanzieren, um selbst eher akzeptiert oder gefördert zu werden. Diese Konkurrenz unter Frauen begegnet uns auch in Märchen, wo Stiefmütter und Stiefschwestern die bösen Rivalinnen sind. In Wahrheit profitieren wir alle, wenn wir uns gegenseitig unterstützen – statt uns als Gegnerinnen zu sehen.
  • Sich Männern anbiedern statt Frauensolidarität zeigen: Die Liebe und Anerkennung eines Mannes wurde uns als ultimative Sicherheit und einziger Lebenssinn verkauft. Deshalb distanzieren wir uns (auch demonstrativ) von anderen Frauen, um bei Männern besser dazustehen. Wenn eine Frau wiederholt erlebt, dass sie Lob, Aufmerksamkeit oder Vorteile bekommt, wenn sie sich von anderen Frauen abgrenzt („Du bist nicht wie die anderen“), kann sich dieses Verhalten verstärken. Wir machen dann „Ich bin nicht wie andere Mädchen“-Kommentare oder schweigen, wenn Sexismus passiert. Auch bekannt als: Pick-me“-Verhalten. Wir haben gelernt, dass männliche Aufmerksamkeit wertvoller ist, als weibliche Komplizenschaft – was uns alle schwächt.
  • Frauen und Männer lästern darüber, was eine Frau anhat, ob sie ein bestimmtes Kleidungsstück „tragen kann“, oder wie sie ihr Leben gestaltet. Das Problem ist nicht die Frau selbst, sondern, dass wir unbewusst prüfen, ob sie dem Bild von „guter“ und „attraktiver Weiblichkeit“ entspricht, das uns beigebracht wurde. Jedes Mal, wenn wir eine Frau dafür verurteilen, vom patriarchalen Ideal abzuweichen, verfestigen wir die Normen, die uns alle einschränken.
  • Wenn eine Frau „zu viel“ ist – zu laut, zu selbstbewusst, zu erfolgreich, zu direkt – dann zeigt das oft, wo wir (Frauen und Männer) uns selbst klein machen und zurücknehmen. Ihre Stärke triggert unsere eigenen Unsicherheiten und inbesondere bei Frauen die inneren Stimmen, die uns sagen, dass wir bescheidener, leiser und weniger sein sollten. Statt sie zu kritisieren, können Frauen sich fragen: Was würde passieren, wenn ich mir dieselbe Freiheit nehme?
  • Frauen weniger Kompetenz zutrauen: Bei Männern nehmen wir automatisch an, dass sie wissen, was sie tun. Bei Frauen wollen wir Beweise sehen. Wenn eine Frau etwas sagt, hinterfragen wir es eher, als wenn ein Mann etwas sagt. Wir schreiben den Erfolg von Frauen in Führungspositionen ihrem Glück oder ihren Beziehungen zu – nicht ihrer Leistung. Diese doppelten Standards haben wir gesellschaftlich so tief verinnerlicht, dass insbesondere Frauen ihrer eigenen Expertise misstrauen und sich weniger zutrauen, als sie können.
  • Betroffenen die Schuld geben: Victim Blaming ist eine der gefährlichsten Formen internalisierter Misogynie. Was hatte sie an? War sie betrunken? Diese Fragen verschieben die Verantwortung vom Täter auf die Betroffenen. Dahinter steckt für Frauen eine Illusion von Kontrolle: Wenn wir glauben, dass „richtiges Verhalten“ Frauen schützt, fühlen wir uns als Frauen sicherer. Doch die Wahrheit ist: Übergriffe passieren nicht wegen des Verhaltens der Betroffenen, sondern wegen der Entscheidung des Täters. Wenn wir Betroffenen die Schuld geben, stützen wir ein System, das Gewalt gegen Frauen ermöglicht.

Wichtig: Solches Verhalten ist meist kein bewusstes „Verraten“ anderer Frauen, sondern oft eine Anpassungsstrategie an soziale Erwartungen oder Machtverhältnisse. Es sagt mehr über die Strukturen und Erfahrungen eines Menschen aus als über den Charakter.

Um Ungleichheit, Gewalt etc. in Zukunft besser zu vermeiden, müssen wir uns unserer internalisierten Misogynie bewusst werden und unser Verhalten hinterfragen und ändern.

Misandrie

Ist Misandrie, also Männerhass, jetzt das Gegenteil von Misogynie?

The opposite of misogyny is not „misandry“ or the hatred of men. The hatred of men is a reaction to misogyny.The opposite of misogyny is the standing up for the rights of women. The opposite of misogyny is feminism. -Farida D.

Zu deutsch: „Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist nicht „Männerfeindlichkeit“ oder der Hass auf Männer. Der Hass auf Männer ist eine Reaktion auf Frauenfeindlichkeit. Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist das Eintreten für die Rechte der Frauen. Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist Feminismus.“ – Farida D.

Wiki sagt: „Als Misandrie (von griechisch μῖσος misos ‚Hass‘ und ἀνήρ anēr ‚Mann‘, Genitiv ἀνδρός andros), Männerfeindlichkeit oder Männerhass wird eine Abneigung gegen, eine Verachtung für oder eine Reihe Vorurteile über Männer bezeichnet.

In der Kulturanthropologie findet der Begriff – im Gegensatz zu Misogynie – kaum Anwendung, da es in traditionellen Kulturen so gut wie keine institutionalisierte Feindseligkeit gegenüber der Gesamtheit der Männer gebe. Kritisiert wird der Begriff, da er aus antifeministischen Gründen von der Männerrechtsbewegung popularisiert worden sei und seine Verwendung damit frauenfeindliche Deutungsmuster transportiere. […]

Der Ausdruck wird bis heute polemisch und undifferenziert in antifeministischen Diskursen und innerhalb der Männerrechtsbewegung als Kampfbegriff verwendet, der sich gegen Feminismus richtet und diesen mit Männerhass verknüpft. […]

Marc Oulette argumentiert, dass Misandrie (Männerfeindlichkeit) nicht mit Misogynie (Frauenfeindlichkeit) gleichzusetzen sei, da der Misandrie nicht die systematische, transhistorische, institutionalisierte und gesetzlich verankerte Feindseligkeit der Misogynie innewohne. Stattdessen gelte es, Diskriminierung aufzudecken, die sich gegen bestimmte marginalisierte Männlichkeiten richte.

Auch Luca Di Blasi hält den Einsatz gegen einen antimännlichen Sexismus zwar für sinnvoll, warnt aber vor einer Fixierung darauf und vor einer „reaktionären Ressentimentbildung“, die Gleichstellungsbemühungen mit Diskriminierung verwechsle. Der US-amerikanische Soziologe Allan Johnson gibt zu Bedenken, dass sexistische Vorurteile gegenüber Männern nicht mit frauenfeindlichen Vorurteilen vergleichbar seien, da diese „unterschiedliche soziale Grundlagen und sehr unterschiedliche Folgen haben“. Naomi Schor, Michael Kimmel und David Gilmore sprechen sich ebenfalls gegen eine Gleichsetzung von Misogynie und Misandrie aus, da diese die über Jahrhunderte andauernde Benachteiligung von Frauen ausblende.“

Kommentare aus dem Netz:

„Es gibt bei Facebook eine Gruppe mit über 100.000 männlichen Mitgliedern, die sich darüber austauschen, wie sie die Frauen in ihrem Leben am besten betäuben, und dabei filmen. Seit über 7 Jahren versuchen Frauen vergeblich, diese Gruppe schließen zu lassen. Und trotzdem hab ich schon wieder einen wimmernden Mann gesehen, der heult: „Warum dieser Männerhass? Warum seid ihr sooooo gemein zu Männern?“ Es ist unfassbar, wie sehr Männer sich und ihre Gefühle zentrieren und völlig empathiebefreit Frauen gegenüber sind.“

„Ich bin nicht gegen Männer. Ich benenne Strukturen, in denen überwiegend Männer derartige GewaIt ausüben. Wenn 32.000 Männer intime Bilder ihrer Partnerinnen ohne deren Wissen teilen und zehntausende Männer sich in anderen Gruppen über die Umsetzung von sexualisierter GewaIt austauschen, dann ist das keine persönliche Abneigung. Das ist eine gesellschaftliche Realität. Dass du dich davon angegriffen fühlst, ist nicht mein Thema. Das Thema sind die Frauen, deren Rechte, Körper und Grenzen bewusst verletzt wurden. Wer darin Männerfeindlichkeit sieht, verwechselt Kritik an Machtstrukturen mit einem persönlichen Angriff.“

„Männer hassen Männer und Männer hassen Frauen, aber es kommt selten vor, dass Frauen Männer hassen, die nichts getan haben.“

Erlebst du regelmäßig in Social Media, wie Frauen ohne Grund und einfach aus Langeweile Hasskommentare an Männer abgeben? Wie scheiße sie aussehen? Dass sie so niemals eine Frau bekommen und dass sie keine f*cken will? Nein, ich auch nicht.

Frauen hassen Männer also nicht generell, sondern haben keine Lust mehr ständig vor Männern Angst haben zu müssen, ihren Töchtern beibringen zu müssen, sich auf bestimmte Weise zu kleinen oder zu verhalten. Es ist Frust, eine Reaktion auf die strukturelle Ungleichheit, die im Patriarchat unausweichlich ist.

Aber…

„Not all men“

Ja, nicht alle Männer sind so. Wenn du das schonmal kommentiert oder nur ansatzweise gedacht hast, dann lies weiter.

„Not all men“ ist eine Strategie – eine Strategie, um Kritik an einem System, dass Männer strukturell bevorteilt, zu relativieren und klein zu reden.
Dieser passenden Vergleiche aus Kommentarspalten zeigen wunderbar, was hier passiert:

Wird von Frauen und Menstruation gesprochen, ist allen sofort klar, dass hier nur Frauen gemeint sind, die tatsächlich menstruieren. Niemand schreit „Aber nicht alle Frauen menstruieren!“. Es sagt auch niemand: „Manche Frauen können Kinder bekommen.“
Wird von Gewalt gegen Frauen durch Männer gesprochen, ist auch klar, dass nur die Männer gemeint sind, die Gewalt gegen Frauen verüben. Doch nun wird plötzlich eine Pauschalisierung unterstellt. Das Problem dabei ist nicht die klare Sprache, sondern das Erhalten von Macht und Privilegien.

Wieso verlangen wir von emanzipierten Frauen mehr, als vom Rest der Gesellschaft?

Wer sind eigentlich „not all men“?

Schauen wir uns einfach mal an, wer genau diese „not all men“ sind, um die es geht, wenn wir über Gewalt durch Männer an Frauen sprechen:

Definition von Patriarchat

Das hier dargestellte Spektrum bezieht sich nur auf aktive Gewalt gegen Frauen. Wir reden nicht über tatsächliche Gleichberechtigung bzw. deren Verweigerung im Alltag.

Wenn man sich nur ansatzweise anschaut, wie viele Menschen bei Fällen wie Pelicot oder Epstein beteiligt sind und berücksichtigt, wie viele von solchen Fällen noch nicht ans Licht gekommen sind, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs ist. Wer dann ruft „ICH ABER NICHT!“ hält sich selbst für die grandiose, bejubelnswürdige Ausnahme und schießt sich damit gleichzeitig selbst wieder ins Aus.

Lasst uns (im dunkelroten Bereich) nicht von Monstern sprechen, denn es sind keine Monster. Es sind Männer, die gewalttätig sind, die schlagen, die all die grausamen Dinge tun können, gerade wegen der patriarchalen Strukturen. Lasst uns von Männern reden. Nicht von Monstern. Vor allem sind es Väter, Onkel, Kollegen … man sieht es ihnen nicht mal an.

Nur die wenigsten Männer verstehen, dass man ein strukturelles Problem benennt und kein individuelles. Und auch die, die sich oft ganz laut und vehement da rausnehmen wollen, profitieren gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst von diesen Strukturen.

Kritik am Patriarchat ist eine Kritik an Machtstrukturen, die von Männern dominiert werden und deren Überwindung den allermeisten Menschen, auch den meisten Männern, zugute kommen wird. Abstriche werden nur wenige machen müssen (Elite). Keiner braucht sich per se angegriffen fühlen, aber jeder ist aufgerufen, sein Handeln zu reflektieren und über seine Privilegien nachzudenken.

Ein Gedankenspiel:
Stell dir vor, ich kaufe eine Flasche Tequila und verteile sie auf 6 mit Salzrand verzierte Schnapsgläser. Einen Teller mit geviertelten Limetten stell ich dazu. Nun werde ich ein paar Tropfen Gift in eines der Gläser geben, gerade genug, um ihn zu töten.
Ich werde die Gläser mischen und ihn sich vor mich setzen lassen und sagen, dass alle 6 Gläser für ihn sind, aber eines davon Gift enthält.

„Trink aus!“

Wenn er sagt, aber es enthält Gift, werde ich ihm sagen, dass nicht alle Gläser Gift enthalten.
Wenn er einen Wutanfall bekommt, werde ich ihm sagen, dass es im Grunde Tequila ist und nur ein paar Tropfen Gift.
Wenn er sich weigert zu trinken, werde ich ihn herausfordern und sagen, dass ich sehen werde, wie er ohne Tequila leben kann.
Ich werde ihm sagen, dass er, indem er sich auf ein Schnapsglas konzentriert, alle sechs Gläser vor ihm und den besten Tequila der Welt beleidigt.

Jetzt trink aus!

Wenn er aufsteht und geht, werde ich mich fragen, ob er vielleicht PMS hat.

Von 10 Männern macht 1 einen sexuellen Witz über eine Frau, 2 lachen, 3 finden ihn nicht lustig, kichern aber trotzdem mit, um sich anzupassen, und 4 sagen nichts und tun so, als hätten sie ihn gar nicht gehört. Keiner sagt etwas, und keiner unterbricht ihn. Später glauben alle neun Männer außer demjenigen, der den Witz gemacht hat, dass Männer wie er eine Minderheit sind und die meisten Männer nicht so sind, und sehen sich selbst als Teil der „guten Mehrheit”.

Aus der Perspektive der belästigten Frau gibt es jedoch keinen großen Unterschied zwischen ihnen, denn das Lachen, das Schweigen und das Wegschauen schaffen alle dieselbe Umgebung für die Frau. Wenn Frauen sagen, dass „die meisten Männer gleich sind“alle Männer gleich sind“, meinen sie Folgendes: Zwar belästigt nicht jeder Mann Frauen, aber die meisten Männer tragen dazu bei, das System zu schützen, das dies tut.

When a woman hears about another woman abused by a man she thinks;
it could have been me.
When a man hears about a woman abused by another man he screams;
NOT ME – NOT ALL MEN!
And that’s the problem core and centre;
while women sympathize, men refuse to even recognize
the hurt caused by their own gender. -Farida D.

Zu deutsch: „Wenn eine Frau von einer anderen Frau hört, die von einem Mann misshandelt wurde, denkt sie: „Das hätte auch mir passieren können.“
Wenn ein Mann von einer Frau hört, die von einem anderen Mann misshandelt wurde, schreit er: „ICH NICHT – NICHT ALLE MÄNNER!“
Und genau das ist der Kern des Problems: Während Frauen Mitgefühl zeigen, weigern sich Männer, die durch ihr eigenes Geschlecht verursachten Verletzungen überhaupt anzuerkennen.“
– Farida D.

When a man says:
„Not all men“, what he really means is… „I’m a good guy and it bothers me that you’re not singling me out when you talk about men’s violence MORE THAN it bothers me that you’re experiencing said violence“. And the thing is – this is exactly why he is not a good guy and exactly why his „not all men“ cry is invalid. -Farida D.

Zu deutsch: „Wenn ein Mann sagt: „aber nicht alle Männer…“, meint er in Wirklichkeit: „Ich bin ein guter Mensch und es stört mich MEHR, dass du mich nicht ausklammerst, wenn du über Gewalt von Männern sprichst, als dass es mich stört, dass du diese Gewalt erlebst.“
Und genau das ist der Grund, warum er kein guter Mann ist und warum sein Ausruf „Not all men“ hinfällig ist.“
– Farida D.

„Frauen sind genauso schlimm wie Männer.“
Okay. Dann zeig mir Männer, die Massenvergewaltigungen durch Frauen ausgesetzt sind. Zeig mir erwachsene Frauen, die erwachsene Männer verschleppen, verkaufen, versklaven. Zeig mir Gesetze, die geschrieben wurden, um Männerkörper zu kontrollieren, zeig mir Studentinnenverbindungen, die dafür bekannt sind, Männer zu vergewaltigen. Und wenn Männer mit verätzten Gesichtern aufgrund von geschlechtsspezifischen Säureangriffen herumlaufen, dann werde ich mir diesen Blödsinn, dass „Frauen genauso schlimm sind“, anhören.

Schule & Patriarchat: Was das Schulsystem mit dem Patriarchat und den Epstein-Files zu tun hat

Schule & Patriarchat: Was das Schulsystem mit dem Patriarchat und den Epstein-Files zu tun hat

Schaden an Gesellschaft und Gleichberechtigung durch Schule?

(Dieser Artikel befindet sich noch in Bearbeitung.)
Was für dich jetzt vielleicht noch wie eine reißerische Überschrift wirkt, wird sich gleich als logischer Zusammenhang zeigen.

Du wirst verstehen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, was wir zu Hauf in seitenlangen E-Mails und Zeugenberichten, Zeitungsberichten und in all den Medien tagtäglich nachlesen und sehen können. Mir persönlich wird jedes Mal so übel und schwindelig davon und trotzdem bin ich nicht überrascht. Denn weder die Epstein-Files, noch der Fall Pelicot ist ein „Einzelfall“ oder betrifft nur „die Elite“. Nein, das Ganze hat System und wird von unserer jetzigen Gesellschaft, ihren Institutionen und Einrichtungen (möglicherweise) auch unbewusst gefördert.

Was bei dir zuhause im Kleinen passiert, sorgt dafür, dass es im Großen passiert. Sorgt für Raub, Mord, Kannibalismus, Verstümmelung, Vergewaltigungen und noch viel mehr.

Um zu verstehen, warum es mehr als relevant ist, was bei dir zuhause passiert, ist es wichtig zu verstehen, in welcher Art „System“ wir eigentlich leben und was das mit dem „Patriarchat“ zu tun hat.

Wenn du dich mit diesen Begriffen noch nie wirklich eingehend beschäftigt hast oder dir unsicher ist, ob wir wirklich vom selben sprechen, dann kein Problem, I’m here to help: >>>Definition & Begriffserklärungen leicht. verständlich: Was bedeuten diese 7 Begriffe wirklich?<<<

Menschen, die den Schulbesuch ihrer Kinder ablehnen oder kritisieren, reden immer wieder „vom System“, in dem sie leben und in dem auch das Schulsystem als „System im System“ existiert. Doch oft ist das, was als „System“ bezeichnet wird, eher eine schwammige Vorstellung und beinhaltet je nach Mensch unterschiedliche Aspekte. Diese Gruppe der Menschen, die Schule kritisieren oder ganz ablehnen wird immer größer und das führt zunehmend zu Missverständnissen untereinander, aber auch nach außen hin bei Menschen, die Schule, wie sie aktuell ist, (noch) befürworten.

Aus diesem Grund ist es essentiell, die Grundlagen und Ursprünge unseres Systems zu verstehen.

So können wir besser einordnen und verstehen, warum

  • immer mehr Menschen Schule ablehnen und
  • unsere Gesellschaft Menschen hervorbringt, die im Kleinen und im Großen sich gegenseitig schaden.

Doch bevor ich dazu übergehe, ist es mir wichtig, eine Beobachtung aus vielen Reise- und Freilernerjahren zu teilen, für diejenigen, die keine Berührungspunkte bisher mit Freilernern hatten und solche, die sich der unterschiedlichen Wertemodelle innerhalb dieser Gruppe nicht bewusst sind.

Meine persönliche Beobachtung

Durch meine eigene Recherche und Beobachtung in vielen Jahren Reise- und Freilernerleben kann ich heute sicher über diese Bewegung sagen, dass es (mindestens!) zwei stark unterschiedliche Gruppen innerhalb dieser gibt. Doch bei genauerem Hinsehen, fällt etwas auf, auf das ich hindeuten möchte. Der Übersicht halber nenne ich die Gruppenmitglieder Hierarchische und Egalitäre:

  • Die Hierarchischen leben gerne in „traditioneller“ Rollenverteilung, ohne oder kaum Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter oder Kulturen. Sie nehmen ihre Kinder gerade wegen der Gleichberechtigungsversuche in staatlichen und schulischen Zusammenhängen aus dem Schulsystem. Hierunter fallen oft, aber nicht ausschließlich Menschen, die (auch unbewusst & ungewollt) Werte vertreten wie AfD-Wähler, Menschen mit stark christlicher (aber auch anderer) Religionszugehörigkeit, Reichsbürger u.ä.. Das „Herrsche-und-Teile“-Prinzip, das mir dieser Stelle gerne unterstellt wird („Freilerner müssen zusammenhalten.“), ist ein Prinzip, dass sie in sich tragen, wenn sie Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht abwerten, um Gleichberechtigung zu vermeiden.
    Doch bevor du jetzt aufschreist, hör mich an, denn ich weiß, du bist nicht so, denn an dieser Stelle liegt der Knackpunkt, auf den ich hier gleich eingehen werde.
  • Die Egalitären kritisieren gerade die generelle Unvereinbarkeit von Gleichberechtigung im schulischen & staatlichen Kontext mit echter Gleichberechtigung der Kulturen, Geschlechter etc. Daher möchten sie ihre Kinder nicht in einem solchen System aufwachsen lassen und durch sie diese Ungleichheit auch in weiteren Generationen reproduziert sehen. Hierunter fallen emanzipierte, feministische Familien, die eine „traditionelle Rollenverteilung“ ablehnen, Menschen mit Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Geschichten, Bewusstsein über kapitalistische Systeme und Kolonialismus und ihre Ursprünge etc.

Der Knackpunkt:

Viele der Hierarchischen Freilerner sind „lauter“, da sie öfters innerhalb der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen verkehren. Sie äußern sich abwertend über Migration, Homosexualität, Gleichberechtigung etc.

Das hat zwei schwerwiegende Folgen:

  1. Freilernende Menschen werden von Außenstehenden insgesamt häufiger als Gruppierung gesehen, die die Werte der Hierarchischen vertritt. Aus diesem Grund distanzieren sich Außenstehende dann vom Freilernen, obwohl sie mit dem Schulsystem gar nicht einverstanden sind, nur um sich von den Werten der Hierarchischen abzugrenzen. Die bedeutenden Zusammenhänge von Schule & Patriarchat sind ihnen noch nicht bekannt und um sie geht es in diesem Artikel. Wenn du also das Bedürfnis hast dich von Freilernern abzugrenzen, aber dir noch nicht ganz klar ist, wie Schule und Patriarchat zusammenhängen, dann lies weiter.
  2. Freilernende Menschen, die sich vor ihrem neuen, freieren Bildungsweg eher unbewusst für Gleichberechtigung und gegen Diskrimierung positioniert haben, sehen sich vermehrt mit anderen Parolen und Aussagen konfrontiert und übernehmen diese in Teilen häufig unbewusst, um ihre Zugehörigkeit zur freilernenden Gemeinschaft zu stärken. Dies zeigt sich besonders in Aussagen wie der eines in der alternativen Bildungsszene sehr bekannter Menschen, die er auf Instagram teilte und sich aufregt (hier gekürzt):

    „An allem sind einfach Männer Schuld , die alten weißen Männer. Alle anderen sind super. Und Frauen sowieso.“ Wie diese ganze Feminismus-Kacke hochgekommen ist…
    – Bekannte und angesehene Persönlichkeit der Freilernerbewegung

    Und dann spricht er darüber, dass es doch gar nicht um „Pro Frau“ oder „Pro Mann“ gehe, sondern dass wir uns ergänzen als Mann und Frau und sagt weiter, wie unfair es ist, dass es keine Frauenquote für den Bergbau gibt. Wie Feminismus uns spaltet. Wie wir doch rechtlich gleich sind und als Wesen gleich und dass jeder Mann doch aus einer Frau kommt. Dass es biologisch gesehen keine Hierarchie gibt.

    Und genau das ist gefährliche Rhetorik. Hier finden sich Menschen wieder, die sagen „Ja, ich stimme zu, dass es biologisch keine Hierarchie gibt, Mann und Frau sind doch gleichwertig.. was wollen diese Frauen eigentlich noch? —-> Sie spalten uns! Feminismus ist schlecht!“

    Menschen, die sich für genau das aussprechen, was Feminismus ist und dabei Feminismus vehement ablehnen.
    Es ist fast zu absurd, aber ich habe mich gefragt, was da schief läuft:

    Menschen wie er verwechseln Kritik an einem Herrschaftssystem („Diese Gesellschaftsform (Patriarchat) schadet uns allen gleichermaßen“) mit individuellen Schuldzuweisungen („Du bist schlecht, weil du ein Mann bist.“). Dass Feminismus keinen Mann leiden sehen will, dass Feminismus nicht gegen Männer gerichtet ist, dass es nicht um Herrschaft über einen Mann durch Frauen oder „Frauen sind besser“ geht, haben sie noch nicht richtig verstanden. Einfach deshalb, weil er sich noch nicht eingehend mit unserem aktuellen Herrschaftssystem und seinen Folgen auf uns alle befasst hat. Es geht um strukturelle Ungleichheit und wie diese entstanden ist, das liest du hier im Artikel.

    (Update: Aus Fairness-Gründen muss ich an dieser Stelle betonen, dass er sein Reel vom 09.02.26 wieder gelöscht hat. Nichtsdestotrotz nutze ich seine Argumentation hier stellvertretend für 1000 andere Gespräche, die ich im Laufe meines Lebens zu dem Thema führen durfte. Auf Nachfrage sagte er, er habe seine Meinung nicht geändert, sondern „wolle nur keinen Staub“ aufwirbeln. Es gab offenbar mehr kritische Kommentare als erwartet.)

Insgesamt führen diese Dynamiken u.a. dazu, dass ein anderer Bildungsweg im Gegensatz zum regulären Schulbesuch innerhalb der Gesellschaft eher als „rechts“ geframed wird. Was sehr interessant ist, da ein Blick in die Welt das Gegenteil zeigt: Der in vielen Staaten sicht- und spürbare Rechtsruck führt aktuell häufiger dazu, dass alternative Bildungswege – wie das Freilernen – neben dem staatlichen Schulbesuch vielerorts kriminalisiert werden, wo sie es vorher noch nicht waren.

Zusätzlich könnte noch einer weiterer, interessanter Mechanismus mit reinspielen (nur für die Interessierten hier, sonst bitte ab der nächsten Überschrift weiterlesen):

Menschen, die zu Beginn der 2000er noch als „links“ bezeichnet wurden, werden seit spätestens 2020 als „rechts“ eingeordnet, obwohl sie ihren Standort selbst gar nicht verändert haben. Doch wie konnte das passieren?

Toni Nagy (Achtung: Weiterleitung zu Instagram) hat dazu eine sehr interessante, durchaus plausible Theorie. Da die USA mitsamt ihren Meinungen und Sichtweisen massiv großen Einfluss auf Europa und eben auch auf Deutschland haben, spielt das ganze sicherlich auch mit in die Problematik in Deutschland rein:

Anfang 2000 hatten die USA ein konservatives Regime mit Bush Jr. Durch 9/11 in 2001 gab es einen nationalistischen Ruck in den USA und diejenigen, die den Hergang von 9/11 hinterfragten, waren hauptsächlich linksorientiert, sprich die Opposition. Die selben Leute interessierten sich dann ebenfalls für weitere Theorien ihre ganze Umwelt, den Staat und generell Macht betreffend und begannen zu hinterfragen.
2009 wurde Bush von Obama abgelöst und all das Hinterfragen des Staates, der Mächtigen und seiner Machenschaften wurde nun Sache der neuen Opposition, den konservativ-rechtsorientierten, die nun das Hinterfragen fortsetzen. All die linksorientierten Menschen, die in der Vergangenheit den Staat hinterfragten, taten das mit der Zeit nicht mehr öffentlich, weil sie damit nun als „rechts“ eingestuft wurden. (Sicherlich gab es diesen Effekt schon häufiger davor.)

Kritik am Schulsystem war lange verbunden mit der Kritik an unseren staatlichen, vor allem hierarchischen Systemen und damit vorher links geprägt (Neben der Kritik von oben, die die Gruppe der Hierarchischen äußern). Seit spätestens 2020, als die staatlichen Maßnahmen der Corona-Pandemie kritisiert wurden und viele Eltern ihre Kinder nach den Schulschließungen nicht wieder in die Schulen schicken wollten (und mit Beginn des Kabinett Scholz in 2022), führt diese Systemkritik häufiger zu „Naz!“-Beschimpfungen, insbesondere durch jüngere linksorientierte Menschen, die Anfang 2000 noch nicht aktiv am politischen Geschehen teilgenommen hatten.

Wie du siehst, ein wildes Durcheinander, was die Begriffe „links“ und „rechts“ noch vor 20 Jahren beinhalteten (und auch damals schon nicht mehr akkurat) und wie wenig diese Bezeichnungen heute tatsächlich noch einen Standpunkt ausdrücken. Sie werden heutzutage nur noch als Schublade genutzt, die ihren Inhalt wechselt und jede Generation hat seine eigene, ganz persönliche Definition davon.

Doch was hat Schule mit der Gewalt der Elite oder dem System zu tun?

Wenn wir über Schule sprechen, denken wir zuallererst an einen Ort des Lernens, persönlicher Entwicklung, gesellschaftlichen Fortschritts und möglicherweise auch der Chancengleichheit. Wir sehen „die guten Absichten“, die Schule sich heute auf die Fahne geschrieben hat. Doch wenn wir mal einen Schritt zurückgehen und in die Geschichte menschlicher Gesellschaften eintauchen, erkennen wir, dass das Ganze etwas anders aussieht.

Wir erkennen, wie sich das Patriarchat entwickeln konnte, das Ursache für die abscheulichen Taten ist, die jeden Tag auf unserem Planeten passieren. Von Kriegen über Hexenverbrennung, sexueller Gewalt, Pädophilie und jede andere Art von Gewalt und Machtmissbrauch.

>>>Definition & Begriffserklärungen leicht. verständlich: Was bedeuten diese 7 Begriffe wirklich?<<<

Mit diesem Verständnis für die Entwicklung unserer heutigen gesellschaftlichen Strukturen wird klar, inwieweit die Institution Schule zu großen Teilen mitverantwortlich ist für die Welt, in der wir leben.

Schule ist demnach nicht entstanden, um den Wunsch nach Wissen zu stillen, sondern aus ganz konkreten gesellschaftlichen Bedingungen.

Um das zu verstehen, starten wir weit in der Vergangenheit – in einer Zeit, bevor es Staaten, Städte oder Klassenunterschiede gab.

(Selbstverständlich können wir weder hier noch sonst irgendwo von 100%iger Geschichtsschreibung sprechen, denn das ist schlichtweg unmöglich. Auch wenn das früher im Geschichtsunterricht nie jemand dazu gesagt hat. Geschichte schreiben die Sieger. Die Zusammenhänge, die ich hier erläutere, sind eine sehr wahrscheinliche und in sich logische Schlussfolgerung, die unsere heutigen, gesellschaftlichen Herausforderungen sehr gut erklärt und keine expliziten, möglicherweise fragwürdigen Ereignisse zur Grundlage hat.)

Die große Wende

Große Umbrüche in der Menschheitsgeschichte gab es viele, wie die Entstehung von Staaten, die Industrialisierung oder große Kriege. Doch der entscheidende Umbruch, der zu unser heutigen Gesellschaft führte und viele weitere Umbrüche erst möglich macht, ist bereits 12000-10000 Jahre her:

Die Zeit, bis zu der die Menschen nomadisch lebten und in kleinen Gruppen den Jahreszeiten folgend mit der Natur ihre Ressourcen nutzten. Bis dahin lebten – das zeigen archäologische und ethnologische Studien – viele dieser Gruppen egalitär, d.h. auf soziale Gleichheit ausgerichtet. Besitz spielte eine geringe Rolle, weil man sowieso ständig unterwegs war. Nahrung wurde geteilt und große soziale Unterschiede waren selten.

Mit dem Beginn des dann startenden Ackerbaus durch die Sesshaftwerdung änderten sich diese Muster grundlegend.

Durch Anbau und Tierhaltung wurde Nahrung auf einmal planbar und Knappheit seltener. Die Bevölkerung wuchs natürlicherweise in der Folge erstmal an und der Platz (das für Ackerbau geeignete Land) wurde weniger. Somit wurde Land zu einer wertvollen Ressource, die man nicht mehr einfach aufgeben wollte, sondern die Früchte der eigenen Arbeit ernten und auch an die eigenen Nachfahren weitergeben.

Eine neue Logik, das Besitzdenken (vor allem in Bezug auf Land, Lebewesen, Vorräte) und die damit einhergehende Abgrenzung von anderen Gruppen, entstand: Land wurde zu Besitz -> Besitz musste geschützt werden -> Territorien wurden verteidigt.

Männliche Dominanz

Da Konflikte um Land zunahmen und kriegerische Auseinandersetzungen entstanden, gewann körperliche Stärke immer mehr an Bedeutung, was dazu führte, dass der Status des Mannes aufgrund seiner körperlichen „Vorteile“ in vielen Gemeinschaften wuchs. s. Anm.

Gleichzeitig entstand ein neues Problem: Besitz sollte weitergegeben werden. Felder, Tiere oder Vorräte waren nicht mehr nur für den Moment da, sondern für die Zukunft. Daher war es wichtig zu wissen, wer die legitimen Erben waren.

Männliche Dominanz in Besitz- und Entscheidungsfragen führte zu patrilinearen Abstammungssystemen (Abstammung sollte kontrollierbar über den Vater sein) und Kontrolle über die weibliche Sexualität.

Das Patriarchat war geboren als eine (von mehreren) mögliche gesellschaftliche Ordnung, die sich aus der Sesshaftigkeit entwickelte. Die Entstehung von anderen sozialen Systemen nach Sesshaftwerdung ist damit nicht ausgeschlossen. Anderen Optionen und Entwicklungen konnten jedoch neben dem Patriarchat mit seiner oft groben & kriegerischen Gewalt bis heute nur schwer bestehen und verschwanden größtenteils bis auf wenige Ausnahmen.

In den folgenden Jahrtausenden wurde das Patriarchat durch Entstehung der heutigen Weltreligionen, der Erfindung der Schrift und Gesetze gesellschaftlich immer fester verankert. Deshalb sind natürlich auch die heutigen Religionen von Herrschaftsgedanken und Misogynie (Frauenhass) durchtränkt. Weltweite Verbreitung erlangt das Patriarchat auch durch Militarisierung, Kolonialisierung und Missionsarbeit (religiöse Bekehrung).

Das Patriarchat selbst ist damit das zentrale Organisationsprinzip der heutigen Gesellschaftsform.

Es war eine Folge dieser neuen Lebensweise, nicht jedoch aus einer Ideologie entstanden.

Anmerkung: Hier kann natürlich auch argumentiert werden, dass die Bewertung, körperliche Stärke führe unweigerlich zu höherem sozialen Status, selbst eine Folge patriarchaler Denkweisen der Interpretierenden sei, dem ich im Großen und Ganzen zustimme. Statusbewertungen sind oft kulturell bedingt.

Ich sehe jedoch ein gesteigertes, männliches Aggressionspotenzial und Gewaltbereitschaft in Zusammenhang mit dem Körperbau unter den sich veränderten Bedingungen von großem Besitz, Erbfolge und nun häufigeren, kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich nun viel deutlicher auch gegen Frauen und Kinder aus der eigenen Familie gerichtet haben könnte bei dem Versuch ihre Sexualität zu kontrollieren (z. B. Mord an einem Baby, das durch Vergewaltigung durch einen fremden Mann entstanden ist, um nur leiblichen Kindern Besitz zu vererben). Die „Notwendigkeit“ (es tut weh, das zu schreiben) ist vorher nicht da gewesen, weil es keinen großen Besitz zu vererben gab. Dies kann zu Verhaltensänderungen – wahrscheinlich vermehrter Unterwürfigkeit der Frauen – geführt haben, um am Leben zu bleiben und die eigenen Kinder zu schützen.

Staat, Klassen & Industrie als Folge

Soziale Ungleichheit entsteht, wenn Besitz ungleich verteilt ist.

Manche Gruppen besitzen mehr Land, mehr Tiere, mehr Vorräte als andere.

Aus dieser Ungleichheit entstanden Klassenstrukturen (z. B. Oberschicht, Unterschicht), denn die Erbfolgen sichern Macht innerhalb dieser männlichen Linien. Reiche Familien bleiben also eher reich und ärmere Familien arm. So sind die Klassen an Besitz geknüpft.

Je mehr eine Gruppe oder Familie besaß, desto mehr musste sie ihren Besitz organisieren, schützen, kontrollieren und verwalten. Auf diese Weise entstanden politische Strukturen vom Anführer über Verwaltungsapparate, Militär, Monarchien… und schließlich Staaten – getragen von männlich dominierten Machtstrukturen. Damit ist die Existenz von Staaten Ausdruck patriarchaler Ordnung.

Staaten sind also nicht einfach so im luftleerem Raum entstanden, sondern innerhalb hierarchischer, patriarchaler Strukturen.

Ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung war die Industrialisierung. Um sich zu entwickeln war Privateigentum, Arbeitsdisziplin, soziale Hierarchie und staatliche Organisation notwendig. In der Fabrik, die das Feld für viele als Arbeitsort ablöste, herrschen klare Regeln, Kontrolle und Disziplin neben festen Arbeitszeiten und natürlich einer klaren Hierarchie.

Und hier kommt die Schule ins Spiel

Das moderne Schulsystem entsteht vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, parallel zur Industrialisierung und zur Entwicklung moderner Nationalstaaten.

Damit Staat & Industrie weiter funktionieren, sahen sie wichtige Eigenschaften der Menschen in

  • der Fähigkeit lesen und schreiben zu können,
  • gehorsam, diszipliniert und pünktlich zu sein,
  • sie sollten innerhalb der Strukturen funktionieren und
  • die dafür nötigen Werte teilen.

Da die meisten Arbeiter diese Fähigkeiten nicht „von Haus aus“ mitbrachten, entstand die Notwendigkeit eines Ortes, an dem diese Fähigkeiten und Werte vermittelt wurden. Und das bestenfalls schon von klein auf an.

Die Schule war geboren.

Dieser Ort ist ein Produkt patriarchaler Gesellschaftsordnung.

Schulische Strukturen sind nicht zufällig und spiegeln auch heute noch diese Anforderungen wider, die gar nicht so weit her „von gestern“ sind, da sie in unserer heutigen, noch immer auf Hierarchie, Wettbewerb und Besitz aufgebauten Gesellschaft ebenso gebraucht werden. Darunter fallen:

  • feste Stundenpläne
  • Klingeln als Taktgeber
  • Frontalunterricht (auch wenn es hier Bemühungen in andere Richtungen gibt)
  • Noten und Leistungsvergleiche
  • Autorität der Lehrkräfte
  • Trennung nach Leistung

Schule ist damit kein neutraler Ort, der außerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse steht. Sie ist Teil eines Systems, das über Jahrtausende gewachsen ist und Ungleichheit, Hierarchie und damit Gewalt am Leben hält und reproduziert.

Es gab und gibt jedoch auch Versuche, Schule bewusst gegen hierarchische und patriarchale Strukturen zu gestalten, z. B. Montessori-Pädagogik, demokratische Schulen, feministische Pädagogik und inklusive Bildungsinitiativen.

Doch so sehr Schule auch versucht diese Strukturen abzulegen… es ist nicht möglich. Lehrkräfte gehören zu eben dieser Gesellschaft, Lehrpläne vermitteln gesellschaftliche Werte usw. Wir drehen uns im Kreis.

Das moderne Schulsystem ist nicht nur ein Produkt von Staat und Industrialisierung, sondern ein Ausdruck einer seit der Sesshaftwerdung patriarchal geprägten Gesellschaftsordnung.

Und das ist der springende Punkt in allen Debatten, in denen Schule als Ort der (Chancen-)gleichheit ausgelobt wird: Da Schule aus dieser hierarchischen, patriarchalen Gesellschaft hervorgegangen ist, trägt sie deren Strukturen in sich. Und solange unsere Gesellschaft von Ungleichheit geprägt ist, kann Schule zwar versuchen hier und da etwas auszugleichen, doch als Teil der selben Logik niemals zu wahren gesellschaftlichen Änderungen oder gar Gleichberechtigung führen.

Nochmal: Schule ist kein isolierter Raum, sondern ein Teil der Gesellschaft. Sie übernimmt deren Werte, Machtverhältnisse und Ungleichheiten.

Das bedeutet, wenn eine Gesellschaft patriarchal organisiert ist, dabei Klassenunterschiede aufweist und diskriminierende Strukturen enthält, dann finden sich und wirken die selben Strukturen auch in der Schule!

Schulen reproduzieren gesellschaftliche Ungleichheiten:

  1. Soziale Hierarchien: Unterschiedliche soziale Hintergründe der Kinder (kulturelles Kapital wie Bildungsniveau, Sprachliche Förderung, aber auch Einkommen der Eltern, Wohnverhältnisse, Gesundheit & Ernährung, Geschlechterrollen und Erwartungen) sorgen für unterschiedliche Chancen, da das System das eine Verhalten oder Wissen als Talent, Fleiß oder Intelligenz lobt und das andere abstraft. Klassen- und Statusunterschiede werden auf diese Weise stabilisiert.
  2. Sexistische Strukturen: Gesellschaftliche Rollenbilder wirken auch hier, z. B.: Jungen werden eher mit Durchsetzungsfähigkeit assoziiert, Mädchen eher mit Fleiß und Anpassung. Manche Fächer gelten als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“. Diese Erwartungen haben letztendlich mehr Einfluss auf z. B. die Fachwahl, das Verhalten im Unterricht, als uns lieb ist
  3. Hierarchie als Organisationsprinzip: Menschen werden nach Leistung sortiert, vorbereitet auf gesellschaftliche Hierarchien, Normen vermittelt wie Gehorsam, Pünktlichkeit, Anpassung. Lehrkräfte entscheiden über Noten, Versetzung, Empfehlungen, Schüler haben wenig bis kein Mitspracherecht. Strukturelle Ebenen: Bildungsministerium -> Schulaufsicht -> Schulleitung -> Lehrkräfte -> Schüler
    Innerhalb der Schule: Klassenstufen – Notenhierarchien – Leistungsgruppen – Übergänge (z. B. Hauptschule, Realschule, Gymnasium)
  4. Normvermittlung: Schulen vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch gesellschaftliche Werte (z. B.: Respekt vor Autorität, Wettbewerb statt Kooperation und Leistungsorientierung) und unausgesprochene Regeln (z. B.: wer sich anpasst, wird belohnt – wer spricht, bekommt Aufmerksamkeit – wer nicht in die Norm passt, wird sanktioniert) – das Hidden Curriculum, der versteckte Lehrplan.
    Diese Normen stabilisieren hierarchische Ordnungen, reproduzieren traditionelle Rollenbilder und legitimieren bestehende Machtverhältnisse.

Eine sozial ungleiche Gesellschaft kann also keine absolute Gleichberechtigung in der Institution Schule hervorbringen.
Die Basis für derartige Gewalt, wie wir sie heutzutage erleben, entsteht.

Fazit

Das moderne Schulsystem ist kein neutraler Ort zum Lernen und sich bilden. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die mit der Sesshaftwerdung begann. Besitz, Hierarchien und patriarchale Strukturen prägten die Entstehung von Staat, Klassen und Industrie – und eben auch die Schule.

Schule ist kein isolierter Raum – sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat.

Wollen wir eine andere, neue Gesellschaft gründen, die ohne Gewalt existieren kann, die unseren Planeten schützt und unseren Kindern eine echte Zukunft schenkt, dann sind hierarchische Strukturen wie das Patriarchat darin nicht zu finden und damit auch keine Schule, wie wir sie heute kennen.

Doch wie gehen wir das an? Wie sorgen wir dafür, dass Gewalt, Kriege und Ungleichheit aufhört und wir uns sicher und nachhaltig durch unser Leben bewegen können?

Es hilft nicht, auf eine Lösung „von oben“ zu warten.

Darauf, dass „das Richtige“ wählen die Dinge grundlegend verändern wird.

Darauf, dass Gesetze erlassen werden, die unsere Kinder schützen.

All das wird nichts bringen, weil die Leute an der Spitze selbst das Problem sind: Die Nutznießer dieses Systems.

Es kann daher nur eine Lösung sein, die „von unten“ kommt.

Von dir und mir. Von deinen und meinen Freunden und Verwandten.

Jetzt, wo du weißt, woher unsere aktuelle Kultur stammt, wird dir vermutlich klar, dass wir Alternativen schaffen müssen.

Alternativen für Kapitalismus, Kolonialismus, Patriarchat.

Der Wunsch unsere Gesellschaft zu verändern, muss so groß in uns wachsen, dass wir aufhören, nur darüber nachzudenken, sondern endlich handeln.

Und das fängt an mit dem ersten und kleinsten Schritt:

Schritt 1: Wir bauen Beziehungen auf und verbinden uns wieder echt unter- und miteinander. Von Mensch zu Mensch. Beziehungen, die auf Freundlichkeit, Fürsorge, Empathie und echter Verbundenheit beruhen.

Dieser kleine, vermeintlich irrelevant wirkende Schritt ist das Gegenteil von dem, was wir zerstören wollen.

Schritt 2: Wir bilden kleine Gemeinschaften, die sich selbst erhalten und von Werten getragen werden, die u.a. nachhaltig, zukunftsorientiert und gewaltfrei sind, um patriarchale Strukturen, die zu Ungleichheit und Gewalt führen, in Zukunft auszulöschen.

Mach dich gemeinsam mit anderen, so weit es möglich ist, unabhängig von den herrschenden Strukturen, versorgt euch selbst, stellt alles in Frage (Landbesitz? Ländergrenzen?) und sortiert euch neu.

Um das ganze noch zu beschleunigen und bereits erste Ergebnisse in der nächsten Generation zu sehen:

Schritt 3: Wir betreuen und bilden unsere Kinder selber. Wir. bereiten sie nicht auf ein System vor, das zu unser aller Schaden existiert.

Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel kommt von unten, nämlich genauer gesagt durch unsere Kinder. Nicht von schlauen Erwachsenen mit cleveren Ideen, sondern von wilden Kindern, die spielerisch ihre Realität kreieren. Doch unsere Gesellschaft ist auf jede erdenkliche Weise gegen Kinder gerichtet und zerstört damit diese generative Kraft.

Schule (und das aktuelle gesellschaftliche Leben) versorgte schon uns und jetzt unsere Kinder von klein auf an mit den Werten & Normen dieses Systems, die verantwortlich sind für all das, was du heute kritisierst:

  • Gewalt & Missbrauch durch Misogynie
  • Strukturelle Ungleichheiten
  • Pädophilie
  • Umweltprobleme
  • Nahrungsmittelverseuchung
  • Tierleid & Tierquälerei
  • u.v.m.

Dir wurde von klein auf an eingetrichtert,

  • dass Bildung nur in Schulen stattfinden kann,
  • dass es Lehrkräfte, Klassenzimmer, überfüllte Lehrpläne und dicke, schwere Bücher braucht, um Wissen zu vermitteln,
  • dass du es selbst nicht könntest,
  • dass alles, was in der Schule vermittelt wird, wirklich wichtig und die Basis von Bildung sei,
  • dass jedes Kind zur gleichen Zeit das selbe braucht,
  • dass alle Menschen, die ihre Kinder aus Schulen fernhalten fanatisch religiöse oder rechtorientiert wären.

An dieser Stelle darfst du neu lernen.

Als Produkt unseres heutigen Gesellschaftssystems reproduzieren Schulen und Kindergärten gesellschaftliche Ungleichheiten, wie:

  • Soziale Hierarchien, die Status- und Klassenunterschiede stabiliseren,
  • Sexistische Strukturen, in denen gesellschaftliche Rollenbilder verankert werden,
  • Hierarchisches Ordnungsprinzipien, in denen z.B. Gehorsam & Anpassung, Wettbewerb statt Kooperation und Leistungsorientierung vermittelt werden.

Als Produkt dieses Systems kann unser Schulsystem daher nicht für anhaltende Veränderung sorgen.

Aktuelle Gewalttaten, die durch patriarchale Strukturen entstanden sind

Kolumbus hat schon in seinem Tagebuch über den Verkauf von 9-10-jährigen Mädchen geschrieben. Nach ihm ist sogar ein Feiertag in den USA benannt. 500 Jahre später sind wir immer noch nicht genug geschockt, um was zu unternehmen?
All die Nachrichten, die jede Frau zum Brechen bringen, sind kein „Skandal“.
Das alles ist ein Muster und Muster durchbrechen sich nicht selbst. Du musst sie erst erkennen:

  • Alles im Zusammenhang mit den Epstein Files (keine Links an dieser Stelle)
  • https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642
  • Gisèle Pelicot: https://www.deutschlandfunkkultur.de/urteil-vergewaltigung-prozess-frankreich-gisele-pelicot-100.html
  • https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/telegram-ko-tropfen-vergewaltigung-netzwerk-100.html
  • https://www.zeit.de/news/2026-02/02/freundin-betaeubt-und-vergewaltigt-mordversuch-angeklagt
  • https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2025/frauen-betaeubt-und-gefilmt-das-netzwerk-der-vergewaltiger,vergewaltiger-netzwerk-100.html
  • und viel zu viele mehr.

Besondere Aufmerksamkeit darf auch der verharmlosenden Sprache gewidmet werden, in der die Medien über solche Fälle berichten.

„Minderjährige Frauen“ anstatt „Kinder“ oder „Beziehungsdrama“ anstatt „Femizid“ usw.

Online Business läuft nicht: 7 Ursachen warum dein Online Business nicht erfolgreich is

Online Business läuft nicht: 7 Ursachen warum dein Online Business nicht erfolgreich is

Du startest gerade dein Online Business, und trotz harter Arbeit kommt nach Monaten immer noch kein Umsatz rein? Dein Online Business läuft nicht, und der erhoffte Erfolg bleibt aus?

Wenn dir das bekannt vorkommt – oder du schon jetzt Sorge hast, dass es in Zukunft passieren könnte – dann hör genau hin: Es gibt klare Gründe, warum dein Online Business nicht läuft. Das Gute daran: Diese Hindernisse lassen sich gezielt aus dem Weg räumen!

Zu Beginn meiner eigenen Reise ins Online Business habe ich ebenfalls fast nichts verdient. Die Ursachen waren vielfältig – und viele davon sehe ich heute immer wieder bei meinen Kundinnen und Kunden als Online Marketing Strategist. Die häufigsten Gründe, die dich daran hindern, dein Online Business erfolgreich zu starten, sind folgende:

1. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du hast kein klares Angebot

Dein Online Business läuft nicht, weil du kein klares Angebot hast. Klingt banal, ist aber extrem häufig der Fall.

Gerade auf Instagram sehe ich das immer wieder: Accounts posten über alles Mögliche – ein bisschen Lifestyle hier, ein paar Tipps da, und zwischendurch mal was über das Business. Alles nett, alles unterhaltsam – nur ein richtiges Angebot? Fehlanzeige.

Okay, vielleicht gibt es ein Angebot. Aber es wird so wischiwaschi kommuniziert, dass niemand versteht, worum es geht. Drei Mal rumgeschwurbelt, am Ende: Fffftt Furzgeräusch – und deine ganze Arbeit verpufft.

>>> Mein Tipp: Dein Online Business mit Social Media starten? 10 gute Gründe das nicht zu tun & die Lösung <<<

Oft wissen neue Unternehmerinnen und Unternehmer einfach noch nicht, was sie eigentlich anbieten wollen oder können sich nicht für ein Thema entscheiden. Dabei ist genau das entscheidend, wenn du dein Online Business erfolgreich starten willst.

Frage dich also:

  • Wofür stehst du – und wofür nicht?
  • Warum machst du überhaupt das, was du tust?
  • Was macht dich einzigartig in dem ganzen Lärm da draußen?
  • Was treibt dich an?
  • Welche Fähigkeiten bringst du mit, die dein Online Business stark machen?
  • Wem willst du wirklich helfen?

Kannst du das spontan und selbstsicher beantworten? Nein? Kein Stress – das kann niemand mal eben so nebenbei.

Aber ohne diese Basis fehlt dir das stabile Fundament, auf dem dein Online Business wirklich stehen kann. Und ohne Fundament… na ja, wir wissen ja alle, wie das endet. 😉

2. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du traust dich nicht, dein Angebot zu bewerben

Dein Online Business läuft nicht, weil du dir lieber auf die Lippen beißt, als dein Angebot zu zeigen. Du hast ein Beratungsangebot oder ein digitales Produkt erschaffen, aber du traust dich nicht zu sagen, was du der Welt zu bieten hast? Dann geht es dir wie vielen anderen: Dein Online Business bleibt unsichtbar, weil niemand davon weiß – außer vielleicht deiner Mama und deiner besten Freundin. 😉

Der Grund dafür? Blockierende Gedanken, sogenannte Glaubenssätze. Das sind meist unbewusste Geschichten, die du dir selbst erzählst. Sie können dich antreiben – oder dich hemmen. Gerade am Anfang bremsen sie viele Unternehmerinnen, ihr Angebot sichtbar zu machen.

Die häufigsten blockierenden Gedanken, die ich immer wieder sehe, sind:

  • „Mein Angebot ist nicht gut genug. / Ich bin nicht gut genug.“
  • „Andere bieten genau dasselbe an und sind viel besser als ich.“
  • „Andere könnten mein Angebot schlecht bewerten.“
  • „Ich will niemanden nerven, ich hab es doch erst letzten Monat schon erwähnt.“ (Ja, das war ich 😅)
  • „Ich kann nicht verkaufen.“
  • „Verkaufen ist schleimig und unehrlich.“
  • „Freunde, Familie oder Bekannte könnten mich auslachen, wenn sie sehen, was ich hier versuche.“

Wann hast du das letzte Mal dein Angebot selbstbewusst hervorgehoben, ohne dich wie ein schmieriger Verkaufsmensch zu fühlen? Genau das ist der Schritt, den du gehen musst, wenn du dein Online Business erfolgreich starten willst.

Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Dein Angebot wird nicht gefunden

Dein Online Business läuft nicht, weil dich niemand findet.

Wenn du gerade dachtest: „Okay, das trifft bei mir aber nicht zu“, kann es trotzdem sein, dass niemand, der Interesse an deinem Angebot hätte, es auch zu Gesicht bekommt.

Mit anderen Worten: Du und dein Angebot seid online unsichtbar. In dem ganzen „Online-Lärm“ gehst du unter – denn die Menschen, die sich wirklich für dein Thema interessieren, klicken sich garantiert nicht bis Seite 56 der Google-Suchergebnisse durch oder checken jeden einzelnen deiner Instagram-Posts.

Es geht hier nicht nur um die Sprache, die du nutzt, sondern um deine tatsächliche Sichtbarkeit.

  • Auf welcher Seite tauchst du bei Google auf, wenn jemand nach deinen wichtigsten Keywords sucht?
  • Hast du einen eigenen Tribe – also Menschen, die sich wirklich für deine Themen interessieren – oder „mietest“ du ihn nur, oder weißt gar nicht, wo sich diese Menschen überhaupt aufhalten?

Die zentrale Frage lautet: Mit welcher Strategie bringst du dein Angebot genau vor die Augen deines Tribes? Denn nur wenn die richtigen Menschen dich finden, kann dein Online Business erfolgreich starten und wachsen.

4. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du richtest dein Angebot an die falschen Menschen.

Dein Online Business läuft nicht, weil du dir bisher keine Gedanken darüber gemacht hast, mit wem du online eigentlich sprechen willst. Trifft es zu, dann geht es dir wie ganz vielen neuen Unternehmern im Online Business, bei denen es nicht so läuft. Vielleicht melden sich bei dir auch Menschen, mit denen du gar nicht zusammen arbeiten magst oder die etwas ganz anderes erwarten, als du anbietest?

Essentiell für den Erfolg deines Online Business ist, dass du weißt, mit wem du es zu tun hast und wen du überhaupt erreichen willst (und auch wen nicht!). Und zwar nicht nur “Frauen zwischen 25 und 39 Jahren”, sondern z. B. auch, was diese Menschen sich sehnlichst wünschen, wo im Leben ihre Herausforderungen liegen oder auch, mit welchen Worten sie diese beschreiben.

>>> Auch interessant: Warum du mit Network Marketing kein Geld verdienst: 5 Fehler, die Neueinsteiger machen <<<

Das erfährst du natürlich alles, wenn du erstmal mit ihnen in Kontakt kommst. Also auf geht’s!

Es hilft dir, genau zu verstehen, wo dein potenziellen Kunden stehen und wie und wo du sie abholen kannst.

5. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du verkaufst dich unter Wert.

Dein Online Business läuft nicht, weil deine Preise zu niedrig sind. Been there, done that. Preisgestaltung kann hart sein.

Die meisten Menschen wünschen sich ja alles so günstig wie möglich, wenn nicht gleich komplett kostenlos. Und wir als Unternehmerinnen wollen mit unserem Online Business ja eigentlich nichts mehr, als anderen Menschen helfen.

Als Menschen mit Empathie für schwierige Lebenslagen und weil uns die Arbeit auf unserem Gebiet so leicht fällt (deshalb tun wir sie ja, weils Spaß macht!), ist ein niedriger Preis doch selbstverständlich. Wir wollen ja nicht zu denen zählen, denen man nachsagt, sie würden einem das Geld aus der Tasche ziehen. Oder? Na, ich weiß ja nicht…

Deine Preisgestaltung solltest du nicht alleine nach Gefühl machen. Niedrige Preise sind nicht schlechtes und ich bin immer dafür, dass du auch ein niedrigpreisiges Angebot hast. Doch dieses Angebot sollte nicht lange alleine stehen.

Schau mal bei Ursache 7 vorbei.

6. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du verlierst viel Zeit, weil dir Strategie & Struktur fehlt.

Du bist den ganzen Tag am Ackern, aber dein Online Business läuft nicht?

Du machst sogar ein Angebot nach dem anderen, aber niemand kauft oder bekommt dein Angebot zu Gesicht, weil du eigentlich schon das nächste kreierst? Schuldig! Es ist so leicht, in diese Falle zu tappen, in der du so viele Projekte im Kopf hast, die du alle umsetzen willst, aber irgendwie letztendlich zu nichts kommst und alles so halbfertig auf dem Tisch liegt.

Dein Online Business läuft nicht, weil du dich nicht auf eine wichtige Sache fokussierst und die Arbeit daran priorisierst.

Denn meistens machen wir die Arbeiten, die uns am meisten Spaß machen und nicht die, die uns wirklich voran bringen. Bei vielen ist das z. B. DMs bei Instagram beantworten oder das Erstellen von Grafiken mit Canva für Social Media. Da können wir uns schön kreativ ausleben und Stunden damit verbringen. Doch vorwärts bringt dich das nicht, wenn du noch in der Angebotsgestaltung steckst, dich positionieren müsstest oder an deiner Sichtbarkeit feilst.

Du willst das meiste aus deiner Zeit rausholen und endlich mit Plan loslegen? Immer wissen, was du an diesem Tag zu erledigen hast und dabei große Schritte auf deine Ziele zu machen? Und das alles, ohne am Ende des Tages total erschöpft vor Netflix zu versacken (außer du willst es)?

Auf geht’s, schau mal ins Fazit ganz unten!

7. Ursache, warum dein Online Business nicht läuft: Du sabotierst deine Arbeit durch blockierende Gedanken über dein Einkommen.

Dein Online Business läuft nicht, weil wir gerade zu Beginn zweifelnde Gedanken im Kopf haben können, mit denen wir uns selbst und unser Vorhaben unbewusst sabotieren.

Welche Glaubenssätze finden sich in deinem Money Mindset wieder?

Die bekanntesten negativen Glaubenssätze über Geld im Online Business:

  • „Ich darf kein Geld einem Online Business zu verdienen, weil das keine richtige Arbeit ist. Arbeit ist.(…).“
  • „Ich bin nicht in der Lage, so Geld zu verdienen.“
  • „Ich habe nicht genug zu bieten, für das Menschen Geld bezahlen.“
  • „Ich finde meine Arbeit nicht wertvoll, weil es mir ja eh so leicht fällt.“

Zweifelst du an dir selbst oder an deiner Arbeit, kann es dazu kommen, dass du deine Arbeit und damit dein Einkommen unbewusst sabotierst. Glaubst du zum Beispiel nicht wirklich daran, dass man online Geld verdienen kann, bewirbst du dein Angebot vielleicht nur wenig bis gar nicht, verkaufst dich unter Wert und fühlst dich dann in deinem Glaubenssatz bestätigt, dass man einfach online kein Geld verdienen könne.

Möglicherweise empfindest du deine Arbeit als nicht so wertvoll, weil sie dir so leicht von der Hand geht. Du glaubst dann, dass das jeder andere auch leicht kann, ohne dass du weißt, dass andere (fast) alles dafür geben würden, um genau das zu können oder zu haben.

Aber auch allgemeine Gedanken über Geld wie “Ich brauche nicht viel Geld” oder “Ich habe (nicht genug) kein Geld.” haben Einfluss auf dein Einkommen.

Achte auf dein Money Mindset, also deine Einstellung zu Geld. Erlaubst du dir, Geld zu verdienen auf diese Weise? Vielleicht hast du in dir selbst noch eingespeichert, dass

  • irgendwas verkaufen oder bewerben (und wenn es nur die eigene Dienstleistung ist, was übrigens jeder Angestellte im Bewerbungsgespräch macht), irgendwie dreckig oder unehrlich wäre oder
  • Geld selbst dreckig oder böse ist oder
  • du eben “nicht viel Geld hast” und…

…bringst dich so immer wieder in Situationen, die dafür sorgen, dass diese Glaubenssätze sich in der Realität bewahrheiten.

Was es auch ist, dein Money Mindset hat großen Einfluss auf dein Einkommen!

Fazit: Dein Online Business läuft nicht – und so änderst du das

Wie du siehst, gibt es viele Gründe, warum dein Online Business nicht erfolgreich ist. Manche hängen mit deinem Mindset zusammen, die meisten jedoch mit deiner Business-Basis – also dem Fundament, das du brauchst, um genau zu wissen, wohin es mit wem und wie gehen soll.

Solange du dich nicht bewusst um diese Themen kümmerst, wird sich an deinem Online Business wenig ändern. Klar, kurzfristige Erfolge sind möglich – aber langfristig? Dann bibberst du Monat für Monat, ob überhaupt etwas reinkommt.

Dein Online Business läuft nicht und du willst das ändern? Dann lade dir hier meine Online Business Roadmap herunter. Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung weißt du immer genau:

  • Wo du aktuell in deinem Online Business stehst
  • Ob du einen wichtigen Punkt übersehen hast
  • Was als Nächstes ansteht

Außerdem erfährst du über die Vagabundenpost von Webinarterminen und Aktionen rund um den Aufbau deines Online Business – damit du sichtbar wirst, Kunden gewinnst und langfristig erfolgreich startest.

Auswandern & Freilernen in Dänemark: 10+ wichtige Punkte, die du vor deiner Auswanderung wissen solltest

Auswandern & Freilernen in Dänemark: 10+ wichtige Punkte, die du vor deiner Auswanderung wissen solltest

Eine wohltuend kühle Brise weht dir leicht salzige Meeresluft ins Gesicht, während du dich mit deinen Kindern auf die Fahrräder schwingst und euch von eurem kleinen Reetdachhäuschen in der Natur mit dem tollen Garten auf den Weg zum nahegelegenen Strand macht. Kannst du die Luft schon riechen oder sogar auf deinen Lippen schmecken? Dänemarkliebhaber wissen sicher ganz genau, wovon ich spreche.

Doch hier möchte ich aufräumen mit der Dänemark-Romantik, die so gerne auf Social Media geteilt wird. Ganz besonders unter Freilernern.
Wenn du also nicht wirklich wissen willst, wie das Leben in Dänemark so sein kann, dann klick dich lieber weiter zu einem anderen Artikel.

Anmerkung: Es geht hier keinesfalls darum, Dänemark in ein schlechtes Licht zu rücken, denn für viele Familien ist das Auswandern nach Dänemark der Weg in ein neues Leben und um ihre Kinder ohne Schulpflicht aufwachsen zu sehen. Doch nicht nur passende Schulgesetze machen, dass ein Land lebenswert ist, sondern in erster Linie all das drumherum, wie die Struktur und Organisation, die den Alltag in einem anderen Land bestimmen.

Doch danach fragt meist keiner und der Schock lässt meist nicht lange auf sich warten.

Inhaltsverzeichnis

Anmeldung & Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark

Ich starte erstmal mit allgemeinen Infos zu Anmeldung, Digitalisierung, Banken und Gesundheitssystem, bevor du am Ende auch noch übers Freilernen in Dänemark liest.

Um als Deutsche in Dänemark ganz regulär wohnen zu dürfen, bedarf es einer Aufenthaltsgenehmigung (SIRI). Das ist ganz normal und auch in jedem anderen EU-Staat trotz Freizügigkeit so. Was jedoch in Dänemark ein wenig anders ist, sind die Kosten, die du hier dafür einplanen musst.

Rechne damit, dass du entweder ein regelmäßiges Einkommen nachweisen musst (Gehalt aus dem Ausland, Rente, Familienmitglied, das dich finanziell trägt etc.), das mindestens dem Betrag der Sozialhilfe entspricht (Stand 2024 war ein Bruttoeinkommen von 3500€ für 1 Erwachsenen mit 2 Kindern ausreichend) oder einen bestimmten Betrag an flüssigem Kapital auf deinem Konto.
Bei einer 4-köpfigen Familien können das locker 40.000 Euro sein, die du auch noch im Falle einer späteren Stichprobe nachweisen können solltest. Dieser Status des Aufenthalts nennt sich hier Selbstversorger. Natürlich kannst du auch einen Job in Dänemark annehmen, dann gelten wieder andere Gesetze.

Mehr Infos zu SIRI, Terminfindung und alle nötigen Formulare auf nyidanmark.dk.

Nun erst geht es zum Borgerservice zur eigentlichen Anmeldung, wo du deine CPR-Nummer erhältst. Ohne CPR-Nummer geht in Dänemark nicht viel.

Übrigens: Die Aufenthaltsbestätigung kannst du bei Hauskauf bis zu 30 Tage vor dem Einzug machen. Mietest du, dann erst am Tag des Einzugs.

Steuern & Skat in Dänemark

Wie du sicher weißt, ist Dänemark nicht gerade bekannt, für seine geringen Steuersätze.

Es gibt viele Arten von Steuern und davon sind viele sicher nicht gering, aber die häufigste Sorge ist, wieviel dann noch vom Gehalt übrig bleibt, wenn man angeblich 42-52% Steuern auf sein Einkommen zahlt.

Tatsächlich kann ich dich dahingehend aber hoffentlich ein wenig beruhigen. Auch in Dänemark wird der Steuersatz auf die Höhe deines Einkommens angerechnet. Verdienst du nicht viel oder mittelmäßig gut, geht dein Steuersatz nicht über die 35-40% hinaus.

In diesem Rechner kannst du dein Gehalt in Kronen eintippen und bekommst eine ungefähre Angabe darüber, wie hoch Skat (das Finanzamt) deinen Steuersatz damit wohl ansetzen wird.

Jetzt magst du sagen „Aber 35% Steuern sind immer noch viel mehr als in Deutschland!!!“ und damit hast du wieder einmal Recht, jedoch sind in den dänischen Steuern schon die Sozialabgaben enthalten, die du in Deutschland mit jeder Gehaltsabrechnung extra an deine Krankenkasse zahlst. In Deutschland sind das 14-15% deines Einkommens. Rechnest du die auf deinen deutschen Steuersatz oben drauf, wirst du in einem ähnlichen Prozentbereich landen, wie der oben verlinkte Rechner.

Viele Auswandererfamilien kommen in erster Linie zum Freilernen nach Dänemark, gearbeitet und Steuern gezahlt wird oft weiter in Deutschland.
Doch Dänemark liebt einfach Steuern. Deswegen gibt es für alles noch eine Steuer oben drauf (wie in vielen anderen Staaten auch!), aber ganz besonders sticht die Vermögenssteuer hervor, die dich in der jährlichen Steuererklärung einholt. Hier sollst du angeben, wo du im Ausland Immobilien besitzt, denn diese werden von Dänemark nochmal mit 1% des Marktpreises besteuert. Ganz egal, ob du schon Steuern für dein Haus in Deutschland bezahlt hast, Dänemark kriegt auch noch was.

Überleg dir daher gut, ob du dein Haus in Deutschland wirklich behalten willst, denn ein 300.000€-Haus kostet dich so schnell 3.000€ Steuern jährlich in Dänemark.
Auch wenn du nur zum Freilernen in Dänemark bist.

Mein subjektives Fazit: Sicherlich gibt es noch viel mehr zu Steuern zu sagen (schreib es gerne in die Kommentare!). Man muss nicht jede Steuer gutheißen und gar verstehen, doch grundsätzlich ist dadurch auch nicht alles gleich teurer.

Übrigens: Zahlst du mal eine Steuer nicht rechtzeitig, kann es sehr schnell zu hohen Strafzahlungen kommen.

Digitalisierung in Dänemark

Sicherlich hast du schon davon gehört, dass in Dänemark alles digital ist. Und für bestimmte Gebiete stimmt das auch.

Es wird kaum noch mit Bargeld bezahlt, vieles einfach über MobilePay, eine App ähnlich Paypal. Möchtest du dich in Bargeld bezahlen lassen, schwingt sofort der unausgesprochene Vorwurf mit, dass du Steuern hinterziehen willst. Sei dir dessen auf jeden Fall bewusst, auch wenn du es trotzdem so handhaben möchtest.

Um all deine Daten beisammen zu haben und überall leichten, digitalen Zugang zu erhalten, z. B. bei Banken, Versicherungen, Versorgungsunternehmen, aber auch zu deinem offiziellen, digitalen Postfach gibt es Mit-ID, deine digitale Signatur.

Wer wirklich hinter MIT-ID steckt, ist mir nicht bekannt. Es kursiert die Annahme, dass es sich um eine amerikanische Firma handelt, wobei Mit-ID selbst diese anders lautende Auskunft gibt: „The MitID partnership consists of the Agency for Digitisation, representing the state, the Danish regions, and municipalities, and the country’s financial institutions, represented by their industry organization, Finance Denmark. It is the MitID partnership that is the sole owner of MitID.“
Auf Nachfrage beim Borgerservice wurde auch bestätigt, dass es auch schon Sicherheitslecks gab.

Achtung: Du bist nicht gezwungen, Mit-ID zu nutzen! Allerdings wird dir der Alltag dann stark erschwert und vor allem teurer gemacht. Viele Angebote kannst du nicht wahrnehmen und zahlst bei vielen Unternehmen extra für den Postversand deiner Rechnung (z.B. ab dem 2. Brief 60kr/8€ für einen simplen Postversand einer Heizrechnung über das kommunale Versorgungsunternehmen, das auch noch zu spät kommt, weil die dänische Post für einen Brief um die Ecke gerne mal drei Wochen benötigt, kein Witz!).

Wie oben schon erwähnt, erhältst du auch deine Post digital, z. B. über Digital Post oder e-boks, wo du kommunale Post empfängst, aber auch von Unternehmen und Versorgungsunternehmen (die deine Zähler digital ablesen). Schaust du da mal nicht rechtzeitig rein und übersiehst eine Rechnung, kann das schnell teuer werden, denn für verspätete Zahlungen werden häufig vergleichsweise hohe Mahngebühren fällig. Ob das EU-rechtlich so einwandfrei ist, sei mal dahingestellt. Aus diesem Grund lassen die meisten Dänen ihre Zahlungen direkt über den Betalingsservice automatisch abbuchen und kriegen so auch kaum noch mit, was sie zahlen.

Mein subjektives Fazit: Durch die Digitalisierung entsteht der Eindruck, dass einfach alles kontrolliert wird. Alles hat seinen Weg, wie es gegangen werden soll, es gibt kaum ein Abweichen. Zeitgleich schwingt ein mir willkommenes „Du bist selbst verantwortlich!“ mit, was aber durch die Starrheit des Systems eher zu Verwirrung führt.

Ich möchte es daher eher so ausdrücken: „Du bist selbst verantwortlich dafür, dass du alles genau so machst, wie es vorgesehen ist.“

Hauskauf in DK

Zum Hauskauf gibt so viel zu sagen, was hier nun aber den Rahmen sprengen würde. Ich für meinen Teil bin sehr froh, in Dänemark nicht gekauft zu haben. Ich war jedoch trotzdem monatelang auf Haussuche und habe dabei durchaus einige Erfahrungen gemacht.

Zuallererst gilt einmal: Ja, du kannst in Dänemark günstige Häuser kaufen. Es kommt natürlich sehr auf die Gegend an, aber in grenznahen und damit häufig bei vielen Dänen unbeliebten Gebieten, sind die Hauspreise im Vergleich recht niedrig. Doch lass dich davon nicht gleich zum Träumen einladen, denn hinter jedem Billighaus, steckt mindestens eine komplett vergammelte Wand (Dänemark hat ein echtes Problem mit Feuchtigkeit!), ein gebrochenes Fundament oder angefressenes Dach. Meistens alles gemeinsam. Das kann in anderen Gegenden mit günstigen Häusern aber wieder anders sein.

Ich habe während meiner Suche 2024 kein einziges, günstiges Haus gefunden, das nicht mindestens eine neue Heizungsanlage brauchte, eine neue Elektrik, ein neues Dach oder einen Grundwasserpegel zum Plantschen hatte, der das Fundament schon geschädigt hat. Auch teurere Häuser kommen kaum ohne einen dieser Mängel aus. Rechne den günstigen Kaufpreis hier gleich doppelt, damit du die Sanierungen und Renovierungen auch stemmen kannst.

Der Grund ist einfach: Im Schnitt ziehen viele Dänen alle 7 Jahre um und kaufen und verkaufen Häuser, so wie wir in Deutschland mieten. Sie kaufen ein Haus, zahlen die Zinsen an die Bank wie eine Miete und verkaufen wieder. Es wird oft nur wenig in dieser Zeit instand gesetzt und einfach gehofft, dass durch die steigenden Immobilienpreise (die je nach Gegend gar nicht mehr steigen) der Verkaufspreis auch ohne Instandhaltung mindestens wieder dem Preis entspricht, zu dem man selbst gekauft hat.
Das ging lange gut, doch mittlerweile werden dadurch nur die Häuser teurer und der Zustand schlechter. Auf diese Weise ist der Standard auch trotz der oft makellosen Bilder der Makler im Exposé eher gering.

Zusätzlich wurden in den 1970er und 80er Jahre viele schöne Altbauten (die keinen Feuchtigkeitsschutz von unten haben) kaputt saniert durch z. B. billige, unpassende Materialien zum Dämmen. So zog nun jahrzehntelang die Feuchtigkeit von unten in die Wände und ins erste und veraltete Beton-Fundament (Natursteinfundamente leiden allerdings auch) und kommt nicht mehr raus. Das Ergebnis wird gerne durch Holzvertäfelungen versucht zu kaschieren.

Zugute halten muss ich an dieser Stelle aber die meist vorhandenen Zustandsberichte, die man zu den Häusern schon vor der Besichtigung online durchsehen kann. Hier werden sämtliche Mängel angezeigt, doch sollte man sich dabei nicht täuschen lassen. Für mich dienten diese Berichte als Indiz dafür, wo ich genauer hinschauen muss.

Ob Risse in Wänden, feuchte Stellen in der Decke oder der Holzbock im Dachgeschoss: Diese Infos dienen gar nicht wirklich dir als möglichen Käufer, sondern stellen die Mängel heraus, die eine Versicherung, die du beim Kauf abschließen kannst (nicht musst!), nicht abdecken wird. Diese Versicherung soll Käufer und Verkäufer für eine Zeitspanne nach dem Kauf gegen unentdeckte Schäden versichern. Sie erstellt also ein Gutachten und sagt: Das alles kann ich sehen und ich werde für diese Schäden und weitere Schäden, die damit im Zusammenhang stehen, nicht aufkommen.

Zum Einen ist das gut und schön, denn der Versicherung ist natürlich daran gelegen, alles zu finden, um möglichst nichts zahlen zu müssen im Nachhinein (Erfahrungsberichte anderer sagen, dass die Versicherung dann trotzdem nicht zahlen will. Insbesondere bei alten Häusern kann sie sich wohl einfach herausreden, weil das Alter eines Schadens nur selten nachweisbar ist).

Zum Anderen hast du hier keine vollständige Mängelliste und die aufgeführten Mängel können lediglich Hinweise für viel schwerwiegendere Mängel sein. Tatsächlich hatten wir diesen Fall selbst und haben durch komplett andere Unterlagen entdeckt, was uns vom Eigentümer und Makler verschwiegen wurde und konnten gerade noch vom Kauf zurücktreten (das geht erfreulicherweise noch bis zu 6 Tage nach dem Kauf).

Denn bedenke: Der Makler wird in Dänemark vom Verkäufer bezahlt und nicht von dir, weshalb er auch nicht in deinem Sinne handelt, sondern im Sinne des Verkäufers. Möchtest du so sicher gehen wie möglich, dann gibt es eine Kaufberatung, in der ein Makler, den du bezahlst (circa 2000 €) oder ein Anwalt (2500-3500 €) all die Unterlagen prüft. Diese sind jedoch kein Bauexperten, sondern sie kümmern sich vornehmlich um den Papierkram und ersparen dir einen Haufen Arbeit und Wissen, das du selbst haben musst.

Bedenke auch, dass es vorkommen kann (je nach Anbieter), dass du Hausversicherung, Versorgung wie Heizung, Strom, Müll, Wasser im ersten Jahr für 12 Monate im Voraus leisten musst. Da kommt schnell ein großes Sümmchen zusammen.

Heißer Tipp:
Bevor du aber zuschlägst, solltest du das Haus und seine Umgebung noch auf dingeo.dk überprüfen.
Hier kannst du z. B. sehen, wie hoch der Grundwasserpegel ist, bis wo das Wasser kommt bei Sturmflut oder wenn der Meeresspiegel um bis zu 7m steigt, aus welchem Material das Dach ist, ob es einen Keller gab/gibt (wichtig wegen Grundwasser), mit was geheizt wird, welche Energiemarke das Haus hat, ob es Bodenverunreinigungen gibt, ob dein Garten im Winter zum Matschloch wird, was deine Nachbarn wählen usw. Du wirst massig Infos bekommen, die es sich sehr lohnt vorab anzusehen!

Zwangsversteigerung?!

In Dänemark darf als Nicht-Däne nur ein Haus privat besitzen, wer hier wohnt (bzw. mindestens schon 5 Jahre gewohnt hat und weitere Ausnahmen, die meistens nicht auf dich zutreffen werden). Das bedeutet zum Einen, dass der Kauf selbst einfacher über Anwalt oder Kaufberatung ist, weil sie dir Unterlagen beschaffen, wie z. B. eine vorläufige CPR-Nummer (die du sonst erst bei Anmeldung erhältst, dich aber ohne Haus noch nicht anmelden kannst). Das geht auch alles ohne Anwalt, viele Zuzügler sind aber glücklich darüber, dass sie wenigstens das abgeben dürfen gerade zu Beginn der Auswanderung, wo so viel geklärt werden muss.
Alles lösbar. Aaaber…

Zum Anderen bedeutet es aber auch, dass du dein Haus nicht behalten darfst, wenn du dich in den ersten 5 Jahren nach Umzug nach Dänemark, entscheidest, zu gehen und dich wieder abmeldest! Du hast dann 6 Monate Zeit, um dein Haus zu verkaufen, bevor es zwangsversteigert wird.
Vielleicht entscheidest du dich gar nicht selbst zu gehen, sondern bekommst einfach keine Aufenthaltsgenehmigung, weil du ausreichende Finanzen nicht nachweisen kannst. (Du kaufst erst das Haus, bevor du zu SIRI, dem Amt für deine Aufenthaltsgenehmigung, gehst und dich anmelden kannst.)

Dazu musst du wissen, das es je nach Gegend üblich sein kann, dass Häuser mehrere Jahre(!) auf dem Markt sind, bevor sich ein Käufer findet. Online z.b. bei boligsiden.dk kannst du einsehen, wie lange dein Wunschhaus schon auf dem Markt ist, zu welchen Preisen es in der Vergangenheit verkauft wurde, ob der Preis gesunken oder gestiegen ist etc. Gerade günstige, sanierungsbedürftige Häuser stehen lange zum Verkauf und werden nicht mal eben so wieder weiterverkauft.

Kannst du den finanziellen Verlust im Falle einer Zwangsversteigerung verkraften?

Mieten in Dänemark

Vielleicht überrascht es dich, zu erfahren, dass du in Dänemark gut mieten kannst!

In Auswandererforen wird meist nur vom Hauskauf berichtet, daher ist es vielen Zuwanderwilligen kaum bewusst, dass es auch viele Mietgelegenheiten gibt. Neben den meist sehr teuren privaten Mietangeboten gibt es (auch kommunale) Wohnungsbaugesellschaften, die günstigen Wohnraum, sogar meist mit kleinem Garten, zur Verfügung stellen.

Ganz anders als in Deutschland benötigst du hier keinen Lobgesang deines Vorvermieters, keine Schufa-Auskunft oder Nachweise über dein Einkommen. Ich habe in meinem Leben noch nie so problemfrei und leicht gemietet, wie bei einer dänischen Wohnungsbaugesellschaft. Nicht mal meine Personalausweisnummer wurde benötigt, denn die Vermietung weiß, dass ich die angeben muss, wenn ich mich in Dänemark anmelde und mit meiner CPR-Nummer haben sie alles, was sie brauchen.

Übrigens konnte ich den Vertrag unterschreiben und einziehen, bevor ich überhaupt einen Termin bei Siri oder dem Borgerservice hatte, also auch noch gar keine CPR-Nummer vorzuweisen hatte. Dieses Vertrauen ist meiner Erfahrung nach in Deutschland undenkbar.

Autokauf in Dänemark

Wenn du dir überlegt hast, dass du dein deutsches Auto einfach in Dänemark einführst, dann überleg dir das ganze nochmal ganz genau.

Dänemark erhebt für jedes neu in Dänemark zugelassene Fahrzeug eine Steuer, die je nach Wert des Fahrzeugs locker mal den deutschen Marktpreis deines Fahrzeugs übersteigen kann. Das betrifft nicht nur importierte Fahrzeuge, sondern auch Neuwagen. Kaufst du in Dänemark einen Neuwagen, ist der Kaufpreis allerdings um einiges niedriger angesetzt, weil noch Geld übrig bleiben muss für die Zulassung. Du verstehst jetzt aber, warum Dänen oft gebrauchte, alte Fahrzeuge fahren.

Hast du in Dänemark ein Auto auf dich angemeldet, zahlst du halbjährlich deine Steuer, die wiederum gemessen wird an der Größe, dem Gewicht, dem Kraftstoff etc. deines Fahrzeugs. Diese Steuer ist im Vergleich zu Deutschland ebenfalls hoch angesetzt. Für meinen 15 Jahre alten Peugeot zahle ich pro Monat circa 45€. Oben drauf kommt noch die Versicherung mit 55 €.

Für ein Wohnmobil kannst du schnell 4000 € (nicht Kronen!) pro Jahr zahlen. Übrigens der Grund, wieso du so selten dänische Wohnmobile siehst.

Damit du aber nicht ein Auto in Dänemark kaufst und dann immens hohe Rechnungen ins Haus flattern, kannst du jedes Fahrzeug vorher online prüfen.

Heißer Tipp:
Auf Tjekbil.dk gibst du das aktuelle Kennzeichen ein oder die Fahrgestellnummer, die du meist auf der Fahrerseite des Armaturenbretts nahe der Windschutzscheibe findest. Du findest dort Informationen zu speziell diesem Fahrzeug, mögliche Kosten der Versicherung (die aber ein wenig von dir abhängen), aber vor allem die Höhe der halbjährlichen Steuer.
Zusätzlich kannst du dort auch die aktuellen und ehemaligen Berichte der Hauptuntersuchung (auch alle 2 Jahre bei Fahrzeugen unter 30 Jahren) einsehen, um Indizien dafür zu bekommen, wo du hinschauen musst.

Auf diese TÜV-Berichte darfst du aber nicht allein vertrauen. Auch in Dänemark will dir nicht jeder Mensch was gutes und so kann es kommen, dass sich gegenseitig gedeckt wird, wenn Fehler gemacht werden. Ich spiele hier auf einen speziellen Fall aus meinem nahen Umfeld an, in dem eine Familie auf in Gefahr gebracht wurde und sich die verantwortlichen, kommunalen Stellen jeglicher Verantwortung entziehen. Kennen wir natürlich auch aus anderen Ländern, doch lass dich nicht glauben machen, dass in Dänemark jetzt alles anders ist.

Hast du ein Auto gekauft, kannst du es noch am Tag des Kaufs digital auf dich zulassen.

Mein subjektives Fazit: Das Thema Auto ist sehr speziell. Der Gebrauchtwagenmarkt ist aufgrund der Zulassungssteuer und Größe des Landes relativ klein. Gebrauchte Fahrzeuge kosten oftmals viel mehr als vergleichbare Fahrzeuge auf dem deutschen Automarkt. Viele Menschen fahren daher Kleinwägen, die nicht selten weit über 300.000 km runter haben, teilweise in einem sehr fragwürdigen Allgemeinzustand sind und zahlen im Vergleich zu Deutschland trotzdem noch einiges mehr an Steuern und Versicherung dafür.

Versicherungen, Versorgungsunternehmen & Banken in Dänemark

Banken

Dienstleistungen von Banken sind in Dänemark wesentlich teurer als in Deutschland. Hier bekommst du nur selten die selben Konditionen wie in Deutschland, wenn du einer Bank dein Geld anvertraust.

Kostenlose Privatkonten zeichnen sich meist dadurch aus, dass auf Lastschriften von deinem Konto und auch Überweisungen Gebühren berechnet werden, so dass es sich häufig kaum lohnt, die kostenlose Kontovariante zu behalten. Ganz anders als die vielen kostenlosen Konten, die dir in Deutschland hinterher geworfen werden.
Ein Konto lässt sich auch nicht bei jeder Bank an einem einzigen Tag eröffnen. Viele Zuzügler wählen als erstes das kostenlose Konto der Lunar Bank, warten aber häufig viele Tage bis Wochen darauf, dass sie es nutzen können (10 – 40 Tage sind keine Seltenheit). Manche warten noch immer.

Das Nem-Konto: Sobald du angemeldet bist, möchte der Dänische Staat, dass du ein sog. „Nem-Konto“ zuweist. Dies soll offiziell das Konto sein, auf das der Staat dir zu viel gezahlte Steuer oder dänisches Kindergeld zurückzahlt, es ist kein extra Konto. Angeblich kann der Staat nicht auf sich darauf befindliche Gelder zugreifen. Dieses Konto kann dein ganz normales Privatkonto sein in Dänemark (aber auch ein Konto im Ausland, dafür musst du aber ein bisschen was tun, damit das geht) und kann mit einem Klick zugewiesen werden.

Geschäftskonten gibt es so gut wie nie kostenlos (häufig mehrere tausend Kronen, außer bei Lunar wie ich höre). Auch wenn du z. B. als Einzelunternehmer vom Staat nicht gezwungen wirst, ein Geschäftskonto zu haben, verbieten es die Banken ein Privatkonto als Einzelnehmer geschäftlich zu nutzen, was angeblich mit einem EU Geldwäsche Gesetz zusammenhänge. Diese Problematik ist mir so nicht aus anderen EU-Ländern bekannt ist. Worum es also eigentlich geht, empfinde ich noch als intransparent.

Als Einzelunternehmer brauchst du ebenfalls ein Nem-Konto, um möglicher Steuerrückzahlungen empfangen zu können. Aufgrund der hohen Kosten dänischer Geschäftskonten, kann es sich hier lohnen, ein kostenloses, ausländisches Geschäftskonto zu nutzen (vor allem, wenn du sowieso in Euro bezahlt wirst und Kunden außerhalb von Dänemark hast). Der möglichen Papieraufwand kann sich in dem Fall dann schon lohnen.

Heißer Tipp:
Wenn du in Dänemark ein Unternehmen gründen möchtest, kann ich dir nur empfehlen, Katharina Menkes Dienste anzunehmen! Sie coacht dich bei all den Themen, die du zum Haareraufen findest, wie Unternehmensgründung in Dänemark, Buchhaltung in Dänemark u.s.w.

Versicherungen

Versicherungen sind laut meiner bisherigen Erfahrung eine Sache für sich. Du schließt selten eine Versicherung ab und zahlst jeden Monat den selben Betrag. Es wird im Gegenteil fröhlich von deinem Konto abgebucht mit immer wechselnden Beträgen und Gebühren, so dass es schwer ist, dort noch durchzublicken. Aus Verbrauchersicht ist dieses Vorgehen hier wenig transparent oder gar selbsterklärend.
Erzählen wir Einheimischen davon, sind diese gerne stark verwundert und erklären, dass sie sowas gar nicht überprüfen, es wird ja alles automatisch abgebucht und wird schon alles seine Richtigkeit haben.
Das Vertrauen in den Staat und in das gesamte System mitsamt den Firmen ist enorm groß.

Versorgungsunternehmen

Ähnlich wenig transparent sind der Umgang mit Strom, Wasser, Heizung durch die Versorgungsunternehmen. Obwohl es meistens möglich ist, den tagesaktuellen Verbrauch per App einzusehen, kann es gut sein, dass der Verbrauch selbst auf unerklärliche Weise plötzlich aufs doppelte ansteigt und deine Rechnungen daher doppelt so hoch ausfallen.

Wir erleben es grad selbst, dass dieser Anstieg all unseren deutschen Nachbarn aufgefallen ist, jedoch nicht unseren dänischen Nachbarn. Darauf angesprochen bekommen wir auch hier zu hören: „Ich weiß nicht, wie hoch meine Stromrechnung ist, das wird einfach bei mir abgebucht.“. In diversen Gruppen im Internet werden diese Themen diskutiert und nicht selten werden z. B. Fehler in Abrechnungen entdeckt, die unsere dänischen Nachbarn vertrauensvoll nicht bemerken. Sicherlich gibt es auch hier Ausnahmen.

Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären:

Menschen und der dänische Staat

Nein, das hier soll kein Dänemark-Bashing sein. Hier geht es nicht darum, eine Gruppe Menschen zu diffamieren, sondern darum, die möglichen kulturellen Unterschiede insbesondere zu Deutschland herauszustellen, so dass du einen verständnisvolleren Blick auf deine neuen Nachbarn erhältst und eher einschätzen kannst, ob Dänemark etwas für dich ist.

Dänemark ist nicht Klein-Deutschland, auch wenn sich hier manch Deutsche so aufführen.

Es gibt in Dänemark andere Traditionen, andere Lebensweisen – kurz eine andere Kultur als die gewohnte. Dieser Unterschied ist weder besser, noch schlechter, sondern schlichtweg anders – und natürlich subjektiv.

Als Deutsche können wir oft nicht nachvollziehen, was die Dänen mit ihrer Flagge Dannebrog nur haben. Überall weht es rot-weiß und tatsächlich ist das Hissen von Flaggen anderer Nationen noch bzw. wieder verboten in Dänemark. Zu Feierlichkeiten wie zum Geburtstag wird der Tisch und das Essen über und über mit Flaggen geschmückt, auch ein Juletræ (der Tannenbaum) kommt nicht ohne aus. Kann man machen. Muss man aber nicht. Mehr zum Dannebrog: Dänemark verbietet ausländische Flaggen

Die Menschen ticken hier also anders, was zu erwarten ist, wenn man in ein anderes Land zieht. 😉

Das Vertrauen, auf das ich oben schon anspielte, das viele Dänen in ihren Staat haben, zeigt sich auch in der Statistik, in der Dänen die zweitglücklichsten Menschen der Welt sind, nach Finnland und vor Island und Schweden (Diagram). Dieses Glück soll daher stammen, dass die meisten Dänen sich von ihrem Staat gut umsorgt fühlen, denn es ist für sie „an alles“ gedacht. Das meiste ist einfach und unkompliziert per Mausklick zu bewerkstelligen und es gibt nur wenig, woran man selbst denken muss.

Die meisten Dänen zahlen gerne Steuern, weil sie das Gefühl haben, dass sie etwas dafür bekommen. Nicht nur wenig selbst nachdenken müssen, sondern auch günstige Versorgung im Alter, viel Gemeinschaft durch Vereine und Angebote und kommunale Hilfeleistungen zu vielen Themen lassen viele Dänen entspannt schlafen.

Mein subjektives Fazit: Ich finde es auf der einen Seite irgendwie bewundernswert, wie eine Nation vertrauensvoll ihrem Staat folgt. Sowas kennen wir aus bekannten Gründen in Deutschland, aber auch aus vielen anderen Länden nicht. Gleichzeitig empfinde ich es so, dass wenig persönliche Freiheit möglich und erwünscht ist, aus Sorge darum, dass es der Gemeinschaft schade. Ein Aus-der-Reihe-tanzen kann konsequent durch staatliche und nachbarschaftliche Strukturen missbilligt werden. Ich beziehe mich auch hier nur auf meine persönlichen Erfahrungen und die anderer im süddänischen Raum.

Das dänische Gesundheitssystem

Gesundheit fängt für mich direkt im Mund an.

Obwohl es laut Reiseberichten wirklich tolle dänische Spezialitäten geben sollen, sind mir diese bisher nur selten über den Weg gelaufen und wenn, dann war es ein eher mittelmäßiges Erlebnis (Sorry 🤷🏼‍♀️).

In Süddänemark, wo ich meine Erfahrungen hauptsächlich mache, ist mir ein befremdlicher Umgang mit Essen und ein eher ungesundes Essverhalten aufgefallen (das man aber auch in vielen anderen Ländern beobachten kann). Eine Packung Chips kann schon mal eine Mahlzeit sein. Softdrinks und Schokoriegel sind Standard für viele Kinder und viel brauchbares Essen wird in die Tonne entsorgt, wenn es übrig bleibt. Die Supermärkte zeichnen sich nur selten durch ein reichliches Obst- und Gemüseangebot aus, Fertigprodukte sind absolute Vorreiter, Produktauswahl gibt es kaum. Die Diabetes-Rate ist laut eines Nachbarn, dessen Tochter bereits mit 11 Jahren mit Diabetes (TypII) diagnostiziert wurde, permanent am Steigen. Laut seinem Hausarzt „unerklärlicherweise.“

Womit ich auch schon die Kurve zum dänischen Gesundheitssystem geschafft hätte:

Wie oben bei der Steuer schon erwähnt, werden die Kosten des Gesundheitssystems von den Steuergeldern getragen. Das bedeutet auch, dass es viele Ärzte und Kliniken gibt, die der Kommune (und damit dem Staat) unterstehen. Das mag diverse Vorteile haben und die zwei Krankenhäuser, die ich als Besuch von innen zu sehen bekam, wirkten ruhig, sauber und strukturiert.

Eine ganz so freie Arztwahl, wie wir sie in Deutschland kennen, ist damit aber selten möglich. Mit der CPR-Nummer wird ein Hausarzt zugeteilt, der höchstens einmal pro Jahr gewechselt werden kann. (Außer du gehst zu einem Privatarzt, den du aus der eigenen Tasche zahlst. Das geht jederzeit.) Alternative Heilmethoden finden so keinen Weg in die Arztpraxen.

Mein persönliches Erlebnis mit dänischen Zahnärzten war, dass ein selber informieren in Bezug auf Behandlungsarten nicht erwünscht ist und selbst auf die Frage meiner damals 10-jährigen Tochter, wie lange die Behandlung in etwa dauere, bekam sie ein „Das hat dich nicht zu interessieren, für dich ist nur wichtig, dass es nicht weh tut.“ von oben zurück. Ob diese Einstellung, besser zu wissen, was ein anderer Mensch braucht unter dänischen Ärzten Standard ist, kann ich nicht sagen.

Aus Berichten anderer Zuzügler wird diese „kostenlose“ Versorgung auch als Druckmittel genutzt. Nimmst du mit deinem Kind nicht an den halbjährlichen, zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teil, fällst du aus der kostenlosen zahnärztlichen Behandlung raus (die nur für Kinder bis 18 gilt, nicht aber für Erwachsene, d.h. als Erwachsener gehst du immer zum privaten Zahnarzt!). Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass ich eine Nachricht der Zahnarztpraxis bekam, die mir schrieb, dass ich mich einfach wieder melden kann, wenn ich mit meinen Kindern doch wieder daran teilnehmen möchte. Auch dänisches Kindergeld wird hin und wieder als Druckmittel eingesetzt, da es sich nicht um eine Steuererleichterung handelt wie in Deutschland.

Laut Statista steht Dänemark auch auf einem sehr fragwürdigen, medizinischen Gebiet weltweit wieder weit vorne und zwar auf Platz 8. Doch diesmal geht es nicht darum, wie glücklich sie sich fühlen, sondern wieviele „Glückspillen“ sie täglich schlucken. Der Konsum von Antidepressiva ist in Dänemark stark angestiegen (Spitzenreiter ist hier wieder eine nordische Nation: Island.) und auch sonst gibt es für und gegen alles eine Pille. Egal ob für Kind oder Erwachsenen.

Tiere & Natur in Dänemark

Natur - Auswandern und Freilernen in Dänemark
  • In 2024 wurde das sehr wahrscheinlich krebserregende Glyphosat, das bis dahin für jedermann freiverkäuflich war, in Dänemark mit Ausnahmen verboten. Bis dahin wurden nicht nur Acker und Felder, sondern auch private Auffahrten, Terrassen und Gärten damit gesprüht. Wenn du kein Fan von Round Up und anderen Glyphosat-haltigen Produkten bist, achte beim Hauskauf sehr darauf, ob es kürzlich noch verwendet wurde.
  • Dänemark hat um die 12% bewaldete Fläche. Zum Vergleich: In Österreich sind 48% bewaldet und selbst in Deutschland sind noch 30% Wald. Wenn du also auf lange Waldspaziergänge stehst, dann wähle deinen Wohnort in Dänemark mit Bedacht und waldnah, was deine Auswahl drastisch einschränkt.
  • Erfahrungen anderer Zuzügler zufolge kann es schwierig werden, den Tierschutz zu erreichen, wenn Hilfe benötigt wird. Ein großes Netz aus Pflegestellen für sämtliche Tierarten, wie wir es aus Deutschland oder Österreich kennen, scheint in Dänemark so nicht vorhanden vor zu sein. Wenn du darüber andere Informationen hast, schreibe sie sehr gerne in die Kommentare.

Und nun endlich zum Freilernen in Dänemark bzw. der Möglichkeiten, die du ohne Schulgebäudeanwesenheitspflicht in Dänemark hast:

Schule & Freilernen in Dänemark

Wie schon angedeutet, ist es recht problemfrei möglich, in Dänemark ohne Schule zu leben. Doch so ganz ohne Kontrolle durch den Staat läuft es auch hier nicht ab.

In Dänemark, dürfen die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern entscheiden, ob eine Schule besucht wird oder nicht. Das System ist dabei allerdings auf Homeschooling, dänisch: Hjemmeundervisning, ausgerichtet und nicht auf freiere Methoden oder gar Freilernen im Sinne von Unschooling. Das heißt, die Tilsynforende, das sind die Menschen der Kommune, die die ein bis zweimal pro Jahr stattfindende Kontrolle namens Tilsyn, durchführen, sind meist nicht vertraut mit dem Unschooling bzw. Freilernen und können mit dieser Art selbstbestimmten Bildung, wie du sie vielleicht lebst oder leben willst, meist wenig anfangen.

Das heißt jedoch nicht, dass sie dem immer negativ gegenüber stehen, aber dass es sein kann, dass sie nicht wirklich verstehen, was du da machst und wie du lebst – und auch kein Interesse daran haben, weil sie einfach nur ihre Arbeit machen wollen. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Da jede Kommune die Tilsyn selbst organisiert, kann es zu himmelweiten Unterschieden bei Häufigkeit, Durchführung und Art der Kontrolle kommen. Nicht immer hält sich die jeweilige Kommune dabei an die Gesetze, die ihr aber auch einen relativen Spielraum bieten.

So ist z. B. im Friskoleloven (.s.u.) festgelegt, dass die Kommune Tests durchführen darf, wenn der Verdacht besteht, dass einem Kind zu wenig Bildung zugänglich gemacht wird. Doch das allein ist kein Grund zur Panik, denn die Gesetze zur außerschulischen Bildung befinden sich im Gesetz der Schulen, die nicht staatlich sind, die Friskole heißen, also Schulen in freier Trägerschaft und auch diese können in ihrer Tätigkeit vom Staat getestet werden. Es geht dabei jedoch nicht um das Kind, das jetzt vom Staat auf sein Wissen und seine Fähigkeiten getestet werden soll. Wie genau das in der Praxis umgesetzt wird, ist schwer vorauszusehen und nach meinen bisherigen Kenntnissen wird nur selten von dieser Regelung Gebrauch gemacht.

Hier findest du das Gesetz zum Homeschooling in Dänemark. Ich habe es bewusst in der dänischen Originalfassung gelassen, da Übersetzungsprogramme insbesondere in diesem Fall eher zu mehr Verwirrung führen. Begriffe wie „Tests“ sind nicht in jedem Fall mit unserem deutschen Verständnis von einem Test gleichzusetzen, weshalb eine deutsche Übersetzung strenger oder strikter klingen mag, als sie auf Dänisch gemeint ist.

Friskoleloven: Kapitel 8 – Undervisning i hjemmet m.v.

§ 34. Hvis forældrene selv vil sørge for undervisning af deres børn i den undervisningspligtige alder, skal de meddele det skriftligt til kommunalbestyrelsen, før undervisningen begynder.

Stk. 2. Meddelelsen skal indeholde oplysninger om, hvilke børn der skal deltage i undervisningen, hvor undervisningen foregår, og hvem der skal undervise børnene.

Stk. 3. Kommunalbestyrelsen tilbyder forældre, som kommunalbestyrelsen har godkendt til at træne deres barn med betydelig og varigt nedsat fysisk eller psykisk funktionsevne i hjemmet i henhold til § 85, stk. 1, i barnets lov, vederlagsfri specialpædagogisk rådgivning i hjemmet om undervisningen.

Stk. 4. Kommunalbestyrelsen tilbyder vederlagsfri specialundervisning og anden specialpædagogisk bistand i hjemmet til børn omfattet af stk. 3, hvis barnets udvikling på grund af sprog- eller talevanskeligheder kræver en særlig hensyntagen eller støtte. Tilbuddets omfang og indhold skal svare til, hvad der almindeligvis tilbydes elever i folkeskolen.

§ 35. Kommunalbestyrelsen fører tilsyn med den undervisning, børnene får i hjemmet m.v.

Stk. 2. Kommunalbestyrelsen kan hvert år lade afholde prøver i dansk, regning/matematik, engelsk, historie/samfundsfag og naturvidenskabelige fag for at sikre, at undervisningen står mål med, hvad der almindeligvis kræves i folkeskolen. Den, der har undervist børnene, leder prøverne efter aftale med kommunalbestyrelsen.

Stk. 3. Skønnes det, at undervisningen ikke har været forsvarlig, underretter kommunalbestyrelsen forældrene om, at der vil blive afholdt en ny prøve efter 3 måneder, og at børnene, hvis undervisningen stadig er mangelfuld, skal undervises i folkeskolen eller en anden skole, hvor undervisningspligten kan opfyldes, jf. § 33, stk. 2, i lov om folkeskolen.

Stk. 4. Når kommunalbestyrelsen skønner, at undervisningen er forsvarlig, kan den fritage for tilsynet.

§ 36. Børne- og undervisningsministeren kan fastsætte regler for afholdelse af prøver for børn, der ønsker at indstille sig til folkeskolens afsluttende prøver uden at have fulgt undervisningen ved skoler, der har ret til at afholde prøver.

Heißer Tipp: Wenn du ganz genau wissen willst, was theoretisch möglich ist und was nicht, empfehle ich dir die Website und ein Webinar von Luna Maj Vestergaard.

Zudem gibt es natürlich einfache Möglichkeiten, diese Art Testung gar nicht erst entstehen zu lassen!

Mein subjektives Fazit: Es ist in der Kommune, in der ich aktuell lebe (oder gelebt habe, je nachdem, wann du diesen Artikel liest), einfach möglich, ohne Schule zu leben. Wir hatten ein sehr entspanntes und freundliches Gespräch mit den Mitarbeitern der Kommune, das bisher einmal pro Jahr stattfindet. Wichtig war, dass ich vorher das, was wir als Freilerner im Sinne von Unschooling machen, möglichst „übersetze“ in ein schulisches Setting. D.h. ich dokumentiere in einer Tabelle, was meine Kinder so tun und welche Schulfächer das abdecken würde. Eine Wertebasis auszuformulieren kann dir zusätzlich dabei helfen.

Gesellschaftliches & Politik

Weitere Links zu wichtigen Themen, die ich an dieser Stelle unkommentiert lasse:

Mein Fazit zum Auswandern und Freilernen in Dänemark

Kommst du – wie ich – aus Gründen der Bildungsfreiheit nach Dänemark und nicht weil du Kultur, Natur, Staat und Sprache so wunderschön findest, dann gibt es viele Kompromisse, die du eingehen musst. Dieser Artikel hat dir hoffentlich einen besseren Einblick in das gegeben, was dich beim Freilernen in Dänemark erwartet.

Für mich persönlich reicht die Bildungsfreiheit nicht aus, um längerfristig in Dänemark zu leben. Meine Vorstellung von Freiheit ist eine andere, weshalb mein Wegzug nicht lange auf sich warten lässt.

Was sagst du Auswanderwilligen über das Leben in Dänemark, das man nicht in einem Dänemarkurlaub erfährt?

Freilernen mit Sicherheit: Lernt mein Kind genug? Dieses effektive Tool verwenden Eltern von Freilernern

Freilernen mit Sicherheit: Lernt mein Kind genug? Dieses effektive Tool verwenden Eltern von Freilernern

Momente wie dieser, wenn du ein fremdes Kind flüssig einen Text lesen hörst, während du noch darauf wartest, dass sich dein durchaus älteres Freilernerkind für Buchstaben beginnt zu interessieren. Oder ein deutlich jüngeres Kind Rechenaufgaben im Kopf mit Leichtigkeit löst, während das Mengenverständnis deines Kindes noch nicht ausgereift ist.

Bringt dich das manchmal noch zum Grübeln übers Freilernen? Erwischt du dich dabei, wie du in den darauf folgenden Tagen innerlich leicht panisch auf viel mehr Buchstaben aufmerksam machst oder Rechenaufgaben in deinen Alltag einbaust, als du es sonst getan hättest? Manchmal kriechen unbewusste Zweifel in dir hoch und du fragst dich:

Ist Freilernen & selbstbestimmte Bildung wirklich der richtige Weg?

Wenn es dir so geht, wie so vielen anderen Freilerner-Familien dann und wann, mach dir keine Sorgen. Du bist selbst durch das Schulsystem gelaufen und sich von diesen Denkweisen zu befreien ist ein Prozess, den du nicht von heute auf morgen abschließt.

>>> Mehr zu diesem Prozess liest du hier: Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen <<<

Es ist nur natürlich, dass dich diese Situationen herausfordern, denn stell dir mal vor, sie würden es nicht tun! Du würdest weder dich, noch dein Tun regelmäßig hinterfragen und wüsstest nach einiger Zeit gar nicht mehr, ob der Weg, den du eingeschlagen hast, dich noch zu dem Ziel führt, das du angepeilt hast.

Diese Momente kurzer Unsicherheiten darfst du also in Zukunft auch beim Freilernen feiern! 🎉

Doch was kommt nach der Party? Wie findest du Sicherheit und weißt, ob du noch auf dem richtigen Weg bist?

Um das herauszufinden, ist es nötig, dass du ein kleines bisschen Vorarbeit leistest (Fange am besten damit jetzt gleich an!).

Welche Ziele verfolgst du mit dem Freilernen?

Den richtigen Weg für dich und deine Familie erkennst du dann, wenn du weißt, wo du eigentlich hin willst, d.h. wenn du ein konkretes Ziel vor Augen hast. Auf diese Weise kannst du viel leichter erkennen, ob der jetzige Freilerneralltag, so wie du ihn gemeinsam mit deiner Familie lebst, zu dem Ziel führt, das ihr euch wünscht oder ob und wo du Anpassungen vornehmen möchtest.

Du hast Gründe für die Entscheidung zum Freilernen gehabt. Vermutlich nicht nur einen, sondern gleich eine ganze Bandbreite an Gründen, wieso du und deine Kinder euch für das Freilernen entschieden habt.

Welche Ziele hast du für dich, deine Kinder und deine Familie in Bezug auf das Freilernen?

Mehr Selbstbestimmung, Kreativität, mehr Eigenverantwortung (und weniger von ganz vielen anderen Dingen, auf die ich an dieser Stelle nicht den Fokus legen möchte)?

Was es auch ist, schreib es auf!

Nur so bist du nochmal gezwungen, dir ausgiebig und bewusst Gedanken darüber zu machen, warum ihr tut, was ihr tut und du kannst jederzeit zu diesen Aufzeichnungen zurückkehren. Sie geben dir in solchen Momenten der Zweifel neue Kraft, weil du nun genau vor Augen hast, was dich antreibt, was du dir für deine Kinder wünschst und gleichst ab, ob deine Handlungen noch dem entsprechen, was du für richtig und angemessen hältst.
Ob es wirklich Grund zur Sorge gibt, erkennst du nun sofort!

>>> Deschooling für Eltern: Wie du einem Freilerner die Zukunft verbaust (& welche 2 Schritte das vermeiden) <<<

Und wie das ganze nicht nur theoretisch aussehen kann, sondern ganz praktisch, das zeige ich dir jetzt hier mit meiner Wertebasis:

Die Wertebasis – effektives Tool für deine Elternschaft von Freilernern

Was ich für mein Privatleben und mein Unternehmen schon erledigt habe, indem ich mir ganz bewusst Zeit genommen habe, um über meine Werte und Ziele im Leben und Business nachzudenken, hatte ich lange 🤯 – aus welchen Gründen auch immer! – noch nicht auf den Bereich des Freilernens übertragen.

>>> Auch interessant: Ohne Schulabschluss erfolgreich im Leben: Muss mein Kind zur Schule gehen und einen Schulabschluss machen? <<<

Erst mit unserem Ankommen in Dänemark, wo Homeschooling legal ist und wo unsere Kinder an jährlichen Tilsyn (Austauschtreffen mit der Kommune und den Kindern im Homeschooling) teilnehmen, kam ich durch andere Eltern auf die Idee, dass ich solch eine Wertebasis auch für diesen Bereich notieren sollte. Auf diese Weise kann ich unseren Lebensstil nicht nur der Kommune präsentieren, sondern habe auch für mich als Mutter einen „Fahrplan“, an dem ich mich orientieren kann, wenn ich in eine der obigen Situationen komme und mich frage, ob meine Kinder wirklich „mehr von XY“ brauchen.

Ich empfehle dir absolut, dir ebenfalls eine Freilerner-Wertebasis anzulegen, ganz egal, ob für dich selbst, neugierige Angehörige oder auch Ämter und Kommunen, die wissen wollen, was du da eigentlich tust beim Freilernen und vor allen warum und wie.

Die Wertebasis gibt einen Einblick in deine Gründe für die Entscheidung zur selbstbestimmten Bildung. Darüber hinaus informiert sie über pädagogische und lernphilosophische Überlegungen und Ansätze, die dich auf diesen Weg gelenkt haben und die du äußern möchtest. Diese Wertebasis zu formulieren ist ein Prozess, der dir persönlich hilft, deine Sicherheit und dein Vertrauen in deine Entscheidung, dich selbst und deine Kinder zu festigen.

Ich stelle dir hier nun einen Teil meiner Wertebasis vor. Nutze sie gerne als Inspiration für deine eigene Wertebasis, jedoch achte darauf, dass du größtenteils deine eigenen Worte wählst, hinzufügst, was du sagen willst und weglässt, was für dich nicht relevant ist.

Vagabundenliebe – Wertebasis

Warum wir freilernen

Wir sind eine reiselustige Familie und viele Jahre gemeinsam gereist, um u.a. über andere Länder, Menschen und Kulturen nicht nur in Büchern zu lesen, sondern sie selber erfahren zu können.
Auf diese Weise möchten wir…

  • unsere Kindern eine offene Welt zeigen, die keinen Platz für Vorurteile hat,
  • ihnen ermöglichen, ihren eigenen Interessen in ihrem Tempo zu folgen,
  • ihnen Zeit für selbstbestimmte Bildung schenken,
  • sie unterstützen, zu selbstbewussten und kompetenten Menschen heranzuwachsen, die in der Lage sind, eigenverantwortlich Entscheidungen in ihrem Leben zu fällen.

Nicht nur in den Reisejahren haben wir erleben dürfen, wie unsere Kinder spielerisch im Alltag Wissen aufsaugen und Fähigkeiten ausbauen, indem sie gemeinsam mit uns und anderen ähnlich denkenden Familien ihre Umgebung entdeckten. Jeden Tag, den wir nun Eltern sind, zeigen sie uns aufs Neue, dass leben lernen ist und lernen leben. 

Nach einigen intensiven Jahren des Reisens wuchsen die Bedürfnisse jedes Einzelnen von uns in unterschiedliche Richtungen, so dass wir uns entschieden, mehr Raum zu schaffen für individuelle Interessen und Hobbys, um diese an einem festen Ort zu vertiefen und unseren Kindern zusätzlich mehr Selbstständigkeit in ihren eigenen Entwicklungsprozessen zu ermöglichen. Das Reisen wird trotz allem auch weiterhin eine nicht wegzudenkende Rolle in unserem Leben spielen.

Wir haben uns gemeinsam für das Freilernen entschieden, um zu gewährleisten, dass die individuellen Interessen unserer Kinder, ihr Rhythmus und ihr Lernstil auch weiterhin Teil unseres Lebensalltags sind. Es unterstützt sie dabei, ihren eigenen Lernprozess in die Hand zu nehmen, um schrittweise Verantwortung für ihre persönliche Entwicklung zu übernehmen.

“We can best help children learn, not by deciding what we think they should learn and thinking of ingenious ways to teach it to them, but by making the world, as far as we can, accessible to them, paying serious attention to what they do, answering their questions — if they have any — and helping them explore the things they are most interested in.”

John Holt

Was ist Lernen?

Meine Sicht aufs Lernen

Lernen findet immer und überall statt und ist nicht auf einen einzigen Raum und eine bestimmte Zeit begrenzt. Dabei zeigt sich, dass alles, was gelernt wird, am einfachsten und nachhaltigsten durch eine konkrete Anwendung im Alltag erlernt wird.

Fundamental für erfolgreiches Lernen ist die intrinsische Motivation, also eine Motivation, die aus dem Menschen selbst kommt. Auf diese Weise lernen schon ganz junge Menschen sprechen, laufen, malen und vieles mehr. Diese Art zu lernen hört nicht auf, wenn wir uns in diese Lernprozesse nicht einmischen.

Wir folgen keinen festgelegten Lehrplänen, sondern unterstützen unsere Kinder dabei, die Fähigkeiten zu erlangen, die sie brauchen und wollen. Auf diese Weise gehört lebenslanges Lernen ganz natürlich zu ihrem und unserem Alltag; sie bleiben offen, neugierig und lernbegierig und sind sich ihrer Fähigkeit bewusst, sich all das jederzeit anzueignen, was sie benötigen.

Wir haben ein tiefes Vertrauen in die Lernbegierde unserer Kinder, weshalb wir sie nicht kontrollieren, testen oder zwingen. Gleichzeitig tragen wir die Verantwortung, geben ihnen unsere Unterstützung, machen ihnen Angebote und bieten ihnen eine sichere Umgebung zur Entfaltung, die Bildung und ganzheitliches Lernen erst möglich macht.

Die Landkarte des Lernens

Lernen ist kein linearer Prozess, sondern wie das Leben selbst mit einer Landkarte zu vergleichen.

Auf dieser Karte gibt es viele Wege, die zu einem bestimmten Ziel führen und auch Wege, die plötzlich enden, große Wege wie Autobahnen, aber auch Trampelpfade oder gar Querfeldein-Strecken. Keiner dieser Wege ist besser oder wichtiger als ein anderer. 

Auf diese Weise kommen wir z. B. in einem Gespräch oder einer Tätigkeit bei einem Thema (Weg) ganz natürlich auch immer an anderen Themen (Abzweigungen und Kreuzungen) vorbei, in die wir abbiegen können und die uns so komplett neue Themengebiete (Wege) zugänglich machen. Manchmal machen wir Pause und verlassen einen Weg (Thema), um einen anderen zu erforschen. Später kann es sein, dass wir zu diesem Weg zurückkehren oder ihn überraschenderweise kreuzen, erkennen Bekanntes wieder und erforschen noch Unbekanntes.

Jeder Weg – egal wie schwer oder einfach er zu gehen ist – und seine möglichen Abzweigungen und Kreuzungen geben uns so immer wieder neuen Stoff für weitere Fragen, Recherchen und Diskussionen.

Je mehr Wege wir auf diese Art im Laufe unseres Lebens gegangen sind, desto größer werden unsere Ortskenntnis und unser Verständnis von unserem eigenen Standpunkt in und von der Welt um uns herum. 

Um gewisse Zusammenhänge zu verstehen und Wissen und Fähigkeiten zugänglicher zu machen, sind die kulturellen Werkzeuge wie Lesen, Schreiben und Rechnen essentiell geworden. Sie bilden eine stabile Basis, um die weitere individuelle Lebensgestaltung zu ermöglichen und erwünschte Fertigkeiten auszubilden. Wie diese Lebensgestaltung aussieht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und sie kann nach den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Gegebenheiten gestaltet werden.

Wie wir lernen und wachsen

  • Wir lernen freiwillig, interessenorientiert und interdisziplinär, teilen also nicht in Fächer ein, weil wir überzeugt sind, dass Lernen nicht vom Leben getrennt werden kann. Aus diesem Grund haben wir auch keine speziellen Lernmaterialien, die einzig und allein dem Lernen dienen und nichts anderem, sondern nutzen alles, unabhängig von Form und Art.
  • Wir beachten dabei weder das Alter oder die Schulklasse, sondern gehen das Tempo des Kindes, gemessen an seinen Bedürfnissen und Wünschen.
  • Bewertungen, Tests und Prüfungen sind kein Bestandteil unserer Lernprozesse. Wissen und Kompetenzen werden nicht angeeignet, damit andere sie überprüfen, sondern um eigene gesteckte Ziele zu erreichen und sinnvolle Zwecke zu erfüllen. Als Eltern begleiten und unterstützen wir unsere Kinder stattdessen dabei, sich einschätzen zu lernen und herauszufinden, was sie noch brauchen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
  • Wir leben und lernen gemeinsam und auf Augenhöhe; es gibt keine Hierarchie, in der Kinder nur von Erwachsenen lernen.

Neue Fähigkeiten oder Wissen finden wir daher nicht nur auf Lernblättern, sondern auch in Dokumentationen, Gesprächen, Kochbüchern, Spielen und überall in unserem Alltag.

Wir nutzen das Internet mit Suchmaschinen, Apps, lesen Bücher und leihen passende aus, wir fragen, diskutieren mit und hören anderen Menschen zu, besuchen Museen, Kurse und Konzerte, reisen, probieren aus, denken aus, reparieren, bauen auf, untersuchen und beobachten, toben und spielen.

Um uns zu organisieren, nutzen wir einen Wochenplan, den wir nach Bedarf flexibel verändern.

Zwei Beispiele aus der Praxis:

  • Auf Reisen in Griechenland besuchen wir historische Orte wie Mykene, Olympia, Athen, Epidaurus und viele mehr und erfahren mehr über lokale Materialien und Architektur, Akustik in Amphitheatern, Sprache, Schrift & Kultur, Geographie wie Klima, Lokalisation & Naturgewalten wie die Entstehung von Erdbeben, aber auch Flora und Fauna, helfen bei der Olivenernte mit und entdecken die griechische Mythologie. Nicht zuletzt lernen wir über Politik und Wirtschaft, während wir Grenzkontrollen – und übertritte zum Anlass nehmen, um über die EU und das Schengener-Abkommen zu sprechen und auf der Reise durch den Balkan andere Währungen als den Euro oder die dänische Krone in Händen zu halten und umzurechnen.
    Themen: Erdkunde, Wirtschaft & Politik, Religion, Biologie, Sprachen und Schriften, Kunst
  • Wir schauen den Film „Madagascar“ in der Originalsprache Englisch. Hierbei verbessern wir nicht nur unser Sprachverständnis der englischen Sprache und ihrer unterschiedlichen Dialekte, sondern befassen uns zudem mit Madagaskar und seiner geographischen Lage, sprechen und lernen mehr über Ethik in Bezug auf Tierhaltung in Zoos und überhaupt in Gefangenschaft, sowie die in vielen Ländern Afrikas beheimateten Tierarten.
    Themen: Englisch, Ethik, Erdkunde, Biologie

Wir als Eltern sehen uns in der Verantwortung, ein ansprechendes Umfeld für unsere Kinder zu schaffen. Wir beobachten, welche Themen für sie gerade interessant sind und ermöglichen den Zugang zu weiteren, tieferen Informationen und Materialien. Um neue Interessensgebiete zu schaffen, machen wir Angebote in Form von Veranstaltungen, Projekten und Tätigkeiten zuhause oder draußen.

Der soziale Aspekt

Die Freilerner-Gemeinschaft ist sehr gut vernetzt, so dass uns viele Optionen für Austausch, Spielen, Reden, Kennenlernen sowohl in Dänemark als auch auf Reisen im Ausland zur Verfügung stehen. Neben organisierten Treffen und Veranstaltungen sehen wir im Alltag auch regelmäßig Freunde aus der direkten Nachbarschaft und unserer Umgebung in der Kommune. Darüber hinaus besuchen wir Vereine und gehen Freizeitaktivitäten nach, die zu engen Freundschaften führen und die sozialen Fähigkeiten entwickeln.

Vielfalt, Verständnis und Offenheit für andere Menschen und Kulturen sind ein ebenso wichtiger Bestandteil der Sozialisation, wie auch altersdurchmischte Kontakte, damit ein angemessener Umgang mit allen Altersgruppen erlernt werden kann. 

Familienwerte

  • Selbstbestimmung: Jeder Mensch bestimmt selbst über seinen Körper. Auch Kinder wissen genau, wann sie Hunger haben, ob ihnen kalt ist oder welche Klamotten ihnen gefallen.
  • Gleichwertigkeit: Alle Menschen, egal welchen Alters, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder Geschlechts, haben denselben Wert von Geburt an inne.
  • Emotionale Begleitung: Emotionen sind wichtig und richtig, egal, wie unangenehm sie sich anfühlen. Wir unterstützen unsere Kinder darin, einen gesunden Umgang mit ihnen zu finden und an ihnen zu wachsen.
  • Bedingungslosigkeit: Unsere Liebe muss nicht verdient werden und untersteht keinen Konditionen.
  • Bedürfnisorientierung: Alle Bedürfnisse der Familienmitglieder sind gleich viel wert und jedes Familienmitglied ist richtig, wie es ist.

Wie sieht deine Wertebasis aus? Mein Dank geht an Rita Hillen und Luna Maj, deren Texte mir als Inspiration dienten.


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