Momente wie dieser, wenn du ein fremdes Kind flüssig einen Text lesen hörst, während du noch darauf wartest, dass sich dein durchaus älteres Freilernerkind für Buchstaben beginnt zu interessieren. Oder ein deutlich jüngeres Kind Rechenaufgaben im Kopf mit Leichtigkeit löst, während das Mengenverständnis deines Kindes noch nicht ausgereift ist.
…
Bringt dich das manchmal noch zum Grübeln übers Freilernen? Erwischt du dich dabei, wie du in den darauf folgenden Tagen innerlich leicht panisch auf viel mehr Buchstaben aufmerksam machst oder Rechenaufgaben in deinen Alltag einbaust, als du es sonst getan hättest? Manchmal kriechen unbewusste Zweifel in dir hoch und du fragst dich:
Ist Freilernen & selbstbestimmte Bildung wirklich der richtige Weg?
Wenn es dir so geht, wie so vielen anderen Freilerner-Familien dann und wann, mach dir keine Sorgen. Du bist selbst durch das Schulsystem gelaufen und sich von diesen Denkweisen zu befreien ist ein Prozess, den du nicht von heute auf morgen abschließt.
Es ist nur natürlich, dass dich diese Situationen herausfordern, denn stell dir mal vor, sie würden es nicht tun! Du würdest weder dich, noch dein Tun regelmäßig hinterfragen und wüsstest nach einiger Zeit gar nicht mehr, ob der Weg, den du eingeschlagen hast, dich noch zu dem Ziel führt, das du angepeilt hast.
Diese Momente kurzer Unsicherheiten darfst du also in Zukunft auch beim Freilernen feiern! 🎉
Doch was kommt nach der Party? Wie findest du Sicherheit und weißt, ob du noch auf dem richtigen Weg bist?
Um das herauszufinden, ist es nötig, dass du ein kleines bisschen Vorarbeit leistest (Fange am besten damit jetzt gleich an!).
Welche Ziele verfolgst du mit dem Freilernen?
Den richtigen Weg für dich und deine Familie erkennst du dann, wenn du weißt, wo du eigentlich hin willst, d.h. wenn du ein konkretes Ziel vor Augen hast. Auf diese Weise kannst du viel leichter erkennen, ob der jetzige Freilerneralltag, so wie du ihn gemeinsam mit deiner Familie lebst, zu dem Ziel führt, das ihr euch wünscht oder ob und wo du Anpassungen vornehmen möchtest.
Du hast Gründe für die Entscheidung zum Freilernen gehabt. Vermutlich nicht nur einen, sondern gleich eine ganze Bandbreite an Gründen, wieso du und deine Kinder euch für das Freilernen entschieden habt.
Welche Ziele hast du für dich, deine Kinder und deine Familie in Bezug auf das Freilernen?
Mehr Selbstbestimmung, Kreativität, mehr Eigenverantwortung (und weniger von ganz vielen anderen Dingen, auf die ich an dieser Stelle nicht den Fokus legen möchte)?
Was es auch ist, schreib es auf!
Nur so bist du nochmal gezwungen, dir ausgiebig und bewusst Gedanken darüber zu machen, warum ihr tut, was ihr tut und du kannst jederzeit zu diesen Aufzeichnungen zurückkehren. Sie geben dir in solchen Momenten der Zweifel neue Kraft, weil du nun genau vor Augen hast, was dich antreibt, was du dir für deine Kinder wünschst und gleichst ab, ob deine Handlungen noch dem entsprechen, was du für richtig und angemessen hältst. Ob es wirklich Grund zur Sorge gibt, erkennst du nun sofort!
Und wie das ganze nicht nur theoretisch aussehen kann, sondern ganz praktisch, das zeige ich dir jetzt hier mit meiner Wertebasis:
Die Wertebasis – effektives Tool für deine Elternschaft von Freilernern
Was ich für mein Privatleben und mein Unternehmen schon erledigt habe, indem ich mir ganz bewusst Zeit genommen habe, um über meine Werte und Ziele im Leben und Business nachzudenken, hatte ich lange 🤯 – aus welchen Gründen auch immer! – noch nicht auf den Bereich des Freilernens übertragen.
Erst mit unserem Ankommen in Dänemark, wo Homeschooling legal ist und wo unsere Kinder an jährlichen Tilsyn (Austauschtreffen mit der Kommune und den Kindern im Homeschooling) teilnehmen, kam ich durch andere Eltern auf die Idee, dass ich solch eine Wertebasis auch für diesen Bereich notieren sollte. Auf diese Weise kann ich unseren Lebensstil nicht nur der Kommune präsentieren, sondern habe auch für mich als Mutter einen “Fahrplan”, an dem ich mich orientieren kann, wenn ich in eine der obigen Situationen komme und mich frage, ob meine Kinder wirklich “mehr von XY” brauchen.
Ich empfehle dir absolut, dir ebenfalls eine Freilerner-Wertebasis anzulegen, ganz egal, ob für dich selbst, neugierige Angehörige oder auch Ämter und Kommunen, die wissen wollen, was du da eigentlich tust beim Freilernen und vor allen warum und wie.
Die Wertebasis gibt einen Einblick in deine Gründe für die Entscheidung zur selbstbestimmten Bildung. Darüber hinaus informiert sie über pädagogische und lernphilosophische Überlegungen und Ansätze, die dich auf diesen Weg gelenkt haben und die du äußern möchtest. Diese Wertebasis zu formulieren ist ein Prozess, der dir persönlich hilft, deine Sicherheit und dein Vertrauen in deine Entscheidung, dich selbst und deine Kinder zu festigen.
Ich stelle dir hier nun einen Teil meiner Wertebasis vor. Nutze sie gerne als Inspiration für deine eigene Wertebasis, jedoch achte darauf, dass du größtenteils deine eigenen Worte wählst, hinzufügst, was du sagen willst und weglässt, was für dich nicht relevant ist.
Vagabundenliebe – Wertebasis
Warum wir freilernen
Wir sind eine reiselustige Familie und viele Jahre gemeinsam gereist, um u.a. über andere Länder, Menschen und Kulturen nicht nur in Büchern zu lesen, sondern sie selber erfahren zu können. Auf diese Weise möchten wir…
unsere Kindern eine offene Welt zeigen, die keinen Platz für Vorurteile hat,
ihnen ermöglichen, ihren eigenen Interessen in ihrem Tempo zu folgen,
ihnen Zeit für selbstbestimmte Bildung schenken,
sie unterstützen, zu selbstbewussten und kompetenten Menschen heranzuwachsen, die in der Lage sind, eigenverantwortlich Entscheidungen in ihrem Leben zu fällen.
Nicht nur in den Reisejahren haben wir erleben dürfen, wie unsere Kinder spielerisch im Alltag Wissen aufsaugen und Fähigkeiten ausbauen, indem sie gemeinsam mit uns und anderen ähnlich denkenden Familien ihre Umgebung entdeckten. Jeden Tag, den wir nun Eltern sind, zeigen sie uns aufs Neue, dass leben lernen ist und lernen leben.
Nach einigen intensiven Jahren des Reisens wuchsen die Bedürfnisse jedes Einzelnen von uns in unterschiedliche Richtungen, so dass wir uns entschieden, mehr Raum zu schaffen für individuelle Interessen und Hobbys, um diese an einem festen Ort zu vertiefen und unseren Kindern zusätzlich mehr Selbstständigkeit in ihren eigenen Entwicklungsprozessen zu ermöglichen. Das Reisen wird trotz allem auch weiterhin eine nicht wegzudenkende Rolle in unserem Leben spielen.
Wir haben uns gemeinsam für das Freilernen entschieden, um zu gewährleisten, dass die individuellen Interessen unserer Kinder, ihr Rhythmus und ihr Lernstil auch weiterhin Teil unseres Lebensalltags sind. Es unterstützt sie dabei, ihren eigenen Lernprozess in die Hand zu nehmen, um schrittweise Verantwortung für ihre persönliche Entwicklung zu übernehmen.
“We can best help children learn, not by deciding what we think they should learn and thinking of ingenious ways to teach it to them, but by making the world, as far as we can, accessible to them, paying serious attention to what they do, answering their questions — if they have any — and helping them explore the things they are most interested in.”
John Holt
Was ist Lernen?
Meine Sicht aufs Lernen
Lernen findet immer und überall statt und ist nicht auf einen einzigen Raum und eine bestimmte Zeit begrenzt. Dabei zeigt sich, dass alles, was gelernt wird, am einfachsten und nachhaltigsten durch eine konkrete Anwendung im Alltag erlernt wird.
Fundamental für erfolgreiches Lernen ist die intrinsische Motivation, also eine Motivation, die aus dem Menschen selbst kommt. Auf diese Weise lernen schon ganz junge Menschen sprechen, laufen, malen und vieles mehr. Diese Art zu lernen hört nicht auf, wenn wir uns in diese Lernprozesse nicht einmischen.
Wir folgen keinen festgelegten Lehrplänen, sondern unterstützen unsere Kinder dabei, die Fähigkeiten zu erlangen, die sie brauchen und wollen. Auf diese Weise gehört lebenslanges Lernen ganz natürlich zu ihrem und unserem Alltag; sie bleiben offen, neugierig und lernbegierig und sind sich ihrer Fähigkeit bewusst, sich all das jederzeit anzueignen, was sie benötigen.
Wir haben ein tiefes Vertrauen in die Lernbegierde unserer Kinder, weshalb wir sie nicht kontrollieren, testen oder zwingen. Gleichzeitig tragen wir die Verantwortung, geben ihnen unsere Unterstützung, machen ihnen Angebote und bieten ihnen eine sichere Umgebung zur Entfaltung, die Bildung und ganzheitliches Lernen erst möglich macht.
Die Landkarte des Lernens
Lernen ist kein linearer Prozess, sondern wie das Leben selbst mit einer Landkarte zu vergleichen.
Auf dieser Karte gibt es viele Wege, die zu einem bestimmten Ziel führen und auch Wege, die plötzlich enden, große Wege wie Autobahnen, aber auch Trampelpfade oder gar Querfeldein-Strecken. Keiner dieser Wege ist besser oder wichtiger als ein anderer.
Auf diese Weise kommen wir z. B. in einem Gespräch oder einer Tätigkeit bei einem Thema (Weg) ganz natürlich auch immer an anderen Themen (Abzweigungen und Kreuzungen) vorbei, in die wir abbiegen können und die uns so komplett neue Themengebiete (Wege) zugänglich machen. Manchmal machen wir Pause und verlassen einen Weg (Thema), um einen anderen zu erforschen. Später kann es sein, dass wir zu diesem Weg zurückkehren oder ihn überraschenderweise kreuzen, erkennen Bekanntes wieder und erforschen noch Unbekanntes.
Jeder Weg – egal wie schwer oder einfach er zu gehen ist – und seine möglichen Abzweigungen und Kreuzungen geben uns so immer wieder neuen Stoff für weitere Fragen, Recherchen und Diskussionen.
Je mehr Wege wir auf diese Art im Laufe unseres Lebens gegangen sind, desto größer werden unsere Ortskenntnis und unser Verständnis von unserem eigenen Standpunkt in und von der Welt um uns herum.
Um gewisse Zusammenhänge zu verstehen und Wissen und Fähigkeiten zugänglicher zu machen, sind die kulturellen Werkzeuge wie Lesen, Schreiben und Rechnen essentiell geworden. Sie bilden eine stabile Basis, um die weitere individuelle Lebensgestaltung zu ermöglichen und erwünschte Fertigkeiten auszubilden. Wie diese Lebensgestaltung aussieht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und sie kann nach den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Gegebenheiten gestaltet werden.
Wie wir lernen und wachsen
Wir lernen freiwillig, interessenorientiert und interdisziplinär, teilen also nicht in Fächer ein, weil wir überzeugt sind, dass Lernen nicht vom Leben getrennt werden kann. Aus diesem Grund haben wir auch keine speziellen Lernmaterialien, die einzig und allein dem Lernen dienen und nichts anderem, sondern nutzen alles, unabhängig von Form und Art.
Wir beachten dabei weder das Alter oder die Schulklasse, sondern gehen das Tempo des Kindes, gemessen an seinen Bedürfnissen und Wünschen.
Bewertungen, Tests und Prüfungen sind kein Bestandteil unserer Lernprozesse. Wissen und Kompetenzen werden nicht angeeignet, damit andere sie überprüfen, sondern um eigene gesteckte Ziele zu erreichen und sinnvolle Zwecke zu erfüllen. Als Eltern begleiten und unterstützen wir unsere Kinder stattdessen dabei, sich einschätzen zu lernen und herauszufinden, was sie noch brauchen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
Wir leben und lernen gemeinsam und auf Augenhöhe; es gibt keine Hierarchie, in der Kinder nur von Erwachsenen lernen.
Neue Fähigkeiten oder Wissen finden wir daher nicht nur auf Lernblättern, sondern auch in Dokumentationen, Gesprächen, Kochbüchern, Spielen und überall in unserem Alltag.
Wir nutzen das Internet mit Suchmaschinen, Apps, lesen Bücher und leihen passende aus, wir fragen, diskutieren mit und hören anderen Menschen zu, besuchen Museen, Kurse und Konzerte, reisen, probieren aus, denken aus, reparieren, bauen auf, untersuchen und beobachten, toben und spielen.
Um uns zu organisieren, nutzen wir einen Wochenplan, den wir nach Bedarf flexibel verändern.
Zwei Beispiele aus der Praxis:
Auf Reisen in Griechenland besuchen wir historische Orte wie Mykene, Olympia, Athen, Epidaurus und viele mehr und erfahren mehr über lokale Materialien und Architektur, Akustik in Amphitheatern, Sprache, Schrift & Kultur, Geographie wie Klima, Lokalisation & Naturgewalten wie die Entstehung von Erdbeben, aber auch Flora und Fauna, helfen bei der Olivenernte mit und entdecken die griechische Mythologie. Nicht zuletzt lernen wir über Politik und Wirtschaft, während wir Grenzkontrollen – und übertritte zum Anlass nehmen, um über die EU und das Schengener-Abkommen zu sprechen und auf der Reise durch den Balkan andere Währungen als den Euro oder die dänische Krone in Händen zu halten und umzurechnen. Themen: Erdkunde, Wirtschaft & Politik, Religion, Biologie, Sprachen und Schriften, Kunst
Wir schauen den Film “Madagascar” in der Originalsprache Englisch. Hierbei verbessern wir nicht nur unser Sprachverständnis der englischen Sprache und ihrer unterschiedlichen Dialekte, sondern befassen uns zudem mit Madagaskar und seiner geographischen Lage, sprechen und lernen mehr über Ethik in Bezug auf Tierhaltung in Zoos und überhaupt in Gefangenschaft, sowie die in vielen Ländern Afrikas beheimateten Tierarten. Themen: Englisch, Ethik, Erdkunde, Biologie
Wir als Eltern sehen uns in der Verantwortung, ein ansprechendes Umfeld für unsere Kinder zu schaffen. Wir beobachten, welche Themen für sie gerade interessant sind und ermöglichen den Zugang zu weiteren, tieferen Informationen und Materialien. Um neue Interessensgebiete zu schaffen, machen wir Angebote in Form von Veranstaltungen, Projekten und Tätigkeiten zuhause oder draußen.
Der soziale Aspekt
Die Freilerner-Gemeinschaft ist sehr gut vernetzt, so dass uns viele Optionen für Austausch, Spielen, Reden, Kennenlernen sowohl in Dänemark als auch auf Reisen im Ausland zur Verfügung stehen. Neben organisierten Treffen und Veranstaltungen sehen wir im Alltag auch regelmäßig Freunde aus der direkten Nachbarschaft und unserer Umgebung in der Kommune. Darüber hinaus besuchen wir Vereine und gehen Freizeitaktivitäten nach, die zu engen Freundschaften führen und die sozialen Fähigkeiten entwickeln.
Vielfalt, Verständnis und Offenheit für andere Menschen und Kulturen sind ein ebenso wichtiger Bestandteil der Sozialisation, wie auch altersdurchmischte Kontakte, damit ein angemessener Umgang mit allen Altersgruppen erlernt werden kann.
Familienwerte
Selbstbestimmung: Jeder Mensch bestimmt selbst über seinen Körper. Auch Kinder wissen genau, wann sie Hunger haben, ob ihnen kalt ist oder welche Klamotten ihnen gefallen.
Gleichwertigkeit: Alle Menschen, egal welchen Alters, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder Geschlechts, haben denselben Wert von Geburt an inne.
Emotionale Begleitung: Emotionen sind wichtig und richtig, egal, wie unangenehm sie sich anfühlen. Wir unterstützen unsere Kinder darin, einen gesunden Umgang mit ihnen zu finden und an ihnen zu wachsen.
Bedingungslosigkeit: Unsere Liebe muss nicht verdient werden und untersteht keinen Konditionen.
Bedürfnisorientierung: Alle Bedürfnisse der Familienmitglieder sind gleich viel wert und jedes Familienmitglied ist richtig, wie es ist.
Wie sieht deine Wertebasis aus? Mein Dank geht an RitaHillen und Luna Maj, deren Texte mir als Inspiration dienten.
Willst du mehr über Freilernen, Reisen mit Kindern und den Aufbau deines eigenen Online Business lernen, folge mir auf Instagram und trage dich in meinen Newsletter, die Vagabundenpost, ein, um keine neuen Artikel und kostenlose Give-Aways zu diesen Themen zu verpassen.
Vorweg: Mein größter Respekt geht an viele Familien, die in Deutschland freilernen. Einige von ihnen kriegen es gut hin und wieder andere sehen sich vor massiven Herausforderungen mit Behörden, Gerichten und dem ganz normalen Alltag als Freilerner in Deutschland.
Nicht selten werde ich gefragt, warum wir denn Deutschland verlassen haben, um freizulernen, wenn es doch so extrem wichtig ist, dass es Menschen in Deutschland gibt, die das Freilernen richtig leben und sich vor Ort dafür einsetzen, dass vielleicht auch in der Zukunft das Freilernen in Deutschland möglich wird.
Meine Antwort lautet dann meist:
Die Kindheit meiner Kinder ist jetzt. Ich opfere sie nicht für eine “größere Sache.
Und so ist es ja auch. Die Kindheit mit all ihren Phasen und Entwicklungsstufen, dem rasanten Wachstum, innerlich wie äußerlich und all die Prozesse drum herum, findet so eben nur jetzt statt.
In dieser wertvollen Zeit möchte ich nicht, dass sie sich durch ihre Umgebung als “anders”, “falsch” oder “nicht richtig” empfinden oder dass wegen ihnen (bzw. wegen einiger Gesetze) vor Gericht gestritten werden muss, weil das Freilernen in Deutschland nicht vorgesehen ist.
Auch wenn ich gerne mal angefeindet werde für diese Worte, weil es irgendwer egoistisch finde, dass ich die Kindheit meiner Kinder nicht “der größeren Sache” opfere (denn so würde es sich für mich wirklich anfühlen): Die Kindheit ist so elementar wichtig, dass ich ein Verkacken vermeiden möchte, was wohl wir Eltern fast alle miteinander gemein haben.
Wir wünschen unseren Kindern eine wunderbare Kindheit und alles, was sie brauchen, um auch ein wunderbares Leben führen zu können. Nur unsere Herangehensweisen unterscheiden sich. Denn wir alle haben unterschiedliche Ängste. Bewusste und unbewusste. Und das ist okay. Das darf so sein. Wär ja sonst langweilig.
Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, zu reisen und auszuwandern, ist also eine sehr persönliche. Auch wenn einige meinen, sie hätten den einzig wahren Weg gefunden: Den einzig wahren Weg gibt es nicht. Weder ist mein Weg der Beste für alle, noch ist es der “Gerichtsweg” in Deutschland oder gar der Schulweg in Deutschland. Familienkonstellationen und -situationen sind nun mal unterschiedlich, ebenso wie unsere Ängste.
Hier geht’s um meine persönlichen Gründe gegen das Freilernen in Deutschland. Sie sollen dir bei der Entscheidung helfen, was das richtige für deine Familie ist.
Grund 1 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir wollten reisen.
Unsere Pläne zu reisen und auszuwandern sind älter als unsere Kinder. Schon lange bevor wir Eltern wurden, wünschten wir uns nach Irland auszuwandern und die Welt zu sehen. Ich mein, wer träumt da nicht von? Es gab wenig, was uns in Deutschland hielt, außer die Ungewissheit, wie es sein würde, nicht mehr dort zu sein.
Flucht ist nur selten der richtige Weg, weshalb ich niemandem raten würde zu so lange Zeit reisen, der tief in sich drinnen in Deutschland bleiben möchte. Oder vielleicht dann ganz besonders? Das entscheidest du. 😉
Wir sind nicht geflohen, wie uns so mancher mit unfeinen Gedanken nachsagen mag, sondern haben die Schulpflicht als zeitlichen Anlass genommen, endlich unsere Reisepläne umzusetzen.
Grund 2 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir waren kigafrei in Deutschland.
Wir hatten eine besonders schöne, kigafreie Zeit. Beide Kinder sind ohne Kita oder Kiga aufgewachsen. Wir trafen uns regelmäßig und häufig mit anderen kigafreien Kindern und es fehlte uns an nichts. Warum ist das dann ein Grund gegen das Freilernen in Deutschland, fragst du dich?
Der Kindergarten ist in Deutschland größtenteils nicht verpflichtend und so war es für uns kein Problem in der großen Stadt, in der wir zu dem Zeitpunkt lebten, andere Familien ausfindig zu machen, die sich ebenfalls auf ein Leben ohne Fremdbetreuung eingerichtet hatten.
Doch wie es so ist, befreunden sich meine Kinder auch mit anderen Kindern, die in Kita & Schule gehen, was mich natürlich ebenso gefreut hat. Unschön daran war, dass diese Kinder so gut wie nie Zeit hatten zu spielen. Ob Schule, Hausaufgaben, Ballettunterricht oder nach dem Kiga noch in den Hort: Vor 17 Uhr kam kaum ein Kind zum freien Spielen raus im Sommer. Im Winter auch mal gar nicht.
Mir schwante bereits, dass es schwierig werden könnte, Sozialkontakte an einem Ort zu erhalten, die mehr Zeit hatten, wenn der Großteil zur Schule ging.
Dazu kam, dass viele der kigafreien Familien, die anfangs noch sehr viel vom Freilernen hielten, “kurz vor Schluss”, also zum Ende der Kindergartenzeit hin einen Rückzieher machten und ihre Kinder wie gehabt einschulten. Sie waren, anders als du, nicht an anderen Wegen interessiert, die ihnen das Freilernen trotzdem ermöglichten.
Grund 3 gegen das Freilernen in Deutschland: Mein Kind soll sich nicht “falsch” fühlen.
Freilernen in Deutschland ist illegal. Aus diesem Grund läuft einiges “unterm Radar” ab.
Viele Familien berichten z. B., sie lassen ihre Kinder vormittags nicht raus zum Spielen, weil es einfach zu viele unbeteiligte Menschen neugierig macht. Selbst dann nicht, wenn sie offen mit der Tatsache umgehen, dass sie in Deutschland freilernen und sich mit sämtlichen Behörden und Gerichten deshalb auseinandersetzen. Denn egal, was man auch tut: Kinder im schulpflichtigen Alter am Vormittag gehören aus Sicht der Deutschen vormittags nicht in die Öffentlichkeit.
Ist dir mal aufgefallen, dass Erwachsene keine Gesprächsthemen haben, wenn sie mal in die Situation kommen und mit einem fremden Kind sprechen? Außer eins: Schule.
Schon in der kitafreien Zeit musste ich erfahren, wie nervig und grenzüberschreitend es sein kann, wenn meine Kinder an der Supermarktkasse vormittags regelmäßig gefragt wurden “Musst du heute gar nicht in den Kindergarten?” oder auch kurz bevor sie schulpflichtig geworden wären “Musst du denn grad gar nicht in der Schule sein”?
Für meine Kinder ist es nach wie vor unverständlich, wie man die längste Zeit des hellen Tages in einem Gebäude verbringen muss, aus dem man nicht raus darf und in dem man nicht tun darf, was man mag, weshalb sie diese Fragen sehr irritierten.
Ich für meinen Teil möchte, dass meine Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in denen sie nicht die “Komischen” sind, die “anders” oder “nicht richtig” sind, sondern wo es als normal betrachtet wird, dass man auch schon morgens um halb 9 gemeinsam draußen spielen kann.
Grund 4 gegen das Freilernen in Deutschland: Unterwegs ist Bildung vermitteln leichter.
Tatsächlich empfinde ich es so: Halten wir uns länger an einem Ort auf, wird dieser Ort “bekannt” und es gibt nicht mehr so viel Neues zu entdecken. Durch unsere Reisen ist ständig Neues hinter jeder Ecke: Neue Menschen, neue Orte, neue Geschichte, neue Flora und Fauna, neue Kultur usw. Es ist durch das Reisen so einfach, neuen Input zu finden, der die Kids neugierig hält.
Natürlich ist es auch ohne Reisen möglich, den Kindern immer wieder Anlass zur Neugier zu geben, keine Frage! Es bedarf nur einfach mehr Planung und Aktion, die beim Reisen automatisch mit drin ist.
Grund 5 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Kultur
Dieser Punkt kam erst auf Reisen hinzu. Denn wenn ich ehrlich bin, wurde ich ja auch durch diese deutsche Kultur geprägt und ich lernte erst auf Reisen bestimmte Denkweisen oder Eigenschaften abzulegen, die wohl als “typisch deutsch” bezeichnet werden.
Bei jedem Deutschlandbesuch fällt mir allerdings aufs Neue auf, wie wenig Lebensfreude viele Deutsche haben und wie viele von ihnen mit einem grimmigen Gesicht durch die Gegend laufen. Die meisten sehen sich als die Opfer ihrer Umstände, als hilflos und ohnmächtig gegenüber dem, was sie eigentlich gerne für ein Leben hätten. Sie haben keine Träume mehr und ackern sich so durch die Jahre, die sie leben nennen.
In einer solchen Kultur, die meist nur am Meckern ist und auf Regeln und Verbote bedacht ist, möchte ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen müssen.
Grund 6 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Justiz
Wie du mittlerweile weißt, ist Freilernen in Deutschland illegal. Auch wenn es manche Familien ganz gut schaffen, sich zu “verstecken” (warum ich das nicht mag, weißt du ja aus Punkt 3), viele von ihnen haben früher oder später mit der deutschen Justiz zu tun.
Bis ich selbst Kinder hatte, dachte ich noch, dass man schon grob was falsch machen müsse (und damit meine ich nicht die simple Schulpflichtverletzung, sondern Kindesmisshandlung oder ähnlich schlimmes), damit man ungerechtfertigterweise richtig ernste Probleme mit der Justiz bekommen konnte.
Seit ich Mutter bin, hat sich mir ein anderes Bild gezeigt. Ob es nun das Thema Schwangerschaftsvorsorge, Geburt, Impfen ja oder nein oder Ernährung ist: Plötzlich will da jemand mitreden, der seine Macht auch ausübt. Spätestens seit 2020 ist es auch dem ein oder anderen mehr aufgefallen, dass Recht haben und Recht bekommen einfach Zweierlei sind.
Wir sind also auch deshalb pro Reisen oder Auswanderung, weil – so traurig es auch klingt – das Vertrauen in die deutsche Justiz fehlt.
Freilernen in Deutschland eine gute Idee?
Die Gründe für mich gegen das Freilernen in Deutschland sind so vielfältig und sicherlich gibt es noch ein paar mehr, jedoch müssen es nicht deine sein. Wir treffen alle Entscheidungen aufgrund von Vermutungen, Erfahrungen oder unserer eigenen Werte.
Möchtest du trotzdem freilernen in Deutschland, dann wende dich für Unterstützung und mehr Informationen an den bvnl.de, den Bundesverband Natürlich lernen e.V.
Hast du dich gegen das Freilernen in Deutschland entschieden oder dafür? Welche Erfahrungen hast gemacht (ich freue mich auch über positive in Deutschland) ?
Auch wenn die meisten von uns mit der Ansicht aufgewachsen sind, dass Kinder die Schule brauchen, um was zu lernen, so nehmen nun doch immer mehr und mehr Eltern die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand.
Diese Entwicklung ist nicht nur bekannten Autoren wie John Holt*, Taylor Gatto* oder auch dem Neurobiologen und Autor Gerald Hüther* zu verdanken, sondern ganz besonders den vielen Familien, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Thema „wie Menschen lernen“ anwenden und ihren Kindern damit ermöglichen wollen, ihre Lernfreude aufrecht und damit echte Bildung zu erhalten.
Anstatt in Schulhäusern zu sitzen, abgeschirmt von der Außenwelt, der echten Welt, dem echten Leben, um die Theorie auswendig zu lernen, lernen die Kinder sehr erfolgreich vom Leben selbst, wie Leben funktioniert.
Egal, ob ihr frisch dazu gestoßen seid oder euch erst seit dem Aufkommen des Reisewunsches Gedanken zum Schulthema macht: Wir alle, die diese Richtung eingeschlagen haben, merken schnell, dass es unzählige Wege zum Ziel gibt. Wir probieren anfangs mal den einen aus, dann schlagen wir einen Haken zum anderen, aber die Richtung bleibt gleich. Hier möchte ich den doch schon recht gut ausgetrampelten Pfad des Reisens mit Kindern im schulpflichtigen Alter besprechen.
So manche Familie hat schon bei freundlichen Gesprächen mit der Schulverwaltung oder Schulamt versucht eine Beurlaubung, Rückstellung (vor Eintritt in die Schule) oder Befreiung zu erreichen, um noch ein paar Monate mehr reisen zu können. Je nach Schulart und Einstellung der Schulleitung mit mehr oder weniger Erfolg.
Oft bekommen wir von anderen kinderlosen oder pensionierten Reisenden zu hören „Ihr macht das genau richtig! So lange sie noch so klein sind und nicht in die Schule müssen, ist reisen so bereichernd!“.
Ja!Das Reisen ist super bereichernd, aber es hört nicht auf bereichernd zu sein, wenn ein Kind schulpflichtig wird! Wir sprachen sogar schon mit Menschen, die das Reisen dann einstellten, weil sie einfach dachten, sie müssten. Weil sie nicht wussten, dass ihre Kinder nicht dem Staat und der Schule gehören, obwohl sie gerne weitergereist wären.
Ich hoffe euch ein wenig die Richtung weisen zu können, in der euer persönlicher Weg liegen kann zu einem legalen Leben ohne Schulpflicht (aber umso mehr Bildung!).
Informationen und Beratung zum Leben ohne Schule in Deutschland, bekommt ihr über den Bundesverband Natürlich Lernen e.V.
… interessieren das Schulamt und die Schule, auf die sie zuletzt gingen bzw. an der sie angemeldet sind.
Vielfach kursieren Gerüchte, dass eine bloße Abmeldung bei der Meldebehörde ausreiche, um der Schulpflicht zu entgehen. Das böse Erwachen kommt dann für einige Familien hinterher, wenn die Schule Nachweise über den Besuch einer Folgeschule fordert oder gar das Jugendamt einschaltet.
In einigen Fällen sind diese Forderungen unberechtigt und entstehen nur, weil es eben Menschen sind, mit denen ihr zu tun habt. Menschen, die sich oftmals nicht vorstellen können, dass jemand tatsächlich ein Leben ohne Schule freiwillig wählt und die auch nicht wissen, dass das in vielen Ländern dieser Welt erlaubt ist. Es gibt allerdings auch Umstände, in denen ihr Vorgehen nicht ganz falsch ist.
Damit ihr selber herausfinden könnt, was in eurer individuellen Situation passt, ist einer der wichtigsten Schritte der Blick ins Schulgesetz eures Bundeslandes. Dort findet ihr heraus, ob die Schulpflicht bei euch auf der Meldeadresse, dem Wohnsitz und/oder dem gewöhnlichen Aufenthalt oder anderem begründet ist. Wichtig ist, dass ihr diese drei Begriffe inhaltlich auseinanderhaltet, um zu erkennen, was nun für euch gilt.
Wie regelt mein Bundesland die Schulpflicht?
Zur Zeit sieht es in den Bundesländern von Norden nach Süden folgendermaßen aus:
Bundesland
Schulpflicht durch
Zu finden in
Schleswig-Holstein
Wohnung
§ 20 SchulG
Hamburg
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 37 HmbSG
Bremen
(Haupt-)Wohnung
§ 52 BremSchulG
Niedersachsen
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 63 NSchG
Mecklenburg-Vorpommern
gewöhnlicher Aufenthalt
§ 41 SchulG M-V
Brandenburg
Wohnung oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 36 BbgSchulG
Berlin
Wohnung oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 41 SchulG
Sachsen-Anhalt
alle in LSA wohnenden Kinder und Jugendliche
§ 36 SchulG LSA
Nordrhein-Westfalen
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt (bei Meldeadresse wird der Wohnsitz widerlegbar vermutet)
§ 34 SchulG NRW
Rheinland-Pfalz
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 56 SchulG
Saarland
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 1 SchulPflG SL
Hessen
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 56 SchulG HE
Thüringen
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 17 ThürSchulG
Sachsen
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 26 SächsSchulG
Baden-Württemberg
Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt
§ 72 SCHG
Bayern
gewöhnlicher Aufenthalt
§ 35 BayEUG
Diese Liste ist im Mai 2021 zuletzt auf Aktualität überprüft worden.
Lest die betreffenden Stellen in eurem Schulgesetz genau, denn in dem ein oder anderen Paragraphen finden sich Ausnahmen zur obigen Grundlage, über die die jeweilige Schulbehörde selbst entscheidet. Dazu einfach das obige Paragraphenkürzel zusammen mit eurem Bundesland in eure Suchmaschine eintippen und schon habt ihr den entsprechenden Paragraphen eures Bundeslandes vor Augen.
Wann entfällt die Schulpflicht wirklich?
Hier ein paar Hinweise, wie ich die jeweiligen Schulgesetze interpretiere in Bezug auf die Unterschiede Meldeadresse, Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt:
In den Bundesländern, in denen eine Wohnung als Voraussetzung zur Schulpflicht aufgeführt wird, ist eine offizielle Abmeldung bei der Meldebehörde aus der Wohnung nach geltendem Gesetz damit unausweichlich, um nicht mehr schulpflichtig zu sein. In Schleswig-Holstein und Bremen ist es daher nach meinem Verständnis möglich, einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in dem Gebiet beizubehalten, aber nicht schulpflichtig zu werden, solange ihr keine Wohnung bezieht (an deren Adresse ihr euch ja melden müsstet). Berlin und Brandenburg beugen dem vor, indem der gewöhnliche Aufenthalt ebenso die Schulpflicht begründet.
Bayern und Mecklenburg-Vorpommern hingegen machen es möglich, eine Meldeadresse an einer Wohnung zu haben, aber nicht schulpflichtig zu werden, wenn der gewöhnliche Aufenthalt (höchstwahrscheinlich nachweislich) nicht an dieser Adresse oder sonst wo im Bundesland liegt.
Was Sachsen-Anhalt genau ausdrücken möchte mit „wohnenden Kindern und Jugendlichen“ bringt sicherlich genug Stoff mit, um diese Formulierung vor Gericht zu diskutieren. Gehen wir der Einfachheit davon aus, dass damit sowohl die Wohnung, in der jemand wohnen kann als auch die Umgebung (der Lebensmittelpunkt -> Wohnsitz), in der gewohnt werden kann, gemeint ist.
Sehr fair formuliert NRW im Gesetz, dass der Wohnsitz widerlegbar vermutet wird, sollte es eine Meldeadresse geben. Ihr werdet in diesem Fall also aufgefordert zu widerlegen, dass euer Wohnsitz und eure Meldeadresse identisch sind und könnt euch darauf berufen, solltet ihr eine Meldeadresse in NRW behalten wollen. Grundsätzlich gilt das laut meinem Verständnis auch für die Bundesländer, die nicht ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Meldeadresse auf einen Wohnsitz hindeutet.
Eure Schule will Nachweise für den Schulbesuch im Ausland?
Forderungen eurer alten Schule nach Informationen zu einer Folgeschule oder einer neuen Anschrift, könnt ihr dann getrost ignorieren, solange ihr wirklich Deutschland verlasst und euch alle gemeinsam abmeldet, über keine Wohnungen mehr die Schlüsselgewalt habt und keine Absicht hegt, in diese Wohnungen zwischendurch zurückzukehren. Am Besten bestimmt, aber freundlich reagieren. In einigen Fällen sind diese Forderungen aber leider rechtens, nämlich dann, wenn doch noch die Schulpflicht greift, auch wenn ihr meint, dass das nicht mehr sein kann.
Wie im Artikel zum Thema Abmeldung schon behandelt, teilt laut § 11 BGB ein minderjähriges Kind den Wohnsitz seiner Eltern. Bleibt nun ein sorgeberechtigtes Elternteil, das nicht in Trennung lebt, zurück in D mit identischer Meldeadresse, Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt, gilt es diese Situation mit dem Schulamt zu klären.
Ihr könnt je nach Schulgesetz eures Bundeslandes theoretisch in die Situation kommen, nachweisen zu müssen, dass die Kinder sich mit dem anderen Elternteil (oder beiden) tatsächlich im Ausland befinden, ihr gewöhnlicher Aufenthalt und ihr Wohnsitz demnach nicht in Deutschland liegt oder aber, dass die Wohnung des in Deutschland verbliebenen Partners keine Gegenstände der Kinder beherbergen, die einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt an diesem Ort vermuten lassen. Sie müssen komplett ausgezogen sein. Auch könntet ihr durch Langzeitvermietung nachweisen, dass euer Lebensmittelpunkt nicht mehr dort liegt.
Inwieweit diese Konstellationen und die Forderungen nach Nachweisen im Einzelfall tatsächlich rechtens sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch wenn sie in eurem Fall unrechtmäßig gefordert werden, so müsst ihr euch trotzdem mit dem Hindernis herumschlagen.
Kindergeld ist nicht an den Schulbesuch geknüpft. Trotzdem müsst ihr aufpassen, welchen Weg ihr einschlagt, so dass Abmeldung der Wohnung, Schulabmeldung und bei Bedarf weiterer Kindergeldbezug Hand in Hand gehen. Eine bloße Abmeldung der Meldeadresse führt in den meisten Bundesländern nur dann zum Erlöschen der Schulpflicht, wenn Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in dem Gebiet ebenfalls entfallen.
Da die Behörden i.d.R. davon ausgehen, dass sich Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt mit der Abmeldung ebenfalls verlegen, habt ihr damit für gewöhnlich wenig Schwierigkeiten. Solltet ihr in Bezug auf Kindergeld aber argumentieren, dass Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt noch immer in dem Gebiet liegen, in dem ihr vorher gemeldet wart, um einen Kindergeldanspruch geltend zu machen, so kann das je nach Bundesland in der Folge auch zu Problemen mit dem Schulamt führen.
Welches Amt ist zuständig?
Bei bereits schulpflichtigen Kindern, die schon an einer Schule angemeldet sind, ist es wichtig, das Gespräch mit der Schulleitung (und eventuell auch mit dem Schulamt oder der Schulaufsichtsbehörde) zu suchen und sie über eure Pläne zu informieren, sofern ihr eine Meldeadresse beibehalten wollt.
Bei Kindern, die das Schulamt schon auf dem Schirm hat, die aber an keiner Schule angemeldet sind (z.B. im Jahr bevor die Schulpflicht beginnt), informiert ihr nur knapp die Sachbearbeiter*innen des Schulamts, sofern ihr Deutschland ganz verlasst. Wir haben eine e-Mail geschrieben, in der wir erklärten, dass wir auswandern. Eine Kopie der Abmeldung haben wir angehängt. Nach höchstens zwei Tagen bekamen wir die Mitteilung, dass unsere Tochter (für die wir bereits die Aufforderung zur Anmeldung an einer Schule bekamen) nun nicht mehr schulpflichtig sei.
Für Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind und auch noch nicht beim Schulamt aufgrund des Alters geführt werden, bedarf es keiner Information an Schulamt oder Schule bei Reiseantritt. Sofern sie die Voraussetzungen für eine Schulpflicht in der Zukunft erfüllen (z. B. durch eine noch bestehende Meldeadresse, Wohnsitz etc.), muss sich rechtzeitig darum gekümmert werden.
Generell ist wohl gegen freundliche Gespräche miteinander nichts einzuwenden. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass ihr nicht zum Bittsteller werdet und um Erlaubnis bittet etwas tun zu dürfen, sondern dass ihr die Schulleitung darüber informiert, was ihr plant und nun mit ihr gemeinsam nach Lösungen schauen mögt, die das ermöglichen. Zu keinem Zeitpunkt kann die Schule über Erfolg oder Misserfolg eurer generellen Reise- oder Auswanderungspläne entscheiden!
Als Eltern behaltet ihr die Entscheidungsgewalt und könnt die Grundlagen, die euch zu dem Vertrag (durch Anmeldung an der Schule) so gesehen zwangen, verändern, so dass es keine Basis mehr für dieses Vertragsverhältnis gibt.
Ein Campingplatz irgendwo in Rumänien. Es ist Sommer.
Was unser Alltag ist (wir sind zum Wäschewaschen auf diesem Platz gelandet), ist der Urlaub vieler anderer Menschen, denen wir begegnen. Nicht selten treffen wir auch hier auf andere Deutsche, die nach den ersten Minuten schon feststellen, dass wir nicht zu den üblichen Urlaubern gehören. Unweigerlich werden die Fragezeichen größer, wenn das Thema Schule bzw. Unschooling/Freilernen auftaucht. Auch heute wieder. Inspiriert von diesem wirklich guten Gespräch entsteht nun unser FAQ zum Freilernen / Unschooling.
Ein paar der immer wiederkehrenden Fragen von unseren (teilweise) irritierten, aber interessierten Mitmenschen oder besorgten Familienmitgliedern für euch beantwortet:
Häufigste Sorgen zum Freilernen:
Wie lernen Freilerner, wenn sie keine Schule besuchen?
Sehr häufig begegnet mir der Glaubenssatz, dass Lernen und Bildung nur in Schulen stattfinden kann. Ich fordere dich heraus, diesen Glaubenssatz abzulegen.
Was Freilernen wirklich ist:
Lernen kann höchst individuell aussehen und ist nicht an einen Ort gebunden.
Lernen bedeutet nicht Hefte aufzuschlagen und Übungen nach Vorgabe darin zu machen.
Es ist unmöglich nicht zu lernen.
Lernen ist Spiel.
Das Leben ist Lernen.
Menschen kommen schon neugierig und wissbegierig auf Welt und nehmen in jungen Jahren alles auseinander und ahmen ihre Bezugspersonen nach (manchmal zu unserem Leidwesen, aber auch das Laufenlernen gehört dazu). Kommen Kinder in die Schule, zeigt sich, dass die Freude an Neuem, an Unbekanntem, am Verstehen und Lernen mit der Zeit nachlässt und weniger wird. Dies ist jedoch nicht dem Alter geschuldet. Desinteresse wird dann geweckt, wenn etwas zur Pflicht wird.
Kennst du vielleicht selber aus deinem Alltag. Sobald du etwas machen musst, fühlt es sich nicht mehr unbedingt gut an. Du fühlst dich fremdbestimmt. Kannst du aber frei wählen, ob du etwas tust, entscheidest du dich mit viel mehr Freude für etwas.
Warum freilernen?
Der deutsche Schulzwang, Leistungsdruck, Gruppenzwang, Belohnung & Strafe, ständige Beobachtung & Bewertung und der Lehrplan, laut dem alle Kinder zu selben Zeit das selbe lernen sollen, obwohl sie total unterschiedliche Menschen sind, ersticken innerhalb kürzester Zeit das Feuer der Neugier in uns Menschen.
Nicht mal am Nachmittag bleibt noch Zeit, um sich tief den eigenen Interessen zu widmen oder diese überhaupt erst zu entwickeln. Was macht ein Mensch unter Druck & Zwang? Zu machen. Die Schotten dicht machen. Alles, was irgendwie mit Schule in Zusammenhang gebracht werden könnte, wird ab jetzt nur noch mit der Kneifzange angefasst.
Freilerner lernen also vom Leben selbst. Ohne Vorgabe von Themen, sondern ganz nach den eigenen Interessen. Sie lernen genau das, was für sie gerade dran ist. Und das in einem irren Tempo, weil sie alles dazu aufsaugen wie ein Schwamm das Wasser. Dieses Lernen findet aus intrinsischer Motivation, also von innen heraus, statt. Hier ist der Mensch kein Objekt, in den etwas “hineingestopft” wird, das da vielleicht gerade gar nicht hinein will oder drin sein muss. Der jeweilige Mensch entscheidet hier selbst, was hinein soll und wann und in welchem Umfang und genau das ist die Selbstbestimmung, die ich anstrebe.
Wie und wann lernen eure Kinder beim Freilernen lesen und schreiben?
Dazu möchte ich erst etwas vorweg zum Schulsystem sagen: In deutschen Schulen lernen Kinder ab sechs Jahren zu lesen und zu schreiben. Nicht, weil jedes einzelne Kind dazu bereit wäre in dem Alter, sondern weil das Schulsystem mit dem Versuch der Massenbildung – nicht nach Maß – sich selbst begrenzt.
Am besten geht das, wenn man Informationen geschrieben an die Masse verteilt, weil man so eine größtmögliche Anzahl Menschen erreicht und alles weitere mit diesem Werkzeug (nichts anderes ist Lesen) im Klassenzimmer theoretisch erlernt werden kann. Doch der Bezug zum eigentlichen Leben und Alltag geht hier verloren. Wie und wann in Schulen lesen und schreiben beigebracht wird, hat nichts damit zu tun, was das beste für die einzelnen Menschen wäre, sondern nur damit, was das beste für das System Schule ist.
Lesenlernen ist für unsere Kids beim Freilernen, wie für viele Geschwister, höchst individuell und beide Kids verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Genau sagen, wie sie es im Speziellen lernen, können wir gar nicht, da nicht alle Schritte offen sichtbar sind. Das Ergebnis sehen wir dann im Alltag, wenn eines der Kinder plötzlich etwas liest oder schreibt und uns immer wieder mit neuen Fähigkeiten und Wissen überrascht. Nämlich genau dann, wenn sie selbst dazu bereit sind.
Manche Kinder, die freilernen, können plötzlich lesen und der Lernprozess war nie sichtbar. Andere lernen es über viele Jahre in kleinen Schritten, sichtbar für andere. Manche erkennen Wörter an ihren einzelnen Silben oder Buchstaben, andere verinnerlichen Wörter als Ganzes. Manche stellen viele Fragen und andere beobachten im Stillen.
Lesen wird genau dann wichtig für ein Menschen, wenn er selbst merkt, dass er sich mit dieser Fähigkeit das Leben erleichtern kann oder etwas ohne Hilfe erreicht, wofür er sonst Hilfe brauchte (sich helfen lassen ist gut und schön, aber selbstständig werden ist überlebenswichtig). Nicht mehr warten müssen, dass ein Erwachsener das heißgeliebte Buch endlich weiterliest, mit Freunden über Distanz kommunizieren können oder einen Laptop bedienen können, um noch mehr Informationen zu einem Thema zu zu bekommen, sind nur einige Beispiele.
Freilerner finden vieles neben Büchern und Comics zum Üben: Straßenschilder, Werbetafeln, Namen von Geschäften, Nummernschilder, Spiele, Textnachrichten von Oma, Lebensmittelverpackungen und so weiter.
Es gibt ja schon wichtige Themen wie z.B. Rechtschreibung. Wie lernen eure Kinder sowas beim Freilernen / Unschooling?
Es gibt viele wichtige Themen. Menschen lernen die Dinge, die für sie dran sind, die für sie grad Bewandtnis haben. Und die dann richtig gut und schnell, wenn die intrinsische Motivation (die Motivation aus einem selbst heraus ohne Druck oder Antrieb von außen) sie antreibt. Das ist beim Freilernen nicht anders.
In unserem Beispiel wäre es beim Freilernen / Unschooling so: Rechtschreibung werden sie dann lernen, wenn andere Menschen Probleme haben, die geschriebenen Texte zu lesen und verstehen. Die eigene Motivation wächst immer dann, wenn die Notwendigkeit dazu besteht und ihnen der Sinn deutlich wird. So wie Kleinkinder lernen deutlich zu sprechen, weil sie merken, dass sie sonst nicht verstanden werden, so lernen Freilerner richtig zu schreiben, weil sie sonst nicht richtig gelesen werden. Zudem lernt sich Rechtschreibung insbesondere durch’s Lesen selbst. Was das Auge immer wieder sieht, kann es sich einfacher so merken.
Jetzt sagst du: “Aber mein Sohn liest gar nicht gern.” Das mag sein. Aber warum ist das so? Wurde er eventuell zu einem Zeitpunkt gezwungen es zu lernen, als er noch gar nicht selbst das Bedürfnis danach hatte? Dies ist einer der Hauptgründe, warum Menschen heutzutage Probleme mit dem Lesen haben oder schlichtweg keinen Bock drauf. Sie haben das Lesenlernen als Pflicht/Zwang wahrgenommen. Es war nichts, das sie zu dem Zeitpunkt speziell interessiert hat oder worauf sie besondere Lust verspürten oder es wurde ihnen durch ständige Vorgaben und Wiederholungen auf schon 30x kopierten Aufgabenblättern madig gemacht.
In der Folge meiden sie dann dieses Feld und nutzen ihr mit Müh und Not Erlerntes nur für das wirklich Nötigste. Durfte ein Mensch den Zeitpunkt und auch das “Wie” selber wählen und erkennt den Nutzen daraus für sich selbst, so entwickelt sich gar nicht erst eine Abneigung und der Mensch bleibt offen für Texte jeglicher Art.
Wusstest du, dass bei der IGLU-Studie von 2021 herauskam, dass 25% der Viertklässler in Deutschland den gerade gelesenen Inhalt eines Textes nicht versteht?
Soll dein Kind wieder Freude am Lesen bekommen? Dann ab ins Deschooling!
Kann man als Freilerner / Unschooler einen Schulabschluss machen?
Japp, das ist möglich (aber nicht für alle nötig). Einen Abschluss kann man in Deutschland als sog. Externe an Schulen machen. Wenn der Mensch das selber möchte, wird sich entsprechend darauf vorbereitet und sich für die Prüfung angemeldet.
Ein Abschluss bei der Berufswahl ist allerdings nicht zwingend erforderlich. Durch den Schulbesuch werden wir auf eine Karriere als Angestellte vorbereitet und nicht auf die Möglichkeit, dass wir uns selbstständig machen. Mit dieser “Angestelltendenke” meinen wir dann, dass wir unser Wissen & Können erst testen lassen müssen, um uns mit einem Wisch darüber bestätigen zu lassen, dass wir diese Fähigkeiten haben. Wir sind es einfach gewohnt bewertet zu werden.
“Knowledge has no value except that which can be gained from its application toward some worthy end. This is one reason why university degrees are not guarantees of successful careers.” Zu deutsch: “Wissen hat nur dann einen Wert, wenn es zu einem sinnvollen Zweck eingesetzt werden kann. Das ist ein Grund, warum Universitätsabschlüsse keine Garantie für eine erfolgreiche Karriere sind.”
Napoleon Hill
Das Ziel ist also nicht bei allen Menschen eine gut bezahlte Anstellung zu finden, sondern sich mit dem selbstständig zu machen, was ihnen liegt. Zudem beginnen auch Arbeitgeber und sogar Universitäten zu verstehen, dass Noten auf einem Blatt Papier nichts über die Person aussagen, dessen Name oben drauf steht, so dass ein Abschluss in Zukunft nicht mehr den Stellenwert haben wird, den er heute vermeintlich noch hat. Kreative, offene und hinterfragende Köpfe werden als Mitarbeiter schon vielerorts sehr geschätzt.
Gerald Hüther, Neurobiologe/Hirnforscher, sagt dazu folgendes:
“Und wenn Schule anders wäre, um es so auf den Punkt zu bringen und aus allen unseren Schulen tolle junge Leute herauskämen, die richtig gebildet wären und wüssten, was sie wollten, müssten wir unser Wirtschaftssystem zumachen. Weil die brauchen den ganzen Schrott nicht. Das heißt, wir brauchen möglichst schlechte Schulen, damit wir genügend Kunden für den Müll haben, den wir hier ihnen andrehen wollen. Das geht bis in die Politik. Wir brauchen möglichst unmündige Wähler, damit die ihre ständigen Diskussionsveranstaltungen im Fernsehen machen können. Die Schule dient sozusagen dazu, das zu produzieren […].”
Können Menschen, die mit Freilernen / Unschooling groß geworden sind, ganz normal in unserer Gesellschaft leben oder leben alle in Parallelgesellschaften und können nur selbstständig Geld verdienen?
Jedem Menschen steht es frei, die Art der Gesellschaft zu wählen, die ihm zusagt. Auch Unschooler bzw. Freilerner können ganz normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, sofern sie es möchten und als Angestellte in den gängigen Jobs tätig werden. Absolut notwendige Abschlüsse können erlangt werden, sollten sie sich dafür entscheiden (siehe Frage oben drüber). Auch das wäre freilernen.
“Ich bin sehr froh, dass meine Eltern mich dazu gezwungen haben, einen Uni-Abschluss zu machen und nicht abzubrechen. Das bildet einen ja auch charakterlich, wenn man etwas zu Ende bringt, auf das man keine Lust hat und das man nicht braucht.” Woher nehmen eure Kinder solche Erfahrungen?
Gegenfrage: Tut es das? Was hat man gewonnen, wenn man etwas zu Ende bringt, mit dem man eh nichts anfangen möchte? Bildet es einen charakterlich nicht viel eher, wenn man sich entgegen der weitläufigen Meinung, man sei “gescheitert” einfach gar nicht als Versager fühlt, sondern sich darüber freut, dass man keine weitere Zeit mit etwas verschwendet, was man eh nicht machen will? Und diese Zeit vielleicht sogar dafür nutzt, etwas zu tun, was den eigenen Bedürfnissen und Interessen eher entgegen kommt? Wer entscheidet, was scheitern ist? Und wer sagt, dass scheitern schlecht ist (sondern wieder eine Option zu lernen)?
Und: Gibt man die Verantwortung nicht auch dabei an andere ab, wenn man erwartet, dass sie einen zu etwas zwingen sollten, was man auch selbst tun könnte, wenn man nur wollte?
Ja, es bildet einen charakterlich, wenn man Dinge tut, die man nicht möchte und nicht braucht. Die Frage dabei ist aber viel mehr, ob diese charakterliche Bildung tatsächlich erwünschenswert und im Leben hilfreich ist.
Natürlich machen wir auch beim Freilernen alle Dinge, sogar tagtäglich, auf die wir eventuell keinen Bock haben. Etwas aufheben, weil es uns runtergefallen ist, abwaschen usw. zählen sicherlich viele dazu. Wenn du aber gerne in einem sauberen Haushalt leben magst, dann ist das entweder ein “Opfer”, das du bringen musst oder du machst es gerne, weil es dir ermöglicht in einem sauberen Haushalt zu leben. Hier steckt ja ein direkter Sinn hinter der Tätigkeit. BWL zu studieren, auf das man keinen Bock hat und in dem man eigentlich auch nicht arbeiten will, gehört definitiv nicht dazu.
Ohne Schule fehlt den Kindern aber doch die nötige Sozialisation, oder nicht?
Menschen werden ihr leben lang “sozialisiert”. Das passiert immer dann, wenn sie auf andere Menschen treffen. Dabei ist es egal, wie alt diese Menschen sind. Sozialisation findet mit der Oma statt und mit dem Nachbarsbaby, mit dem Kassierer und der Treckerfahrerin, mit den Nachbarskindern, den Kindern aus dem Sportverein oder Pfadfindern, der Familie im Gesamten und dem gesamten Umfeld dieses Kindes. Für eine gute Sozialisation empfinde ich Schulen tatsächlich als kontraproduktiv. Jeden Tag im Wettstreit, Ältere gegen Jüngere, Schüler gegen Lehrer, wenig Zeit für echte Freunde und Interessen, dazu Mobbing und Bullying. Freilernen bietet die 1:1 Betreuung, die einfach oft noch nötig ist.
Man muss aber doch lernen sich in Gruppen einzufügen!?
Muss man das? Wer sagt das? Und warum? Es gibt Menschen, die tun das sehr gerne, andere wiederum nicht. Wir sind nicht alle gleich und manchen wird es leichter fallen und anderen nicht. Deshalb sind nicht die einen richtig und die anderen falsch. Wer gerne in Gruppen lebt, wird das tun und dort seinen Platz finden. Wer das nicht so gern hat, lässt es bleiben und wird auch seinen Weg gehen. Gruppen finden sich überall in unserer Gesellschaft. Eine Schule ist dafür nicht die einzige Möglichkeit und kein Garant dafür, dass ein Mensch lernt sich in eine Gruppe einzufügen.
Aber muss nicht jeder mal Dinge tun, auf die man keine Lust hat?
Muss man das? Wer sagt das? Und warum? Soweit ich mich erinnere, können Erwachsene selber entscheiden, was sie gerne arbeiten möchten, wann sie aufstehen, was sie mit ihrem Geld anfangen, ob sie überhaupt morgens aus dem Bett steigen, jeden Tag Pizza essen, den Job kündigen, wenn man keinen Bock mehr drauf hat u.s.w.
Kinder, die zur Schule gehen, dürfen in Deutschland nicht kündigen. Können sich ihre Kollegen nicht aussuchen. Nicht mal das Arbeitsfeld, müssen sogar noch fragen, ob sie mal aufs Klo dürfen. Warum messen wir mit zweierlei Maß und zwingen unsere Kinder zu etwas, das wir als Erwachsene nicht freiwillig tun würden?
Und ja klar gibt es Situationen, die wir gerne anders hätten. Unsere Kids möchten manchmal auch lieber ein Eis zum Frühstück, anstatt ein gesundes Müsli. Oder müssen mal Zeug aufräumen, wenn Platz für anderes frei wird, können nicht immer entscheiden, was gespielt wird, sondern müssen auch aushalten, wenn andere Kinder was entscheiden möchten. Diese Situationen verhindern wir ja nicht, indem die Kinder nicht in die Schule gehen. Die kommen von ganz alleine und steigern die Frustrationstoleranz eines jeden Menschen. Warum künstlich noch mehr davon erzeugen?
Aber ich bin doch kein Lehrer, ich kann doch nicht alles wissen! Woher nehmt ihr das ganze Wissen fürs Freilernen?
Ganz einfach: Haben wir nicht. Aber das macht gar nichts. Unser Ziel ist, den Kids zu zeigen, wo und wie sie an die Informationen herankommen, die sie benötigen. Und genau das leben wir ihnen beim Freilernen vor, wenn wir selbst etwas nicht wissen. Auch Lehrkräfte wissen nicht alles. Wir ebenso nicht und es ist keine Schande, wenn man etwas nicht weiß. Es ist eher eine Schande, vorzugeben etwas zu wissen, was man nicht weiß. 😉
Wir wenden uns bei Bedarf an Bücher, ans Internet, Dokumentationen und Fachleute (offizielle und inoffizielle), wenn wir etwas wissen möchten und erschaffen uns so eine breite Palette an Möglichkeiten.
Und mal ganz nebenbei gesagt: Der deutsche Lehrplan ist nicht das AO der Allgemeinbildung. Wie oft hast du in deinem Leben eine Kurvendiskussion gebraucht (außerhalb der Schule) und wieviel Zeit deines Lebens hast du für das Lernen verschwendet? Meinst du nicht, du hättest es auch später noch lernen können, nämlich genau dann, wenn es du es tatsächlich brauchst und der Sinn deine intrinsische Motivation aufbaut?
Ist eure Motivation für’s Freilernen / Unschooling, den Kindern euer eigenes Weltbild überzustülpen?
Kurz: Ja und nein.
Lang: Ja, weil wir es als unsere Aufgabe als Eltern erachten, unseren Kindern unsere Werte zu vermitteln. Wir glauben, dass es Aufgabe aller Eltern ist, ihren Kindern das auf ihrem Lebensweg mitzugeben, was sie selbst für wertvoll, moralisch oder allgemein ethisch halten.
Nein, weil ich unseren Kindern vorleben möchte, nichts einfach so als gegeben hinzunehmen, sondern viel zu hinterfragen. Dabei kann es passieren, dass sie auch mich hinterfragen. So können sie sich jederzeit auch von meinem Weltbild abwenden, weil sie durch’s Hinterfragen auf andere Ergebnisse gekommen sind als ich.
Freilernen ist kein System, keine Glaubensgemeinschaft. Freilerner leben nicht alle nach den selben Regeln und Prinzipien, sondern sind so unterschiedlich, wie Menschen nun mal sind. Sie werden nicht von einem System in ein anderes gepresst, sondern aus den Systemen herausgenommen. Sie verschaffen sich einen Überblick und können frei entscheiden, ob sie Teil eines Systems sein möchten oder nicht und wenn doch, von welchem.
Hinweis:Es ist immer Aufgabe der Schule, den Kindern das Weltbild zu vermitteln, das die jeweilige Regierung gerade als die für sich förderlichste hält. In Schulen passiert ebenso ein Überstülpen von Weltbildern, aber eben oft ohne Kenntnis oder Bewusstsein dafür der Eltern.
Des weiteren denke ich nicht, dass man wirklich frei aufwachsenden Kindern auch nur irgendwas überstülpen kann, das sie nicht wollen. Geht einfach nicht.
Warum sind Freilerner / Unschooling – Familien oft gegen alles mögliche wie Schulmedizin, warum lehnen sie so vieles ab, was gängige Praxis ist?
Ob das oft der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Uns sind sowohl ganz “durchschnittliche” Freilernerfamilien bekannt, aber ebenso viele, auf die die Beschreibung zutreffen mag.
Wer einmal begonnen hat ein bestimmtes System zu hinterfragen und daraus ausgestiegen ist, beginnt oft auch weitere Systeme zu hinterfragen. Je nachdem wie das Ergebnis der Recherche lautet, wird nun also auch aus weiteren System ausgestiegen. Dazu muss nicht der Ausstieg aus dem Schulsystem die Zündung dieser Kettenreaktion auslösen. Ich denke, es ist egal, aus welchem System man zuerst aussteigt.
Manche Menschen erleben die Grenzen der Schulmedizin oder eine traumatische Geburt ihres Kindes hinterlässt tiefe Spuren in der Familie. Sie beginnen nun zu hinterfragen. Nach ihrer Recherche entscheiden sie sich Stück für Stück aus dem staatlichen System zu Krankheit und Gesundheit auszusteigen. Oder eben auch nicht!
Da sie nun für mögliche fehlerhafte Systeme ein Auge bekommen haben und kritisch überprüfen, erkennen sie eventuell das Schulsystem oder das Rentensystem oder irgendein anderes System für sich als auch fehlerhaft und steigen daraus aus.
Ein Domino-Effekt?
Was ist mit Kindern aus “bildungsfernen” Schichten mit Eltern in Schicht- oder Vollzeitjobs? Würde es keine Schulpflicht geben und Unschooling erlaubt, würden diese eventuell vernachlässigt und ungebildete Analphabeten bleiben.
So sehr ich diese Sorge nachvollziehen kann, so ändert die Schulpflicht nichts am Schicksal dieser Kinder. Es gibt auch mit der Schulpflicht Leid in Familien. Dieses Leid wird es auch ohne Schulpflicht geben. Nur weil es keine Schulpflicht gibt, heißt das ja nicht, dass alle Eltern ihre Kinder von nun an zu Freilernern / Unschoolern machen. Es wird ja lediglich die Wahl gelassen, die Kids ins Schulsystem zu schicken oder eben nicht.
Zudem behaupte ich, dass sich Menschen, die sich keine intensiven Gedanken um Bildung machen, eher geneigt sind, ihre Kinder in Schulen zu geben, weil sie glauben, dass ihre Kids damit eine bessere Bildung erhalten als sie sie selbst bekamen. Menschen, die sich intensiv mit Bildung auseinandersetzen, die werden andere Wege wie z. B. Freilernen / Unschooling oder alternative Schulformen suchen und diese Kinder sind dann sehr wahrscheinlich auch nicht der Gefahr der Vernachlässigung ausgeliefert, weil eh ein anderer Denk- und Lebensansatz verfolgt wird.
Zudem gebe ich zu bedenken, dass jetzt bereits tausende (wenn nicht Millionen) Kinder in Deutschland unter der Schulpflicht leiden. Können wir von all diesen Kindern verlangen, dass sie u. U. traumatische Kindheiten erleben aufgrund der Schulpflicht? Die das einfach aushalten müssen für diejenigen, deren Eltern sich nicht sehr mit dem Thema Bildung befassen? Wo fangen wir da an Leid zu bewerten und wo hört es auf?
Sicherlich müssen Lösungen her, um Kindern Schutz zu bieten, die vernachlässigt oder anders misshandelt werden. Doch das ist weder Aufgabe des Schulsystems, noch kann die Schule dieser Verantwortung gerecht werden. Auch im internationalen Vergleich werden in Ländern ohne Schulzwang (aber mit Bildungspflicht) nicht automatisch mehr Kinder misshandelt.
Was ist, wenn eure Kinder feste Freundschaften aufbauen möchten und wieder sesshaft werden wollen?
Unsere Kinder sind unterwegs durchaus in der Lage feste Freundschaften zu bilden. Wir suchen unsere Ziele nicht nur nach Bildungsmöglichkeiten aus, sondern auch danach, ob Freunde vor Ort sind, so dass sie nicht immer nur neue Kinder kennenlernen, sondern auch mit gewohnten Freunden sein können.
Sobald sich Bedürfnisse innerhalb der Familie verändern und einen Lebensstilwechsel nötig machen, ist es für mich selbstverständlich eine Option wieder zeitweise sesshaft zu werden oder meine Art zu reisen an unsere veränderten Bedürfnisse anzupassen. Wir nehmen das Leben wie es kommt.
Dürfen eure Kinder in die Schule, wenn sie das möchten?
Ein absolutes Ja. Sollte der Wunsch aufkommen, mal eine Schule auszuprobieren, werden wir das unseren Kindern ermöglichen. Auf regelmäßige Nachfrage antworten beide bisher immer gleich. Sie treffen viele Kids unterwegs, die bereits Schulen besucht haben und von ihren Erfahrungen berichten. Das alleine sorgt schon dafür, dass sie aktuell nicht erpicht drauf sind und weiter Freilerner bleiben möchten.
Aus unserem Alltag
Wie geht ihr mit Situationen beim Freilernen um, die ihr nicht alleine meistern könnt? Wenn das Kind z. B. ein Instrument lernen möchte, das ihr ihm nicht selbst beibringen könnt oder eine Teamsportart ausüben möchte?
Wir holen uns Hilfe. Wir wissen und können nicht alles, aber wir wissen, wie man Menschen oder Informationen findet, die uns helfen können. Möchte eines unserer Kinder von sich aus ein Instrument lernen, so zeigen wir ihm die uns bekannten Möglichkeiten auf, die auch zum jeweiligen Alter und Typ passen (z. B. selber ausprobieren, Bücher, Internetrecherche, Online-Videokurs, “echter” Mensch, der online oder offline lehrt).
Im Falle einer Teamsportart suchen wir ein Team, von dem es Teil werden kann. Dieser Punkt ist auf Reisen allerdings manchmal schwierig. Nicht immer hat man im Land so viele Kontakte, dass man eine Fußballmannschaft aufstellen kann oder ist lange genug an einem Ort, so dass sich eine Vereinsmitgliedschaft lohnt. Wenn ein Interesse sehr groß wird und wir uns nicht mehr in der Lage fühlen, das Interesse “bedienen” zu können aufgrund unseres Lebensstils, dann werden wir auch am Lebensstil feilen. Wir sind und bleiben flexibel und passen unser Leben an unsere Bedürfnisse an.
Ich bin alleinbegleitend. Wie kann ich meinen Alltag im beim Freilernen / Unschooling organisieren und Kinder und Job unter einen Hut bringen, wenn die Kinder nicht durch die Schule betreut werden?
Familien mit einem Elternteil brauchen natürlich mehr Organisation, als Familien, in denen ein Elternteil sich um den Job kümmern kann und das andere betreut. Wir machen das zum Beispiel meist im Wechsel.
Natürlich betrifft die Organisation eines für alle passenden Freilerner-Alltags nicht nur alleinbegleitende Elternteile. Hier ein paar Schräubchen, an denen alle drehen können, die sich fragen, wie ein Alltag ohne Fremdbetreuung funktionieren kann:
1. Netzwerke schaffen
Finde Gleichgesinnte in deiner Umgebung (ob nun in fester Wohnung oder auf Reisen) und teilt euch die Betreuung bei noch jüngeren Kindern für ein paar Stunden am Tag auf. Ab 6 Jahre gehen schon viele (nicht alle) gerne mal woanders hin zum Spielen oder u. U. auch alleine in den Sportverein etc. Ältere Kinder benötigen natürlich nicht mehr so intensive Betreuung und sind auch mal sehr froh, wenn sie was alleine machen können.
2. Den passenden Job finden
Findet einen Job, bei dem du zeitlich und womöglich auch örtlich ungebunden bist und den du nicht 8h pro Tag ausüben musst, um für dein Einkommen zu sorgen. Was jetzt für viele wie ein schlechter Scherz klingt, ist aber durchaus mein Ernst. Es gibt diese Jobs. Es ist nur kaum wer gewillt tatsächlich die Verantwortung zu übernehmen und die Arbeit zu machen, weil es nun mal keine “offiziell anerkannten” Tätigkeiten sind. Ein paar Ideen findest du hier: Ortsunabhängig arbeiten ist (k)ein Hexenwerk – 5 Ideen für deine Unabhängigkeit. Darüberhinaus gibt es selbstverständlich noch weitere Möglichkeiten. Bleib offen, werde selbst zur Freilernerin und eigne dir das an, was du dazu brauchst.
Die meisten Kinder heutzutage kennen kaum Langeweile. Ständig bekommen sie Reize von außen. Entweder wird ihnen ein Tagesablauf auferlegt, der ihnen keine Zeit für Langeweile lässt (Aufstehen, Schule, Hausaufgaben, Nachmittagsaktion, Ins Bett) oder sie lenken sich bei den ersten ungemütlichen Gedanken an Langeweile direkt mit Unterhaltung ab oder fordern Unterhaltung TV/Smartphone/Tablet ein. Sind wir mal ehrlich: Gelernt haben sie es von den besten, nämlich ihren eigenen Eltern, die ebenfalls gerne zum Smartphone greifen oder meinen sich abends mit TV berieseln lassen zu müssen, wenn man “nichts zu tun” hat. Hast du mal versucht dich eine Stunde lang auf einen Stuhl zu setzen und nichts zu tun?
Langeweile aber ist essentiell für Kreativität. Erst wenn ein Mensch Langeweile zulässt und aushält, wird das Hirn aktiv und sucht sich selbst eine kreative Beschäftigung, wenn keine von außen kommt. Das dauert meist so 20min und je häufiger “geübt”, desto schneller springt das Gehirn auf “innen” anstatt “außen” zu verweilen. Mit dieser Kreativität entwickelt sich auch Selbstwert. Anerkennung und Zustimmung durch Andere braucht dieser Mensch immer weniger und weniger.
Lass also ruhig Langeweile zu. Wenn es um einige Stunden Arbeit geht, die erledigt werden muss, sei es um Geld zu verdienen oder andere alltägliche Organisation, darfst du guten Gewissens deiner Arbeit nachgehen und nicht das Entertainmentprogramm spielen. Die Unterhaltung deiner Kinder liegt nicht in deiner Verantwortung. So kannst du auch erholter und zufriedener wieder in gemeinsames Spiel mit deinen Kindern gehen.
Was tut ihr, wenn euer Kind sich brennend für ein bestimmtes Thema interessiert und gerne ein Buch oder anderes Material “aufsaugen” möchte? Wo kriegt ihr das auf Reisen her?
Unterwegs ist die Materialbeschaffung meist mit etwas mehr Aufwand verbunden, weil wir ja nicht alles direkt in der richtigen Sprache vorfinden. Wenn möglich, werden Bücher als eBooks gekauft (was natürlich noch den Vorteil hat, dass sie platzsparend sind). Geht das nicht oder ist es nicht sinnvoll, so bestellen wir online. Entweder an eine lokale Adresse, die wir uns organisieren müssen oder, wenn es mehrere Sendungen sind, zu unserer Verwandtschaft nach Deutschland, die dann wiederum alles zusammen an eine lokale Adresse bei uns versendet. Manchmal finden sich aber auch über Reisecommunities Menschen in der Umgebung, die das Gewünschte haben.
Ist Freilernen / Unschooling nicht ganz schön anstrengend, wenn du zwei/drei/vier Kinder selbst unterrichtest?
Nein. Denn wir unterrichten nicht. Wir leben unser Leben weiter so wie vor dem 6. Geburtstag. Sie lernen beim Freilernen / Unschooling genau so weiter, wie sie die ersten sechs Jahres ihres Lebens auch schon gelernt haben. Ja, ein Leben mit Kindern ist anstrengend. Doch wie bei allem haben wir die Wahl:
Ob wir meinen kämpfen zu müssen oder ob wir auch ein großes Stück Vertrauen in uns und unsere Kinder setzen wollen. Wir können uns dafür entscheiden, nicht die Beziehung zu unseren Kindern auf’s Spiel zu setzen. Eltern, die das tatsächlich tun, haben es leider schwer mit Kindern an deutschen Schulen. Ständig ecken sie an, weil sie nicht mehr bereit sind, den verlängerten Arm der Lehrkraft zu spielen und Gesetze bei sich zuhause durchzuboxen, hinter denen sie selbst nicht stehen. Auf Dauer ist die Belastung innerhalb der Familie, ausgelöst vom Schulsystem, anstrengender als ein Alltag mit der ganzen Familie ;).
Wie vereint ihr Unschooling / Freilernen mit eurer Karriere?
Je nachdem, wie man Karriere definiert, kann sich Unschooling in der eigenen Familie als hinderlich erweisen auf die Karriere. Wenn nun also alle Bezugspersonen einen Arbeitsalltag außerhalb der Familie anstreben, so dass niemand zur Betreuung und für Hilfestellung vorhanden ist, so dürfte das Ziel mit den Kindern gemeinsam zu leben verfehlt sein.
Wir halten es für wichtig, das mindestens eine Bezugsperson den Kindern ständig zur Verfügung steht (entsprechend dem Alter und Fähigkeiten des Kindes angepasst natürlich). Ist das Ziel des Freilernens / Unschooling für eine Familie groß genug, so wird sie Wege finden Karriere und gemeinsames Familienleben zu vereinen.
Gibst du Impulse “sich mal an den Tisch zu setzen”? Wie oft findet “begleitetes Lernen” beim Freilernen / Unschooling statt? Lernt ihr auch mit Lehrplan?
Ich mache Angebote, die aber tatsächlich nur Angebote sind und von meinen Kindern auch als solche verstanden werden. Ein Angebot darf man ablehnen und der/die Anbietende weiß das und hat keinen Grund deshalb sein Verhalten zu ändern oder eingeschnappt zu sein. Diese “Impulse” sind immer freiwillig und bedingungslos.
Wir wissen, dass lernen hauptsächlich nicht am Tisch stattfindet, sondern immer in unserem Alltag, unserem ganz normalen Leben. Natürlich bieten wir Begleitung oder Hilfestellung an, sollten wir den Eindruck haben, dass ein Kind dies grad annehmen mag oder eben aktiv selbst danach fragt.
Führen deine Kinder Hefte zu bestimmten Themen oder schreiben sich Gelerntes auf?
Das ist von Zeit zu Zeit und auch von Thema zu Thema unterschiedlich. Manchmal gibt es den Wunsch Listen oder Sammlungen zu erstellen. Das wird dann gemeinsam oder auch alleine gemacht, aber haben diese meist im Nachhinein wenig Bedeutung für die Kids. Die Erstellung selbst ist für sie der eigentlich Sinn. Natürlich kann sich das jederzeit ändern.
Wie weit sind deine Kids im Vergleich zu Gleichaltrigen?
Eine gerne gestellte Frage, auch verdeckt als “In welcher Klasse wären deine Kinder jetzt?” oder “Wie alt sind deine Kinder?”, nachdem gefragt wurde, ob sie schon lesen, schreiben und rechnen können, auftaucht.
Da ich weiß, dass meine Kinder ganz anders lernen und dies absolut nicht vergleichbar ist mit dem wie Kinder im Schulsystem lernen, kann ich darüber keine eindeutige Aussage machen. Würde ich gezwungenermaßen die Kenntnisse meiner Kids in Fächer einteilen, wären sie Gleichaltrigen in manchen Fächern weit voraus und in anderen hätten sie aus schulischer Sicht Nachholbedarf. Da das aber irrelevant ist für mich, stelle ich diesen Vergleich nicht an.
Hat dich schon mal jemand mit 20 gefragt, wie alt du warst, als du fließend laut lesen konntest? Noch nie? Genau deshalb. Ob du es mit 4 Jahren schon konntest, mit 6, mit 9 oder mit 16 gelernt hast, juckt niemanden später mehr.
Was hat euch zum Freilernen bzw. Unschooling inspiriert?
Überall. Das Internet und das Leben draußen vor der Tür ist voll davon. Als Angebote habe sie ein paar “Lernapps” wie “Anton” oder “Fiete” auf den Geräten, die mal mehr und mal gar nicht genutzt werden.
Aber auch ich haben weitere Materialien immer als Angebote parat.
Wie könnt ihr freilernen und dabei der Schulpflicht entgehen?
Da wir sowieso länger reisen wollten, sind wir erstmal losgezogen. Haben festen Wohnsitz gegen Abenteuer eingetauscht und haben Deutschland verlassen. Wie du damit aus der Schulpflicht kommst, kannst du hier nachlesen: Raus aus der Schulpflicht – jetzt reisen und auswandern ohne Schule.
Es gibt allerdings auch Familien, die zum Freilernen in Deutschland geblieben sind. Sollte das dein Plan sein, so schau mal beim BVNL vorbei und hol dir die Hilfestellung, die du benötigst.
Wir wir die ganze Bürokratie wie Schulpflicht, Kindergeld und Finanzamt angegangen sind, bevor wir endlich auf Reisen gehen konnten, erzähle ich in meinen eBooks.
Zwischen Freiheit und Finanzamt
Freie Schulen bzw. Waldorfschulen als Alternative zum Freilernen?
Auch Freie Schulen unterstehen den deutschen Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer. Sie sind nur so frei, wie es das jeweilige Schulgesetz zulässt. Auch auf diesen Schulen müssen letztendlich die jungen Menschen bewertet, analysiert und in Kurven gepresst werden. Auch wenn einiges davon vielleicht zum Wohle des Kindes nur auf dem Papier passiert.
Viele freie Schulen klingen in der Theorie oftmals schon wunderbar, wenn man sich die wirklich frei anmutenden Konzepte durchliest. Kommt man aber in Kontakt mit der Praxis aus erster Hand, hören wir vermehrt auch anderes. Auch hier findet ein Großteil des Alltags aus Zwang außerhalb der Kernfamilie statt und auch hier gibt es oft nicht genug Personal, um ungesunde Gruppendynamiken zu erkennen und zu vermeiden.
Für kompromissbereite Familien sicherlich im Einzelfall eine tolle Lösung.
Wie gehe ich mit Kritik innerhalb der Familie um?
Ich habe mir über die Jahre einen Ruf in meiner Familie erarbeitet, der dafür sorgt, dass meine Familie nicht mehr allzu überrascht ist, wenn ich wieder mal alles anders mache, als sie es gewohnt sind. Anfangs habe ich mich noch zu Diskussionen und Erklärungen hinreißen lassen. Später, als ich merkte, dass das zu nichts führt, haben ich diese Energie gespart und meiner Familie Literatur und Dokumentationen empfohlen mit dem Angebot, danach gerne darüber zu sprechen.
Ein Teil der Familie hat dieses Angebot angenommen und steht seither vollkommen hinter der Entscheidung. Ein anderer Teil hat sich nicht weiter damit befasst und kommt auch nach vielen Jahren noch mit den immer selben Gedanken und Bedenken auf mich zu. Allerdings entscheiden ich, wie ich damit umgehe und störe mich nicht daran. Niemand muss alles gut finden, was ich mache.
Gibt’s Literatur für skeptische Großeltern oder Partner? Buchtipps?
Ja! Es gibt viele wunderbare Dokumentationen und Bücher übers Freilernen, aber eine ganz besondere möchte ich dir hier vorstellen. Es handelt sich um den Film “Alphabet” und lässt u.a. auch Hirnforscher wie Gerald Hüther zu Wort kommen, um das ganze Thema “Lernen” von der wissenschaftlichen Seite beleuchten.
An Literaturempfehlungen von der Familie Stern über Klassiker von John Holt und Taylor Gatto und vielen weiteren:
André Stern
… und ich war nie in der Schule
John Taylor Gatto
Verdummt nochmal
Arno Stern
Wie man Kinderbilder nicht betrachten sollte
John Holt
Aus schlauen Kindern werden Schüler
Bildung in Freiheit
Wie kleine Kinder schlau werden
Gemischte Autoren
Geht’s auch ohne Schule?
Das große Unschooling Handbuch
Wir sind so frei
Schulfrei – Lernen ohne Grenzen
The Unschooling Unmanual
Radical Unschooling
Aber mein Kind geht gern zur Schule, warum sollte ich es aus der Schule nehmen?
Ich weiß, dieser Satz fällt oft. Tatsächlich bin ich aber der festen Überzeugung, dass kein Kind gern zur Schule geht. Zum Einen liegt das daran, dass Kinder bei solchen Fragen gerne so antworten, wie es die Erwachsenen gerne hätten, auch um lästige weitere Fragen zu vermeiden (Hast du deiner Tante immer gesagt, dass du kein Bock auf Schule hast, wenn sie dich 2x pro Jahr danach fragte im Beisein der gesamten Familie?) und auch aus der Erfahrung heraus, dass ihre Meinung dazu eh nicht ernstgenommen wird (“Tja, da müssen wir halt alle durch.”).
Zum Anderen liegt das aber an der Sache selbst: Was ist Schule, was beinhaltet Schule eigentlich wirklich und wie trennt sich Schule vom Alltag? Was ist es genau, das mein Kind an der Schule mag und ist es etwas, dass es nur in der Schule erleben kann?
Wir Eltern neigen dazu, Situationen, die wir meinen nicht ändern zu können (“Es muss doch jedes Kind zur Schule gehen…!”), uns selbst und anderen schön zu reden. Wir interpretieren dann einfach mehr in die Aussagen unserer Kinder über den ach so schönen Schulbesuch hinein, als unsere Kinder uns damit eigentlich mitteilen wollen.
Beispiel Freundschaft: “Mein Kind geht gern zur Schule, denn da sind seine Freunde.” Jo, versteh ich. Deshalb geht dein Kind noch lange nicht gerne zur Schule mit all den Dingen, die zum Schulbesuch dazu gehören (nämlich u.a. Zwang), sondern es sieht halt einfach gerne seine Freunde. Du könntest genauso. gut sagen: “Mein Kind spielt gern auf der Spielstraße vorm Haus mit den Nachbarskindern” oder “Mein trifft nachmittags gerne seine Freunde”. Dass es seine Freunde gerne sieht, hat rein gar nichts mit dem Schulbesuch an sich zu tun. Ich möchte wetten, dein Kind trifft seine Freunde lieber außerhalb der Schule, als in der Schule. Wenn es die Wahl hätte.
Wäre die Schule ein Ort, an den man wirklich gerne hingehen würde, so wäre auch dieses große Tamtam zum Schulanfang schlichtweg überflüssig. Es wäre Freude genug, endlich zur Schule gehen zu dürfen. Genau so, wie es viele Kids lieben, in einen Freizeitpark zu gehen. Oder feierst du dein Kind vor dem Besuch des Freizeitparks auch mit Süßigkeiten und Geschenken, weil es jetzt endlich groß genug ist, um die Achterbahn zu fahren?
Wohl kaum. Dieses TamTam wird veranstaltet, weil wir tief in uns drinnen wissen, dass die Schulzeit nicht geil sein wird. Wir wollen unserem Kind, solange es uns möglich ist, eine Party daraus machen. Wir wollen, dass es Schule mit positiven Dingen verknüpft, bevor es selber merkt, dass Schule all das eben nicht ist. Wir wollen es ihm damit leichter machen. Weil wir es lieben und schützen wollen. Und dazu nehmen wir in Kauf es anzulügen.
Wirst du auch zum Unschooling bzw. Freilernen befragt oder hast du sogar selber Fragen? Stellt sie mir hier in den Kommentaren oder per Kontaktformular.
Eine Frage, die sich vermeintlich selbst widerspricht, ist die, welches Material wir zum Freilernen nutzen, um unseren Kindern rechnen, lesen und schreiben u.s.w. beizubringen. Doch wer bringt hier wem was bei?
Es gibt so viele verschiedene Freilerner, wie es Sand am Meer gibt
Beim Freilernen gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Rein von der Definition her ist das Freilernen mit dem Unschooling gleichzusetzen. Es geht hier um vom Kind selbstbestimmte Bildung. Trotz allem nutzen manche Freilerner auf Wunsch des Kindes Schulmaterialien, die sie wie beim Homeschooling durcharbeiten. Je nach Alter und Bedürfnissen schaffen sich die jungen Menschen selbstständig feste Zeiten zum Lernen oder nehmen sich bestimmte Themen vor, die sie eventuell sogar in die gängigen Fächer einteilen.
Wichtig ist, dass, wenn solche Strukturen gelebt werden, diese vom Freilerner selbst kommen und nicht von außen (evtl sogar noch mit Druck) aufgedrängt werden.
Unter den Begriff (Radical) Unschooling tummeln sich oft diejenigen, die kein spezielles Material nutzen, sondern die Situationen im Alltag nehmen, wie sie kommen. Sie erklären, wenn Fragen aufkommen oder suchen mit den Kindern gemeinsam nach Lösungen. Materialien werden auf Wunsch selbstverständlich zur Verfügung gestellt.
Aus meinem Alltag kann ich bestätigen, dass es meist sehr viel mehr Fragen gibt, als ich sofort Antworten darauf finde und so gibt es immer wieder Gründe gemeinsam Neues zu lernen.
Die meisten Freilerner, die ich bisher kennenlernen durfte, stehen irgendwo dazwischen. Mal gibt es Phasen, in denen mehr Material verlangt wird und mal solche, in denen gar nichts gebraucht wird, was irgendwie Ähnlichkeit hätte mit gängigen Lernmaterialien.
Freilernen: Sind wir Homeschooler oder Unschooler?
Auch wenn wir stark in Richtung Unschooling tendieren, so haben wir doch gewisse Materialien da, die wir unseren Kindern zur Verfügung stellen. Sie haben diese zur freien Verfügung und können damit arbeiten, wann und wie lange sie möchten. Einige dieser Materialien möchte ich dir vorstellen. Das eine oder andere wird dir sogar seltsam bekannt vorkommen und eher als “Spielzeug” verbucht worden sein.
Wie lernen Kinder Lesen und Schreiben beim Freilernen?
Zum Lesenlernen benutzte unserer (damals) siebenjährige Tochter alles, was sie an Buchstaben in ihrer Umwelt gefunden hat. So las sie im Auto beim Vorbeifahren Straßenschilder, Namen von Geschäften und was sie sonst noch so alles fand. Meist kam dann ein “Mama! Da steht “Hotel”!” vom der hinteren Sitzbank, was mich jedes Mal zum Schmunzeln brachte.
Sie dachte jedoch einige Zeit, dass Lesen einfach übelst schwer sein muss und traute sich an nichts heran. Als sie aber plötzlich Erfolgserlebnisse hatte, begann sie eifrig – meist für sich ganz heimlich – Worte zu entziffern. Bestens daran zu erkennen, dass sie angestrengt auf ein Wort starrte und sich ihre Lippen dabei bewegten. Dann der Begeisterungsschrei, wenn das, was sie soeben gelesen hat, für sie auch wirklich Sinn ergab! Es war eine riesige Freude sie so eifrig etwas lernen zu sehen, wofür man angeblich jahrelang in die Schule gehen muss.
Es macht generell sehr viel Spaß meinen Kindern beim Spielen damit zuzusehen. Ganz besonders wichtig finde ich, dass die Motivation dafür aus ihnen selbst kommt, auch “intrinsische Motivation” genannt. Keine Kämpfe, keine belastete Beziehung und dafür ganz viel nachhaltige Bildung.
Viele der Eltern, die pandemiebedingt zu Homeschooling Eltern* wurden, können wohl ein Lied davon singen, wie es ist, der verlängerte Arm der Lehrkraft zu sein. Auch die Auswirkung auf die Beziehung zu ihren Kindern sei hier nicht außer Acht gelassen.
*Ich bevorzuge eigentlich den Begriff Coronaschooling, weil es einen beträchtlichen Unterschied ausmacht, ob man als Eltern gezwungen wird, die Kinder selbst zu unterrichten oder ob man sich aus freien Stücken dazu entschieden hat. Zudem nehmen die Freiwilligen auch selbst Einfluss auf Dauer, Thema, Menge etc. und können normalerweise Möglichkeiten anbieten, Museen zu besuchen und anderen bildenden Aktivitäten nachzugehen.
Trotz unseres sehr freien Ansatzes haben bzw. hatten unsere Kids diese Materialien zur freien Verfügung, die das Interesse an Buchstaben auch ganz nebenbei wecken.
Die Produkte hier sind mit Werbelinks (sog. Affiliate Links) verlinkt und mit einem *-Sternchen gekennzeichnet. Du hast keinerlei Nachteile, ich bekomme jedoch eine geringe Provision (oft Cent-Beträge :D).
Du darfst dir aber sicher sein, dass ich dir hier nichts empfehle, das ich nicht wirklich für hilfreich & wertvoll halte. Die Einnahmen ermöglichen mir hier weiterhin über das Freilernen, Reisen mit Kindern und den Online Business Aufbau zu schreiben. Jetzt aber los:
Lesen lernen beim Freilernen
Lesen lernen mit dem “ABC der Tiere” – Poster
Dieses Poster* hängt schon seit unsere Große drei oder vier Jahre alt war immer gut sichtbar im Raum oder Wohnmobil (im Wohnmobil in etwas kleiner). Sie schaute selbstständig nach, welche Buchstaben sie wohl gebrauchen kann, wenn sie ein Wort oder einen Namen schreiben wollte oder wie ein Buchstabe klingt. Auch mein Sohn hat damit alle Buchstaben ganz nebenbei gelernt.
Dies war von allen die lohnenswerteste Investition für echt kleines Geld!
Lesen lernen mit Mini Lük von Westermann
Aus meiner Grundschulzeit habe ich im Keller meiner Eltern noch ein Mini Lük* gefunden. Dann und wann wird begeistert damit gespielt und so das Gehör schult. Da meine Version aus den 1990ern stammt, habe ich dir eine möglichst ähnliche Version hier verlinkt.
Der Westermann Verlag hat sich in der Zwischenzeit ganz viele neue und ansprechendere Hefte* ausgedacht, die weit übers Lesen- und Rechnenlernen hinausgehen.
Lesen lernen mit tiptoi
Wen das Mini Lük nicht mehr hinter der Ofenbank hervorlockt, der kann sich vielleicht mehr für Tip Toi begeistern!
Buchstaben richtig hören üben die Kinder, indem sie mit dem Tip Toi Spiel Buchstabenburg* spielen. Hier spielen sie gegen einen Drachen um einen Schatz!
Bei Magors Lesezauber* helfen die Kinder dem Zauberer Magor einen Raben zu fangen und lernen dabei ganz beiläufig die ersten Buchstaben zu erkennen.
Das Tip Toi Buch Erste Buchstaben* (heißt jetzt: Meine Lern-Spiel-Welt*)hat den Kids einen wunderbaren ersten Einstieg in die Welt der Buchstaben ermöglicht. Mit den vielen Minispielen und Erklärungen war dies genau das richtige, wenn sie sich ohne Mamas Augen in dieser Welt umschauen wollen.
Den Tip Toi Stift* gibt’s hier ebenso, wie auch viele weitere Bücher:
Als sich unsere Tochter nicht mehr mit einzelnen Buchstaben zufrieden gab, kam der konkrete Wunsch auf lesen zu lernen. Es ging ihr einfach nicht schnell genug, weshalb wir uns entschieden die Silbenfibel von Mildenberger* anzuschaffen. Mal las sie darin mit Begeisterung ein paar Seiten, dann wieder monatelang gar nicht und wollte auch gar nichts davon wissen.
Auch das gehört dazu, denn Kinder wissen selbst am Besten, wann ihre “Fenster geöffnet sind” um etwas zu erfassen und wann etwas ganz anderes dran ist. Mit der Silbenfibel lernte sie nun einzelne Buchstaben zu Wörtern zusammenzufassen. Hierzu gibt es auch ein Schreiblerngang und Übungsheft.
Update: Probiert euch aus! Nach einiger Zeit wurde der Wunsch meiner Tochter sehr groß, Englisch zu lernen und so begann sie mit einem Englisch-Online Programm, in dem sie zeitgleich auch Englisch lesen lernte. Schnell fiel mir auf, dass sie Englisch viel schneller lesen konnte als Deutsch. Ich schaute genauer hin und entdeckte, dass sie sich viel leichter tat, ganze Wörter zu lesen, sie direkt zu erkennen und dabei auch zu begreifen, was sie da grad las, als ein Wort erst in seine Silben zu zerlegen oder aus buntgefärbten Silben zusammenzusetzen.
Mit dieser Erkenntnis packten wir die Silbenfibel weg und es dauerte nicht lange und sie las genauso flüssig Deutsch, wie sie Englisch las.
Meine Tochter ist aber nicht dein Kind, weshalb ich dir diese Möglichkeit der Silbenfibel trotzdem zeigen möchte. Beobachte dein Kind genau, dann wirst du herausfinden, auf welche Art es sich am liebsten und besten mit dem Lesen und Schreiben befassen mag.
Conni aus dem Carlsen Verlag
Kommt dein Kind gut mit der Silben-Methode klar, schau dir für mehr Abwechslung und interessantere Texte die Silbenbücher von Conni an. Conni-Fans finden in den Silben-Geschichten zum Lesenlernen* erste Geschichten zum Lesenlernen und in den Übungsheften* abwechslungsreiche Aufgaben. Mehr Rätselspaß und weniger langweilige Wiederholungen. Es handelt sich um eine ganze Reihe mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, so dass es nicht zu langweilig oder überfordernd wird.
Rechnen lernen beim Freilernen
Gezählt wird bei uns alles. Krümel, Kaffeetassen, Dinosaurier, Legosteine… einfach alles. Ganz beiläufig wurden 1 + 1 zusammengezählt oder abgezogen.
Freilernen macht z. B. super Spaß mit den Fiete Lernapps und die Bildschirmzeit wird auch gut genutzt. Als Eltern kann man sogar in Statistiken schauen und sieht genau, welche Bereiche wunderbar klappen. Oder man lässt den Kids einfach ihren Spaß ;), denn es gibt beim Freilernen kein “hinter sein” oder vergleichen.
Ein ganz simpler, selbstgebastelter Zahlenstrahl und unsere zehn Finger dienen hier aber hauptsächlich zum Rechnen und so bildete sich mit der Zeit ein Verständnis zu Mengen und Größen bis hin zu unserem Geldsystem.
Wenn unseren Kindern nach Rätseln und Knobeln ist, dann schauen sie aber trotzdem gern in unsere Materialen, denn sie lieben alltagstaugliche Textaufgaben. Für sie hat das auch nichts mit Mathematik zu tun, sondern einfach mit ein wenig Knobeln, sich auf die Suche nach einer Lösung machen und das Gehirn anschmeißen.
Rechnen lernen mit dem Abakus / Rechenschieber
Kein Witz! Die Dinger gibt’s noch immer und solange wir unsere Kinder nicht zwingen damit zu rechnen, spielen sie von ganz alleine mit großer Begeisterung mit Mengen. Bei der Auswahl ist mir persönlich wichtig, dass die Fünfer-Gruppen leicht zu erkennen sind, so wie es beim Abakus von Wissner* der Fall ist. Aber auch ohne die Trennung, mit farblich ansprechenderer Gestaltung wie beim Abakus von Kindsgut*, bleibt der Lerneffekt nicht aus!
Rechnen lernen mit tiptoi
Wie du gemerkt hast, sind wir ziemliche tiptoi-Fans (bis die Kids da rausgewachsen sind)!
Auch beim Zählen und Rechnen wird sich ein tiptoi Stift geschnappt und los geht’s. Im Buch tiptoi Lern-Spiel-Welt Zahlen und Mengen gibt’s wieder eine Menge Minispiele und ganz viel zum Zählen. Auch von Tip Toi gibt es weiterführende Bücher mit erhöhten Schwierigkeitsgraden, so dass es nie langweilig wird. Und das Beste: Sie lernen es einfach nebenbei mit Spaß. Spielen ist Lernen!
Mit dem Spiel Rechenspaß mit Taschengeld* gehen die Kids bei uns einkaufen und kaufen sich mit ihrem Spielgeld die ganze Einkaufsliste hoch und runter. Irgendwann wurde ihnen das Spielgeld zu langweilig, deshalb benutzen wir meist echte Münzen. Der Zahlenraum bis 100 wird so ganz spielerisch verstanden. Weitere Spiele:
Auch beim Freilernen sind Rechnen & Lesen sozusagen die Basics, allerdings ist das Leben viel bunter als diese zwei Themenbereiche, weshalb nicht irgendein Bereich einem anderen vorgezogen wird. Die Welt lässt sich für uns nicht in Fächer einteilen, denn alles ist miteinander verwoben und das meiste lernen wir ganz unbewusst nebenbei. Das eine bedingt das andere. Kochen kommt u.a. nicht aus ohne Mathematik, Lesen, Lebensmittelkunde, Hauswirtschaft und Chemie. Ein Verständnis für Zusammenhänge und Vorgänge entwickelt sich so von ganz alleine und erhält die Freude an Neuem. Es gibt immer und überall was Neues zu lernen!
Wie lernen deine Kinder am liebsten und womit? Erzähl es mir in den Kommentaren und teile deine Erfahrungen & Tipps mit anderen Familien.
Nutzen andere Familien auch Materialien zum Freilernen?
“Freilernen heißt bei uns, unsere Kinder lernen aus ihrem inneren Antrieb heraus, aus Begeisterung und in ihrem Tempo. Sie lernen zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen ganz natürlich, so wie sie auch Laufen, Sprechen und Fahrrad fahren gelernt haben. Es heißt auch, dass unsere Kinder mit Übungs- und Lernheften, Apps und vielen Bücher lernen. Sie lernen das, worauf sie gerade Lust haben. Natürlich findet Lernen nicht nur am Tisch statt, sondern ständig und oft ganz nebenbei. Im Alltag, im Kontakt mit anderen Menschen, auf Reisen und Ausflügen, durch Fragen und ganz wichtig durch Spielen. Lernen vom Leben.“ – Nicole & Robert