„Na klar, ohne Schulabschluss bekommt mein Kind später keine Arbeit, ist doch klar.“
Und obwohl du das oben vielleicht glaubst, bist du trotzdem hier und willst wissen, was es da noch mehr zu sagen gibt.
Vielleicht auch in der Hoffnung, mal eine andere Sichtweise als die übliche zu lesen?
Vielleicht findest du das Schulsystem mittlerweile fragwürdig, möchtest aber wissen, ob dein Kind trotzdem einen Schulabschluss machen kann, wenn es einen außerschulischen Bildungsweg geht oder ohne Schulabschluss bleiben muss?
Vielleicht will dein Kind die Schule abbrechen und du suchst nach Lösungen, weil du dir Sorgen machst, dass es sich ohne Schulabschluss das Leben zerstört?
Egal, was dich hertreibt, ich bitte dich diesen Text mit Offenheit für möglicherweise neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten zu lesen, die dich und dein Kind auf einen völlig neuen Weg bringen können.
„Menschen ohne Schulabschluss liegen dem Staat auf der Tasche.“
Als Mutter von zwei Freilernern, also Kindern, die nicht zur Schule gehen, sondern sich bewusst frei bilden, taucht in Gesprächen immer wieder das selbe Argument auf:
„Aber ohne Schule haben sie keinen Schulabschluss und liegen später dem Staat auf der Tasche!“
Auch wenn die meisten beruhigt sind, wenn ich erkläre, dass es sehr wohl möglich ist, auch als Freilerner einen Schulabschluss zu machen, bedeutet das nicht, dass alle Freilerner es darauf absehen, tatsächlich einen Schulabschluss zu machen.
Auch ohne Schulabschluss ein erfülltes & erfolgreiches Leben zu leben, könnte möglicherweise gar nicht so schwer sein:
Denn jetzt mal Klartext: Stellen wir uns hier überhaupt die richtige Frage?
Vorausgesetzt, wir wünschen uns und unseren Kindern nichts mehr als ein erfülltes Leben (das verstehe ich u. A. auch unter „erfolgreich“, also ein Leben, in dem sie haben oder erreichen, was sie brauchen), dann ist die eigentliche Frage, die ich mir stelle:
Warum meinen wir, dass wir oder unsere Kinder überhaupt einen Schulabschluss brauchen?
Warum meinen wir, dass Kinder ohne Schulabschluss schlechte Chancen im Leben haben? Warum stellen wir Eltern den Abschluss selbst nicht in Frage?
Warum wir meinen, dass es unsere Kinder ohne Schulabschluss schwer haben werden:
Dieser Gedanke, dass wir unseren Kindern ihr Leben verbauen (oder sie sich selbst, wenn sie die Schule abbrechen), wenn sie ohne Schulabschluss bleiben, entsteht durch unser Mindset (Überzeugungen & Denkweisen), das wir tatsächlich erst durch die Schule selbst erlernt haben.
In der Schule lernen wir es total normal zu finden, Arbeiten und Aufgaben zu erledigen, die uns aufgetragen werden. Ganz egal, ob wir den Sinn dahinter verstehen oder nicht. Wir fragen kaum oder gar nicht mehr nach. Wir führen aus, was erledigt werden soll.
Aber wieso fragen wir nicht mehr nach?
Indem wir uns in der Schulzeit permanent mit Dingen befassen müssen und Aufgaben aufgetragen bekommen, die uns zu dem Zeitpunkt gar nicht interessieren, gewöhnen wir uns an die für uns empfundene Sinnlosigkeit unseres Tuns. Wir akzeptieren einfach, dass wir sie jetzt ausführen müssen.
Den einzigen Sinn, den wir noch in der Erledigung der Aufgaben erkennen, ist der der Noten, also die Bewertung von außen, die wir für unsere Leistungen oder unser Verhalten bekommen.
Da immer wieder betont wird, wie wichtig gute Noten für einen Schulabschluss und in der Folge für eine gute Anstellung sind (was gerne gleichgesetzt wird mit „Erfolg im Leben“), malen wir uns bei schlechten Noten und ohne Schulabschluss aus, wie unsere Kinder auf der Straße oder drogenabhängig unter der Brücke schlafen müssen.
Dabei machen wir den weitreichenden Fehler, zu glauben, dass Bildung nur in Schulen vermittelt wird (und nirgendwo anders!), weil wir es einfach nicht anders kennen (da Deutschland zu den wenigen Staaten mit Schulpflicht anstatt Bildungspflicht gehört). Im Umkehrschluss bedeutet das für uns dann, dass unsere Kinder keine Bildung erhalten können, wenn sie nicht zur Schule gehen und keinen Schulabschluss haben.
Doch genau diese Vorstellungen zu einem Leben ohne Schulabschluss ist Konditionierung, die wir durch unsere Beschulung selbst erst erhalten haben.
Krasser und knapper ausgedrückt: Beschulung macht uns zu Befehlsempfängern, die nicht mehr das große Ganze verstehen wollen und wie alles miteinander zusammenhängt, sondern die die Aufgaben und Arbeiten erledigen, die ihnen aufgetragen wurden.
Dieses Mindset, das wir im Laufe der Schulzeit unbewusst erwerben, nenne ich die „Angestelltendenke“.
Die Angestelltendenke oder auch Arbeitnehmer-Mindset
Die Angestelltendenke bereitet uns darauf vor, dass wir in der Lage sind, Aufgaben ohne nachzufragen und ohne den Sinn verstehen zu müssen, auszuführen. Jahrelang gingen wir so durch die Schulzeit und mussten Informationen aufnehmen und uns bewerten lassen, so dass wir es nun als total normal empfinden, dass sich dies auch in unserem Leben nach der Schule fortsetzt.
Wir akzeptieren sogar, dass wir eine “offizielle” Bescheinigung, einen Schulabschluss zum Beispiel, brauchen, die uns ein bestimmtes Wissen oder Fähigkeiten bescheinigt, damit andere uns einstellen, um für sie zu arbeiten. Ohne Schulanschluss, keine Arbeit.
Doch:
(D)ein Schulabschluss ist wertlos.
„Woah, Hanna, jetzt mal halblang…! Sowas kannst du jetzt auch nicht direkt sagen…! Immerhin habe ich dank meines Abschlusses eine Ausbildung gemacht und verdiene damit Geld für meine Familie.“
Es ist doch so: Ein Schulabschluss bescheinigt dir oder deinen Kindern lediglich einen möglichen Wissensstand nach erfolgreicher Prüfung. (Und sind wir mal ehrlich, das meiste haben wir direkt nach den Prüfungen vergessen.) Doch das alleine macht weder dich noch sie zu gebildeten Menschen.
Wikipedia sagt dazu: „Bildung ist ein vielschichtiger, unterschiedlich definierter Begriff, den man im Kern als Maß für die Übereinstimmung des persönlichen Wissens und Weltbildes eines Menschen mit der Wirklichkeit verstehen kann. Je höher die Bildung ist, desto größer wird die Fähigkeit, Verständnis für Zusammenhänge zu entwickeln und wahre Erkenntnisse zu gewinnen.“
In der Schule wird in erster Linie Wissen verteilt. Wissen allein ist keine Bildung. Damit das erlangte Wissen von Wert ist, muss es auch tatsächlich angewendet werden. Es ist nur in dem Moment von Wert, in dem du es brauchst und es anwendest. Doch das meiste, das du gelernt hast, hast du nie gebraucht, nie anwenden müssen und daher schnell vergessen. Es war tatsächlich wertlos für dich. Somit wird auch dein im Schulabschluss bescheinigter Wissensstand wertlos, wenn du mit dem Wissen selbst nichts anfangen kannst. Du hast tatsächlich nicht mehr als ohne Schulabschluss.
Wusstest du, dass sich die meisten Menschen, wenn man sie fragt, nur an rund 10% des Faktenwissens, das ihnen im Laufe ihrer gesamten Schullaufbahn verabreicht wurde, erinnern?
Ohne Schulabschluss leben: Wofür steht der Schulabschluss wirklich?
Okay okay, der Schulabschluss selbst ist zwar wertlos für dich, wenn du für das Wissen keine Anwendung hast, aber nicht sinnlos, denn:
Der Schulabschluss zeigt der Grad der Anpassung an, zu der wir fähig sind, um in dieser Gesellschaft zu funktionieren.
Oder um es mit den Worten des renommierten Hirnforschers Gerald Hüther zu sagen: „Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit.“
Diese Angepasstheit ermöglicht es uns, eine gewisse zeitlang zu funktionieren. So haben wir im Laufe der Schulzeit zur Unterstützung und als Beweis unserer Angepasstheit Glaubenssätze (dazu gleich mehr) entwickelt, die uns immer wieder bestätigen, dass Schule sein muss, man ohne Schulabschluss unter der Brücke landet und wie wir selbst über Anstellung & Arbeit generell denken. So funktionieren wir in diesem System gut und haben die Angestelltendenke verinnerlicht.
Glaubenssätze zum Leben ohne Schulabschluss
Überlegst du nun dein Kind aus dem Schulsystem herauszunehmen, stellst du dir also unweigerlich viele Fragen, wie die nach dem Schulabschluss oder auch wer nun die Betreuung übernimmt, wenn dein Kind nicht zur Schule geht, denn du selbst musst ja arbeiten gehen.
Jepp, du wirst etwas tun müssen, um deine Familie weiterhin finanziell unterhalten zu können und i. d. R. wird das nicht mit einer durchschnittlichen Anstellung vereinbar sein, weil du deine Kinder nun selber betreuen wirst. Du musst also etwas ändern, doch schon kommen dir Gedanken in den Sinn, die dich von einer Veränderung abhalten.
In den folgenden Glaubenssätzen zeigt sich die Angestelltendenke in voller Pracht:
Man muss mindestens 8 Stunden pro Tag arbeiten, um genug zu verdienen.
Ein Einkommen reicht nicht.
Ohne Schulabschluss findet man keine Arbeit.
Als Selbstständige arbeitet man selbst und ständig.
Arbeit findet an einem anderen Ort statt, so dass ich eine Betreuung für die Kinder brauche.
Durch die Arbeit ist man ortsgebunden.
Ich kann nichts, womit ich Geld verdienen könnte, ich hab ja nichts anderes gelernt (Übersetzt: Ich habe keinen offiziellen Wisch für eine andere Tätigkeit.).
Arbeit ist anstrengend/langweilig/kompliziert/nervig/doof/[wähle ein negatives Adjektiv deiner Wahl].
Ohne Schulabschluss macht man keine „richtige Arbeit“ oder nur minderwertige.
Online arbeiten bedeutet bei Instagram Produkte in die Kamera zu halten und das ist, was Menschen ohne Schulabschluss nur machen.
Warum das alles nur Glaubenssätze sind, also Dinge, die du meist unbewusst für wahr hältst, ohne sie jemals hinterfragt zu haben, und keine Tatsachen, erfährst du, wenn du bereit bist, dich der Möglichkeit zu öffnen, dass etwas am Gegenteil dran sein könnte und du beginnst die Angestelltendenke loszulassen.
Was passiert, wenn du die Angestelltendenke loslässt?
Genau diese Angestelltendenke ist es, die dich blockiert und dich an dem Bildungskonzept der Schule festhalten lässt und auch dem Gedanken, dass du oder deine Kinder ohne Schulabschluss oder passende Ausbildung einpacken könnt.
Wirst du aber deine Angestelltendenke los,
wirst du den Druck los, den du empfindest, wenn du daran denkst, dass dein Kind ohne Schulabschluss durch’s Leben gehen muss,
ermöglichst du deinem Kind frei zu lernen und Freude an Bildung zu bekommen,
öffnen sich haufenweise neue Möglichkeiten und Wege für all die Herausforderungen, vor denen du vorher (vielleicht auch genau jetzt!) standest,
lernst du selbst, wie du erfüllt sein und trotzdem für deine Familie sorgen kannst,
wirst du zum Vorbild und lebst deinen Kindern vor, wie sie ihr Leben gestalten können, um glücklich & erfüllt zu sein.
Ich möchte an dieser Stelle auf einen fundamentalen Aspekt hinaus, der die Angestelltendenke prägt und damit das Bild vom Leben ohne Schulabschluss am Leben erhält:
Wie oben schon beschrieben, werden wir in der Schule darauf trainiert, Aufgaben zu erledigen, die wir für andere erledigen. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Genauer gesagt finde ich es sogar für eine Gesellschaft sehr wichtig, sich gegenseitig zu helfen. Doch das Ganze läuft bei uns sehr einseitig ab: Es gibt ein paar wenige, für die wir arbeiten. Diese wenigen sind Menschen, die ein Unternehmen gegründet haben und nun Mitarbeiter brauchen. Das haben sie meist getan, weil sie selbst einen Traum oder eine Vision hatten, die sie gerne wahr werden lassen wollten, um Erfüllung zu erfahren. Und das ist etwas so fundamental wichtiges, das du nicht in der Schule gelernt hast. Warum nicht?
Tatsächlich lernen wir: Arbeiten wir nicht für die Träume anderer (und bleiben sogar ohne Schulabschluss), sind wir nicht von Nutzen, weil wir keine Arbeit haben.
Wäre es anders, würden wir in der Schule unternehmerisches Denken lernen und wie wir unsere eigenen Träume und Visionen erfüllen können. Dies beides ist so eng miteinander verflochten wie die Anstellung und der Schulabschluss.
Moment… eigene Träume? Fehlanzeige. Wir hatten keine Zeit sie zu entwickeln, keinen Mut aus der Reihe zu denken. Haben wir zu viel geträumt, sind wir bestraft worden, ob nun mit Schreien, Ermahnen, Drohen, Augenrollen, Ignorieren oder anderweitiger Gewalt. Wir haben gelernt, dass es Menschen gibt, die ihre Träume verwirklichen. Die hatten halt Glück. Und es gibt uns: Wir müssen hart arbeiten. So ist das Leben eben.
Tatsächlich ist es so, dass die meisten Menschen nicht mehr als ein paar Neujahrsvorsätze fürs nächste Jahr machen, die sie auch schon am 2. Januar wieder vergessen haben.
Wir haben keine große Vision mehr für unser Leben, fühlen uns sogar oft eingeschüchtert, wenn wir nur daran denken oder machen uns laut oder insgeheim lächerlich über andere, die nur davon sprechen oder sich sogar trauen, ihre eigenen Träume anzugehen. Unser Ziel ist dieser oder jener Abschluss, diese oder jene Ausbildung oder Studium, weil sie, wenn wir sie erstmal haben, gutes Geld versprechen. Gleichzeitig fühlen wir uns, als würden wir auf der Stelle treten, nicht vorankommen, wissen am Morgen nicht, wofür wir eigentlich aufstehen (außer für unsere Kinder), fühlen uns verloren oder fragen uns: Ist das schon alles?
Und ganz ehrlich: Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich gehörte auch mal zu ihnen. Ich habe meine Fähigkeit zur Anpassung mit dem Abitur bewiesen und nicht immer wohlwollend über Menschen gedacht, die ihren Träumen folgten. Bis ich erkannte:
Mein Schulabschluss ist wertlos…
…weil er mich meinen Träumen nicht näher brachte. Weil ich Jahre damit verschwendet habe, haufenweise Informationen in mich reinzustopfen, von denen ich damals schon wusste, dass ich sie nicht brauchen werde und wenn doch, ich sie sowieso neu lernen muss, weil ich sie bis dahin vergessen haben werde.
Genauer gesagt hatte ich lange keine Träume, habe lange mit Depressionen und Panikattacken gekämpft, weil mein Leben keinen Sinn ergab und jeder Gedanke an eine Anstellung nur dazu führte, dass ich morgens nicht aus dem Bett kam… bis mir auffiel, dass ich der einzige Mensch bin, der mir selbst Sinn geben kann.
Jetzt arbeite auf einem Gebiet, das ich mir selbst ausgesucht habe, wofür ich kein Abitur (oder irgendeinen Abschluss) brauche, sondern lediglich den Willen zur Bildung. Eine Tätigkeit, mit der ich anderen helfen kann und mit der ich ein Ziel verfolge, das so sinnstiftend für mich ist, dass ich mich täglich erfüllt fühle, wenn ich an die Arbeit gehe.
Doch wir Deutschen denken viel lieber, es sei total normal, dass wir einen offiziellen Wisch benötigen, der uns Wissen bescheinigt, mit dem wir uns fähig fühlen, für anderer Leute Träume arbeiten zu können. Und wie einfach es ist, zu denken, was wir alles nicht für uns verändern können, weil uns ein offizieller Wisch fehlt.
Ja, ein Schulabschluss ist auch ohne Schulbesuch machbar. Aber ein erfülltes, glückliches Leben, das deine Kinder und dich euren Träumen näher bringt, kann er nicht versprechen.
Hör auf für die Träume anderer zu arbeiten und widme dich deinen eigenen Träumen! Nur so kannst du deinem Leben Sinn geben und dich erfüllt fühlen und dies auch deinen Kindern vorleben. Egal, ob mit oder ohne Schulabschluss. Denn, ob du oder deine Kinder ein erfolgreiches Leben führen, darauf hat er keinen Einfluss.
Angestelltendenke adé: Auf der Suche nach deiner Vision
Wenn du magst, dann widme dich jetzt deinen Visionen und Träumen, um deiner Angestelltendenke Lebewohl zu sagen und eine Ahnung davon zu bekommen, was noch alles auf dich und deine Kinder wartet.
Greif zu Zettel & Stift, such dir einen ruhigen Ort für nur 15 Minuten und beginne über deine Vision nachzudenken. Frag dich dabei:
Was möchte ich in dieser Welt anders sehen?
Was ist mir persönlich in meinem Leben absolut wichtig?
Wie kann ich dazu beitragen, dass diese Veränderung eintritt?
Was möchte ich in 30 Jahren dafür erreicht haben?
Welche Zwischenziele muss ich dafür in den nächsten 5-10 Jahren erreichen?
Was kann ich in 2024 tun, um in die Richtung meiner Ziele zu gehen?
Wirst du dich in 2024 von der Angestelltendenke befreien und dein Leben nach deinen Träumen & Visionen ausrichten? Wie wirst du in deiner Vision Geld verdienen, um ein erfülltes Leben zu führen und auch Erfüllung in deiner Arbeit zu finden, um deinen Kindern genau vorleben zu können?
Wenn dich das unabhängige Leben & Arbeiten interessiert, du vielleicht mehr reisen oder auswandern willst, um dir und deinen Kinder eine freie Bildung zu ermöglichen, lade ich dich ein, die Vagabundenpost zu abonnieren, in der du regelmäßig Wissenswertes & Neuigkeiten zum ortsunabhängigen Leben, Lernen & Arbeiten mit Kindern erhältst.
Aktuell erhältst du mit der Vagabundenpost die Online Business Roadmap, mit der du immer weißt, wo du grad auf deiner Reise in ein ortsunabhängiges Business stehst und welche Schritte du noch vor dir hast.
Für viele Menschen ist der tägliche Schulbesuch absolut indiskutabel. Zur Schule gehen müssen alle, das gehört nun mal dazu und da muss nun mal jeder Mensch durch.
Doch welche Vorteile bringt der Schulbesuch wirklich mit und schafft er es, am Ende den Menschen „hinten auszuspucken“, den er vorgibt zu erschaffen?
Zur Schule gehen macht schlau & sozial?
Disclaimer: Lies diesen Artikel nur, wenn du wirklich offen bist für Sichtweisen, die möglicherweise etwas mit dir machen. Ob sie dich wütend machen oder entgeistert oder was auch immer in dir geschieht: Horch in dich hinein und versuche herauszufinden, warum du wirklich so fühlst. Dies hilft dir letztendlich, die beste Lösung für dich und dein Kind zu finden. Am Ende dieses Artikels findest du noch haufenweise Antworten auf deine Fragen.
Gründe für dein Gefühl können sein:
„Irren ist menschlich.“ Möglicherweise fordern dich diese Sichtweisen heraus, weil du dir andernfalls eingestehen müsstest, dass du die ganze Zeit etwas für gut & wertvoll gehalten und verteidigt hast, was es eventuell gar nicht verdient hat. Menschen ändern oft nur ungern ihre Meinung, weil wir gelernt haben, dass das nicht okay ist. Wir haben Sorge als „schwach“ angesehen werden, wenn wir zugeben, dass wir uns geirrt haben. Dabei darf jeder Mensch seine Meinung jederzeit ändern. Dies zeugt davon, dass du Verantwortung für dich und dein Leben übernommen hast.
„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ Ein weiterer Grund kann sein, dass du Widerstand spürst, weil du gar nicht wüsstest, wie du es in deinem Alltag umsetzen solltest. Du müsstest so viel in deinem Leben verändern und sind wir mal ehrlich: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mag Veränderung nicht.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Er klammert sich lieber an das alte Schlechte, anstatt für neues Gutes offen zu sein.
Jens Roth
Wer profitiert davon, wenn deine Kinder zur Schule gehen?
Zuerst wirst du vielleicht denken, dass dein Kind natürlich profitiert, wenn es in der Schule etwas lernt, das es für sein späteres Leben braucht. Doch genau betrachtet, ist dies gar nicht der Vorteil, wenn Kinder zur Schule gehen, sondern lediglich der Irrglaube, du müsstest ihnen sonst zuhause alles aus dem Lehrplan mit viel Geduld & Zeit selbst beibringen. So wie damals… 2020. Du erinnerst dich vielleicht, als alle im „Homeschooling“ waren. Doch Überraschung: Das war kein Homeschooling. Das war Distanzunterricht und hatte nichts mit Homeschooling, Freilernen oder Varianten daraus zu tun.
Lass uns das ganze mal anders betrachten: Welche Vorteile entstehen und wer hat sie wirklich, wenn deine Kinder zur Schule gehen?
Zwei Vorteile für den Staat, wenn Kinder zur Schule gehen:
Wenn Kinder zur Schule gehen, ermöglicht es den Eltern, dass beide regulär berufstätig sein können. In den meisten Fällen bedeutet das angestellt zwischen 20 und 40 Stunden/Woche. Beide bekommen Gehalt und zahlen Steuern. Hier dient die Schule als – salopp ausgedrückt – Kinderaufbewahrungsanstalt. Doch damit es nicht nur dabei bleibt, dient der Schulbesuch auch noch einem weiteren Zweck:
Menschen, die zur Schule gehen, werden direkt auf ihr zukünftiges Leben als Arbeitnehmer, also Angestellte & Arbeiter vorbereitet. Was jetzt erstmal positiv klingt, ist ein wenig komplexer: Hier lernen sie, dass • allzu kritische Fragen nicht erwünscht sind, • sie sich nur im vorgegebenen Rahmen bewegen dürfen (sich dämlichen Regeln unterwerfen wie Fragen, ob man auf’s Klo gehen darf und das dann für normal und in Ordnung halten), • sie und ihre Leistungen unter ständiger Aufsicht & Bewertung stehen (und das als total okay und normal angesehen ist), • sie nur mit guten Noten, einen guten Abschluss machen, um eine gute Anstellung zu bekommen.
Ihre Kreativität, Erfindungsfreude & Neugier wird im Keim erstickt (sogar im Kunst- und Musikunterricht), sie lernen nichts darüber, wie sie sich erfüllt & glücklich im Alltag & Beruf fühlen können, wie sie sich selber strukturieren lernen, wie sie sich richtig Zielesetzen und wie sie selbstständig an Informationen kommen, die sie benötigen.
Lieber bringt man ihnen bei, wie man einen ALG2-Antrag ausfüllt. (Echt wahr, lies hier.)
Warum lernen sie das alles nicht? Ganz einfach: Weil sie nicht sollen. Ein System kann sich nur erhalten, wenn es Bürger erschafft, die dieses System, so wie es ist, aufrecht erhalten. Dazu müssen diese Bürger gewisse Eigenschaften & Fähigkeiten mitbringen, die sie, wenn sie zur Schule gehen, erlernen.
Das alles verschlingt so viel Zeit ihrer Kindheit, dass sie keine Zeit mehr haben, Kind zu sein oder herauszufinden, was sie selbst eigentlich für ihr Leben wollen und wohin sie ihr Weg bringen soll. Der Weg ist nämlich schon von anderen definiert worden – andere Wegformen & Lebensweisen werden nicht erkannt.
Gerald Hüther, Neurobiologe/Hirnforscher, sagt dazu folgendes:
„Und wenn Schule anders wäre, um es so auf den Punkt zu bringen und aus allen unseren Schulen tolle junge Leute herauskämen, die richtig gebildet wären und wüssten, was sie wollten, müssten wir unser Wirtschaftssystem zumachen. Weil die brauchen den ganzen Schrott nicht. Das heißt, wir brauchen möglichst schlechte Schulen, damit wir genügend Kunden für den Müll haben, den wir hier ihnen andrehen wollen. Das geht bis in die Politik. Wir brauchen möglichst unmündige Wähler, damit die ihre ständigen Diskussionsveranstaltungen im Fernsehen machen können. Die Schule dient sozusagen dazu, das zu produzieren […].“
Gerald Hüther, deutscher Neurobiologe
Ein Vorteil für Familien, wenn Kinder zur Schule gehen
Viele Familien sind heutzutage überfordert damit, ihre Kinder tatsächlich um sich zu haben. Ich finde diese Entwicklung höchst fragwürdig. Insbesondere 2020 hat uns gezeigt, wie aufgeschmissen Familien sind, die plötzlich ihre Kids zuhause haben. Die sich mit Langeweile der Kids konfrontiert sahen und keinen Umgang damit fanden, die ihre Kinder kaum kennen, weil sie sie den Großteil des Tages sonst gar nicht gesehen haben und sie in ganz vielen Situationen einfach nie zusammen zurecht kommen mussten.
Die Sozialen Medien sind am Ende jeder Ferienzeit voll von lustig gemeinten Reels, die zeigen, wie froh die Eltern sind, wenn die Kinder wieder in die Schule gehen und aus dem Haus sind.
Klarer Vorteil also: Du hast nicht das Gefühl, du müsstest dich nicht um Beschäftigung kümmern & siehst dich auch nicht in der Verantwortung deinen Kindern Bildung mitzugeben, wenn sie zur Schule gehen. Denn die gibts ja vermeintlich in der Schule.
Ich frage dich: Ist das die Art Familienzeit, die du dir gewünscht hast? Wenn alle ihre Tage an unterschiedlichen Orten verbringen und sich höchstens zum Essen noch treffen und du deine Kinder kaum siehst?
Vorteile – explizit für dein Kind – habe ich noch keine gefunden, wenn du nicht ausgerechnet zu den Eltern zählst, die ihre Kinder psychisch oder körperlich missbrauchen oder du nicht in der Lage wärst, gemeinsam mit deinem Kind nach Antworten auf eure Fragen zu suchen. Da du diese Zeilen hier aber bis hier hin gelesen hast, geh ich davon aus, dass dem nicht so ist. 😉
Jahrelang zur Schule gehen: Hat der Schulbesuch auch langfristige Vorteile?
Dazu frage ich mich, welche Art Mensch wohl am Ende seiner Schullaufbahn da aus dem Ganzen raus kommt, wenn es sich um ein gesundes System handelt.
Meine Erwartungen, die ich an das Schulsystem habe:
Ich würde erwarten, dass dieser Mensch in der Lage ist, selber kritisch zu denken und nicht nur nachplappern kann oder auswendig gelernte Dinge abrufen.
Doch wo sind die ganzen kritischen Denker, für die sich Deutschland, das Land der Dichter und Denker, so rühmt? Ich kann sie nicht sehen.
Ich würde erwarten, dass dieser Mensch gelernt hat, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.
Doch wo sind die ganzen Menschen, die ihr eigenes Handeln hinterfragen und nicht alle Fehler nur bei Anderen sehen? Ich kann sie nicht sehen.
Ich würde erwarten, dass dieser Mensch höchst kreativ ist und lösungsorientiert denkt.
Doch wo sind all die Selbstständigen, die wirklich erfüllende Unternehmen gründen, die ihren Werten entsprechen und dem Allgemeinwohl dienen, nämlich das Leben auf diesem Planeten wieder in ein Gleichgewicht zu bringen mit ihren Lösungen? Ich kann sie nicht sehen.
Ich würde erwarten, emotional stabile Menschen zu erleben, die gelernt haben, Konflikte (innere & äußere) auf produktive Weise zu lösen.
Doch wo sind die mental stabilen Kinder & Jugendlichen, die nicht schon mit 11 Jahren an der Kippe hängen und sich mit Energy Drinks vollknallen, weil es cool ist? Die gelernt haben, wie sie mit ihren eigenen Emotionen gesund umgehen und nicht kranke Verhaltensweisen einer kranken Gesellschaft zeigen (z. B. psychische Gewalt, Mobbing, Sucht, Gruppenzwang)? Ich sehe sie nicht.
Ich würde erwarten, dass die Menschheit bunt & lebensfroh wäre.
Doch wo sind all die temperamentvolleren Menschen, die mal laut, mal leise sind, die in Bewegung kommen und nicht träge rumsitzen (weil sie das so gelernt haben) und einfach sie selbst sein dürfen? Die wurden als Kind schon mit Medikamenten ruhig gestellt, sind in tiefe Löcher gefallen oder haben aufgegeben.
Hilfe, mein Kind will nicht zur Schule gehen!
Keine Sorge, dein Kind ist nicht falsch oder seltsam oder irgendwie schlecht, wenn es nicht zur Schule gehen will. Denn kein Kind geht gern zur Schule.
Dein Kind spürt lediglich dieses kranke System, in dem es aufwächst und möchte sich davor schützen, indem es nicht mehr zur Schule gehen will. Nun bist du als Mama oder Papa gefragt: Wie hilfst du deinem Kind?
Machst du dein Kind zum Problem oder das Schulsystem, in dem es als individueller Mensch nicht gedeiht? Und wie könnte deine Lösung aussehen?
Vielleicht kommen dir direkt viele Glaubenssätze hoch wie: „Schule gehört nun mal dazu.“, „Jeder muss zur Schule gehen, da müssen alle durch.“, „Dann lernt das Kind ja nichts.“, „Ohne Abschluss kriegt man keinen Job…“ etc.
Hast du diese Gedanken, Sorgen, Ängste, wenn daran denkst, dass dein Kind nicht mehr zu gehen wird? Teile sie auch gerne in den Kommentaren und geh ihnen wirklich auf den Grund. Viele Antworten findest du auch hier: Das große FAQ Unschooling / Freilernen.
Gibt es Gründe in deiner familiären Situation, die dich momentan noch davon abhalten, deinem Kind eine freie Bildung zu ermöglichen, so dass es weiter zur Schule gehen muss? Erzähl mir davon in den Kommentaren!
Schon wieder Sand im Mund. Den Tränen nahe rappele ich mich zum dritten Mal in dieser Reitstunde vom Boden auf und nehme Benny, das Reitschulpony, erneut im Empfang, der mich schon wieder mit gezielten Bocksprüngen abgesetzt hat. Er ist unglücklich über sein Dasein als geschundenes Reitschulpony. Ich bin unglücklich über mein Dasein. Vorhang auf: Hallo Selbstzweifel!
„Du bist die schlechteste Reiterin im ganzen Reitstall!“, tönt Bernd, der Reitlehrer alter Schule, vor versammelter Mannschaft durch die Halle. Ich höre das Blut vor Scham in meinen Ohren rauschen, während ich mich erneut in den Sattel ziehe und versuche nun einfach unsichtbar zu werden. Ich bin 9 Jahre alt und kann an nichts anderes mehr denken als daran, dass ich einfach „nicht gut genug“ bin. Nicht mal für die Dinge, die ich liebe.
Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl fallen mit dem Vorhang.
Selbstzweifel und mangelndes Selbstwertgefühl als Vorbild für deine Kinder
Fast forward 2023: Ich sitze hier in meinem Wohnmobil und habe mir vorgenommen über Selbstzweifel und das Gefühl „nicht gut genug“ zu sein zu schreiben. Wo es meiner Meinung nach herkommt und vor allem auch wie ich es regelmäßig wieder loswerde! Und da ist es schon: „Wer bin ich eigentlich, dass ich über sowas schreiben will?“ und „Ich bin doch keine Therapeutin, das können andere viel besser als ich!“ und „Da haben doch schon so viele Menschen drüber geschrieben und dazu noch viel besser als ich!“.
Und dann ist da noch diese andere Stimme, die ich lange Jahre nicht hören konnte, die regelrecht überschrien wurde von meinem Reitlehrer oder meinem Chorleiter, dem Erdkundelehrer, Mathelehrer und Geschichtslehrer bis nicht zuletzt ich selbst sie stumm geschaltet hatte.
Diese Stimme schaltet sich nun erst ganz vorsichtig, dann immer durchdringender ein und sagt: „Wer sagt das? Wer sagt denn, dass ich nicht genau die Richtige dafür bin, um aus meiner eigenen Perspektive hier zu erzählen? Wo kommen wir denn hin, wenn man für alles ein Zertifikat braucht, was man fühlt?“
Mir als Mama ist es vermutlich genauso wichtig wie dir, dass Kinder nicht von dem Gefühl geleitet werden, nichts richtig zu können und einfach nicht gut genug zu sein für die Dinge, die sie gern erreichen oder können wollen. Du wünschst dir für sie, dass sie ihr volles Potenzial entfalten können und selbstbewusst und mit Selbstvertrauen ihren Weg gehen. Was andere dazu sagen? Schnurzpiepegal.
Vielleicht strugglest du im Alltag so wie ich immer wieder noch mit diesem Gefühl, mit Selbstzweifeln oder deinem Selbstwert? Fühlst dich als schlechte Mama, wenn du wieder nicht zum Saugen gekommen bist, während die Kinder glücklich krümelnd durch die Polster hüpfen und du einfach hoffst, dass jetzt niemand zu Besuch kommt. Oder du bist wieder mal zu laut geworden, weil dich drei Kinder gleichzeitig brauchen und du dich selbst auch noch (!), obwohl du gewaltfreie Kommunikation befürwortest.
Auch wenn es heutzutage hoffentlich nicht mehr solche Reitlehrer gibt, wie ich damals einen hatte, gibt es leider immer noch haufenweise Möglichkeiten als Mensch sein eigenes Können, die eigenen Fähigkeiten und irgendwann auch den eigenen Wert in Frage zu stellen.
Warum fühle ich mich nicht gut genug? Woher kommen die Selbstzweifel?
Sich „nicht gut/intelligent/liebevoll genug“ zu fühlen, bedeutet, dass du einen Maßstab an dein eigenes Können, deine Eigenschaften und Fähigkeiten ansetzt. Was ganz oben bei mir als „gut genug“ stand, ist mir selbst lange gar nicht unbedingt immer ganz klar gewesen. Bist du dir dessen bewusst?
Möglicherweise ist es das Supermodel, mit dem du deinen Körper vergleichst. Die Milliardärin, mit der du deinen Kontostand vergleichst. Die Mutter von nebenan, die aus deiner Sicht immer in sanfter Stimme spricht und unendlich Kraft hat oder auch all die Leute, die auf Reisen gehen oder auswandern und es auch noch irgendwie schaffen, diesen Lebensstil zu finanzieren. Dein Selbstwertgefühl sinkt.
Du selbst bist nicht gut genug dafür.
All diese Punkte haben eines gemeinsam: Du vergleichst dich, dein Können, deine Fähigkeiten mit anderen. Die logische Schlussfolgerung für dein Gehirn: Die haben, machen, können was, was du auch gern hättest, könntest oder machen würdest, also müssen sie einfach besser sein als du in dem, was sie tun.
Das Ergebnis: Du traust dir kaum was Neues zu und akzeptierst dein „nicht genügendes“ Dasein, obwohl es dich unglücklich macht, wobei du möglicherweise einen Groll hegst gegen Menschen, die nach deinem Maßstab „genug“ sind.
Fun Fact: Genau deshalb schauen so viele Menschen gerne TrashTV im Fernsehen, denn bei diesem Vergleich im Gehirn kommen sie aus ihrer Sicht mal richtig gut weg.
Vergleiche sind überall
Jetzt vergleichst du dich als Kleinkind aber ja noch gar nicht mit dem Nachbarskind, denn vergleichen tust du erst, wenn du es gelernt hast.
Das kann schnell passieren, zum Beispiel, wenn du Geschwister hast und das bloße Gefühl hast, dass dein Bruder oder deine Schwester dir gegenüber vorgezogen wird, auch wenn das in der Realität möglicherweise gar nicht der Fall ist.
So richtig geht das Vergleichen und Bewerten aber mit 6 Jahren los und zwar in der Schule. Was eine achtsame und liebevolle Elternschaft grundsätzlich noch hätte auffangen können, ist jetzt nicht mehr zu bremsen.
Das deutsche Schulsystem legt nun den Maßstab an und zwingt dir diesen auf. Hier entscheidest nicht du, mit wem du dich vergleichst, sondern hier entscheidet das System, dass du mit allen Gleichaltrigen aus deinem Umkreis verglichen wirst und dies dann anhand dieses Maßstabs bewertet wird.
Dein Verhalten, deine Fähigkeiten, deine Interessen, einfach alles an deiner Person wird in ein Schema gepresst, nach dem du bewertest wirst. Dass dir diese Noten und Bewertungen, die du erhältst (auch schriftliche Zeugnisse zählen da rein!), auch noch vorgesetzt werden und als Ansporn dienen sollen, dich „zu bessern“ (denn du bist noch nicht gut genug!), setzt dem ganzen noch die Krone auf.
Welche Auswirkung Noten auf deinen Selbstwert und deine Selbstzweifel haben
Glückwunsch, du hast eine 2 in Mathe bekommen! Was? Darüber bist du nicht glücklich?
Eine 2 in Mathe muss nicht bedeuten, dass sich die Betroffnen darüber freuen. Höchstens oberflächlich. Im Gegenteil: Sie kann für sie genauso gut bedeuten, dass da noch Luft nach oben ist und man einfach noch „nicht gut genug“ für eine 1 gewesen ist. Dabei ist es egal, ob man eine 5 oder eine 2 bekommt, denn nur eine 1+ mit Sternchen ist das angelegte Maß aller Dinge, die es theoretisch zu erreichen gilt.
Alles schlechter als das ist „nicht genug“.
Aber Achtung: Meistens läuft dieser Gedanke unbewusst ab. Zu sehr haben wir uns an die Bewertung durch andere gewöhnt, halten sie sogar für notwendig und hinterfragen sie nicht! Doch unbewusst setzt sich mit jeder weiteren Bewertung der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut/schlau/intelligent/schön genug.“ tiefer und tiefer in uns fest.
Die Angst zu versagen oder Angst vor Fehlern wächst auf diese Weise auf ungeahnte Größe, genau wie die Selbstzweifel.
Hallo Perfektionismus & hallo Imposter Syndrome!
Den Glaubenssatz „nicht … genug“ zu sein lösen und Selbstzweifel & mangelndes Selbstwertgefühl überwinden
Nach vielen Jahren in Verhältnissen wie dem deutschen Schulsystem (und vielen anderen) ist es nicht verwunderlich, dass wir aus der Schule heraustreten und brav in dem Rahmen bleiben, den wir kennen. Nur den wenigsten hat die dauerhafte Bewertung so wenig angetan, dass sie nun voller Selbstvertrauen endlich in ihr Leben starten und all die vielen neuen Sachen angehen, für die ihren Mitschülern das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl fehlt.
All die anderen kämpfen tagein tagaus mit ihrem Selbstwert und träumen nur von einem Leben, das sie sich wünschen. Bist du eine von ihnen so wie ich es war?
Mein eigener Prozess des Deschooling durch meine Kinder, die als Freilerner aufwachsen können, hat mir enorm geholfen, mich mit dem Glaubenssatz nicht gut/schlau/schön/etc. genug“ zu sein auseinanderzusetzen und ihm etwas entgegen zu setzen zu haben. Bye, bye Selbstzweifel!
Doch auch für diejenigen, die nach deinem Maßstab ganz nach oben geklettert sind, gehen diese Gedanken nicht immer gänzlich vorbei. Versagensängste oder das Imposter Syndrome sind auch unter ihnen wohlbekannt.
Was machen diese Menschen, um sich von diesem Glaubenssatz zu lösen und ihr Selbstvertrauen aufzubauen?
Ich möchte dir hier erzählen, wie ich mit diesem Glaubenssatz umgehe. Ich bin keine Therapeutin, noch super spirituell angehaucht oder will dir hier was von „mit Liebe geht alles“ (obwohl das sicherlich stimmt, hehe)erzählen.
Mein wahnsinniges Interesse gilt den Prozessen im Hirn und wie wir bewusst das Unbewusste lenken können, weshalb ich auch meinen Kurs „Zwischen Freiheit und Festanstellung“, in dem es um den Start deines eigenen Online Business geht, mit einem extra Mindset-Modul ausgestattet habe. Willst du den nächsten Kursstart oder weitere Infos dazu nicht verpassen, meld dich hier in meinem regelmäßigen Newsletter an. Denn ein Unternehmen zu gründen hat immer was mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Ohne diese, kein Erfolg.
Jetzt aber zu den 4 Schritten, die ich durchlaufe, wenn ich mich mal wieder nicht genug fühle:
Step-by-Step Anleitung: 4 Schritte, die ich durchlaufe, um negative Glaubenssätze aufzulösen
1. Bewusstwerdung & Ehrlichkeit
Um etwas zu ändern, muss ich erstmal merken, dass ich wieder mit diesem Glaubenssatz zu tun habe. Das findest du i.d.R. ganz schnell raus, indem du dir und deinen Gedanken einfach bewusst zuhörst und lauschst.
„Ich kann das nicht.“, „Nur andere haben dieses Glück.“, „Ich habe das nicht gelernt.“, „Ich bin hässlich.“, „Niemand mag mich.“, „Alle lachen dann über mich.“
So oder so ähnlich klingt dein selbstzerstörerischer Self-Talk. Diese Gedanken übernehmen immer wieder deine innere Stimme und lassen dich bestimmte Situationen suchen oder vermeiden.
Übung: Suche dir ein ruhiges Plätzchen und denke an all die Dinge, die du gerne erleben, erreichen oder mal machen möchtest, ganz egal, wie weit weg etwas für dich scheint, du darfst richtig in die Vollen gehen. Und nun achte auf die Stimme, die sofort Einwände hat und dir sagt, wie bekloppt das alles ist, weil… (was kommt da?). Notiere dir alles, was da kommt. Sei ehrlich dir gegenüber darüber, dass du diese Gedanken hast, denn nur wenn du sie annimmst, kannst du sie auch loslassen.
2. Hinterfrage deine Gedanken
Nimm nun deine in Schritt 1 notierten Sätze und frage dich danach laut: „Aber warum?“ und lausche auf die Antwort, die in dir hoch sprudelt. Auch auf diese Aussage fragst du erneut „Warum?“. Dies wiederholst du so lange es Sinn macht oder sobald du nicht weiter kommst, dann frage dich: „Was könnte eine Lösung sein, um hier voranzukommen?“
Beispiel: Dein Wunsch ist zu reisen wohin du willst.
Die Stimme: „Das geht aber nicht, das ist total bescheuert!“
Aber warum? „Na, ist doch klar, dafür muss man reich sein!“
Warum? „Na, weil alles Geld kostet, Hotels, Flüge, Fahrzeuge. Ich habe kein Geld.“
Warum? „Weil ich eben was gelernt habe, mit dem das nicht geht.“
Warum? „Weil man dafür ja was braucht, was von überall geht und ich kann nichts anderes. Ich kenn mich nicht aus und weiß nicht, wie das geht.“
Warum? „Ich hab halt nichts anderes gelernt! Es ist zu schwierig.“
Warum? „Weil ich keine Ahnung davon habe, woher soll ich denn wissen, wie das geht?“
Warum? „Dafür bin ich zu alt/hab doch nicht umsonst was anderes studiert/dafür bin ich nicht schlau genug, das können nur andere.“
Warum? oder auch: Stimmt das wirklich?* „Warum bin ich nicht schlau genug bin/Warum bin ich zu alt? Äh…“ oder „Ob das stimmt? Hm… ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt.“ oder sogar “ Nein, natürlich stimmt das nicht! Ich denke das, weil mir dieser Schritt insgeheim Angst macht, ich mich aus meiner Komfortzone heraus bewege und ich Angst vor Kritik von außen habe.“ oder ähnliches
An dieser Stelle kannst du nun noch ewig weiter mit dir selbst diskutieren, warum das alles nicht geht. Irgendwann kommst du aber zu dem Punkt, an dem du merkst, dass du versuchst etwas zu vermeiden oder dich im Kreise drehst, deshalb nun die Frage:
Was könnte eine Lösung sein, um hier voranzukommen? (Nimm dir Zeit für die Antwort.) „Öhm… vielleicht stimmt es ja gar nicht, dass ich nicht intelligent genug bin oder zu alt oder umsonst studiert habe. Dann stimmt es auch nicht, dass ich nichts anderes lernen könnte und dann könnte ich wiederum auch das Geld verdienen, um meine Träume wahr werden lassen.“
*Tipp: Sobald du an die Kernaussagen auf dich als Menschen bezogen kommst („Ich bin nicht schlau genug“, „Ich bin nicht gut genug“, „Ich kann nichts anderes.“) weitab von deinem Kontostand und deinem Ausbildungsstand, kannst du auch fragen: „Stimmt das wirklich?“
3. Finde kleine Babyschritte
Nachdem du nun zumindest unsicher geworden bist, was deine vorherige negative Einstellung zu deinem Wunsch und zu dir selbst betrifft, finde kleine Babyschritte, die du jetzt beginnen kannst und leicht erreichst.
Brich dazu dein großes Ziel auf viele kleine Zwischenschritte herunter. Schau dazu auch beim Vision Board rein, um dir Inspiration zu holen dafür, wie so ein Vision Board eigentlich aufgebaut ist (nämlich ganz anders als du es kennst!) und wie du deiner Vision näher kommst.
Diese Baby Steps bringen dich nun direkt deinem Ziel ein kleines bisschen näher. Indem du überhaupt beginnst zu handeln, sagst du nämlich deinem Gehirn: „Ich halte es für möglich.“
Je weiter du gehst, desto häufiger wird dir dein Gehirn nun Möglichkeiten aufweisen, die dich deinem Ziel noch näher bringen. Denn indem du deinem Gehirn zeigst, dass du das Erreichen deiner Ziele für möglich hältst, beginnt dein Gehirn seine Umwelt anders wahrzunehmen und dir von nun an Möglichkeiten zu zeigen, die du vorher gar nicht wahrgenommen hast! Einfach deshalb nicht, weil du es für dich eh nicht für möglich gehalten hast. Wahnsinn, oder?
Ein genialer Nebeneffekt: Dein Selbstvertrauen in deine Fähigkeiten, dein Können und in dich selbst wächst mit dem Erreichen jedes neuen Babyschrittes und damit auch dein Selbstwertgefühl.
Um den Prozess zu unterstützen oder zu beschleunigen, kannst du dir natürlich auch die Autosuggestion zu Nutze machen. Hierbei geht es um spezifische, positive Affirmationen, mit deren Hilfe du dein Unterbewusstsein beeinflussen und lenken lernst, um deine Ziele zu erreichen.
4. Wähle dein Umfeld bewusst
Suche dir gezielt Menschen in deinem Umfeld oder auch bei Social Media, die bereits ein positives Mindset haben. Lass den ganzen Hate, negative Nachrichten oder Schlagzeilen und dauerhaft schlecht gelaunte Menschen hinter dir. Je mehr und je häufiger du diesen neuen positiven Gedanken ausgesetzt bist, desto eher wirst du sie selbst in dir hören können.
Fazit & Empfehlung
Du bist nicht alleine. Ich kenne keinen Menschen, der nicht auch mal mindestens unter Selbstzweifeln leidet. Ich kenne hingegen wahnsinnig viele, die unter ihrem Perfektionismus leiden, unter Versagensängsten oder sich selbst einreden, dass alle anderen alles besser können als sie selbst. Und dazu gehörte ich selbst.
Das für sich festzustellen ist das eine, aber nichts dagegen zu unternehmen und die eigenen Träume nicht zu leben, ist das andere. Wo willst du stehen? Was möchtest du deinen Kindern mitgeben auf ihrem Weg in diese Welt?
Glaub nicht alles, was du dir selbst zuflüsterst, wenn alles still ist.
Schweißperlen auf deiner Stirn? Du hast schon lange keine anderen Reisefamilien treffen können, weil du einfach nicht weißt, wo sie sich möglicherweise aufhalten?
Wer lange unterwegs ist oder vor hat, länger als nur 2-3 Wochen pro Jahr zu reisen, macht sich notgedrungen Gedanken darum, wo denn die eigenen Kids nun auf andere Kinder, bestenfalls auch noch auf andere Reisefamilien treffen können.
Genau deshalb entsteht hier für dich eine Liste an Treffpunkten, an denen du häufig andere Reisefamilien treffen kannst. Das können bei Reisefamilien beliebte offizielle Campingplätze, Stellplätze&Freistehplätze(Freistehen immer auf eigene Verantwortung!) sein, an denen deine Chancen größer sind auf andere Reisefamilien zu treffen. Aber auch niedergelassene Freilernerfamilien in Communities kannst du hier besuchen.
Kennst du einen Platz oder Ort (auch sehr gerne außerhalb Europas!), der auf dieser Liste noch fehlt? Schreib ihn mir in den Kommentaren oder über das Kontaktformular.
Schau auch hier nach meinem Family Travel Guide, damit dir niemals unterwegs die Sozial- und Spielkontakte ausgehen: Family Travel Guide
Ein besonders beliebter Ort/Strand mit vielen reisenden Familien, die teilweise viele Wochen und Monate dort stehen, wird dir auf Nachfrage von anderen Reisenden, die du in der Gegend triffst, mitgeteilt. Aus Gründen des Naturschutzes, insbesondere der Meeresschildkröten, sollte dieser Ort nicht überrannt werden und wird von unserer Seite daher nicht öffentlich geteilt.
Salanti Beach
Saladi Beach Hotel Ruine
Ruine eines verlassenen Hotels am Strand, die immer wieder gut besucht wird
Wasser an der Tanke oben am Berg für 2 € pro Füllung.
Besucherempfehlung: klein und schnuckelig, mit nettem Betreiber, freilaufenden Hunden und anderen Tieren und der Möglichkeit zu reiten.
Community
in der Nähe von Gracac in den Bergen
Info der Inhaber: Das Grundstück liegt an einem Bach und in der Nähe gibt es einen Stausee und eine Höhle. Wir sind mitten in der Natur, abseits vom Tourismus. Eine halbe Stunde von uns aus liegt das Meer und jeweils eine Stunde nach Zadar und den Plitvicer Seen. Wir freuen uns über Familien mit Kindern und genauso über ältere Besucher.
Oft von Reisefamilien angefahren, günstige Preise bei längeren Aufenthalten, beheizter Indoor-Pool auch im Winter, Bungalows verfügbar. Achtung: Anlaufstelle auch für viele Rentner, so dass jährlich zu Konflikten kommen kann. Vor Neujahr bester Zeitpunkt.
Dann schau mal in unseren Veranstaltungskalender, ob ein Freilernertreffen oder -camp in deiner Nähe veranstaltet wird oder ob sich eine private Freilernerfamilie freuen würde, dich bei sich zu begrüßen.
In der Vagabundenpost teile ich neben viel Wissenswertem zum Reisen mit Kids, Bildung unterwegs, ortsunabhängig arbeiten und Vanlife & Co. auch meine 6 bewährten Wege, um andere Reisefamilien zu treffen.
Und sag mir natürlich sofort Bescheid, wenn du einen Ort auftust, der definitiv in diese Liste gehört, aber seinen Weg hierher bisher noch nicht gefunden hat!
Der Dauerbrenner „Sozialisation“ in Bezug auf psychische Gewalt als Konfliktlösung. Nicht nur unter reisenden Kindern und Schulkindern betrachtet, aber auch.
Lange lag dieser Artikel als Entwurf rum. Der richtige Zeitpunkt war noch nicht gekommen. Doch jetzt ist er da. Sehr wahrscheinlich wird dir nicht alles gefallen, was du hier zum Thema psychische Gewalt lesen wirst. Nicht wenige werden sich auf den Schlips getreten fühlen. Das bleibt nicht aus, doch mit umso mehr Klarheit kann ich heute dazu stehen, was ich hier sage und was für einige sehr konträr klingt zu ihrer Realität von einem Leben und einer Kindheit in Freiheit.
Denn anzunehmen, was ich hier über psychische Gewalt zu sagen habe, würde für viele bedeuten, dass man selbst aktiv werden müsste und sich eventuell eingesteht, diesen Punkt bisher außer Acht gelassen zu haben. Sowas tut weh, ganz besonders dann, wenn es um die eigenen Kinder geht. I get you. Hab ich auch durch. Schuldig.
Doch lass uns starten: Meine Kinder sind nicht sozialisiert. Genau wie alle anderen Kinder und die meisten Menschen auf dieser Welt auch nicht. Wenn man denn die Sozialisation als einen Prozess betrachtet und nicht als einen Zustand, der ruckzuck erreicht werden kann – praktisch einmal geschnipst, fertig sozialisiert.
“Sozialisation ist demnach die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch Verinnerlichung von sozialen Normen.”
Zu dieser Anpassungsphase (dem Prozess) zählt natürlich auch das Verhalten in der Konfliktbewältigung.
Was ist gesellschaftlich in Konflikten akzeptiert, was nicht? Knallst du dein Gegenüber direkt ab, ist das natürlich (?) nicht akzeptiert. Auch der allseits beliebte “Schlag in die Fresse” unter erwachsenen Männchen, den sich laut Faustinhaber so mancher verdient habe, ist kein gutes Beispiel für gelungene Sozialisation. Hierbei handelt es sich um asoziales – von den gesellschaftlichen Normen abweichendes – Verhalten.
Damit junge Menschen schon früh die gesellschaftlichen Normen kennenlernen, wird die Verantwortung für die Sozialisation der eigenen Kinder in Deutschland gerne komplett an Institutionen wie Schule und Kita abgegeben. Auch der Staat selbst sieht die Sozialisation als sein Gebiet an. Durch die Schulpflicht bzw. die Schulgebäudeanwesenheitspflicht wird die Schule damit tatsächlich zu einem Ort der Sozialisation, da sich ein großer Teil des Tages eines Schulkindes in der Schule abspielt. Ähnliches passiert schon im Kindergarten. Der Lebensstil vieler Menschen kann nur aufrecht erhalten werden, wenn beide Partner arbeiten gehen und oft fehlt schlichtweg „das Dorf“, das gebraucht wird, um Kinder großzuziehen. Also geht das Kind mit allerspätestens drei Jahren in den Kindergarten, in dem es „sozialisiert wird“.
Mittlerweile gibt es immer mehr Menschen, die bemängeln, dass ein Großteil des Tages eines Kindes außerhalb der Familie stattfindet. Denn dieses System der Zwangsbeschulung und damit Zwangssozialisation kann und will die Verantwortung für das Outcome der Zwangssozialisation gar nicht tragen. Ein Dilemma…?! Brainfuck!
Genau deshalb werden Kinder heutzutage immer öfter aus Schulen und Kitas genommen. Auch Familien, deren Kinder freilernen oder im Homeschooling sind, führen oft den Punkt der Sozialisation als Aspekt ihres Lebensweges an. Sie möchten ihre Kinder vor der schulischen Sozialisation schützen.
Konfliktbewältigung: Physische und psychische Gewalt – was ist erlaubt?
Wo die Grenzen zwischen sozial und asozial heute verlaufen, kann ich gar nicht sicher sagen. Sie scheinen auch von Individuum zu Individuum anders interpretiert zu werden. Das ist okay. Ich stütze mich in meinen folgenden Aussagen, auf meine persönlichen Erfahrungen und Wünsche für eine bessere Zukunft, in der es um Verbindung unter Menschen geht und wo nicht noch tiefere Gräben zwischen Menschen gezogen werden.
Ein Grundsatz der Konfliktlösung in der westlichen Gesellschaft
Eine Maxime bei der Konfliktbewältigung ist oft, dass körperliche Aktionen unter Kindern wie Hauen, Schubsen, Treten als asozial eingestuft werden.
Sind sich die Eltern relativ sicher, dass das eigene Kind keine dieser körperlichen Strategien (mehr) nutzt, wird es als sozialisiert betrachtet. Man klopft sich auf die Schulter und das Thema wird abgehakt. Salopp gesagt.
Zumindest muss ich irgendwie zu diesem Eindruck kommen, wenn ich mich mit meinen Kindern unter andere mische, egal ob Schulkinder, Freilerner, Kindergartenkinder oder kindergartenfreie Kids. Es ist alles erlaubt, aber wehe, ein Kind hebt die Hand, um auszuholen!
Nein, mir geht es ganz und gar nicht darum, körperliche Gewalt zu verharmlosen. Hauen ist kacke. Körperliche Gewalt ist kacke.
Ich weiß das, denn ich habe ein Kind, das sehr lange auf diese körperlichen Strategien zurückgegriffen hat und es bei einigen anderen Kids noch ab und an tut. Nicht, weil wir es als Eltern vermöbelt hätten oder körperliche Gewalt in unserer Familie Standard wäre (dieser Vorwurf schwebt schnell im Raum, denn “Irgendwoher muss es das ja haben!”, richtig?), sondern weil er als eher spät sprechendes Kind noch keine andere Strategie verinnerlicht hatte, die ihn wirklich weiter brachte, wenn er eine Grenze ziehen wollte.
Denn genau das ist es: Wenn Kinder (insbesondere junge Kinder) hauen oder anders körperlich auffallen, dann steckt dahinter nicht die Absicht zu verletzen. Es dient dazu, Unwillen kund zu tun, dem Ärger Ausdruck zu verleihen und vor allem eine Grenze zu ziehen, die anders noch nicht kommuniziert werden kann. Dass die Art und Weise nicht als sozial gilt, ist spürbar.
Evolutionsbiologisch betrachtet ist körperliche Gewalt eine gängige Strategie und für Säugetiere überlebenswichtig. Dieses Verhalten ist unter jungen Kindern also schlichtweg normal. Nein, ich sage nicht an dieser Stelle, dass es okay ist. Ich sage, es ist normal, aber schlichtweg nicht mehr notwendig, weil es Strategien gibt, die sich heutzutage besser eignen, um einen Konflikt zu lösen oder mit unangenehmen Gefühlen umzugehen.
Andere Eltern erwarten häufig verständlicherweise, dass wir unserem körperlich agierendem Kind zu verstehen geben, dass dieses Verhalten nicht okay ist. So weit, so gut erstmal.
Psychische Gewalt in Schulen und auf Reisen
Ich sah mich immer wieder in der Situation, dass ich mein Kind besonders intensiv begleiten musste, im Gegensatz zu Eltern, deren Kids nicht körperlich wurden. In der Zeit, in der ich so intensiv begleitet habe (und immer noch begleite) und ihm mit meiner Sprache geholfen habe, seine Konflikte möglichst nicht körperlich zu klären, habe ich etwas gelernt, was ich nicht vermutete.
Zuerst dachte ich, ich begleite ihn auch zum Schutz der anderen Kinder. Ich kenne seine “Trigger”, kann ihn lesen und weiß, was ihn auf die Palme bringt.
Doch ich entdeckte für mich etwas ganz anderes: Ich war nicht nur zum Helfen dabei.
Ich war dabei, um mein eigenes Kind vor psychischer Gewalt zu schützen.
Die gleichen Kinder, die als sozialisiert gelten, weil sie eben im Konflikt nicht als Erster hauen, treten, schubsen (höchstens als „Verteidigung“), wenden nicht selten psychische Gewalt an, wenn sie sich überfordert fühlen mit einer Konfliktsituation oder ihren eigenen Gefühlen.
Denn hier liegt der Knackpunkt: Die meisten Eltern, Betreuer, Lehrkräfte bekommen erst mit, dass es überhaupt einen Konflikt gibt, wenn eines der Kinder weint, nachdem körperliche Gewalt angewendet wurde. Dann schauen sie, dann wird analysiert, was bei dem hauenden Kind alles falsch gelaufen sein muss. Was vorher alles von ihnen unbemerkt abgeht, das ist nicht Teil ihrer Welt. Ich erlebte nun also hautnah, wie beleidigt, bedroht, sozial ausgegrenzt, über andere bestimmt u.s.w. wird. Und sind wir mal ehrlich, eigentlich wissen wir das alle, oder? Das ist psychische Gewalt.
Nein, Kinder, die psychische Gewalt anwenden, sind keine schlechten Menschen. Sie haben nur ebenso noch keine Strategien erlernt, die ihnen erlauben, ihre Konflikte zu lösen, ohne psychische Gewalt anzuwenden. Ist das sozial?
Ich war ziemlich überrascht. Ich hatte nämlich gedacht, dass Familien, die ihren Kindern ein freieres Leben ermöglichen wollen, sich über diesen Aspekt der psychischen Gewalt bewusst sind und diese ebenso begleiten, wie wir selbst es tun. Ich erwartete also das gleiche von anderen Eltern, was diese von mir erwarten, nämlich, dass sie – ebenso wie ich bei meinem Kind – auf ihr Kind eingehen, seine Überforderung und Hilflosigkeit sehen und ihm z. B. sprachliche Alternativen anbieten. Das war zu viel erwartet. Das weiß ich heute.
Psychische Gewalt ist Verletzung. Die Narben dieser Verletzungen befinden sich nur nicht auf der Haut, sondern auf dem Herzen.
Physische vs. psychische Gewalt: Zwei Begriffe, ein Auslöser
Körperliche Gewalt unter Kindern wird am Häufigsten zur Verteidigung eingesetzt, um Grenzen zu ziehen, z.B auch dann, wenn sie selbst psychische Gewalt erleben. Diese Menschen sind keinesfalls die „fehl sozialisierten“ Kids, für die sie von so manchen Eltern gehalten werden, sondern meist sehr sensible Menschen, die schnell überwältigt sind von den Schmerzen, die die psychische Gewalt bei ihnen auslöst. In diesen Kindern geht das gleiche ab, das auch in einem Kind los ist, das psychische Gewalt anwendet und sagt „Du darfst nicht (mehr) mitspielen!“ oder „Du bist nicht mehr mein Freund.“ und Ähnliches. Beide ziehen eine Grenze.
Verständnis bekommen diese Kinder, die körperliche Gewalt anwenden, aber nur selten. Ihr Verhalten wird entweder zum Objekt gemacht, wie auf einem Seziertisch und in der nettesten Form als „spannend“ bezeichnet, direkt abgewertet oder es werden Stempel aufgedrückt. Ohne Bewertung einfach akzeptiert zu werden, ist für viele leider keine Option. Bei psychischer Gewalt ist das anders:
Ist psychische Gewalt sozial?
Warum zählt psychische Gewalt aus Sicht vieler Eltern zu sozialem Verhalten, wenn sie doch denselben Ursprung hat wie körperliche Gewalt? Dieselbe Hilflosigkeit und derselbe Versuch, eine Grenze zu ziehen oder mit den eigenen Gefühle umzugehen?
Denn würde psychische Gewalt als asozial gelten, würden sie ja ebenso bemängelt werden wie körperliche Gewalt, oder nicht? Doch psychische Gewalt ist unsichtbar für diejenigen, die sie nicht sehen wollen.
“Aber das sind doch nur Kinder, das ist doch keine psychische Gewalt.”,
“Kinder sind halt so.“,
„In diesem Alter gibt es noch kein Mobbing.“
„Die meinen das doch gar nicht so.”,
“Die meinen doch was ganz anderes, wenn sie sowas sagen, das darf man doch nicht ernst nehmen.”,
„Das muss man aussitzen und einfach aushalten lernen, dass andere so sind.“ oder auch
“Sie hat damit gesagt, dass sie das nicht will und das akzeptiere ich. Nein heißt halt nein.” *
*An dieser Stelle: Dass „Nein“ auch Nein heißt ist grundsätzlich nachvollziehbar und steht nicht zur Debatte. Trotz allem wird das „Nein“-sagende Kind in seiner Hilflosigkeit, seine Grenze oder sein Problem mit der Situation angemessen zu kommunizieren, alleine gelassen. Denn hinter jeder sozialen Ausgrenzung („Du darfst nicht mitspielen!“) und jedem Kontaktabbruch durch Sprache („Du bist nicht mehr meine Freundin!“) steht ein Grund, für den sich die meisten Eltern meiner Erfahrung nach gar nicht interessieren. Haut ein Kind aber, wollen alle den Grund wissen und analysieren, was bei diesem Kind nun falsch gelaufen ist. Alle Menschen suchen Verbindung zu anderen und Kinder ganz besonders. Bestärken wir unsere Kids aber im Gräben ziehen, indem uns einfach nicht interessiert, warum unser Kind Nein gesagt hat, fördern wir das Gegenteil von Verbindung.
Diese und weitere Kommentare höre ich dann, wenn ich den Umstand der psychischen Gewalt aufwerfe und z. B. kritisiere, dass es gesellschaftlich anerkannt zu sein scheint, dass ein Kind “Jetzt bist du nicht mehr mein Freund” sagt, aber nicht jedoch, dass ein Kind zuhaut und dabei so ziemlich genau das gleiche ausdrücken will. Nämlich sehr oft inhaltlich sowas wie “Mir gefällt nicht, wie sich die Situation entwickelt hat.” oder „Diese Situation fühlt sich nicht angenehm an.“
Natürlich meinen die das nicht so, dass sie keine Freunde mehr sein wollen oder nicht mehr gemeinsam spielen. Genauso wenig wie ein Kind, das haut, körperlich verletzen will. Sie sagen und tun das aus Überforderung und Hilflosigkeit mangels Verinnerlichung, wie es für alle angenehmer wäre.
Warum zur Hölle werden sie dabei nicht begleitet?
Warum geht kein Erwachsener gemeinsam mit dem Kind seinen Gefühlen auf den Grund, die es dazu veranlasst, die Verbindung zu dem anderen Kind plötzlich abzubrechen?
Warum zählt der schmerzende Popo, wenn man geschubst wurde, mehr als die seelische Verletzung, wenn man verbal geschubst wird?
Warum wird eine Entschuldigung von dem hauenden Kind verlangt und die Entscheidung eines Kindes wortlos akzeptiert, das ein anderes Kind ausgrenzt (ohne nach Gründen zu forschen)?
Warum wird im Streitfall zwischen Kindern das Hauptaugenmerk auf das hauende Kind gelegt, während dem anderen Kind signalisiert wird (indem es nicht adressiert wird), dass es z. B. okay ist, Drohungen auszusprechen?
Warum kann man sich nicht beiden zuwenden und mal zuhören, was sie brauchen?
Eltern würden erkennen, dass da Bedürfnisse und Wünsche unter diesen Worten liegen, die meistens nichts damit zu tun haben, dass sie Kind XY “einfach plötzlich nicht mehr mögen”. Meist ist eine Kleinigkeit vorher vorgefallen, die sich oft schnell lösen lässt (sogar von den Kindern selbst), wenn man denn gewillt ist, hinzuschauen. Und damit die Kinder wieder in Verbindung zu bringen und sich ihrer eigenen Gefühle bewusst zu werden.
Dies passiert nicht und daher muss ich annehmen, dass psychische Gewalt als sozial akzeptiert gilt.
Sich in jeden Kinderstreit einmischen? Wirklich? Kinder erziehen doch Kinder!
Nein, es geht mir nicht darum, Kindern bei jeder kleinen Streitigkeit dazwischenzufunken. Sie müssen selbstverständlich ihre Erfahrungen machen, indem sie gemeinsam nach einer Lösung suchen, sich versöhnen und manchmal auch feststellen, dass sie besser getrennte Wege gehen.
Es geht darum, dass wir Erwachsenen verstehen, dass psychische Gewalt nicht schlimmer oder harmloser ist, als die körperliche. Dass wir verstehen, dass wir die eine zulassen und die andere nicht, obwohl beide Ausdruck desselben sind. Es geht darum, dass wir das vorleben müssen, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Das bedeutet, dass wir als Eltern ganz besonders deutlich hinhören müssen, um herauszufinden, ob und wann unsere psychische Gewalt einsetzen und warum.
Das aktuelle Prinzip in heutigen Einrichtungen: „Kinder erziehen Kinder“
Wir erleben heutzutage das Prinzip von „Kinder erziehen Kinder“ in Kitas, Schulen und auch sehr beliebt unter reisenden Familien. Dabei geht es darum, dass Kinder selbstständig Lösungswege finden für ihre Konfliktsituationen, sie lernen Kompromisse zu schließen, Aggressionskontrolle, aber auch positive wie negative Sanktionierung fallen hier herein – zu Deutsch Lob und Strafe: wer sich „gut“ verhält, bekommt dafür Lob von der Gruppe („Wenn du …, dann darfst du mitspielen“), wer sich „schlecht“ verhält, bekommt dafür Strafe („Du darfst nicht (mehr) mitspielen.“). Psychische Gewalt ist hier Mittel zum Zweck, demnach sehr wohl erwünscht.
Von Erwachsenen wird hier erwartet, dass sie sich bei Konflikten (mit psychischer Gewalt) passiv verhalten und auf die Fähigkeiten der Kinder zur Selbstregulation vertrauen. Dieses Prinzip passt sehr gut in unser heutiges System, da es den Arbeitsaufwand für das betreuende Personal klein hält und das Outcome (also was die Kinder dabei lernen) direkt dafür sorgt, dass sich dieses System selbst erhält, das von Bewertung, Lob und Tadel wie in Schule und Arbeitsleben lebt. Dasselbe erleben wir mit Schule. Die Schule erschafft Bürger, die das System Schule aufrecht erhalten. (Mehr zu Schulkritik: Deschooling – Essentieller Prozess)
Nachkriegszeit und Wiederaufbau haben diesem Prinzip den perfekten Nährboden geliefert, weil sowieso niemand da war, der sich hätte um Emotionen und Konflikte seiner Kinder kümmern können. Kinder mussten damit alleine fertig werden, obwohl sie noch gar nicht die biologische Reife dafür besaßen.
Die Falle, in die so manche Familie mit alternativem Lebensstil tappt:
Was beim „Kinder erziehen Kinder“-Prinzip so wunderbar frei klingt, hat es meiner Meinung nach ganz schön in sich. Denn die gleichen Familien, die sich frei von all den Werten und Normen unserer westlichen Gesellschaft machen wollen, die reisen, die ihre Kinder frei aufwachsen lassen möchten, die sich hart dafür einsetzen, dass Bewertungen, wozu auch Lob und Strafe gehören, abgeschafft gehören, die sich unter den Begriffen „unerzogen“ und „bindungs- und beziehungsorientiert“ tummeln, erkennen nicht, wie sie genau diese von ihnen nicht erwünschten Mechanismen füttern, wenn sie meinen, dass (gleichaltrige) Kinder sich gegenseitig erziehen und dabei psychische Gewalt unbegleitet und unkommentiert lassen.
Das Prinzip von Kinder erziehen Kinder ermöglicht es, genau diese herrschenden Strukturen, die viele von uns abschaffen wollen, durch unsere eigenen Kinder erst noch zu festigen. Wenn wir in einer Gesellschaft ohne Bewertung, Strafe, Manipulation, Druck etc. leben wollen, warum sollten wir ein Prinzip in der Konfliktbewältigung verfolgen, dass genau diese erschafft und beibehält? Wie können wir erwarten, dass unsere Kinder als Erwachsene wissen sollen, dass Ausgrenzung, Erpressung, Drohen usw. scheiße ist, wenn wir ihnen durch unsere Passivität bereits in ihrer Kindheit beibringen, dass diese Dinge funktionieren und eine geeignete Strategie sind, um Ziele zu erreichen?
Ein Gedankenspiel: Bist du davon überzeugt, dass das Prinzip von Kinder erziehen Kinder geeignet ist, um eine Gesellschaft zu formen, die endlich all ihre alten, krankhaften Muster hinter sich lässt und deine Kinder zu freieren Menschen macht? Falls ja, warum ist körperliche Gewalt weiterhin ein rotes Tuch für dich, nachdem du ja weißt, dass sie den selben Ursprung haben, nur ein anderes Gewand? Um konsequent diesem Prinzip zu folgen, ist körperliche Gewalt unter Kindern auch eine Art der selbstregulierten Konfliktlösung und bestens geeignet, um negativ zu sanktionieren, ebenso wie psychische Gewalt… nur ein Gedankenspiel.
Warum gehen wir nicht einen Schritt weiter und wachsen?
Wieso verfolgen wir kein Prinzip in der Konfliktbewältigung, das diejenigen Werte inne hat, die wir uns für eine Welt, in der unsere Kinder leben werden, wünschen? Ich für meinen Teil wünsche mir, dass meine Kinder in einer Welt leben werden, in der u.a. Verständnis, Empathie, Verbindung, Gemeinschaft, Gleichwertigkeit wichtige Werte sind. Wenn ich diese Werte nicht mit meinen Kindern schon in ihrer Kindheit lebe, woher sollen sie dann kommen? Wenn ich psychische Gewalt ablehne, warum sollte ich sie in der Kindheit unbegleitet und unkommentiert lassen?
Wie Konfliktbewältigung aussehen kann:
Wird ein Kind aufgrund von körperlicher Gewalt beiseite genommen, weil es geschubst hat und es wird daran gearbeitet, dass es eine neue Strategie verinnerlicht, die eben keine körperliche Gewalt oder anderweitige Verletzung hervorruft, so sollte dies ebenso für das Kind gelten, das psychische Gewalt aussendet.
Wie könnte sowas dann aussehen? Sobald Eltern davon hören, z. B. vom eigenen Kind oder von anderen Eltern, dass das eigene Kind psychische Gewalt ausgesendet hat (was eher im Nachhinein ist, weil unsichtbar – man muss also sehen wollen und begleiten), ist den Eltern möglicherweise daran gelegen, zu erfahren, was dazu führte. Mich persönlich interessiert es, wenn mein Kind ein anderes ausschließt und ich möchte erfahren, was es dazu brachte, da es ja offensichtlich einen Konflikt in dieser Situation in sich trägt. Wie ist das bei dir?
Es geht hier nicht darum, dass wir als Eltern unseren Kindern jeglichen Schmerz nehmen oder sie anschreien, sondern darum, dass sie sich verstanden fühlen, dass sie lernen, wie und wo sich welche Gefühle anfühlen (kein Wunder, dass die meisten Menschen heutzutage kaum mit ihren Gefühlen umgehen können), die man sich erstmal bewusst machen muss. Dass Gefühle kommen und gehen und sich manchmal nicht gut anfühlen können. Dann können wir die Gefühle beim nächsten Mal leichter erkennen und lernen sie zu benennen und auszudrücken, ohne dabei andere zu verletzen.
Ohne körperliche oder psychische Gewalt auszusenden.
Das ist ein Prozess und noch dazu einer, der viele Jahre und viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Wenn dieser wichtige Teil des Sprechens (und ich meine nicht tot labern, sondern altersgerechte Sprache) und Fühlens ausbleibt, können wir nicht erwarten, dass unsere Kinder als Erwachsene wie selbstverständlich über ihre Gefühle sprechen können und auch Gefühle in anderen Menschen erkennen.
Was passiert, wenn wir psychische Gewalt nicht adressieren?
Am das besser visualisieren zu könne, hier ein Beispiel: Eine Gruppe von drei Kindern spielen. Ein Kind schreit auf, denn es wurde von einem anderen umgeschubst und hat sich dabei weh getan. Eltern horchen auf. Das geschubste Kind wird getröstet. Das schubsende Kind wird verbal, oft gleich von mehreren Eltern, zurechtgewiesen. Kann auch auf freundliche Weise passieren, was aber nicht immer einen großen Unterschied macht. Denn:
Wenn sich kein Elternteil dafür interessiert, was vor dem Schubsen passiert ist, findet auch niemand raus, dass die Kinder sich um etwas gestritten haben, z. B. um einen Platz („Das ist meiner, du darfst hier nicht sein.“), einen Stock („Gib den sofort wieder her, ich hatte ihn zuerst!“) oder auch einfach, um ihre eigenen Wahrheiten wie „Ich bin viel schneller als du!“. Auch Drohungen wie „Wenn du nicht xy machst, dann mach ich xy kaputt“! oder weitere Ausgrenzungen wie „Geh weg, du darfst nicht mitspielen.“, „Hier dürfen nur Große/nur Kleine spielen“ u.s.w. können Streit auslösen. Bis hier hin kommen einige Eltern noch mit.
Und dann ist Ende. Das schubsende Kind wird zurechtgewiesen, denn dieses Verhalten wird von niemandem akzeptiert. Doch egal, wie freundlich, verbindend und wohl gesonnen sich dem schubsenden Kind genähert wird: Wenn sich zeitgleich niemand den anderen Kids annimmt und sie nicht in ihrer Hilflosigkeit gesehen werden, die zur Anwendung psychischer Gewalt aus Ermangelung anderer Strategien führte, wird ihnen signalisiert: Das schubsende Kind hat sich falsch verhalten. Und hinter dieser Message steckt noch eine weitere, nämlich:
Ich habe mich richtig verhalten, denn niemand äußert sich zu meinem Verhalten.
So lernen Kinder durch die Passivität ihrer Eltern, dass psychische Gewalt akzeptiert wird und körperliche nicht.
Warum ist psychische Gewalt sozial akzeptiert?
Ich erlebe, dass sowohl Eltern von Schulkindern auf Spielplätzen, aber auch Eltern von Freilernern und anderen reisenden Kindern ihre Kinder teilweise dafür feiern, dass sie andere verbal verletzen. Denn immerhin hauen sie nicht, richtig? 😉
Woher kommt das? Ich kann nur vermuten, dass es aus dem Denken entsteht, dass es mega wichtig ist, heutzutage “Nein” sagen zu können. Damit sie sich später “nichts gefallen lassen”, sich durchsetzen können. Das ist wichtig, um in dieser Gesellschaft zurechtzukommen. Also im Grunde genau das, was Sozialisation erreichen soll, oder? Wie praktisch. Also doch alles erreicht?
Ich bekomme auch den Eindruck, dass Traumata der Eltern eine Rolle spielen (wie bei uns allen natürlich). Viele von uns haben nicht gelernt, unsere Grenzen zu kommunizieren. Da macht es uns umso glücklicher, wenn unsere Kinder das tun. Ohne hinzuschauen, wie sie das tun (außer körperlich natürlich, denn das wurde bereits in unserer Kindheit bestraft!).
Gefällt dir diese Gesellschaft? Was meinst du, warum psychische Gewalt akzeptiert wird?
Mein Fazit zu psychischer Gewalt unter Kindern
Kennst du dein eigenes Konfliktverhalten? Zu Menschen, mit denen wir unterschiedlicher Meinung sind oder die mal was gesagt haben, was uns nicht so in den Kram passte, brechen viele von uns den Kontakt ab oder minimieren ihn soweit möglich. Warum tun wir das? Weil wir keine Ahnung haben, wie man mit Konflikten umgeht. Wir haben gelernt, dass sozialer Ausschluss (in diesen Fällen schließen wir andere aus unserem Leben aus) funktioniert. Es ist ein leichtes und gewohntes Mittel, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, um ein Gefühl nicht fühlen zu müssen. Doch was wäre, wenn wir in Verbindung blieben?
Wenn wir weg wollen von psychisch erkrankten Jugendlichen, von Skrupellosigkeit im Erwachsenenalter und hin zu mehr Wärme, Verständnis und Menschlichkeit, mehr Verbindung, Empathie und mehr Miteinander, müssen wir unseren Kindern die erforderlichen Werkzeuge genau dafür an die Hand geben. Wir können uns in diesem System voller Gleichaltriger in Einrichtungen (oder Gruppen von Gleichaltrigen auf Reisen) nicht zurücklehnen und sagen, dass die Kids das schon alleine machen. Klar, sie regeln das alleine. Die Frage ist nur wie.
Wer in dieser aktuellen Gesellschaft sehr gut leben will, muss lernen die Ellenbogen auszufahren und sich nicht in zu tiefe Verbindungen zu begeben, möglicherweise „über Leichen gehen“ lernen, um “nach oben” zu kommen. Wer früh lernt, dass nur kritisiert wird, was sichtbar ist, lernt, dass vermeintlich unsichtbares okay ist. Und wir als Gesellschaft klagen über Mobbing und Bullying in Schulen. Willst du so eine Gesellschaft für deine Kinder?
Wenn wir so eine Gesellschaft nicht mehr wollen, müssen wir uns selbst verändern und unseren Kindern ein Vorbild sein, ihnen einen gesunden Umgang mit ihren Gefühlen vermitteln und vorleben und ihnen Handlungsalternativen aufzeigen, wenn sie Strategien wie physische und psychische Gewalt anwenden, die sie persönlich nicht wachsen lassen.
Wenn die Welt keinen Handlungsbedarf bei psychischer Gewalt sieht, bleibe ich lieber unsozialisiert.
Hinweis: Sobald du dir und anderen gegenüber eingestehst, dass dein Kind auf physische oder psychische Weise Gewalt ausübt (und das ist ganz normal in dem Prozess), werden sich Eltern finden, die auf dein Kind zeigen werden. Wir alle lernen schon früh, dass Schwächen etwas blödes sein sollen und dass diese von dir offen kommunizierten Punkte, sich bestens eignen, um von den eigenen Punkten abzulenken. Perfekt für dich, um zu üben und zu akzeptieren, dass wir alle ein „work in progress“ sind und weder du, noch dein Kind perfekt sein müssen, um akzeptiert zu werden.
In dem Moment, in dem du in dein Wohnmobil oder Camper steigst, wird alles gut. Du fährst los und all deine Probleme lösen sich in Luft auf und Konflikte im Wohnmobil gibt es sowieso nicht. Die Sonne scheint dir ab jetzt selbstverständlich aus dem Arsch.
So oder so ähnlich könnte man meinen, dass der Reisealltag im Wohnmobil – auch mit Kindern -, sein müsste, schaut man sich in den Sozialen Medien wie Instagram & Co. um. Strahlende Gesichter, Sonne, Strand, Palmen und glückliche Kinder. Alles läuft reibungslos, alle entwickeln sich prächtig.
Was aber hinter diesen häufigen Darstellungen wirklich abläuft, darum soll es nun gehen:
Keine Konflikte im Wohnmobil? Falsche Vorstellungen durch Instagram, die „Fake-Welt“?
Bei einigen Menschen entwickelt sich aufgrund der Positivität vieler Inhalte eine Aversion (Abneigung) gegen Instagram. Weil Instagram eine „Fake-Welt“ sei, wo alles nur dargestellt und unecht sei. Auf so manchen Account mag das zutreffen, doch das sind aus meiner Sicht die wenigsten. Denn das Problem ist nicht Instagram selbst.
Instagram hatte nie Absicht eine Kopie der realen Welt abzubilden mit all ihrem Konfliktpotenzial. Denn Fun Fact: Instagram war ursprünglich ein Treffpunkt für Bourbontrinker und hieß „Burbn“. Doch diese Geschichte wird an anderer Stelle erzählt. Instagram entwickelte sich zu einer Plattform, auf der die Menschen Momente ihres Lebens in Foto und mittlerweile auch Videoform teilen. Aber auch, wo Unternehmer ihre Dienste anbieten und anderen mit neuem Input helfen wollen, Lösungen für Probleme zu finden.
Mach dir also als allererstes richtig bewusst, dass es noch mehr Leben gibt in einem Familienalltag, als den Teil, den du bei Instagram von einer Familie siehst. Überall, wo es Lachen, Glück und Sonnenschein gibt, gibt es auch Tränen, Verzweiflung und Regen. Genau deshalb gibt es auch bei jeder Reisefamilie, die in die Kamera strahlt, Konflikte im Wohnmobil.
Instagram als echtes Abbild des Alltags?
Wäre Instagram nun aber bei vielen Familien ein Abbild ihren ganz realen Alltags, wäre das schon befremdlich. Warum? Ich zumindest würde mich fragen, wer denn das weinende, verzweifelte, wütende Kind auffängt, wenn man grad beschäftigt ist, es zu fotografieren, um die nächste Insta-Story noch anschaulicher zu gestalten? Für mich ist es ein positives Zeichen, keine Wutanfälle von fremden Kindern in den Sozialen Medien zu sehen, weil ich so wenigstens den Eindruck habe, dass man sich während der instafreien Zeit um das Kind kümmert und nicht die Kamera drauf hält. Ein aus meiner Sicht großer Punkt, warum man so wenig Konflikte im Wohnmobil auf Instagram sieht. Denn Instagram ist nicht das Leben.
Erzählungen zu hektischen Alltagen, miesen Übernachtungsspots, Küchenchaos und ähnliches, findet sich auf fast jedem Account in den Stories, dem wir folgen. The Real Vanlife existiert: Achte mal drauf. 😉
Mein ganz persönlicher Blick auf Instagram
Ich nutze Instagram, um mich inspirieren zu lassen, neue Orte zu entdecken und mit anderen reiselustigen Menschen auszutauschen. Wenn ich mir dort jeden Tag ansehen müsste, wie schlecht es XY geht und wie schlimm alles grad ist, würde ich sehr viel seltener diese Plattform betreten.
Ich umgebe mich bewusst auch nicht gern im Real Life mit Menschen, die überall Probleme sehen, sowieso alles kacke finden und täglich über nichts anderes sprechen, als darüber, wie übel ihnen das Leben mitspielt und wie gut es alle anderen haben. (Nicht verwechseln: Ich helfe gerne Menschen ihre Probleme zu lösen, doch Bock aufs Lösen der Probleme müssen sie selbst mitbringen!)
Es würde mir auf Dauer sehr schwer fallen, mich nicht von den fremden, schweren Gedanken und Konflikten runterziehen zu lassen. Das ist für mich wie Nachrichten schauen. Nur Not und Übel zu sehen. Danach fühle ich mich hoffnungslos, ziellos und sinnlos.
Das neue Leben beginnt – Einzug ins Wohnmobil
Inspiriert wurde dieser Beitrag durch einen Post auf Facebook. Eine Mama schrieb sich von der Seele, dass ihnen so gar nicht die Sonne aus dem Hintern scheint, während auf Instagram alles fröhlich am Strand chillt. Viele Familien reagierten darauf und waren sich einig, dass die Online-Welt eben nicht kein reales Abbild des echten Lebens ist, Konflikte im Wohnmobil absolut normal sind und dass es etwas braucht, um sich in das neue Leben einzugewöhnen.
Dunkle Wolken im Paradies
Gib dir Zeit anzukommen
Wieviel Zeit benötigt denn das Ankommen im Wohnmobil? Die Frage lässt sich vermutlich individuell ganz unterschiedlich beantworten, doch im Großen und Ganzen scheinen 3-4 Monate ein häufig genannter Zeitraum zu sein. Interessanterweise auch oft der Zeitraum, den eine Familie benötigt, wenn aus einem Kind zwei werden oder aus einem Paar eine Familie oder auch ein Umzug in eine neue Stadt, um wieder besser klarzukommen. Ist dir das mal aufgefallen? 😉
Dein Umzug ins Wohnmobil ist eine Krise
Richtig gelesen: Du wählst eine Krise, wenn du ins Wohnmobil ziehst. Eine Krise für dein Gehirn. Die entsteht immer, wenn sich grundlegende Dinge verändern, auf die dein Gehirn sicher eingestellt war und die nun einfach nicht mehr gegeben sind. Das passiert eben auch bei Umzügen oder in noch größerem Stil bei Familiengründung, Schwangerschaft usw. Die Folge daraus: Konflikte. Deinem Gehirn ist es egal, ob in einem Haus oder im Wohnmobil. Konflikte im Wohnmobil nimmt es auf die gleiche Art wie in einem Haus. Erstmal!
Nicht nur dein Gehirn erlebt eine Krise, sondern alle Gehirne, die zu deiner Familie zählen. Klingt nach Feuerwerk, oder? Wunderbar 😀
Diese Krisen in verschiedenen Intensitäten kennst du sicher auch von deinen Kindern. Kindergehirne üben diese Krisen auch schon ganz früh, wenn du ihnen nicht den Becher mit der richtigen Farbe gibst. Der Körper nimmt Durst wahr und gleichzeitig taucht eine Vorstellung des Bechers auf, aus dem das Getränk kommen soll oder das letzte Mal kam oder das erste Mal kam etc. Als Eltern wissen wir nicht, welche Farbe sich das Kind vorgestellt hat. Das Kind allerdings schon. Und da es noch nicht weiß, dass du nicht automatisch alles genauso siehst und weißt, wie es selbst, sagt es dir die Farbe nicht unbedingt von selbst. 😀
Ich glaube, wir alle kennen diese Situation und wollten schon so manches Mal an ihr verzweifeln, wenn das Gehirn des Kindes nun einen Plan bzw. eine Vorstellung hatte und dieser Plan im Kopf einfach nicht aufgeht, weil die Becherfarbe eine falsche ist. Genau solche Krisen durchleben wir als Erwachsene nun auch, doch haben wir andere Strategien entwickelt, damit umzugehen und das ganze läuft wesentlich subtiler und leiser ab. Trotz allem, kann es uns gerade am Anfang megamäßig stressen.
Übersetzt auf deine Konflikte im Wohnmobil bedeutet das, dass du dich in deiner neuen Welt erstmal zurechtfinden musst.
5 Krisen, die du überwältigen musst für weniger Konflikte im Wohnmobil:
Krise Nr. 1: Wie funktioniert alles?
Du musst plötzlich an deine Wasserversorgung denken. Viel häufiger als im Leben in einem Haus, in dem dein Wasser höchstwahrscheinlich automatisch aus der Wand kam. Höchstens die Jahresabschlussrechnung hat dich daran erinnert. Ähnliches gilt für Strom. Wird der Strom der Solaranlage reichen? Wo kann ich uns an die nächste Steckdose schließen? Und überhaupt: Wo schlafen wir heute? Finden wir einen schönen Platz? Dürfen wir hier bleiben? Campingplatz oder Freistehen? An all diese neue Themen musst du dich erst gewöhnen und sie in deinen Alltag integrieren. Dieser Mehraufwand kann zu Zeitmangel führen, was wiederum zum Konflikt im Wohnmobil führen mag, weil keiner mehr weiß, wo einem der Kopf steht.
Krise Nr. 2: Wo treffen wir andere Kinder?
Du suchst aktiv nach Spielkontakten für deine Kinder, denn die üblichen Nachbarskinder oder Schulfreunde sind nicht mehr da und die neuen findest du noch nicht. Schau mal in unsere Listen an Freilernerfamilien und Freilernertreffen! Und vielleicht magst du auch zum direkten Vernetzen in unsere „Freilerner unterwegs“-Telegram Themengruppe kommen? Schreibe mir dazu einfach eine Nachricht (@Vagabundenliebe). Auch diese Thematik kann Konflikte im Wohnmobil provozieren. Manchmal sind es aber wir Eltern, die dem Thema mehr Gewicht geben als unsere Kinder selbst. Wie ich das meine? Das erkläre ich in ein paar Tagen in einem weiteren Artikel.
Krise Nr. 3: Wieso kann ich nicht mehr „weglaufen“?
Deine ganze Lebenssituation ist neu und das dazu auf engem Raum, wo du nicht einfach eine Tür hinter dir zuschmeißen kannst und deine Ruhe hast. Du bist nun gezwungen dich deinen Konflikten IM Wohnmobil zu stellen. In einem Alltag in einem Haus mit mehreren Räumen, womöglich auch noch viele Stunden außer Haus getrennt von deinen Kindern und möglicherweise Partner, hast du ganz andere Konfliktstrategien verinnerlicht, die dich hier und jetzt nicht mehr weiterführen. Im Gegenteil: Hier, in deinem neuen Umfeld, wo du Kids und Partner 24/7 um dich hast, bringen sie das Fass zum Explodieren. Übrigens einer der tollsten Gründe für’s Reisen, weil der stetige Wandel, die Veränderung, wie ein Katalysator für dein persönliches Wachstum wirkt. Wenn du es zulässt.
Dicke Luft
Krise Nr. 4: Wo bleib ich?
Du nimmst unterwegs viel mehr Reize auf durch sich immer verändernde Situationen, Orte, Menschen um dich herum. Du bekommst einen Haufen Input und der will erstmal verarbeitet werden. Gerade zu Beginn neigen viele Familien dazu, zu schnell zu reisen. Uns erging zumindest so und wir hören es oft von vielen anderen. Konflikte im Wohnmobil waren so vorprogrammiert, weil wir uns nicht die Zeit zum Verweilen und Ausruhen gaben. Wir hatten noch nicht verinnerlicht, dass wir jetzt so leben und nicht irgendwo „ankommen“ müssen. Dass jetzt tatsächlich der Weg unser Ziel ist. Einfach mal an einem Ort zu bleiben für mehr als 1-2 Nächte und das Erlebte der letzten Tage sacken zu lassen, mussten wir erst üben.
Krise Nr. 5: Wieso lernt das Kind nicht?
Wenn du Kinder im schulpflichtigen Alter dabei hast, die aber keiner Schulpflicht in Deutschland unterliegen, weil ihr ausgewandert seid, dann ist vielleicht auch diese Situation neu für dich.
Vielleicht möchtest du sie selbst unterrichten und merkst, dass es was ganz anderes ist, wenn du anstelle einer Lehrkraft deinem Kind viele Vorgaben machst und es arbeitet nicht wie vorgestellt mit? Hier findet sich sicherlich noch ganz viel Konfliktpotenzial für viele unschöne Stunden im Wohnmobil. Genau deshalb mag ich dir Majka von der Reisefamilie Yafekama vorstellen, die als Ex-Lehrerin einen bedürfnisorientierten Weg zwischen Lehrplänen und Freilernen verfolgt und auch deiner Familie passende Möglichkeiten für euch aufzeigen kann.
Verfolgst du den Weg des Freilernens, dann steckt ihr alle vielleicht auch grad noch in der Deschoolingphase. Diese Phase ist ein möglicherweise anstrengender Prozess und fast schon ein Garant für Konflikte im Wohnmobil, der aber bitternötig ist, um erfolgreich freilernen zu können. Was es mit dem Deschooling auf sich hat, das liest du hier: Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen
Und dein ganz normaler Alltag
Dass die erste Zeit im Wohnmobil so manchen ganz schön schlauchen kann, kannst du dir nun sicher gut vorstellen. Das geballte Konfliktpotenzial kommt auf einmal auf dich eingeströmt – zusätzlich zu deinem sonstigen Alltag, den Entwicklungsphasen deiner Kinder und weiteren Sorgen, die du vielleicht grad hast.
Deine Kinder kommen ja trotzdem in die Pubertät oder die Wackelzahnpubertät oder in die Autonomiephase oder tun sich weh oder oder oder. Ob im Haus oder im Wohnmobil. Auch deine Sorgen nimmst du immer mit, egal, wohin du gehst, außer du löst sie auf.
Fazit
Das Vanlife, das Leben im Wohnmobil, ist aus unserer Sicht definitiv nicht geeignet, um vor irgendwas zu fliehen. Wenn du aber Bock hast auf Wandel, nicht nur äußerlich durch neue Orte, neue Menschen, neue Landschaften, neue Erfahrungen, sondern ganz besonders auch innerlich, dann ist es das Beste, das dir wohl passieren kann und du überstehst die ersten Monate unterwegs mit Leichtigkeit (rückwirkend betrachtet 😉 ).
Gönn‘ dir Pausen, bleib‘ einfach mal länger an einem Ort, gesteh dir ein, dass es viele Phasen/Situationen auch im Haus gegeben hätte, atme tief durch und weiter geht’s. Denn es geht immer weiter.
Wie erlebst du die erste Zeit auf Reisen? Wir sind ganz gespannt, ob du auch einige dieser Krisen zu bewältigen hast oder hattest und freuen uns auf deine Worte in den Kommentaren. Vielleicht magst du auch damit der einen oder anderen Familie neuen Mut!