Du stolperst in meinen Texten über gewisse Begriffe wie Patriarchat, internalisierte Misogynie, strukturelle Ungleichheit, die möglicherweise emotionale Reaktionen auslösen. Häufig liegt das daran, dass zwei Menschen über ein und denselben Begriff sprechen, ihm aber unterschiedliche Bedeutung geben. Ihnen fehlt eine gemeinsame Definition, eine Grundlage.
Hier findest du eine kleine Liste von Begriffen, die helfen soll, Missverständnisse zu vermeiden. Viele dieser Begriffe werden durch Zitate und Kommentare ergänzt, die nicht von mir stammen. Die Urheber sind nicht immer bekannt.
Wikipedia sagt: „Es gibt jedoch keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Matriarchat.“
Warum nicht? Weil sich mit sowas nicht beschäftigt wird. Es müsste sich dann eingestanden werden, dass es andere (möglicherweise sogar bessere) Wege gibt, als das Patriarchat. Aber das macht grad gar nichts, denn wir definieren, was Matriarchat ist und nicht irgendein Wissenschaftler.
Die meisten Menschen (auch nicht wenige Frauen) glauben, das Matriarchat sei ebenso ein hierarchisches System wie das Patriarchat – nur eben umgedreht, in dem Frauen einfach Männer dominieren. Das wollen die meisten Männer nicht, also sind sie dagegen. Doch warum nicht? Weil sie Sorge haben, dass ein solches System ihnen etwas antun könnte, was das aktuelle System heute Frauen antut? Doch die Sorge ist unbegründet, denn das Matriarchat ist keinesfalls ein hierarchisches System.
Es ist ein Kreis. Ein Kreis mit Kindern und Leben in seinem Zentrum.
Wo Mütter (und Väter) geschützt und gut versorgt werden, können Kinder gedeihen und wo Kinder gedeihen, kann die Gesellschaft gedeihen. Matriarchat ist nicht „gegen Männer“ gerichtet, sondern gegen Herrschaft. Für ein artgerechtes, gesundes, nachhaltiges Leben für alle.
Es konzentriert sich darauf, alle Bedürfnisse der Kinder zu erfüllen und in die heranwachsenden Generationen zu investieren. Alle Erwachsenen beteiligen sich an der kooperativen Betreuungsarbeit und der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung. Es fördert Verantwortung und Zusammenarbeit als soziale Logik.
Patriarchat
(wörtlich: „Väterherrschaft“)
„Patriarchat“ bezeichnet eine Gesellschaftsform bzw. Herrschaftssystem, in dem „das Männliche“ als das selbstverständliche, normierende und dominierende Prinzip gilt und das die bevorzugte Stellung von Männern aufrechterhält. Weltweit ist es die vorherrschende Gesellschaftsform.
„Patriarchale Werte, Normen und Praktiken gehen mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen und der Unterdrückung oder Verdrängung weiblicher und nicht heteronormativer Perspektiven, Teilhabe- und Entwicklungschancen einher. Sie erhalten sexistische Strukturen und Muster aufrecht und begünstigen geschlechtsspezifische Gewalt.“ Quelle: Gemeinsam gegen Sexismus
Das Patriarchat als Gesellschaftsform ist der Ursprung für Kapitalismus, Kolonialismus, Adultismus, Sexismus, Rassismus und anderen diskriminierenden Arten von Hierarchie, die wir heute kennen.
Es konzentriert sich auf die Ängste und Wünsche erwachsener Männer. Frauen wird Autonomie und Macht verweigert. Die Macht der Männer entsteht durch Einflussnahme – die Fähigkeit, Ressourcen zurückzuhalten, zu verweigern, zu dominieren. Es fördert irrationale Autorität und hierarchische Ausbeutung als soziale Logik.
Das Patriarchat beschreibt eine Gesellschaftsstruktur, in der Männer im Durchschnitt mehr Macht, Ressourcen und Einfluss haben als Frauen. Diese Struktur ist historisch gewachsen. Das bedeutet nicht, dass jeder einzelne Mann mächtig ist oder jede Frau unterdrückt wird. Es beschreibt ein Muster auf gesellschaftlicher Ebene.
Das Narrativ, dass Macht durch Härte erworben wird, ignoriert, wie Verletzlichkeit selektiv bestraft wird. Männer werden für Aggression belohnt. Frauen werden dafür bestraft. Von Frauen wird Sanftheit verlangt, bei Männern wird sie verachtet. Das System bricht jeden, nur nicht alle gleichermaßen.
Das Narrativ, dass das Hinterfragen des Patriarchats (z. B. durch Feminsimus) die Gesellschaft zerstört, ignoriert, wen die Gesellschaft seit Jahrhunderten stillschweigend zerstört. Was in Frage gestellt wird, ist nicht die Stabilität, sondern die Hierarchie. Und die Hierarchie hat schon immer Opfer von vielen verlangt, um wenige zu schützen.
Das Narrativ, dass Männer standardmäßig Führungskräfte sind, wird so oft wiederholt, dass sie als Wahrheit erscheint. Repräsentation schafft Glauben. Abwesenheit schafft Zweifel. Wenn Führungspositionen ständig mit Männern besetzt werden, wird auch Kompetenz unbewusst so kodiert.
Das Narrativ, dass Traditionen ohne Frage bewahrt werden müssen, ignoriert, wem Traditionen eigentlich dienen sollten. Nicht alle Traditionen sind kulturelle Schätze. Einige sind historische Kompromisse mit Ungerechtigkeit. Nur weil es etwas schon lange so gemacht wird, bedeutet es nicht, dass es moralisch okay ist.
Feminismus wird oft missverstanden. Manche verbinden den Begriff mit Männerhass oder extremen Forderungen. Im Kern bedeutet Feminismus jedoch etwas sehr Einfaches: die Gleichberechtigung der Geschlechter.
Feminism is the radical notion that women are people.
Zu deutsch: Feminismus ist die radikale Erkenntnis, dass Frauen Menschen sind.
Dieser eine Satz sagt im Grunde schon alles. Die Problematik ist, dass Frauen nicht als gleichwertige Menschen wahrgenommen (von einzelnen Menschen sicherlich, möglicherweise auch von dir, jedoch nicht vom System selbst) werden, sondern als Objekte. (Oder warum wird noch immer von Männern über Frauenkörper in Gesetzestexten bestimmt und was sagen noch gleich die Statistiken zu sexuellem Missbrauch, Femiziden etc.?) .
„Ihr seid doch schon gleichberechtigt.“
Egal, wieviele Rechte unsere Vorfahrinnen und wir schon für uns Frauen erkämpft haben: Rechte auf dem Papier zu haben bedeutet nicht Gleichberechtigung im Alltag.
Doch es geht nicht nur um Rechte Einzelner, sondern um ein ganzes System. Feminismus fordert das Patriarchat heraus.
Wir schulden dir keine Form des Feminismus, die für dich bequem ist.
„Aber Feminismus spaltet…“
Wer meint, dass doch Harmonie ohne Feminismus herrscht, spricht von der Ruhe der Privilegierten. Dieses “Argument” soll davon abhalten, Missstände zu benennen. Unser Schweigen schützt nur die bestehenden Verhältnisse. Denn wer Gleichberechtigung als Bedrohung empfindet, hat in der Regel von Ungleichheit profitiert.
Männer herauszufordern wird als Störung dargestellt. Das Patriarchat herauszufordern wird als maßlose Übertreibung dargestellt. Objektivität hat praktischerweise immer ein männliches Gesicht gehabt.
Gleichberechtigung ist aber kein Nullsummenspiel: Nur weil Frauen etwas dazu gewinnen, bedeutet das nicht automatisch, dass die meisten Männer wirklich etwas verlieren. Tatsächlich gewinnen auch sie dazu:
Viele Männer lernen z. B. früh, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen, nicht weinen sollen, immer stark und erfolgreich sein müssen und Probleme alleine lösen sollen. Diese Erwartungen führen zu Druck. Männer nehmen seltener psychologische Hilfe in Anspruch und haben höhere Suizidraten. Männer würden gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, stoßen aber auf berufliche oder gesellschaftliche Hürden. Gleichberechtigung bedeutet daher auch, Männer von starren Rollenbildern zu befreien.
Wie du siehst: Feminismus kämpft nicht nur für wahre Gleichberechtigung von Frauen, sondern ebenso von Männern.
Das Narrativ, Feminismus sei zu weit gegangen, setzt voraus, dass es jemals einen fairen Ausgangspunkt gegeben habe. Korrekturen erscheinen nur dann extrem, wenn Ungleichgewicht als normal angesehen wird. Gerechtigkeit erscheint immer radikal für diejenigen, die bequem auf Ungleichheit stehen.
Das Narrativ, dass Frauen für die kleinen Schritte und Rechte dankbar sein sollten, vergisst, wie viel Widerstand diesen Rechten entgegengebracht wurde. Fortschritt wurde nie geschenkt. Er wurde erkämpft. Dankbarkeit wird oft gefordert, um weitere Herausforderungen zu verhindern.
Das Narrativ, Feminismus hasse Männer, verwechselt Verantwortlichkeit mit Feindseligkeit. Systeme fühlen sich angegriffen, wenn sie hinterfragt werden. Privilegien fühlen sich verfolgt, wenn sie benannt werden. Feminismus will nicht, dass Männer leiden. Er will das Ende unverdienter Herrschaft.
Das Narrativ, dass Männer nun unterdrückt werden, weil Frauen Rechte haben, verwechselt Unannehmlichkeiten mit Ungerechtigkeit. Der Verlust des uneingeschränkten Zugangs zu Herrschaft fühlt sich nur dann wie ein Verlust an, wenn Überlegenheit mit Normalität verwechselt wurde. Gleichberechtigung fühlt sich wie Unterdrückung an, wenn man nie erwartet hat, den Raum teilen zu müssen.
Das Narrativ, dass Frauen zu viel verlangen, wenn sie Sicherheit fordern, verkennt das Ausmaß dessen, was ihnen genommen wurde. Sie verlangen keinen Komfort. Sie verlangen, sich in der Welt bewegen zu können, ohne bei jedem Schritt Risiken abwägen zu müssen. Sicherheit ist kein Luxuswunsch. Sie ist die Grundvoraussetzung, die ihnen historisch vorenthalten wurde.
Das Narrativ, dass Feministinnen ihre Politik unangemessen in alles einbringen, während Männer sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, ist eine Lüge. Männer bringen ihre Politik in Witze, Fernsehen, Literatur, Kinderbücher und Filme, Spielzeug, Religion, soziale Normen, Stereotypen, Kulturen, Traditionen, Klassenzimmer, die Wirtschaft und das gesamte System des menschlichen Lebens ein. Denn ihre Politik ist unser Gesellschaftssystem. Unsere Gesellschaft sieht alles durch die männliche Brille. Der Unterschied liegt nicht in der Präsenz, sondern in der Macht. Die männliche Ideologie wird als neutral, universell und natürlich dargestellt.
Das Narrativ, dass Männer logisch und Frauen emotional sind, ist eine Verzerrung, die dazu dient, Macht zu schützen. Männliche Wut wird als Autorität umgedeutet. Männliche Anspruchsmentalität wird zu Führungsstärke. Männliche Gewalt wird kontextualisiert. Die Trauer, Angst und Wut von Frauen werden hingegen als Instabilität abgetan. Emotionen sind nicht das Gegenteil von Logik. Emotionen sind einfach nur unbequem, wenn sie von Menschen gezeigt werden, die keine strukturelle Dominanz haben.
Strukturelle Ungleichheit & Privilegien
Strukturelle Ungerechtigkeit ist eine Form sozialer Ungleichheit, die von Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen ausgeht. Diese Strukturen können bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen oder privilegieren und sind die Ursache von struktureller Gewalt.
Der Begriff Privileg wird in diesem Zusammenhang oft missverstanden: Viele denken dabei an Luxus, Reichtum oder ein besonders bequemes Leben. Sozialwissenschaftlich bedeutet er jedoch etwas anderes:
Ein Privileg ist ein Vorteil, den jemand hat, ohne ihn bewusst gewählt oder verdient zu haben. Dieser Vorteil entsteht durch gesellschaftliche Strukturen.
Ein Beispiel: Wenn eine Person nachts ohne Angst alleine nach Hause gehen kann, während eine andere sich ständig unsicher fühlt, ist das ein Unterschied in der Lebensrealität. Die erste Person hat in diesem Bereich ein Privileg.
Aber: Ein Privileg bedeutet nicht, dass jemand keine Probleme hat. Ein Mann kann arm, krank und unglücklich sein oder in einzelnen Bereichen auch Nachteile und trotzdem gesellschaftlich aufgrund seines Geschlechts gegenüber Frauen bevorteilt werden.
Der Begriff soll also nicht einzelne Menschen beschuldigen, sondern strukturelle Unterschiede sichtbar machen. Frauen benennen hier ein strukturelles Problem und kein individuelles. Und auch die, die sich oft ganz laut & vehement da rausnehmen wollen, profitieren gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst von diesen Strukturen.
„Wenn ein System manchen Gruppen Vorteile verschafft, profitieren die, die diese Vorteile haben, oft unbewusst davon. Das heißt nicht, dass sie schuld daran sind, aber dass Gleichberechtigung für alle wichtig ist.“
Liste männlicher Privilegien im Patriarchat (nicht vollständig):
Männliche Privilegien im Alltag
Weniger Angst vor sexueller Belästigung im öffentlichen Raum: Verhalten, Kleidung oder Wege müssen aus Sicherheitsgründen nicht angepasst werden, sich im Öffentlichen Raum bewegen zu können
Weniger Druck bezüglich Aussehen und Jugendlichkeit: Gesellschaftliche Erwartungen an Schönheit, Körperform und Alter treffen Frauen meist stärker, was mehr Kosten und Aufwand verursacht. Erwartungen nicht erfüllen, wird bei Männern weniger sanktioniert.
Weniger Angst vor Gewalt in der Öffentlichkeit: von Vergewaltigung, Entführung, K.O.-Tropfen im Drink, sexueller Gewalt und Missbrauch seltener betroffen
Weniger Angst in Beziehungen und Familien vor Gewalt: statistisch weitaus seltener betroffen von Missbrauch oder Mord innerhalb von familiären Strukturen oder Beziehungen
Mehr Bewegungsfreiheit ohne soziale Bewertung: sich allein, spät abends oder auf Reisen oft bewegen, ohne dass es moralisch bewertet oder infrage gestellt wird
Mehr Vertrauen in Autorität in gemischten Gruppen: werden oft schneller als natürliche Führungspersonen wahrgenommen, selbst ohne besondere Qualifikation
Weniger Druck, emotionale Arbeit in Beziehungen zu leisten: übernehmen seltener die Organisation von sozialen Kontakten, Geburtstagen, Familienkommunikation usw.
Höhere Wahrscheinlichkeit, im Alltag als „Standard“ betrachtet zu werden: Viele Produkte, Arbeitskleidung, Sicherheitsausrüstung (z. B. Anschnallsysteme in Fahrzeugen); Medikamentendosen oder medizinische Studien basieren historisch stark auf männlichen Durchschnittswerten.
Weniger Unterbrechungen oder „Übergehen“ in Gesprächen: Studien zeigen, dass Frauen in gemischten Gruppen häufiger unterbrochen und weniger ernst genommen werden.
Geringere soziale Sanktionen für sexuelle Aktivität: erleben seltener Stigmatisierung für ein aktives Sexualleben als Frauen
Geringeres Risiko, für emotionales Verhalten abgewertet zu werden: Ärger oder Frustration zu zeigen, wird eher als Stärke oder Führungsqualität interpretiert, während Frauen dafür als „hysterisch“ oder „überempfindlich“ gelten.
Weniger Erwartung, „nett“ oder harmonisch zu sein: gesellschaftlich seltener erwartet, freundlich, kompromissbereit und sozial angepasst aufzutreten
Mehr gesellschaftliche Akzeptanz für technische oder handwerkliche Interessen: werden seltener hinterfragt, wenn sie sich für Technik, IT oder Ingenieurberufe entscheiden
Feminism never taught me to be wary of men. It was men who taught me that. Feminism never taught me to not wear clothes that made me feel alright, to not go out alone late at night, to not trust any men until they prove their intent. It was men who taught me that by constantly harassing, hurting ganda dator g women. Feminism never taught me anything about men. It was men who taught me everything about men. – Farida D.
Zu deutsch: „Feminismus hat mir nie beigebracht, Männern gegenüber misstrauisch zu sein. Das haben mir Männer beigebracht. Feminismus hat mir nie beigebracht, keine Klamotten zu tragen, in denen ich mich wohlfühle, nachts nicht alleine auszugehen und Männern nicht zu vertrauen, bis sie ihre positiven Absichten bewiesen haben. Das haben mir Männer beigebracht, indem sie Frauen ständig belästigt und verletzt haben. Der Feminismus hat mir nie etwas über Männer beigebracht. Es waren die Männer, die mir alles über Männer beigebracht haben.“ – Farida D.
Männliche Privilegien in der Erwerbsarbeit
Höhere Wahrscheinlichkeit, in Führungspositionen zu arbeiten: in vielen Branchen überproportional in Chef- und Entscheidungsrollen vertreten
Höhere durchschnittliche Bezahlung für vergleichbare Arbeit: geschlechtsspezifischer Lohnunterschied in vielen Ländern existent
Geringere Erwartung, unbezahlte Care-Arbeit zu leisten: übernehmen im Schnitt weniger Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen
Mehr gesellschaftliche Akzeptanz für Durchsetzungsvermögen: Verhalten wie Dominanz oder Härte wird oft positiv bewertet – bei Frauen hingegen als „aggressiv“ oder „unsympathisch“
Weniger Zweifel an fachlicher Kompetenz: in technischen oder führungsbezogenen Rollen oft automatisch als kompetent wahrgenommen, während Frauen ihre Kompetenz häufiger beweisen müssen.
Weniger Kritik für ambitioniertes oder karriereorientiertes Verhalten: für Ehrgeiz oft gelobt, während Frauen dafür als egoistisch oder „zu karrierefixiert“ beurteilt werden
Geringeres Risiko, aufgrund von Elternpflichten als weniger engagiert zu gelten: erleben im Beruf seltener den Eindruck, weniger belastbar oder verfügbar zu sein
Geringere Wahrscheinlichkeit, aufgrund von Familienplanung benachteiligt zu werden: Schwangerschaft und Mutterschaft können Karrieren von Frauen stärker beeinflussen als Vaterschaft die von Männern.
Geringere Wahrscheinlichkeit, im Beruf sexualisiert wahrgenommen zu werden: müssen sich seltener damit auseinandersetzen, dass ihr Aussehen oder ihre Attraktivität im Arbeitskontext thematisiert wird.
Misogynie
Wikipedia sagt: „Misogynie (von altgriechisch misos „Hass“ und gyne „Frau“), Frauenfeindlichkeit oder Frauenhass ist ein Oberbegriff für soziokulturelle Einstellungsmuster der geringeren Relevanz oder Wertigkeit von Frauen beziehungsweise der höheren Relevanz oder Wertigkeit von Männern. Sie wird sowohl von Männern als auch von Frauen selbst über die psychosoziale Entwicklung verinnerlicht (Sozialisation, Habitualisierung) und stellt die Erzeugungsgrundlage für den hierarchisierenden Geschlechtshabitus von Männlichkeit und Weiblichkeit dar. Sie ist damit die Basis hegemonialer Männlichkeit oder patriarchaler Beziehungsgefüge.
Misogynie ist tief in zahlreichen menschlichen Kulturen verwurzelt. Da sie sozialen Normen oder Idealen jedoch widerspricht, gilt sie gesellschaftlich als „krankhaftes“„abnormes Gefühl“. Aufgrund dieser fundamentalen Widersprüchlichkeit wird Misogynie gesellschaftlich und individuell meist verdeckt – etwa durch Leugnung, Tabuisierung, Höflichkeit oder sozial erwünschte Gleichheitsrhetorik. Dann bleibt sie individuell unbewusst und gesellschaftlich diffus.“
Internalisierte Misogynie
Internalisierte Misogynie bedeutet, dass unbewusst frauenfeindliche Denkmuster übernommen wurden. Sie betrifft alle Geschlechter, die im selben patriarchalen Herrschaftssystem aufgewachsen und geprägt wurden.
Internalisierter Sexismus: Wir glauben unbewusst, dass Männer kompetenter, interessanter oder wertvoller sind, weshalb sich oft von Frauen abgegrenzt wird, um „besser“ dazustehen. Auch Frauen selbst tun das.
Identifikation mit der dominanten Gruppe: Nach der Sozialen-Identitäts-Theorie neigen Menschen dazu, sich mit Gruppen zu identifizieren, die mehr Macht oder Status haben. Wenn Männer also gesellschaftlich als die „höher bewertete“ Gruppe wahrgenommen werden, versuchen die meisten Menschen sich dieser Gruppe anzunähern, indem sie sich z. B. von Frauen distanzieren.
Soziale Rollenbilder und Erziehung: Viele Menschen wachsen in Umfeldern auf, in denen Konkurrenz zwischen Frauen normalisiert wird (z. B. „Frauen sind zickig“, „Man kann Frauen nicht trauen“). Solche Glaubenssätze prägen das Verhalten im Erwachsenenalter.
Die nächsten zwei Beispiele zeigen Situationen, in denen insbesondere Frauen internalisierte Misogynie gegen andere Frauen zeigen. Diese Muster schaden Frauen und ihren Beziehungen zu anderen Frauen. Danach betrifft es wieder die gesamte Gesellschaft.
Konkurrenz statt Komplizenschaft: Frauen haben gelernt, dass es immer nur Platz für eine Frau gibt – ein Posten im Aufsichtsrat, eine Auserwählte im Boys Club, eine Prinzessin, die vom Prinzen geheiratet wird. Auch als „Queen-Bee“-Phänomen bekannt: Ein in der Forschung verwendeter Begriff für Frauen in Machtpositionen, die andere Frauen eher blockieren als fördern oder sich distanzieren, um selbst eher akzeptiert oder gefördert zu werden. Diese Konkurrenz unter Frauen begegnet uns auch in Märchen, wo Stiefmütter und Stiefschwestern die bösen Rivalinnen sind. In Wahrheit profitieren wir alle, wenn wir uns gegenseitig unterstützen – statt uns als Gegnerinnen zu sehen.
Sich Männern anbiedern statt Frauensolidarität zeigen: Die Liebe und Anerkennung eines Mannes wurde uns als ultimative Sicherheit und einziger Lebenssinn verkauft. Deshalb distanzieren wir uns (auch demonstrativ) von anderen Frauen, um bei Männern besser dazustehen. Wenn eine Frau wiederholt erlebt, dass sie Lob, Aufmerksamkeit oder Vorteile bekommt, wenn sie sich von anderen Frauen abgrenzt („Du bist nicht wie die anderen“), kann sich dieses Verhalten verstärken. Wir machen dann „Ich bin nicht wie andere Mädchen“-Kommentare oder schweigen, wenn Sexismus passiert. Auch bekannt als: Pick-me“-Verhalten. Wir haben gelernt, dass männliche Aufmerksamkeit wertvoller ist, als weibliche Komplizenschaft – was uns alle schwächt.
Frauen und Männer lästern darüber, was eine Frau anhat, ob sie ein bestimmtes Kleidungsstück „tragen kann“, oder wie sie ihr Leben gestaltet. Das Problem ist nicht die Frau selbst, sondern, dass wir unbewusst prüfen, ob sie dem Bild von „guter“ und „attraktiver Weiblichkeit“ entspricht, das uns beigebracht wurde. Jedes Mal, wenn wir eine Frau dafür verurteilen, vom patriarchalen Ideal abzuweichen, verfestigen wir die Normen, die uns alle einschränken.
Wenn eine Frau „zu viel“ ist – zu laut, zu selbstbewusst, zu erfolgreich, zu direkt – dann zeigt das oft, wo wir (Frauen und Männer) uns selbst klein machen und zurücknehmen. Ihre Stärke triggert unsere eigenen Unsicherheiten und inbesondere bei Frauen die inneren Stimmen, die uns sagen, dass wir bescheidener, leiser und weniger sein sollten. Statt sie zu kritisieren, können Frauen sich fragen: Was würde passieren, wenn ich mir dieselbe Freiheit nehme?
Frauen weniger Kompetenz zutrauen: Bei Männern nehmen wir automatisch an, dass sie wissen, was sie tun. Bei Frauen wollen wir Beweise sehen. Wenn eine Frau etwas sagt, hinterfragen wir es eher, als wenn ein Mann etwas sagt. Wir schreiben den Erfolg von Frauen in Führungspositionen ihrem Glück oder ihren Beziehungen zu – nicht ihrer Leistung. Diese doppelten Standards haben wir gesellschaftlich so tief verinnerlicht, dass insbesondere Frauen ihrer eigenen Expertise misstrauen und sich weniger zutrauen, als sie können.
Betroffenen die Schuld geben: Victim Blaming ist eine der gefährlichsten Formen internalisierter Misogynie. Was hatte sie an? War sie betrunken? Diese Fragen verschieben die Verantwortung vom Täter auf die Betroffenen. Dahinter steckt für Frauen eine Illusion von Kontrolle: Wenn wir glauben, dass „richtiges Verhalten“ Frauen schützt, fühlen wir uns als Frauen sicherer. Doch die Wahrheit ist: Übergriffe passieren nicht wegen des Verhaltens der Betroffenen, sondern wegen der Entscheidung des Täters. Wenn wir Betroffenen die Schuld geben, stützen wir ein System, das Gewalt gegen Frauen ermöglicht.
Wichtig: Solches Verhalten ist meist kein bewusstes „Verraten“ anderer Frauen, sondern oft eine Anpassungsstrategie an soziale Erwartungen oder Machtverhältnisse. Es sagt mehr über die Strukturen und Erfahrungen eines Menschen aus als über den Charakter.
Um Ungleichheit, Gewalt etc. in Zukunft besser zu vermeiden, müssen wir uns unserer internalisierten Misogynie bewusst werden und unser Verhalten hinterfragen und ändern.
Misandrie
Ist Misandrie, also Männerhass, jetzt das Gegenteil von Misogynie?
The opposite of misogyny is not „misandry“ or the hatred of men. The hatred of men is a reaction to misogyny.The opposite of misogyny is the standing up for the rights of women. The opposite of misogyny is feminism. -Farida D.
Zu deutsch: „Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist nicht „Männerfeindlichkeit“ oder der Hass auf Männer. Der Hass auf Männer ist eine Reaktion auf Frauenfeindlichkeit. Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist das Eintreten für die Rechte der Frauen. Das Gegenteil von Frauenfeindlichkeit ist Feminismus.“ – Farida D.
Wiki sagt: „Als Misandrie (von griechisch μῖσος misos ‚Hass‘ und ἀνήρ anēr ‚Mann‘, Genitiv ἀνδρός andros), Männerfeindlichkeit oder Männerhass wird eine Abneigung gegen, eine Verachtung für oder eine Reihe Vorurteile über Männer bezeichnet.
In der Kulturanthropologie findet der Begriff – im Gegensatz zu Misogynie – kaum Anwendung, da es in traditionellen Kulturen so gut wie keine institutionalisierte Feindseligkeit gegenüber der Gesamtheit der Männer gebe. Kritisiert wird der Begriff, da er aus antifeministischen Gründen von der Männerrechtsbewegung popularisiert worden sei und seine Verwendung damit frauenfeindliche Deutungsmuster transportiere. […]
Der Ausdruck wird bis heute polemisch und undifferenziert in antifeministischen Diskursen und innerhalb der Männerrechtsbewegung als Kampfbegriff verwendet, der sich gegen Feminismus richtet und diesen mit Männerhass verknüpft. […]
Marc Oulette argumentiert, dass Misandrie (Männerfeindlichkeit) nicht mit Misogynie (Frauenfeindlichkeit) gleichzusetzen sei, da der Misandrie nicht die systematische, transhistorische, institutionalisierte und gesetzlich verankerte Feindseligkeit der Misogynie innewohne. Stattdessen gelte es, Diskriminierung aufzudecken, die sich gegen bestimmte marginalisierte Männlichkeiten richte.
Auch Luca Di Blasi hält den Einsatz gegen einen antimännlichen Sexismus zwar für sinnvoll, warnt aber vor einer Fixierung darauf und vor einer „reaktionären Ressentimentbildung“, die Gleichstellungsbemühungen mit Diskriminierung verwechsle. Der US-amerikanische Soziologe Allan Johnson gibt zu Bedenken, dass sexistische Vorurteile gegenüber Männern nicht mit frauenfeindlichen Vorurteilen vergleichbar seien, da diese „unterschiedliche soziale Grundlagen und sehr unterschiedliche Folgen haben“. Naomi Schor, Michael Kimmel und David Gilmore sprechen sich ebenfalls gegen eine Gleichsetzung von Misogynie und Misandrie aus, da diese die über Jahrhunderte andauernde Benachteiligung von Frauen ausblende.“
Kommentare aus dem Netz:
„Es gibt bei Facebook eine Gruppe mit über 100.000 männlichen Mitgliedern, die sich darüber austauschen, wie sie die Frauen in ihrem Leben am besten betäuben, und dabei filmen. Seit über 7 Jahren versuchen Frauen vergeblich, diese Gruppe schließen zu lassen. Und trotzdem hab ich schon wieder einen wimmernden Mann gesehen, der heult: „Warum dieser Männerhass? Warum seid ihr sooooo gemein zu Männern?“ Es ist unfassbar, wie sehr Männer sich und ihre Gefühle zentrieren und völlig empathiebefreit Frauen gegenüber sind.“
„Ich bin nicht gegen Männer. Ich benenne Strukturen, in denen überwiegend Männer derartige GewaIt ausüben. Wenn 32.000 Männer intime Bilder ihrer Partnerinnen ohne deren Wissen teilen und zehntausende Männer sich in anderen Gruppen über die Umsetzung von sexualisierter GewaIt austauschen, dann ist das keine persönliche Abneigung. Das ist eine gesellschaftliche Realität. Dass du dich davon angegriffen fühlst, ist nicht mein Thema. Das Thema sind die Frauen, deren Rechte, Körper und Grenzen bewusst verletzt wurden. Wer darin Männerfeindlichkeit sieht, verwechselt Kritik an Machtstrukturen mit einem persönlichen Angriff.“
„Männer hassen Männer und Männer hassen Frauen, aber es kommt selten vor, dass Frauen Männer hassen, die nichts getan haben.“
Erlebst du regelmäßig in Social Media, wie Frauen ohne Grund und einfach aus Langeweile Hasskommentare an Männer abgeben? Wie scheiße sie aussehen? Dass sie so niemals eine Frau bekommen und dass sie keine f*cken will? Nein, ich auch nicht.
Frauen hassen Männer also nicht generell, sondern haben keine Lust mehr ständig vor Männern Angst haben zu müssen, ihren Töchtern beibringen zu müssen, sich auf bestimmte Weise zu kleinen oder zu verhalten. Es ist Frust, eine Reaktion auf die strukturelle Ungleichheit, die im Patriarchat unausweichlich ist.
Aber…
„Not all men“
Ja, nicht alle Männer sind so. Wenn du das schonmal kommentiert oder nur ansatzweise gedacht hast, dann lies weiter.
„Not all men“ ist eine Strategie – eine Strategie, um Kritik an einem System, dass Männer strukturell bevorteilt, zu relativieren und klein zu reden. Dieser passenden Vergleiche aus Kommentarspalten zeigen wunderbar, was hier passiert:
Wird von Frauen und Menstruation gesprochen, ist allen sofort klar, dass hier nur Frauen gemeint sind, die tatsächlich menstruieren. Niemand schreit „Aber nicht alle Frauen menstruieren!“. Es sagt auch niemand: „Manche Frauen können Kinder bekommen.“ Wird von Gewalt gegen Frauen durch Männer gesprochen, ist auch klar, dass nur die Männer gemeint sind, die Gewalt gegen Frauen verüben. Doch nun wird plötzlich eine Pauschalisierung unterstellt. Das Problem dabei ist nicht die klare Sprache, sondern das Erhalten von Macht und Privilegien.
Wieso verlangen wir von emanzipierten Frauen mehr, als vom Rest der Gesellschaft?
Wer sind eigentlich „not all men“?
Schauen wir uns einfach mal an, wer genau diese „not all men“ sind, um die es geht, wenn wir über Gewalt durch Männer an Frauen sprechen:
Das hier dargestellte Spektrum bezieht sich nur auf aktive Gewalt gegen Frauen. Wir reden nicht über tatsächliche Gleichberechtigung bzw. deren Verweigerung im Alltag.
Wenn man sich nur ansatzweise anschaut, wie viele Menschen bei Fällen wie Pelicot oder Epstein beteiligt sind und berücksichtigt, wie viele von solchen Fällen noch nicht ans Licht gekommen sind, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs ist. Wer dann ruft „ICH ABER NICHT!“ hält sich selbst für die grandiose, bejubelnswürdige Ausnahme und schießt sich damit gleichzeitig selbst wieder ins Aus.
Lasst uns (im dunkelroten Bereich) nicht von Monstern sprechen, denn es sind keine Monster. Es sind Männer, die gewalttätig sind, die schlagen, die all die grausamen Dinge tun können, gerade wegen der patriarchalen Strukturen. Lasst uns von Männern reden. Nicht von Monstern. Vor allem sind es Väter, Onkel, Kollegen … man sieht es ihnen nicht mal an.
Nur die wenigsten Männer verstehen, dass man ein strukturelles Problem benennt und kein individuelles. Und auch die, die sich oft ganz laut und vehement da rausnehmen wollen, profitieren gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst von diesen Strukturen.
Kritik am Patriarchat ist eine Kritik an Machtstrukturen, die von Männern dominiert werden und deren Überwindung den allermeisten Menschen, auch den meisten Männern, zugute kommen wird. Abstriche werden nur wenige machen müssen (Elite). Keiner braucht sich per se angegriffen fühlen, aber jeder ist aufgerufen, sein Handeln zu reflektieren und über seine Privilegien nachzudenken.
Ein Gedankenspiel: Stell dir vor, ich kaufe eine Flasche Tequila und verteile sie auf 6 mit Salzrand verzierte Schnapsgläser. Einen Teller mit geviertelten Limetten stell ich dazu. Nun werde ich ein paar Tropfen Gift in eines der Gläser geben, gerade genug, um ihn zu töten. Ich werde die Gläser mischen und ihn sich vor mich setzen lassen und sagen, dass alle 6 Gläser für ihn sind, aber eines davon Gift enthält.
„Trink aus!“
Wenn er sagt, aber es enthält Gift, werde ich ihm sagen, dass nicht alle Gläser Gift enthalten. Wenn er einen Wutanfall bekommt, werde ich ihm sagen, dass es im Grunde Tequila ist und nur ein paar Tropfen Gift. Wenn er sich weigert zu trinken, werde ich ihn herausfordern und sagen, dass ich sehen werde, wie er ohne Tequila leben kann. Ich werde ihm sagen, dass er, indem er sich auf ein Schnapsglas konzentriert, alle sechs Gläser vor ihm und den besten Tequila der Welt beleidigt.
Jetzt trink aus!
Wenn er aufsteht und geht, werde ich mich fragen, ob er vielleicht PMS hat.
Von 10 Männern macht 1 einen sexuellen Witz über eine Frau, 2 lachen, 3 finden ihn nicht lustig, kichern aber trotzdem mit, um sich anzupassen, und 4 sagen nichts und tun so, als hätten sie ihn gar nicht gehört. Keiner sagt etwas, und keiner unterbricht ihn. Später glauben alle neun Männer außer demjenigen, der den Witz gemacht hat, dass Männer wie er eine Minderheit sind und die meisten Männer nicht so sind, und sehen sich selbst als Teil der „guten Mehrheit”.
Aus der Perspektive der belästigten Frau gibt es jedoch keinen großen Unterschied zwischen ihnen, denn das Lachen, das Schweigen und das Wegschauen schaffen alle dieselbe Umgebung für die Frau. Wenn Frauen sagen, dass „die meisten Männer gleich sind“alle Männer gleich sind“, meinen sie Folgendes: Zwar belästigt nicht jeder Mann Frauen, aber die meisten Männer tragen dazu bei, das System zu schützen, das dies tut.
When a woman hears about another woman abused by a man she thinks; it could have been me. When a man hears about a woman abused by another man he screams; NOT ME – NOT ALL MEN! And that’s the problem core and centre; while women sympathize, men refuse to even recognize the hurt caused by their own gender. -Farida D.
Zu deutsch: „Wenn eine Frau von einer anderen Frau hört, die von einem Mann misshandelt wurde, denkt sie: „Das hätte auch mir passieren können.“ Wenn ein Mann von einer Frau hört, die von einem anderen Mann misshandelt wurde, schreit er: „ICH NICHT – NICHT ALLE MÄNNER!“ Und genau das ist der Kern des Problems: Während Frauen Mitgefühl zeigen, weigern sich Männer, die durch ihr eigenes Geschlecht verursachten Verletzungen überhaupt anzuerkennen.“ – Farida D.
When a man says: „Not all men“, what he really means is… „I’m a good guy and it bothers me that you’re not singling me out when you talk about men’s violence MORE THAN it bothers me that you’re experiencing said violence“. And the thing is – this is exactly why he is not a good guy and exactly why his „not all men“ cry is invalid. -Farida D.
Zu deutsch: „Wenn ein Mann sagt: „aber nicht alle Männer…“, meint er in Wirklichkeit: „Ich bin ein guter Mensch und es stört mich MEHR, dass du mich nicht ausklammerst, wenn du über Gewalt von Männern sprichst, als dass es mich stört, dass du diese Gewalt erlebst.“ Und genau das ist der Grund, warum er kein guter Mann ist und warum sein Ausruf „Not all men“ hinfällig ist.“ – Farida D.
„Frauen sind genauso schlimm wie Männer.“ Okay. Dann zeig mir Männer, die Massenvergewaltigungen durch Frauen ausgesetzt sind. Zeig mir erwachsene Frauen, die erwachsene Männer verschleppen, verkaufen, versklaven. Zeig mir Gesetze, die geschrieben wurden, um Männerkörper zu kontrollieren, zeig mir Studentinnenverbindungen, die dafür bekannt sind, Männer zu vergewaltigen. Und wenn Männer mit verätzten Gesichtern aufgrund von geschlechtsspezifischen Säureangriffen herumlaufen, dann werde ich mir diesen Blödsinn, dass „Frauen genauso schlimm sind“, anhören.
Schaden an Gesellschaft und Gleichberechtigung durch Schule?
(Dieser Artikel befindet sich noch in Bearbeitung.) Was für dich jetzt vielleicht noch wie eine reißerische Überschrift wirkt, wird sich gleich als logischer Zusammenhang zeigen.
Du wirst verstehen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, was wir zu Hauf in seitenlangen E-Mails und Zeugenberichten, Zeitungsberichten und in all den Medien tagtäglich nachlesen und sehen können. Mir persönlich wird jedes Mal so übel und schwindelig davon und trotzdem bin ich nicht überrascht. Denn weder die Epstein-Files, noch der Fall Pelicot ist ein „Einzelfall“ oder betrifft nur „die Elite“. Nein, das Ganze hat System und wird von unserer jetzigen Gesellschaft, ihren Institutionen und Einrichtungen (möglicherweise) auch unbewusst gefördert.
Was bei dir zuhause im Kleinen passiert, sorgt dafür, dass es im Großen passiert. Sorgt für Raub, Mord, Kannibalismus, Verstümmelung, Vergewaltigungen und noch viel mehr.
Um zu verstehen, warum es mehr als relevant ist, was bei dir zuhause passiert, ist es wichtig zu verstehen, in welcher Art „System“ wir eigentlich leben und was das mit dem „Patriarchat“ zu tun hat.
Menschen, die den Schulbesuch ihrer Kinder ablehnen oder kritisieren, reden immer wieder „vom System“, in dem sie leben und in dem auch das Schulsystem als „System im System“ existiert. Doch oft ist das, was als „System“ bezeichnet wird, eher eine schwammige Vorstellung und beinhaltet je nach Mensch unterschiedliche Aspekte. Diese Gruppe der Menschen, die Schule kritisieren oder ganz ablehnen wird immer größer und das führt zunehmend zu Missverständnissen untereinander, aber auch nach außen hin bei Menschen, die Schule, wie sie aktuell ist, (noch) befürworten.
Aus diesem Grund ist es essentiell, die Grundlagen und Ursprünge unseres Systems zu verstehen.
So können wir besser einordnen und verstehen, warum
immer mehr Menschen Schule ablehnen und
unsere Gesellschaft Menschen hervorbringt, die im Kleinen und im Großen sich gegenseitig schaden.
Doch bevor ich dazu übergehe, ist es mir wichtig, eine Beobachtung aus vielen Reise- und Freilernerjahren zu teilen, für diejenigen, die keine Berührungspunkte bisher mit Freilernern hatten und solche, die sich der unterschiedlichen Wertemodelle innerhalb dieser Gruppe nicht bewusst sind.
Meine persönliche Beobachtung
Durch meine eigene Recherche und Beobachtung in vielen Jahren Reise- und Freilernerleben kann ich heute sicher über diese Bewegung sagen, dass es (mindestens!) zwei stark unterschiedliche Gruppen innerhalb dieser gibt. Doch bei genauerem Hinsehen, fällt etwas auf, auf das ich hindeuten möchte. Der Übersicht halber nenne ich die Gruppenmitglieder Hierarchische und Egalitäre:
DieHierarchischen leben gerne in „traditioneller“ Rollenverteilung, ohne oder kaum Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter oder Kulturen. Sie nehmen ihre Kinder gerade wegen der Gleichberechtigungsversuche in staatlichen und schulischen Zusammenhängen aus dem Schulsystem. Hierunter fallen oft, aber nicht ausschließlich Menschen, die (auch unbewusst & ungewollt) Werte vertreten wie AfD-Wähler, Menschen mit stark christlicher (aber auch anderer) Religionszugehörigkeit, Reichsbürger u.ä.. Das „Herrsche-und-Teile“-Prinzip, das mir dieser Stelle gerne unterstellt wird („Freilerner müssen zusammenhalten.“), ist ein Prinzip, dass sie in sich tragen, wenn sie Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht abwerten, um Gleichberechtigung zu vermeiden. Doch bevor du jetzt aufschreist, hör mich an, denn ich weiß, du bist nicht so, denn an dieser Stelle liegt der Knackpunkt, auf den ich hier gleich eingehen werde.
Die Egalitären kritisieren gerade die generelleUnvereinbarkeit von Gleichberechtigung im schulischen & staatlichen Kontext mit echter Gleichberechtigung der Kulturen, Geschlechter etc. Daher möchten sie ihre Kinder nicht in einem solchen System aufwachsen lassen und durch sie diese Ungleichheit auch in weiteren Generationen reproduziert sehen. Hierunter fallen emanzipierte, feministische Familien, die eine „traditionelle Rollenverteilung“ ablehnen, Menschen mit Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Geschichten, Bewusstsein über kapitalistische Systeme und Kolonialismus und ihre Ursprünge etc.
Der Knackpunkt:
Viele der Hierarchischen Freilerner sind „lauter“, da sie öfters innerhalb der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen verkehren. Sie äußern sich abwertend über Migration, Homosexualität, Gleichberechtigung etc.
Das hat zwei schwerwiegende Folgen:
Freilernende Menschen werden von Außenstehenden insgesamt häufiger als Gruppierung gesehen, die die Werte der Hierarchischen vertritt. Aus diesem Grund distanzieren sich Außenstehende dann vom Freilernen, obwohl sie mit dem Schulsystem gar nicht einverstanden sind, nur um sich von den Werten der Hierarchischen abzugrenzen. Die bedeutenden Zusammenhänge von Schule & Patriarchat sind ihnen noch nicht bekannt und um sie geht es in diesem Artikel. Wenn du also das Bedürfnis hast dich von Freilernern abzugrenzen, aber dir noch nicht ganz klar ist, wie Schule und Patriarchat zusammenhängen, dann lies weiter.
Freilernende Menschen, die sich vor ihrem neuen, freieren Bildungsweg eher unbewusst für Gleichberechtigung und gegen Diskrimierung positioniert haben, sehen sich vermehrt mit anderen Parolen und Aussagen konfrontiert und übernehmen diese in Teilen häufig unbewusst, um ihre Zugehörigkeit zur freilernenden Gemeinschaft zu stärken. Dies zeigt sich besonders in Aussagen wie der eines in der alternativen Bildungsszene sehr bekannter Menschen, die er auf Instagram teilte und sich aufregt (hier gekürzt): „An allem sind einfach Männer Schuld , die alten weißen Männer. Alle anderen sind super. Und Frauen sowieso.“ Wie diese ganze Feminismus-Kacke hochgekommen ist… – Bekannte und angesehene Persönlichkeit der Freilernerbewegung
Und dann spricht er darüber, dass es doch gar nicht um „Pro Frau“ oder „Pro Mann“ gehe, sondern dass wir uns ergänzen als Mann und Frau und sagt weiter, wie unfair es ist, dass es keine Frauenquote für den Bergbau gibt. Wie Feminismus uns spaltet. Wie wir doch rechtlich gleich sind und als Wesen gleich und dass jeder Mann doch aus einer Frau kommt. Dass es biologisch gesehen keine Hierarchie gibt.
Und genau das ist gefährliche Rhetorik. Hier finden sich Menschen wieder, die sagen „Ja, ich stimme zu, dass es biologisch keine Hierarchie gibt, Mann und Frau sind doch gleichwertig.. was wollen diese Frauen eigentlich noch? —-> Sie spalten uns! Feminismus ist schlecht!“
Menschen, die sich für genau das aussprechen, was Feminismus ist und dabei Feminismus vehement ablehnen. Es ist fast zu absurd, aber ich habe mich gefragt, was da schief läuft:
Menschen wie er verwechseln Kritik an einem Herrschaftssystem („Diese Gesellschaftsform (Patriarchat) schadet uns allen gleichermaßen“) mit individuellen Schuldzuweisungen („Du bist schlecht, weil du ein Mann bist.“). Dass Feminismus keinen Mann leiden sehen will, dass Feminismus nicht gegen Männer gerichtet ist, dass es nicht um Herrschaft über einen Mann durch Frauen oder „Frauen sind besser“ geht, haben sie noch nicht richtig verstanden. Einfach deshalb, weil er sich noch nicht eingehend mit unserem aktuellen Herrschaftssystem und seinen Folgen auf uns alle befasst hat. Es geht um strukturelle Ungleichheit und wie diese entstanden ist, das liest du hier im Artikel.
(Update: Aus Fairness-Gründen muss ich an dieser Stelle betonen, dass er sein Reel vom 09.02.26 wieder gelöscht hat. Nichtsdestotrotz nutze ich seine Argumentation hier stellvertretend für 1000 andere Gespräche, die ich im Laufe meines Lebens zu dem Thema führen durfte. Auf Nachfrage sagte er, er habe seine Meinung nicht geändert, sondern „wolle nur keinen Staub“ aufwirbeln. Es gab offenbar mehr kritische Kommentare als erwartet.)
Insgesamt führen diese Dynamiken u.a. dazu, dass ein anderer Bildungsweg im Gegensatz zum regulären Schulbesuch innerhalb der Gesellschaft eher als „rechts“ geframed wird. Was sehr interessant ist, da ein Blick in die Welt das Gegenteil zeigt: Der in vielen Staaten sicht- und spürbare Rechtsruck führt aktuell häufiger dazu, dass alternative Bildungswege – wie das Freilernen – neben dem staatlichen Schulbesuch vielerorts kriminalisiert werden, wo sie es vorher noch nicht waren.
Zusätzlich könnte noch einer weiterer, interessanter Mechanismus mit reinspielen (nur für die Interessierten hier, sonst bitte ab der nächsten Überschrift weiterlesen):
Menschen, die zu Beginn der 2000er noch als „links“ bezeichnet wurden, werden seit spätestens 2020 als „rechts“ eingeordnet, obwohl sie ihren Standort selbst gar nicht verändert haben. Doch wie konnte das passieren?
Toni Nagy (Achtung: Weiterleitung zu Instagram) hat dazu eine sehr interessante, durchaus plausible Theorie. Da die USA mitsamt ihren Meinungen und Sichtweisen massiv großen Einfluss auf Europa und eben auch auf Deutschland haben, spielt das ganze sicherlich auch mit in die Problematik in Deutschland rein:
Anfang 2000 hatten die USA ein konservatives Regime mit Bush Jr. Durch 9/11 in 2001 gab es einen nationalistischen Ruck in den USA und diejenigen, die den Hergang von 9/11 hinterfragten, waren hauptsächlich linksorientiert, sprich die Opposition. Die selben Leute interessierten sich dann ebenfalls für weitere Theorien ihre ganze Umwelt, den Staat und generell Macht betreffend und begannen zu hinterfragen. 2009 wurde Bush von Obama abgelöst und all das Hinterfragen des Staates, der Mächtigen und seiner Machenschaften wurde nun Sache der neuen Opposition, den konservativ-rechtsorientierten, die nun das Hinterfragen fortsetzen. All die linksorientierten Menschen, die in der Vergangenheit den Staat hinterfragten, taten das mit der Zeit nicht mehr öffentlich, weil sie damit nun als „rechts“ eingestuft wurden. (Sicherlich gab es diesen Effekt schon häufiger davor.)
Kritik am Schulsystem war lange verbunden mit der Kritik an unseren staatlichen, vor allem hierarchischen Systemen und damit vorher links geprägt (Neben der Kritik von oben, die die Gruppe der Hierarchischen äußern). Seit spätestens 2020, als die staatlichen Maßnahmen der Corona-Pandemie kritisiert wurden und viele Eltern ihre Kinder nach den Schulschließungen nicht wieder in die Schulen schicken wollten (und mit Beginn des Kabinett Scholz in 2022), führt diese Systemkritik häufiger zu „Naz!“-Beschimpfungen, insbesondere durch jüngere linksorientierte Menschen, die Anfang 2000 noch nicht aktiv am politischen Geschehen teilgenommen hatten.
Wie du siehst, ein wildes Durcheinander, was die Begriffe „links“ und „rechts“ noch vor 20 Jahren beinhalteten (und auch damals schon nicht mehr akkurat) und wie wenig diese Bezeichnungen heute tatsächlich noch einen Standpunkt ausdrücken. Sie werden heutzutage nur noch als Schublade genutzt, die ihren Inhalt wechselt und jede Generation hat seine eigene, ganz persönliche Definition davon.
Doch was hat Schule mit der Gewalt der Elite oder dem System zu tun?
Wenn wir über Schule sprechen, denken wir zuallererst an einen Ort des Lernens, persönlicher Entwicklung, gesellschaftlichen Fortschritts und möglicherweise auch der Chancengleichheit. Wir sehen „die guten Absichten“, die Schule sich heute auf die Fahne geschrieben hat. Doch wenn wir mal einen Schritt zurückgehen und in die Geschichte menschlicher Gesellschaften eintauchen, erkennen wir, dass das Ganze etwas anders aussieht.
Wir erkennen, wie sich das Patriarchat entwickeln konnte, das Ursache für die abscheulichen Taten ist, die jeden Tag auf unserem Planeten passieren. Von Kriegen über Hexenverbrennung, sexueller Gewalt, Pädophilie und jede andere Art von Gewalt und Machtmissbrauch.
Mit diesem Verständnis für die Entwicklung unserer heutigen gesellschaftlichen Strukturen wird klar, inwieweit die Institution Schule zu großen Teilen mitverantwortlich ist für die Welt, in der wir leben.
Schule ist demnach nicht entstanden, um den Wunsch nach Wissen zu stillen, sondern aus ganz konkreten gesellschaftlichen Bedingungen.
Um das zu verstehen, starten wir weit in der Vergangenheit – in einer Zeit, bevor es Staaten, Städte oder Klassenunterschiede gab.
(Selbstverständlich können wir weder hier noch sonst irgendwo von 100%iger Geschichtsschreibung sprechen, denn das ist schlichtweg unmöglich. Auch wenn das früher im Geschichtsunterricht nie jemand dazu gesagt hat. Geschichte schreiben die Sieger. Die Zusammenhänge, die ich hier erläutere, sind eine sehr wahrscheinliche und in sich logische Schlussfolgerung, die unsere heutigen, gesellschaftlichen Herausforderungen sehr gut erklärt und keine expliziten, möglicherweise fragwürdigen Ereignisse zur Grundlage hat.)
Die große Wende
Große Umbrüche in der Menschheitsgeschichte gab es viele, wie die Entstehung von Staaten, die Industrialisierung oder große Kriege. Doch der entscheidende Umbruch, der zu unser heutigen Gesellschaft führte und viele weitere Umbrüche erst möglich macht, ist bereits 12000-10000 Jahre her:
Die Zeit, bis zu der die Menschen nomadisch lebten und in kleinen Gruppen den Jahreszeiten folgend mit der Natur ihre Ressourcen nutzten. Bis dahin lebten – das zeigen archäologische und ethnologische Studien – viele dieser Gruppen egalitär, d.h. auf soziale Gleichheit ausgerichtet. Besitz spielte eine geringe Rolle, weil man sowieso ständig unterwegs war. Nahrung wurde geteilt und große soziale Unterschiede waren selten.
Mit dem Beginn des dann startenden Ackerbaus durch die Sesshaftwerdung änderten sich diese Muster grundlegend.
Durch Anbau und Tierhaltung wurde Nahrung auf einmal planbar und Knappheit seltener. Die Bevölkerung wuchs natürlicherweise in der Folge erstmal an und der Platz (das für Ackerbau geeignete Land) wurde weniger. Somit wurde Land zu einer wertvollen Ressource, die man nicht mehr einfach aufgeben wollte, sondern die Früchte der eigenen Arbeit ernten und auch an die eigenen Nachfahren weitergeben.
Eine neue Logik, das Besitzdenken (vor allem in Bezug auf Land, Lebewesen, Vorräte) und die damit einhergehende Abgrenzung von anderen Gruppen, entstand: Land wurde zu Besitz -> Besitz musste geschützt werden -> Territorien wurden verteidigt.
Männliche Dominanz
Da Konflikte um Land zunahmen und kriegerische Auseinandersetzungen entstanden, gewann körperliche Stärke immer mehr an Bedeutung, was dazu führte, dass der Status des Mannes aufgrund seiner körperlichen „Vorteile“ in vielen Gemeinschaften wuchs. s. Anm.
Gleichzeitig entstand ein neues Problem: Besitz sollte weitergegeben werden. Felder, Tiere oder Vorräte waren nicht mehr nur für den Moment da, sondern für die Zukunft. Daher war es wichtig zu wissen, wer die legitimen Erben waren.
Männliche Dominanz in Besitz- und Entscheidungsfragen führte zu patrilinearen Abstammungssystemen (Abstammung sollte kontrollierbar über den Vater sein) und Kontrolle über die weibliche Sexualität.
Das Patriarchat war geboren als eine (von mehreren) mögliche gesellschaftliche Ordnung, die sich aus der Sesshaftigkeit entwickelte. Die Entstehung von anderen sozialen Systemen nach Sesshaftwerdung ist damit nicht ausgeschlossen. Anderen Optionen und Entwicklungen konnten jedoch neben dem Patriarchat mit seiner oft groben & kriegerischen Gewalt bis heute nur schwer bestehen und verschwanden größtenteils bis auf wenige Ausnahmen.
In den folgenden Jahrtausenden wurde das Patriarchat durch Entstehung der heutigen Weltreligionen, der Erfindung der Schrift und Gesetze gesellschaftlich immer fester verankert. Deshalb sind natürlich auch die heutigen Religionen von Herrschaftsgedanken und Misogynie (Frauenhass) durchtränkt. Weltweite Verbreitung erlangt das Patriarchat auch durch Militarisierung, Kolonialisierung und Missionsarbeit (religiöse Bekehrung).
Das Patriarchat selbst ist damit das zentrale Organisationsprinzip der heutigen Gesellschaftsform.
Es war eine Folge dieser neuen Lebensweise, nicht jedoch aus einer Ideologie entstanden.
Anmerkung: Hier kann natürlich auch argumentiert werden, dass die Bewertung, körperliche Stärke führe unweigerlich zu höherem sozialen Status, selbst eine Folge patriarchaler Denkweisen der Interpretierenden sei, dem ich im Großen und Ganzen zustimme. Statusbewertungen sind oft kulturell bedingt.
Ich sehe jedoch ein gesteigertes, männliches Aggressionspotenzial und Gewaltbereitschaft in Zusammenhang mit dem Körperbau unter den sich veränderten Bedingungen von großem Besitz, Erbfolge und nun häufigeren, kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich nun viel deutlicher auch gegen Frauen und Kinder aus der eigenen Familie gerichtet haben könnte bei dem Versuch ihre Sexualität zu kontrollieren (z. B. Mord an einem Baby, das durch Vergewaltigung durch einen fremden Mann entstanden ist, um nur leiblichen Kindern Besitz zu vererben).Die „Notwendigkeit“ (es tut weh, das zu schreiben) ist vorher nicht da gewesen, weil es keinen großen Besitz zu vererben gab.Dies kann zu Verhaltensänderungen – wahrscheinlich vermehrter Unterwürfigkeit der Frauen – geführt haben, um am Leben zu bleiben und die eigenen Kinder zu schützen.
Staat, Klassen & Industrie als Folge
Soziale Ungleichheit entsteht, wenn Besitz ungleich verteilt ist.
Manche Gruppen besitzen mehr Land, mehr Tiere, mehr Vorräte als andere.
Aus dieser Ungleichheit entstanden Klassenstrukturen (z. B. Oberschicht, Unterschicht), denn die Erbfolgen sichern Macht innerhalb dieser männlichen Linien. Reiche Familien bleiben also eher reich und ärmere Familien arm. So sind die Klassen an Besitz geknüpft.
Je mehr eine Gruppe oder Familie besaß, desto mehr musste sie ihren Besitz organisieren, schützen, kontrollieren und verwalten. Auf diese Weise entstanden politische Strukturen vom Anführer über Verwaltungsapparate, Militär, Monarchien… und schließlich Staaten – getragen von männlich dominierten Machtstrukturen. Damit ist die Existenz von Staaten Ausdruck patriarchaler Ordnung.
Staaten sind also nicht einfach so im luftleerem Raum entstanden, sondern innerhalb hierarchischer, patriarchaler Strukturen.
Ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung war die Industrialisierung. Um sich zu entwickeln war Privateigentum, Arbeitsdisziplin, soziale Hierarchie und staatliche Organisation notwendig. In der Fabrik, die das Feld für viele als Arbeitsort ablöste, herrschen klare Regeln, Kontrolle und Disziplin neben festen Arbeitszeiten und natürlich einer klaren Hierarchie.
Und hier kommt die Schule ins Spiel
Das moderne Schulsystem entsteht vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, parallel zur Industrialisierung und zur Entwicklung moderner Nationalstaaten.
Damit Staat & Industrie weiter funktionieren, sahen sie wichtige Eigenschaften der Menschen in
der Fähigkeit lesen und schreiben zu können,
gehorsam, diszipliniert und pünktlich zu sein,
sie sollten innerhalb der Strukturen funktionieren und
die dafür nötigen Werte teilen.
Da die meisten Arbeiter diese Fähigkeiten nicht „von Haus aus“ mitbrachten, entstand die Notwendigkeit eines Ortes, an dem diese Fähigkeiten und Werte vermittelt wurden. Und das bestenfalls schon von klein auf an.
Die Schule war geboren.
Dieser Ort ist ein Produkt patriarchaler Gesellschaftsordnung.
Schulische Strukturen sind nicht zufällig und spiegeln auch heute noch diese Anforderungen wider, die gar nicht so weit her „von gestern“ sind, da sie in unserer heutigen, noch immer auf Hierarchie, Wettbewerb und Besitz aufgebauten Gesellschaft ebenso gebraucht werden. Darunter fallen:
feste Stundenpläne
Klingeln als Taktgeber
Frontalunterricht (auch wenn es hier Bemühungen in andere Richtungen gibt)
Noten und Leistungsvergleiche
Autorität der Lehrkräfte
Trennung nach Leistung
Schule ist damit kein neutraler Ort, der außerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse steht. Sie ist Teil eines Systems, das über Jahrtausende gewachsen ist und Ungleichheit, Hierarchie und damit Gewalt am Leben hält und reproduziert.
Es gab und gibt jedoch auch Versuche, Schule bewusst gegen hierarchische und patriarchale Strukturen zu gestalten, z. B. Montessori-Pädagogik, demokratische Schulen, feministische Pädagogik und inklusive Bildungsinitiativen.
Doch so sehr Schule auch versucht diese Strukturen abzulegen… es ist nicht möglich. Lehrkräfte gehören zu eben dieser Gesellschaft, Lehrpläne vermitteln gesellschaftliche Werte usw. Wir drehen uns im Kreis.
Das moderne Schulsystem ist nicht nur ein Produkt von Staat und Industrialisierung, sondern ein Ausdruck einer seit der Sesshaftwerdung patriarchal geprägten Gesellschaftsordnung.
Und das ist der springende Punkt in allen Debatten, in denen Schule als Ort der (Chancen-)gleichheit ausgelobt wird: Da Schule aus dieser hierarchischen, patriarchalen Gesellschaft hervorgegangen ist, trägt sie deren Strukturen in sich. Und solange unsere Gesellschaft von Ungleichheit geprägt ist, kann Schule zwar versuchen hier und da etwas auszugleichen, doch als Teil der selben Logik niemals zu wahren gesellschaftlichen Änderungen oder gar Gleichberechtigung führen.
Nochmal: Schule ist kein isolierter Raum, sondern ein Teil der Gesellschaft. Sie übernimmt deren Werte, Machtverhältnisse und Ungleichheiten.
Das bedeutet, wenn eine Gesellschaft patriarchal organisiert ist, dabei Klassenunterschiede aufweist und diskriminierende Strukturen enthält, dann finden sich und wirken die selben Strukturen auch in der Schule!
Soziale Hierarchien: Unterschiedliche soziale Hintergründe der Kinder (kulturelles Kapital wie Bildungsniveau, Sprachliche Förderung, aber auch Einkommen der Eltern, Wohnverhältnisse, Gesundheit & Ernährung, Geschlechterrollen und Erwartungen) sorgen für unterschiedliche Chancen, da das System das eine Verhalten oder Wissen als Talent, Fleiß oder Intelligenz lobt und das andere abstraft. Klassen- und Statusunterschiede werden auf diese Weise stabilisiert.
Sexistische Strukturen: Gesellschaftliche Rollenbilder wirken auch hier, z. B.: Jungen werden eher mit Durchsetzungsfähigkeit assoziiert, Mädchen eher mit Fleiß und Anpassung. Manche Fächer gelten als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“. Diese Erwartungen haben letztendlich mehr Einfluss auf z. B. die Fachwahl, das Verhalten im Unterricht, als uns lieb ist
Hierarchie als Organisationsprinzip: Menschen werden nach Leistung sortiert, vorbereitet auf gesellschaftliche Hierarchien, Normen vermittelt wie Gehorsam, Pünktlichkeit, Anpassung. Lehrkräfte entscheiden über Noten, Versetzung, Empfehlungen, Schüler haben wenig bis kein Mitspracherecht. Strukturelle Ebenen: Bildungsministerium -> Schulaufsicht -> Schulleitung -> Lehrkräfte -> Schüler Innerhalb der Schule: Klassenstufen – Notenhierarchien – Leistungsgruppen – Übergänge (z. B. Hauptschule, Realschule, Gymnasium)
Normvermittlung: Schulen vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch gesellschaftliche Werte (z. B.: Respekt vor Autorität, Wettbewerb statt Kooperation und Leistungsorientierung) und unausgesprochene Regeln (z. B.: wer sich anpasst, wird belohnt – wer spricht, bekommt Aufmerksamkeit – wer nicht in die Norm passt, wird sanktioniert) – das Hidden Curriculum, der versteckte Lehrplan. Diese Normen stabilisieren hierarchische Ordnungen, reproduzieren traditionelle Rollenbilder und legitimieren bestehende Machtverhältnisse.
Eine sozial ungleiche Gesellschaft kann also keine absolute Gleichberechtigung in der Institution Schule hervorbringen. Die Basis für derartige Gewalt, wie wir sie heutzutage erleben, entsteht.
Fazit
Das moderne Schulsystem ist kein neutraler Ort zum Lernen und sich bilden. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die mit der Sesshaftwerdung begann. Besitz, Hierarchien und patriarchale Strukturen prägten die Entstehung von Staat, Klassen und Industrie – und eben auch die Schule.
Schule ist kein isolierter Raum – sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat.
Wollen wir eine andere, neue Gesellschaft gründen, die ohne Gewalt existieren kann, die unseren Planeten schützt und unseren Kindern eine echte Zukunft schenkt, dann sind hierarchische Strukturen wie das Patriarchat darin nicht zu finden und damit auch keine Schule, wie wir sie heute kennen.
Doch wie gehen wir das an? Wie sorgen wir dafür, dass Gewalt, Kriege und Ungleichheit aufhört und wir uns sicher und nachhaltig durch unser Leben bewegen können?
Es hilft nicht, auf eine Lösung „von oben“ zu warten.
Darauf, dass „das Richtige“ wählen die Dinge grundlegend verändern wird.
Darauf, dass Gesetze erlassen werden, die unsere Kinder schützen.
All das wird nichts bringen, weil die Leute an der Spitze selbst das Problem sind: Die Nutznießer dieses Systems.
Es kann daher nur eine Lösung sein, die „von unten“ kommt.
Von dir und mir. Von deinen und meinen Freunden und Verwandten.
Jetzt, wo du weißt, woher unsere aktuelle Kultur stammt, wird dir vermutlich klar, dass wir Alternativen schaffen müssen.
Alternativen für Kapitalismus, Kolonialismus, Patriarchat.
Der Wunsch unsere Gesellschaft zu verändern, muss so groß in uns wachsen, dass wir aufhören, nur darüber nachzudenken, sondern endlich handeln.
Und das fängt an mit dem ersten und kleinsten Schritt:
Schritt 1: Wir bauen Beziehungen auf und verbinden uns wieder echt unter- und miteinander. Von Mensch zu Mensch. Beziehungen, die auf Freundlichkeit, Fürsorge, Empathie und echter Verbundenheit beruhen.
Dieser kleine, vermeintlich irrelevant wirkende Schritt ist das Gegenteil von dem, was wir zerstören wollen.
Schritt 2: Wir bilden kleine Gemeinschaften, die sich selbst erhalten und von Werten getragen werden, die u.a. nachhaltig, zukunftsorientiert und gewaltfrei sind, um patriarchale Strukturen, die zu Ungleichheit und Gewalt führen, in Zukunft auszulöschen.
Mach dich gemeinsam mit anderen, so weit es möglich ist, unabhängig von den herrschenden Strukturen, versorgt euch selbst, stellt alles in Frage (Landbesitz? Ländergrenzen?) und sortiert euch neu.
Um das ganze noch zu beschleunigen und bereits erste Ergebnisse in der nächsten Generation zu sehen:
Schritt 3: Wir betreuen und bilden unsere Kinder selber. Wir. bereiten sie nicht auf ein System vor, das zu unser aller Schaden existiert.
Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel kommt von unten, nämlich genauer gesagt durch unsere Kinder. Nicht von schlauen Erwachsenen mit cleveren Ideen, sondern von wilden Kindern, die spielerisch ihre Realität kreieren. Doch unsere Gesellschaft ist auf jede erdenkliche Weise gegen Kinder gerichtet und zerstört damit diese generative Kraft.
Schule (und das aktuelle gesellschaftliche Leben) versorgte schon uns und jetzt unsere Kinder von klein auf an mit den Werten & Normen dieses Systems, die verantwortlich sind für all das, was du heute kritisierst:
Gewalt & Missbrauch durch Misogynie
Strukturelle Ungleichheiten
Pädophilie
Umweltprobleme
Nahrungsmittelverseuchung
Tierleid & Tierquälerei
u.v.m.
Dir wurde von klein auf an eingetrichtert,
dass Bildung nur in Schulen stattfinden kann,
dass es Lehrkräfte, Klassenzimmer, überfüllte Lehrpläne und dicke, schwere Bücher braucht, um Wissen zu vermitteln,
dass du es selbst nicht könntest,
dass alles, was in der Schule vermittelt wird, wirklich wichtig und die Basis von Bildung sei,
dass jedes Kind zur gleichen Zeit das selbe braucht,
dass alle Menschen, die ihre Kinder aus Schulen fernhalten fanatisch religiöse oder rechtorientiert wären.
An dieser Stelle darfst du neu lernen.
Als Produkt unseres heutigen Gesellschaftssystems reproduzieren Schulen und Kindergärten gesellschaftliche Ungleichheiten, wie:
Soziale Hierarchien, die Status- und Klassenunterschiede stabiliseren,
Sexistische Strukturen, in denen gesellschaftliche Rollenbilder verankert werden,
Hierarchisches Ordnungsprinzipien, in denen z.B. Gehorsam & Anpassung, Wettbewerb statt Kooperation und Leistungsorientierung vermittelt werden.
Als Produkt dieses Systems kann unser Schulsystem daher nicht für anhaltende Veränderungsorgen.
Aktuelle Gewalttaten, die durch patriarchale Strukturen entstanden sind
Kolumbus hat schon in seinem Tagebuch über den Verkauf von 9-10-jährigen Mädchen geschrieben. Nach ihm ist sogar ein Feiertag in den USA benannt. 500 Jahre später sind wir immer noch nicht genug geschockt, um was zu unternehmen? All die Nachrichten, die jede Frau zum Brechen bringen, sind kein „Skandal“. Das alles ist ein Muster und Muster durchbrechen sich nicht selbst. Du musst sie erst erkennen:
Alles im Zusammenhang mit den Epstein Files (keine Links an dieser Stelle)
Momente wie dieser, wenn du ein fremdes Kind flüssig einen Text lesen hörst, während du noch darauf wartest, dass sich dein durchaus älteres Freilernerkind für Buchstaben beginnt zu interessieren. Oder ein deutlich jüngeres Kind Rechenaufgaben im Kopf mit Leichtigkeit löst, während das Mengenverständnis deines Kindes noch nicht ausgereift ist.
…
Bringt dich das manchmal noch zum Grübeln übers Freilernen? Erwischt du dich dabei, wie du in den darauf folgenden Tagen innerlich leicht panisch auf viel mehr Buchstaben aufmerksam machst oder Rechenaufgaben in deinen Alltag einbaust, als du es sonst getan hättest? Manchmal kriechen unbewusste Zweifel in dir hoch und du fragst dich:
Ist Freilernen & selbstbestimmte Bildung wirklich der richtige Weg?
Wenn es dir so geht, wie so vielen anderen Freilerner-Familien dann und wann, mach dir keine Sorgen. Du bist selbst durch das Schulsystem gelaufen und sich von diesen Denkweisen zu befreien ist ein Prozess, den du nicht von heute auf morgen abschließt.
Es ist nur natürlich, dass dich diese Situationen herausfordern, denn stell dir mal vor, sie würden es nicht tun! Du würdest weder dich, noch dein Tun regelmäßig hinterfragen und wüsstest nach einiger Zeit gar nicht mehr, ob der Weg, den du eingeschlagen hast, dich noch zu dem Ziel führt, das du angepeilt hast.
Diese Momente kurzer Unsicherheiten darfst du also in Zukunft auch beim Freilernen feiern! 🎉
Doch was kommt nach der Party? Wie findest du Sicherheit und weißt, ob du noch auf dem richtigen Weg bist?
Um das herauszufinden, ist es nötig, dass du ein kleines bisschen Vorarbeit leistest (Fange am besten damit jetzt gleich an!).
Welche Ziele verfolgst du mit dem Freilernen?
Den richtigen Weg für dich und deine Familie erkennst du dann, wenn du weißt, wo du eigentlich hin willst, d.h. wenn du ein konkretes Ziel vor Augen hast. Auf diese Weise kannst du viel leichter erkennen, ob der jetzige Freilerneralltag, so wie du ihn gemeinsam mit deiner Familie lebst, zu dem Ziel führt, das ihr euch wünscht oder ob und wo du Anpassungen vornehmen möchtest.
Du hast Gründe für die Entscheidung zum Freilernen gehabt. Vermutlich nicht nur einen, sondern gleich eine ganze Bandbreite an Gründen, wieso du und deine Kinder euch für das Freilernen entschieden habt.
Welche Ziele hast du für dich, deine Kinder und deine Familie in Bezug auf das Freilernen?
Mehr Selbstbestimmung, Kreativität, mehr Eigenverantwortung (und weniger von ganz vielen anderen Dingen, auf die ich an dieser Stelle nicht den Fokus legen möchte)?
Was es auch ist, schreib es auf!
Nur so bist du nochmal gezwungen, dir ausgiebig und bewusst Gedanken darüber zu machen, warum ihr tut, was ihr tut und du kannst jederzeit zu diesen Aufzeichnungen zurückkehren. Sie geben dir in solchen Momenten der Zweifel neue Kraft, weil du nun genau vor Augen hast, was dich antreibt, was du dir für deine Kinder wünschst und gleichst ab, ob deine Handlungen noch dem entsprechen, was du für richtig und angemessen hältst. Ob es wirklich Grund zur Sorge gibt, erkennst du nun sofort!
Und wie das ganze nicht nur theoretisch aussehen kann, sondern ganz praktisch, das zeige ich dir jetzt hier mit meiner Wertebasis:
Die Wertebasis – effektives Tool für deine Elternschaft von Freilernern
Was ich für mein Privatleben und mein Unternehmen schon erledigt habe, indem ich mir ganz bewusst Zeit genommen habe, um über meine Werte und Ziele im Leben und Business nachzudenken, hatte ich lange 🤯 – aus welchen Gründen auch immer! – noch nicht auf den Bereich des Freilernens übertragen.
Erst mit unserem Ankommen in Dänemark, wo Homeschooling legal ist und wo unsere Kinder an jährlichen Tilsyn (Austauschtreffen mit der Kommune und den Kindern im Homeschooling) teilnehmen, kam ich durch andere Eltern auf die Idee, dass ich solch eine Wertebasis auch für diesen Bereich notieren sollte. Auf diese Weise kann ich unseren Lebensstil nicht nur der Kommune präsentieren, sondern habe auch für mich als Mutter einen „Fahrplan“, an dem ich mich orientieren kann, wenn ich in eine der obigen Situationen komme und mich frage, ob meine Kinder wirklich „mehr von XY“ brauchen.
Ich empfehle dir absolut, dir ebenfalls eine Freilerner-Wertebasis anzulegen, ganz egal, ob für dich selbst, neugierige Angehörige oder auch Ämter und Kommunen, die wissen wollen, was du da eigentlich tust beim Freilernen und vor allen warum und wie.
Die Wertebasis gibt einen Einblick in deine Gründe für die Entscheidung zur selbstbestimmten Bildung. Darüber hinaus informiert sie über pädagogische und lernphilosophische Überlegungen und Ansätze, die dich auf diesen Weg gelenkt haben und die du äußern möchtest. Diese Wertebasis zu formulieren ist ein Prozess, der dir persönlich hilft, deine Sicherheit und dein Vertrauen in deine Entscheidung, dich selbst und deine Kinder zu festigen.
Ich stelle dir hier nun einen Teil meiner Wertebasis vor. Nutze sie gerne als Inspiration für deine eigene Wertebasis, jedoch achte darauf, dass du größtenteils deine eigenen Worte wählst, hinzufügst, was du sagen willst und weglässt, was für dich nicht relevant ist.
Vagabundenliebe – Wertebasis
Warum wir freilernen
Wir sind eine reiselustige Familie und viele Jahre gemeinsam gereist, um u.a. über andere Länder, Menschen und Kulturen nicht nur in Büchern zu lesen, sondern sie selber erfahren zu können. Auf diese Weise möchten wir…
unsere Kindern eine offene Welt zeigen, die keinen Platz für Vorurteile hat,
ihnen ermöglichen, ihren eigenen Interessen in ihrem Tempo zu folgen,
ihnen Zeit für selbstbestimmte Bildung schenken,
sie unterstützen, zu selbstbewussten und kompetenten Menschen heranzuwachsen, die in der Lage sind, eigenverantwortlich Entscheidungen in ihrem Leben zu fällen.
Nicht nur in den Reisejahren haben wir erleben dürfen, wie unsere Kinder spielerisch im Alltag Wissen aufsaugen und Fähigkeiten ausbauen, indem sie gemeinsam mit uns und anderen ähnlich denkenden Familien ihre Umgebung entdeckten. Jeden Tag, den wir nun Eltern sind, zeigen sie uns aufs Neue, dass leben lernen ist und lernen leben.
Nach einigen intensiven Jahren des Reisens wuchsen die Bedürfnisse jedes Einzelnen von uns in unterschiedliche Richtungen, so dass wir uns entschieden, mehr Raum zu schaffen für individuelle Interessen und Hobbys, um diese an einem festen Ort zu vertiefen und unseren Kindern zusätzlich mehr Selbstständigkeit in ihren eigenen Entwicklungsprozessen zu ermöglichen. Das Reisen wird trotz allem auch weiterhin eine nicht wegzudenkende Rolle in unserem Leben spielen.
Wir haben uns gemeinsam für das Freilernen entschieden, um zu gewährleisten, dass die individuellen Interessen unserer Kinder, ihr Rhythmus und ihr Lernstil auch weiterhin Teil unseres Lebensalltags sind. Es unterstützt sie dabei, ihren eigenen Lernprozess in die Hand zu nehmen, um schrittweise Verantwortung für ihre persönliche Entwicklung zu übernehmen.
“We can best help children learn, not by deciding what we think they should learn and thinking of ingenious ways to teach it to them, but by making the world, as far as we can, accessible to them, paying serious attention to what they do, answering their questions — if they have any — and helping them explore the things they are most interested in.”
John Holt
Was ist Lernen?
Meine Sicht aufs Lernen
Lernen findet immer und überall statt und ist nicht auf einen einzigen Raum und eine bestimmte Zeit begrenzt. Dabei zeigt sich, dass alles, was gelernt wird, am einfachsten und nachhaltigsten durch eine konkrete Anwendung im Alltag erlernt wird.
Fundamental für erfolgreiches Lernen ist die intrinsische Motivation, also eine Motivation, die aus dem Menschen selbst kommt. Auf diese Weise lernen schon ganz junge Menschen sprechen, laufen, malen und vieles mehr. Diese Art zu lernen hört nicht auf, wenn wir uns in diese Lernprozesse nicht einmischen.
Wir folgen keinen festgelegten Lehrplänen, sondern unterstützen unsere Kinder dabei, die Fähigkeiten zu erlangen, die sie brauchen und wollen. Auf diese Weise gehört lebenslanges Lernen ganz natürlich zu ihrem und unserem Alltag; sie bleiben offen, neugierig und lernbegierig und sind sich ihrer Fähigkeit bewusst, sich all das jederzeit anzueignen, was sie benötigen.
Wir haben ein tiefes Vertrauen in die Lernbegierde unserer Kinder, weshalb wir sie nicht kontrollieren, testen oder zwingen. Gleichzeitig tragen wir die Verantwortung, geben ihnen unsere Unterstützung, machen ihnen Angebote und bieten ihnen eine sichere Umgebung zur Entfaltung, die Bildung und ganzheitliches Lernen erst möglich macht.
Die Landkarte des Lernens
Lernen ist kein linearer Prozess, sondern wie das Leben selbst mit einer Landkarte zu vergleichen.
Auf dieser Karte gibt es viele Wege, die zu einem bestimmten Ziel führen und auch Wege, die plötzlich enden, große Wege wie Autobahnen, aber auch Trampelpfade oder gar Querfeldein-Strecken. Keiner dieser Wege ist besser oder wichtiger als ein anderer.
Auf diese Weise kommen wir z. B. in einem Gespräch oder einer Tätigkeit bei einem Thema (Weg) ganz natürlich auch immer an anderen Themen (Abzweigungen und Kreuzungen) vorbei, in die wir abbiegen können und die uns so komplett neue Themengebiete (Wege) zugänglich machen. Manchmal machen wir Pause und verlassen einen Weg (Thema), um einen anderen zu erforschen. Später kann es sein, dass wir zu diesem Weg zurückkehren oder ihn überraschenderweise kreuzen, erkennen Bekanntes wieder und erforschen noch Unbekanntes.
Jeder Weg – egal wie schwer oder einfach er zu gehen ist – und seine möglichen Abzweigungen und Kreuzungen geben uns so immer wieder neuen Stoff für weitere Fragen, Recherchen und Diskussionen.
Je mehr Wege wir auf diese Art im Laufe unseres Lebens gegangen sind, desto größer werden unsere Ortskenntnis und unser Verständnis von unserem eigenen Standpunkt in und von der Welt um uns herum.
Um gewisse Zusammenhänge zu verstehen und Wissen und Fähigkeiten zugänglicher zu machen, sind die kulturellen Werkzeuge wie Lesen, Schreiben und Rechnen essentiell geworden. Sie bilden eine stabile Basis, um die weitere individuelle Lebensgestaltung zu ermöglichen und erwünschte Fertigkeiten auszubilden. Wie diese Lebensgestaltung aussieht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und sie kann nach den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Gegebenheiten gestaltet werden.
Wie wir lernen und wachsen
Wir lernen freiwillig, interessenorientiert und interdisziplinär, teilen also nicht in Fächer ein, weil wir überzeugt sind, dass Lernen nicht vom Leben getrennt werden kann. Aus diesem Grund haben wir auch keine speziellen Lernmaterialien, die einzig und allein dem Lernen dienen und nichts anderem, sondern nutzen alles, unabhängig von Form und Art.
Wir beachten dabei weder das Alter oder die Schulklasse, sondern gehen das Tempo des Kindes, gemessen an seinen Bedürfnissen und Wünschen.
Bewertungen, Tests und Prüfungen sind kein Bestandteil unserer Lernprozesse. Wissen und Kompetenzen werden nicht angeeignet, damit andere sie überprüfen, sondern um eigene gesteckte Ziele zu erreichen und sinnvolle Zwecke zu erfüllen. Als Eltern begleiten und unterstützen wir unsere Kinder stattdessen dabei, sich einschätzen zu lernen und herauszufinden, was sie noch brauchen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.
Wir leben und lernen gemeinsam und auf Augenhöhe; es gibt keine Hierarchie, in der Kinder nur von Erwachsenen lernen.
Neue Fähigkeiten oder Wissen finden wir daher nicht nur auf Lernblättern, sondern auch in Dokumentationen, Gesprächen, Kochbüchern, Spielen und überall in unserem Alltag.
Wir nutzen das Internet mit Suchmaschinen, Apps, lesen Bücher und leihen passende aus, wir fragen, diskutieren mit und hören anderen Menschen zu, besuchen Museen, Kurse und Konzerte, reisen, probieren aus, denken aus, reparieren, bauen auf, untersuchen und beobachten, toben und spielen.
Um uns zu organisieren, nutzen wir einen Wochenplan, den wir nach Bedarf flexibel verändern.
Zwei Beispiele aus der Praxis:
Auf Reisen in Griechenland besuchen wir historische Orte wie Mykene, Olympia, Athen, Epidaurus und viele mehr und erfahren mehr über lokale Materialien und Architektur, Akustik in Amphitheatern, Sprache, Schrift & Kultur, Geographie wie Klima, Lokalisation & Naturgewalten wie die Entstehung von Erdbeben, aber auch Flora und Fauna, helfen bei der Olivenernte mit und entdecken die griechische Mythologie. Nicht zuletzt lernen wir über Politik und Wirtschaft, während wir Grenzkontrollen – und übertritte zum Anlass nehmen, um über die EU und das Schengener-Abkommen zu sprechen und auf der Reise durch den Balkan andere Währungen als den Euro oder die dänische Krone in Händen zu halten und umzurechnen. Themen: Erdkunde, Wirtschaft & Politik, Religion, Biologie, Sprachen und Schriften, Kunst
Wir schauen den Film „Madagascar“ in der Originalsprache Englisch. Hierbei verbessern wir nicht nur unser Sprachverständnis der englischen Sprache und ihrer unterschiedlichen Dialekte, sondern befassen uns zudem mit Madagaskar und seiner geographischen Lage, sprechen und lernen mehr über Ethik in Bezug auf Tierhaltung in Zoos und überhaupt in Gefangenschaft, sowie die in vielen Ländern Afrikas beheimateten Tierarten. Themen: Englisch, Ethik, Erdkunde, Biologie
Wir als Eltern sehen uns in der Verantwortung, ein ansprechendes Umfeld für unsere Kinder zu schaffen. Wir beobachten, welche Themen für sie gerade interessant sind und ermöglichen den Zugang zu weiteren, tieferen Informationen und Materialien. Um neue Interessensgebiete zu schaffen, machen wir Angebote in Form von Veranstaltungen, Projekten und Tätigkeiten zuhause oder draußen.
Der soziale Aspekt
Die Freilerner-Gemeinschaft ist sehr gut vernetzt, so dass uns viele Optionen für Austausch, Spielen, Reden, Kennenlernen sowohl in Dänemark als auch auf Reisen im Ausland zur Verfügung stehen. Neben organisierten Treffen und Veranstaltungen sehen wir im Alltag auch regelmäßig Freunde aus der direkten Nachbarschaft und unserer Umgebung in der Kommune. Darüber hinaus besuchen wir Vereine und gehen Freizeitaktivitäten nach, die zu engen Freundschaften führen und die sozialen Fähigkeiten entwickeln.
Vielfalt, Verständnis und Offenheit für andere Menschen und Kulturen sind ein ebenso wichtiger Bestandteil der Sozialisation, wie auch altersdurchmischte Kontakte, damit ein angemessener Umgang mit allen Altersgruppen erlernt werden kann.
Familienwerte
Selbstbestimmung: Jeder Mensch bestimmt selbst über seinen Körper. Auch Kinder wissen genau, wann sie Hunger haben, ob ihnen kalt ist oder welche Klamotten ihnen gefallen.
Gleichwertigkeit: Alle Menschen, egal welchen Alters, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder Geschlechts, haben denselben Wert von Geburt an inne.
Emotionale Begleitung: Emotionen sind wichtig und richtig, egal, wie unangenehm sie sich anfühlen. Wir unterstützen unsere Kinder darin, einen gesunden Umgang mit ihnen zu finden und an ihnen zu wachsen.
Bedingungslosigkeit: Unsere Liebe muss nicht verdient werden und untersteht keinen Konditionen.
Bedürfnisorientierung: Alle Bedürfnisse der Familienmitglieder sind gleich viel wert und jedes Familienmitglied ist richtig, wie es ist.
Wie sieht deine Wertebasis aus? Mein Dank geht an RitaHillen und Luna Maj, deren Texte mir als Inspiration dienten.
Willst du mehr über Freilernen, Reisen mit Kindern und den Aufbau deines eigenen Online Business lernen, folge mir auf Instagram und trage dich in meinen Newsletter, die Vagabundenpost, ein, um keine neuen Artikel und kostenlose Give-Aways zu diesen Themen zu verpassen.
Als du das erste Mal vom Freilernen (vielleicht sogar hier im Blog), also dem Lernen und Leben ohne Schule, gelesen hast, hast du dich sicher insgeheim mindestens einmal gefragt:
Verbau ich meinem Kind die Zukunft, wenn es nicht mehr zur Schule geht?
Wenn ich mein Kind aus dem Schulsystem nehme, wird es…
trotzdem ein erfülltes Leben führen können?
für sich selbst sorgen können, wenn es sich entscheidet, keinen Schulabschluss zu machen?
in dieser Gesellschaft klar kommen?
Auch wenn dir aus sämtlichen Mündern der Freilernerfamilien nur positiv zugesprochen werden wird, mag ich nicht ganz mit einstimmen.
Versteh mich nicht falsch, ich denke durchaus, dass viele Kinder ohne Schule mehr Chancen auf ein erfüllendes Leben als Freilerner haben, als mit 9-13 Jahren Schule.
Denn junge Menschen ahmen alles nach, was sie sehen. Aber wem erzähl ich das. Das gilt natürlich nicht nur für unliebsame Verhaltensweisen, sondern ebenso für unsere Denkweisen.
Was zuhause “gedacht” wird, kann sich schnell nachteilig auf die Zukunft deines Kindes auswirken. Gleiches passiert natürlich auch bei Schulkindern und ihren Familien, jedoch in “gesellschaftskompatibleren”-Zügen. Was ich damit genau meine, darum geht’s hier nun.
Was ist Deschooling für Freilerner-Eltern?
Entscheidet sich ein Kind, nicht (mehr) in die Schule zu gehen, also ohne Schule zu leben und seine Familie macht ihm diesen Weg möglich, beginnt ein essentieller Prozess und zwar der des Deschoolings.
War dein Kind noch nie in einer Einrichtung wie Schule oder Kindergarten, wird es ihm meist sehr leicht fallen, denn das Leben geht sehr wahrscheinlich wie gewohnt einfach weiter.
Hat dein Kind bereits Schulerfahrung gesammelt, wird es sich zuerst von diesen Erlebnissen “erholen müssen” und seine bis dahin erlernte Denkweise ablegen. Das kann einige Zeit dauern und du kannst und solltest es darin unterstützen. Dazu gleich mehr.
Der Prozess des Deschoolings betrifft nun aber nicht nur dein Kind, sondern dich als Elternteil ganz besonders. In diesem Prozess geht es darum, dass wir als Eltern ebenfalls unser “verschultes Gehirn” loslassen.
Mit Deschooling ist also die Denkweise gemeint, die wir selbst seit Jahrzehnten mit uns in Bezug auf Schule, Bildung, Beruf, Leben & Arbeit herumtragen. Tun wir das nicht, greifen wir Eltern immer wieder unbewusst negativ in den Bildungsprozess unseres Kindes ein, indem wir ihm z. B. unsere Ängste & negativen Glaubenssätze mitgeben, die wir selbst schon in der Schule gelernt haben.
Wenn sich die Sicht- & Denkweise deines Kindes aufs Lernen und all die Wunder dieser Welt verändern soll, dann muss sich deine Sicht- & Denkweise ebenso ändern. Ihr würdet euch sonst permanent missverstehen, was zu enormen Konflikten innerhalb der Familie führt. So weit, so logisch, richtig?
Es ist daher elementar wichtig, dass Eltern von Freilernern selbst zu Freilernern werden, damit sie mit ihrem eigenen verschulten Gehirn keine Blockaden für ihre Kinder aufbauen, wo keine sein müssten.
Was ist das verschulte Gehirn?
Das verschulte Gehirn ist die Denkweise, die du bereits von deinen eigenen Eltern, deinem Umfeld (das Schulen besucht hat und in Anstellung oder in hart & unsicher empfundener Selbstständigkeit Geld verdient) und aus deiner eigenen Schulzeit erworben hast.
Das verschulte Gehirn denkt (häufig unbewusst) die folgenden Dinge und findet sie dabei ganz normal und/oder kann sie vertreten (ohne Wertung!):
Ich habe eine bestimmte Anzahl an Tagen im Jahr, die ich nutzen kann, wie ich will. (Ferien/Urlaub)
Ich freue mich auf den Schulschluss/Feierabend.
Dieses Thema hatten wir im Unterricht noch nicht./Das ist nicht Teil meines Aufgabenbereichs.
Andere mir sagen, welche Aufgaben ich wann zu erledigen habe. (Tagesablauf in einer Firma/Stundenplan in der Schule)
Andere sagen mir, wann ich wo zu sein habe. (Arbeitszeitbeginn/Schulbeginn, Arbeitsort/Schule)
Andere sagen mir, wie etwas geht, wenn es für mich wichtig wird.
Ich mach doch keine unbezahlte Arbeit/Ich mach doch nicht mehr Hausaufgaben, als ich muss. (Ich arbeite nicht voraus oder lerne freiwillig Dinge, die ich noch nicht muss)
Selbstständige Arbeit ist hart. Man arbeitet selbst & ständig.
Menschen, die nicht zur Schule gehen, haben keine Bildung und können nichts werden.
Andere geben mir eine Beschäftigung/Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Andere wissen, was gut für mich ist.
Ich kann das nicht, das habe ich nicht gelernt.
Dafür habe ich nicht den passenden Abschluss.
Ich habe nur einen Hauptschulabschluss.
Bevor ich das mache, brauche ich erst eine anerkannte Ausbildung.
Mein Kind ist hinterher.
Ich weiß zu wenig, um mein Kind richtig beim Freilernen zu begleiten.
Mein Kind ist anderen voraus: Mein Kind hat bessere Noten als deins. Mein Kind kann schon dies. Mein Kind konnte in dem Alter schon dies oder jenes.
Ich kann meinem Kind als Freilerner nicht geben, was es braucht.
Hat einer oder gleich mehrere dieser Sätze ein inneres Nicken in dir ausgelöst, dann hast du sehr wahrscheinlich ein verschultes Gehirn oder wie ich es liebevoll nenne: die Angestelltendenke. Das Mindset eines Arbeitnehmers.
Das liegt daran, dass du diese Art zu denken bereits in der Schule gelernt hast und dein Umfeld sie ebenso lebt in ihren Jobs. Alle fahren morgens selbstverständlich an einen anderen Ort zur Arbeit oder in die Schule und fügen sich fast nahtlos in die Firma bzw. die Klasse ein. Es wird akzeptiert, dass das Arbeitstempo, der Arbeitsstoff etc. in Schule und Arbeitsstätte von anderen bestimmt, organisiert und geleitet wird. Es ist normal, dass Arbeit überwacht und bewertet wird. Bei Feierabend bzw. Schulschluss wird alles stehen und liegen gelassen. Das “Feierabend”-Bier wird gefeiert.
Für Angestellte oder Schulkinder gibt es eine feste Zeitspanne, die gefüllt wird. Für Schulkinder bedeutet das, dass sie bereits in der Kindheit an Arbeitszeiten von 6-10 Stunden täglich gewöhnt werden. Sie lernen, dass sie selbst keinen Einfluss haben, z. B. auf die Dauer oder den Lernstoff selbst. Sie lernen sich über einen großen Teil des Tages an andere anzupassen.
Angestellten oder Schulkindern wird zudem von außen Struktur und Organisation gegeben. Die Schule kaut Schülern 95% des Stoffs vor, kaum etwas muss selbst erarbeitet werden, alles ist vorbereitet. Menschen in Anstellung bleiben in einer ähnlichen Unselbstständigkeit und es fällt ihnen nicht selten schwer, ihr Leben und sich selbst außerhalb der Arbeit zu strukturieren oder sich mit Neuem zu befassen.
Das ist nicht weiter verwerflich, denn so funktioniert unsere Gesellschaft zu großen Teilen.
Hast du jetzt aber einen Freilerner als Kind, kann diese Angestelltendenke negativ Einfluss nehmen auf die Zukunft deines Kindes. Warum ist das so?
Warum schaden Eltern ihren Freilerner-Kindern, wenn sie sich selbst nicht deschoolen?
In jedem Menschen stecken drei Persönlichkeiten. Richtig gelesen, in jedem Menschen, also auch in dir!
Diese drei Persönlichkeiten sind:
der/die innere Arbeiter/in (diejenigen, die Arbeiten ausführen, z. B. Angestellte)
der/die innere Leiter/in (diejenigen, die Arbeiten organisieren, koordinieren, delegieren, planen, strukturieren, überwachen, bewerten etc., z. B der/die Manager/in, aber auch Freelancer, wenn diese und der innere Arbeiter vereint werden)
der/die innere Visionär/in (diejenigen, die ihre Ideen kreativ umsetzen möchten, die einen Sinn benennen können und Ziele & Visionen verfolgen und damit Veränderung in die Welt bringen möchten, z. B. der/die Unternehmer/in, wenn alle 3 Persönlichkeiten vereint werden)
Ohne diese drei Persönlichkeiten wärst du nicht ganz!
Du brauchst in dir jemanden mit Ideen, Visionen & Zielen, denn in dir drinnen bist du ein kreatives Wesen, das sich ausleben möchte, sonst würdest du nur sinnlos umher vegetieren. Weiter brauchst du eine innere Leiterin, die in der Lage ist, diese Ziele durch Pläne und Struktur realisierbar zu machen. Zu guter Letzt brauchst du deinen inneren Arbeiter, der die Arbeit macht, die getan werden muss, um die Vision wahr werden zu lassen.
Ein erfülltes Leben ist nur dann erfüllt, wenn du es an deinen Werten & Visionen ausgerichtet leben kannst.
Wahrscheinlich sind auch dir Menschen bekannt, die “nichts mit ihrem Leben anstellen” oder du kennst Phasen aus deinem eigenen Leben, in denen du selbst nicht weißt, warum du da bist und was du mit deinem Leben machen willst. In ihnen hat die innere Arbeiterin die Oberhand, während die innere Visionärin und innere Leiterin kaum in Erscheinung treten.
Dann gibt es noch Menschen, die haben zwar Visionen, aber kämpfen sehr damit, ihre Ideen zu realisieren, weil ihnen der Plan fehlt, wie man das anstellt. Die innere Leiterin ist hier tief vergraben.
Was aber die meisten Menschen können, ist die Arbeit zu machen, die andere ihnen aufgeben. “Mach xy zu diesem Zeitpunkt an jenem Ort.” – “Geht klar, Boss!”
Oft sind die innere Visionärin und öfters auch die innere Leiterin verkümmert, tief verbuddelt und gefühlt einfach nicht vorhanden. Sie wurden nie gefördert und ausgebildet. Die innere Arbeiterin hingegen ist vollentwickelt.
Wie das mit Wirtschaft & Schulen zusammenhängt:
Seit der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in unserer Gesellschaft vermehrt Arbeiter an einem Ort benötigt. Also Menschen, deren innerer Arbeiter aktiv ist und die Arbeiten gut ausführen konnten, die ihnen aufgetragen wurden, die nicht jeden Schritt in Frage stellen oder die gegebene Struktur nicht einfach ändern, wie es ihnen passt. Sie wurden somit ein Rädchen im Gesamten und ohne sie war und ist ein Ziel nicht zu erreichen.
Aufzeichnungen zu Schulen datieren natürlich noch viel weiter zurück, doch waren sie kaum zu vergleichen mit dem, was wir heute Schule nennen. Doch mit der Industrialisierung änderte sich das und ein Lehren & Lernen wurde etabliert, das vermehrt Menschen hervorbrachte, deren innerer Arbeiter die Oberhand hat.
Das ist auch der Grund, warum Schulen auch heute noch so sind, wie sie sind, denn sie erschaffen, was die Wirtschaft heute braucht.
Nun hast du aber ja einen Freilerner als Kind, das ohne Schule nicht nur zur reinen Ausführung von Arbeit “abgerichtet” wird, sondern in dem sich alle drei Persönlichkeiten frei entfalten wollen, damit es erfüllt und frei sein Leben führen kann.
Freilerner sind also nicht “der Durchschnitt”, sondern haben oft noch Zugang zu allen drei Persönlichkeiten.
Dieser Aspekt, wenn er unbeachtet gelassen wird und nicht von den Eltern erkannt und gefördert, kann dazu führen, dass Freilerner dadurch weder in der einen Welt wirklich gut klarkommen, noch in der anderen, weil sie die jeweils gegenteiligen Aspekte ihrer Denkweise blockieren.
Welche Zukunft haben Freilerner, deren Eltern sich selbst nie entschult haben?
Wie du ja weißt, ahmen Kinder alles nach, auch die vorherrschende Denkweise in deiner Familie, z B. den inneren Arbeiter. Er wird bei dir vermutlich nicht zu 100% die Oberhand haben, sonst wärst du nicht hier, doch möglicherweise gibt es Teile in dir, die noch nicht vollständig entschult sind.
Deschooling ist und bleibt ein Prozess und kein Kippschalter.
Übernimmt dein Kind als Freilerner nun Teile dieser Angestelltendenke von dir, z.B. den Glauben, dass es eine gute Anstellung braucht, weil dein innerer Arbeiter in dir sehr präsent ist, dann kann es sein, dass dein Kind mit seinen kreativen Ideen des inneren Visionärs und seinen selbstverständlich selbstbestimmten Handlungen und Planungen seines inneren Leiters innerhalb der Gesellschaft, aber auch ganz besonders in einem Anstellungsverhältnis, aneckt.
Auch können erwachsene Freilerner unglücklich werden in all den fremdstrukturierten Umgebungen, in denen sie für ihren Lebensunterhalt sorgen wollen. Wirklich glücklich in einer Anstellung werden sie nur in den Umgebungen, in denen sie ihr eigenes Maß an Selbstbestimmung leben dürfen und davon gibt es aktuell noch nicht sehr viele unter Angestellten.
Menschen mit diesem „Freilerner Mindset“, die kreativ sind und sich selbst strukturieren können, werden dringend gebraucht, aber kaum wer weiß mit ihnen umzugehen.
Sie “funktionieren” anders und sind meist ganz andere Persönlichkeiten, als Menschen, die 9-13 Jahre Schulsystem hinter sich haben.
So ist der Weg in die Selbstständigkeit früher oder später greifbar nah. Und absolut nichts Schlechtes!
Vielleicht ist dein Kind als frischer Freilerner aber auch gar nicht selbst-strukturiert oder selbstbestimmt, sondern wartet auf Anweisungen und Beschäftigungen, hat aber massiv viele kreative Ideen, die er umsetzen will, weiß aber nicht wie? Auch das kann sein, wenn dein Kind dies so vom Umfeld vorgelebt bekommt.
Ist dein Freilerner also in erster Linie inneren Arbeitern in seinem direkten Umfeld ausgesetzt (durch Eltern, Freunde etc.), hat aber keine inneren Leiter oder inneren Visionäre um sich, hat er zwar gute Voraussetzungen, aber keine Vorbilder, um sie zu vollends zu entwickeln.
Doch wie viel einfacher und erfüllender wäre es für dein Kind, ohne Schule kreativ und selbstbestimmt zu leben, wenn du diesen Punkt nicht ignorierst und du ihm nicht nur Anteile eines inneren Arbeiters (z. B. eines Angestellten) mitgibst, sondern zusätzlich Vorbild bist, um seinen inneren Visionär und inneren Leiter zu entwickeln, die in uns allen stecken?
Wie du dein Freilernerkind in zwei Schritten unterstützt
Schritt 1:
Stell dir vor, du arbeitest in Anstellung und bist es gewohnt, dass andere dir sagen, was du wann zu tun hast und dass ein Job eben Arbeit bedeutet. Vielleicht hast du Arbeit als solches noch nie hinterfragt und denkst dir: “Solange ich am Monatsende bezahlt werde, halte ich das schon aus. Macht halt keinen Spaß und da müssen wir alle durch, denn von irgendwas müssen wir ja leben.” Dein Kind erlebt, wie du genervt zur Arbeit gehst oder erleichtert wieder nach Hause kommst. Nehmen wir also an, du bist dir des folgenden Konflikts einfach nicht bewusst:
Dieses Mindset, also deine Art und Weise, wie du Arbeit betrachtest, entgeht deinem Kind nicht. Im Gegenteil: Dein Kind hält, was es wahrnimmt, für wahr und letztendlich normal und übernimmt unbewusst, was es erlebt. Das ist natürlich in allen Lebensbereichen und allen Kindern so, egal ob Schulkind oder Freilerner – doch ganz besonders bei Freilernern kann es zum Konflikt kommen, weil seine Lebenswirklichkeit eigentlich eine andere ist.
Auf der einen Seite erlebt es Selbstbestimmung & Ermutigung und auf der anderen Seite denkt es an Anstellung und einen anstrengenden Job, sobald es daran geht, den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Natürlich geht es hier nicht darum, eine Anstellung an sich schlecht zu reden. Es gibt viele tolle Jobs, die man in Anstellung machen kann und trotzdem vereinen sie nun mal auch ein gewisses Mindset, um sich auch vollends darin wohlzufühlen.
Schritt 1: Informiere dich über die Bereiche von Selbstständigkeit, Unternehmertum & Anstellung, die dir noch nicht bekannt sind und finde heraus, ob das, was du über Selbstständigkeit & Anstellung glaubst, wirklich wahr ist.
Es geht also darum, sehr achtsam zu sein mit deinem eigenen Mindset zum Thema Anstellung und Selbstständigkeit!Achte besonders auf deine Gedanken, die du zum Thema Selbstständigkeit hast und hinterfrage sie ebenso wie eine Anstellung!
Schritt 2:
Das System Schule wird sich so lange nicht ändern, wie das heutige Wirtschaftssystem Menschen braucht, die weiter konsumieren, anstatt zu erschaffen (erschaffen kann hier alles sein, nicht nur innovative, neue Technik, sondern z. B. als anderes “Extrem” auch ein Selbstversorgergarten!).
Das bedeutet, Schule hält sich selbst am Leben, in dem sie in frühen Lebensjahren schon den Grundton setzt für die Angestelltendenke, also die Oberhand des inneren Arbeiters. Schule produziert Angestellte und nur ganz wenige, die sich ihr entziehen können. Die Angestellten sind oftmals die, die sich gar nicht bewusst sind, dass sie überhaupt eine Option haben, weil ihre zwei anderen Persönlichkeitsanteile schon früh tief verbuddelt wurden.
Die, die sich einer Anstellung entziehen wollen, sind häufig die Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, einen oder beide der anderen Persönlichkeiten nicht verbuddelt haben, sich also nicht “angepasst” haben und die deshalb auch oft nicht in den schulischen Rahmen passen. Die Schülerdenke bzw. Angestelltendenke konnte sich in ihnen nie richtig festsetzen, weshalb sie nicht selten viele Umwege auf ihrem Lebensweg gegangen sind und irgendwann in die Selbstständigkeit gehen oder direkt ein Unternehmen gründen.
Schritt 2: Werde Vorbild für deine freilernenden Kids!
Lebe ihnen vor, wie sie sich selbst organisieren lernen, sich selbst strukturieren, Visionen haben & Ziele erreichen und wirklich Verantwortung für sich und ihr Handeln tragen. Dazu musst du nicht selbstständig und zur Unternehmerin werden, aber HELL, ich kann dir das nur empfehlen!
Es wird dich selbst verwandeln in einer Weise, die du für unmöglich gehalten hast und von der deine Kinder in Wegen profitieren werden, an die du kaum zu denken wagst.
Überleg dir, von wem deine Freilerner Kids einen Einblick in das mitbekommen sollen, was gerne „Unternehmer-Mindset“ (eine Denkweise, bei der alle drei Persönlichkeiten entwickelt sind) genannt wird, wenn du selbst noch in der Angestelltendenke steckst.
Ein Unternehmer Mindset bzw. Freilerner Mindset kann zum Beispiel so klingen:
Ich habe das noch nie gemacht, warum soll es nicht gut werden?
Ich stehe immer einmal mehr auf, als ich hinfalle. Ich habe viele Wege gefunden, wie etwas nicht funktioniert und einen, wie es klappt. Wenn ich etwas wirklich lernen will, probiere ich mich aus und halte durch bis ich es schaffe.
Meine Arbeit macht mir Spaß und erfüllt mich. / Mein Lernen/Spiel macht mir Spaß und erfüllt mich.
Jeder Schritt, den ich gehe, führt mich automatisch zum Nächsten.
Ich arbeite so viel und so lange ich will. / Ich lerne/spiele so viel und so lange wie ich will.
Arbeit ist nicht hart und anstrengend. /Lernen muss nicht hart und anstrengend sein
Wenn ich etwas nicht weiß, dann finde ich eine Antwort.
Ich bin genau da, wo ich grad sein muss.
Ich weiß, wie ich meine Ziele erreiche.
In jedem Menschen steckt ein Freilerner.In jedem Menschen steckt auch ein Visonär & Leiter und damit Unternehmer. Wir haben dieses Unternehmer-Mindset nur nie trainiert, weil wir eine seeehr lange und prägende Zeit der Schülerdenke bzw. Angestelltendenke ausgesetzt waren.
Wird Zeit alle Persönlichkeiten rauszuholen, zu entstauben und zu erleben, zu was sie alles fähig sind, wenn sie erstmal Hand in Hand loslegen!
Zur Vereinfachung habe ich dieses System entwickelt:
Das Freilerner Mindset-Modell
Vorweg: Das eine ist nicht grundsätzlich besser oder schlechter als das andere. Allen drei Persönlichkeiten liegt lediglich eine andere Sicht auf das Leben zugrunde (wenn sie grad die Oberhand haben) und wenn diese Gesellschaft nicht direkt kollabieren soll, benötigen wir alle drei bis wir eine gesunde Gesellschaftsform gefunden haben.
Selbstverständlich handelt es sich um eine stark vereinfachte Sicht, die individuelle Situationen außen vor lässt. Sie soll als Orientierung dienen.
Das Freilerner Mindset-Modell:
Schule steht zu Freilernen, wie Anstellung zu Unternehmertum.
Freelancer und Homeschooler sind in diesem Fall Menschen, die sich und ihre Zeit selbstständig managen, aber dabei Arbeiten erledigen, die vorgegeben sind (wie Manager, die ein Unternehmen managen, aber nach Vorgaben arbeiten).
Wichtig ist, dass wir selbst die Denkweise (Mindset) unseren Freilernern vorleben, die ihnen in der Zukunft von Vorteil ist.
Während die einen sich richtig wohl fühlen, wenn das Geld gefühlt sehr sicher jeden Monat kommt, kommen die anderen erst richtig in Fahrt, wenn sie spüren, dass sie alles selber in der Hand haben und es gefühlt keine Grenzen gibt.
Fazit: Wie du deinem Freilerner die Zukunft verbaust
Lebe deinem Kind „das falsche“ Mindset vor und es wird verwirrt versuchen seinen Weg in dieser Gesellschaft zu finden. Ein Freilerner wird mit einer reinen Angestelltendenke wenig erfüllt durchs Leben gehen. Kann er aber alle drei Persönlichkeiten in seinem Mindset vereinen und durch Vorbilder entwickeln, wird sein Weg frei & unbeschwert.
Fest steht: Wir brauchen alle. Wir brauchen Angestellte, Freelancer und Unternehmer. Menschen, die von ihren inneren Visionären, inneren Leitern und inneren Arbeitern geführt werden. Die einen können nicht ohne die anderen.
Wenn du jetzt sagst: “Uff, Unternehmerin sein, stell ich mir zu schwierig vor, das ist absolut nichts für mich!”, dann ist das total okay. Ich will dich dann nicht ermutigen z. B. ein Online Business zu gründen. Sehr wahrscheinlich ist auch Freilernen nichts für dich und das ist ebenso okay.
Denkst du dir jetzt aber: “Ach deshalb fühl ich mich in meinem Job so blöd/gelangweilt/*younameit*. Ach logisch, dass ich mich manchmal so leer und ziellos fühle mit meinem Leben… “ , dann passt dein Mindset nicht zu deiner Lebenswirklichkeit und dann fühlt sich das Leben einfach auch doof an, wenn Arsch nicht auf Eimer passt.
Bist du gewillt, einen Blick in eine richtige Selbstständigkeit und alle deine drei Persönlichkeiten zu entwickeln, dann will ich dich ermutigen, diesen Schritt zu wagen, denn der ist für dich! Und deine Freilerner Kids.
Mit der Roadmap ins Online Business startest du Schritt-für-Schritt ins deine Selbstständigkeit und behältst den Überblick. Bist du schon losgegangen, schau hier nach, ob du Schritte vergessen hast oder was als nächstes für dran ist!
Aber… du hast noch gar keine Business Idee!? Macht gar nix, neben der Online Business Roadmap, kannst du auf der unverbindlichen Warteliste eintragen für die Business Basis, der kompletten Schritt-für-Schritt-Anleitung zu einer durchdachten Geschäftsidee für dein Online Business mit Selbstvertrauen, Motivation und Klarheit. -> Warteliste Business Basis.
Mit diesen effektiven Tipps & Strategien managst du Kinder & Online Business im Home Office erfolgreich
Home Office mit Kindern passt nicht zusammen? Deine Zeit reicht vorne bis hinten nicht, weil ständig jemand was von dir will, Hilfe braucht und du nicht mal in der Lage bist für 10min ungestört einer Tätigkeit nachzugehen? Wie zur Hölle soll da bitte noch ein Online Business reinpassen?
Gerade Mütter stehen oft vor der Entscheidung: Kinder oder Beruf? Und möchten sich zu Recht für beides entscheiden! Trotz enormer Anstrengung es allen Recht zu machen (Spoiler: Das geht gar nicht & ist gar nicht deine Aufgabe!), finden sie sich schnell im Kampf um mehr Zeit für sich selbst, ihre Kinder oder ihre Arbeit.
Doch Familie & Beruf erfolgreich vereinbaren erscheint aussichtslos im normalen 9-5 Job.
Den ganzen Tag außer Haus auf Arbeit verbringen und die Kinder nur kurz zu sehen, ist nicht das, was sie sich unter Familienleben vorstellen, weshalb immer mehr Menschen, insbesondere Mütter, ein Online Business gründen und so im Home Office arbeiten.
Doch im Home Office mit Kindern stehen sie schnell vor einem Problem:
Wie kann ich mein Online Business erfolgreich von zuhause aus führen und gleichzeitig für meine Kinder da sein?
Schon recht bald, nämlich direkt nach der ersten, kurzen Euphorie im Business Start, bricht der Alltag mit Kindern über uns Müttern zusammen. Frust baut sich auf, weil gefühlt nichts voran geht und kaum ein paar Minuten am Stück ohne Unterbrechung gearbeitet werden kann. Zusätzlich werden wir geplagt vom schlechten Gewissen den Kindern gegenüber, weil wir gefühlt ständig arbeiten müssen.
“Wann soll ich neben Kindern, Reisen oder dem ganz normalen Wahnsinn im Alltag noch Zeit finden ein Online Business aufzubauen?”, fragst du dich?
Wie schaffen es andere, erfüllt ihrem Online Business nachzugehen?
„Na ganz einfach“, bekomme ich zu hören,„sie vernachlässigen ihre Kinder oder arbeiten nachts und schlafen niemals.“
Denn guck mal: Die Tage sind lang, die Kids brauchen immer etwas. Immer wenn du dich grad mal hingesetzt hast, musst du doch wieder aufstehen.
Nicht mal auf dem Klo hast du deine Ruhe. Du hast ja nicht mal Zeit ein paar Seiten in einem Buch zu lesen, wie sollst du dann ein ganzes Online Business organisieren? Und abends bist du so platt und ausgelaugt vom Tag, da ist nicht mehr an Arbeit zu denken.
Du bist der festen Ansicht, Home Office mit Kindern kann gar nicht funktionieren. Schon gar nicht, wenn deine Kinder nicht fremdbetreut werden oder zur Schule gehen. Oder du alleinbegleitend bist.
Ist das wirklich wahr?
Effektives Zeitmanagement mit Plan für dein Online Business im Home Office
Hast du manchmal das Gefühl, deine Tage wiederholen sich? Einer ist im Grunde wie der andere, Woche um Woche, Monat um Monat… du hast das Gefühl, du trittst irgendwie auf der Stelle, kommst nicht voran und schaffst so gut wie nichts, von dem, was du dir vorgenommen hast?
Oder gar: Du nimmst dir gar nichts mehr vor, weil du es eh nicht schaffen würdest?
Dann hab ich gute Nachrichten für dich: Du hast jetzt die Wahl!
Option A: Du machst weiter wie bisher und alles bleibt, wie es ist. So ist es nun mal, an deiner Situation ist nicht zu rütteln… irgendwann, wenn die Kinder größer sind, wird’s schon wieder.
oder
Option B: Du veränderst etwas und kümmerst dich um dein Zeit- und Selbstmanagement. Alles wird anders und du kommst noch heute deinen Zielen einen Schritt näher. Du füllst dein Leben wieder mit mehr Sinn und Freude, fühlst dich abends nicht mehr total kaputt und hast trotzdem geschafft, was du dir vorgenommen hattest.
Wenn du bist wie ich, dann wählst du auch Option B: Das Zeit- und Selbstmanagement mit Plan. Ich wusste ehrlich gesagt vorher nicht, wie das hieß, okay… aber auch ohne den fancy Namen kann man es angehen. 😉
Blöd war nur, dass ich Pläne ziemlich doof fand. Denn ich bin ja so frei und plane nichts, lass mich von den Wellen des Lebens tragen. Und so. Japp, das planlose Leben können wir uns auch weiter rausnehmen, aber nur dort, wo wir es brauchen und können.
Bist du am Abend trotzdem unzufrieden & erschöpft, dann ist es Zeit, etwas Neues auszuprobieren, wenn du mehr Zeit haben willst. Egal für was.
Stunde um Stunde habe ich schon mit Menschen per Facebook, Instagram, WhatsApp, Telegram gequatscht, die Zeit als Mangelware wahrnahmen.
Interessanterweise sind die Menschen, die gefühlt die wenigste Zeit haben, oft diejenigen, die jede Story von anderen Accounts bei Instagram ansehen, aber laut eigener Aussage keine Zeit finden für den Aufbau des eigenen Online Business.
Diese Ironie bringt uns direkt zum ersten Tipp dieses Leitfadens, damit du endlich mehr Zeit für dein Online Business im Home Office mit Kindern findest, ohne auf Zeit mit deinen Kindern und dir selbst zu verzichten.
Home Office mit Kindern Tipp 1: Zeitfresser finden
Soll ich dir mal vorrechnen, wie viel Zeit Menschen im Schnitt verdödeln, ohne es zu merken?
Im Schnitt verbringen je nach Altersgruppe die Menschen ein bis drei Stunden pro Tag in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram, natürlich inklusive Messenger wie Whats App und Telegram.
Zusätzlich werden im Schnitt noch drei Stunden ferngesehen. Selbst wenn es bei dir nur eine einzige Stunde ist, die du mit Netflix Serien, Youtube Videos, Dokus oder ähnlichem verbringst, kommen wir auf drei bis vier Stunden am Tag, die du auch anders nutzen könntest. Das sind 28 Stunden in der Woche. Im Grunde ein Halbtagsjob.
Auch wenn du nicht zu den krassen Konsumenten zählst (Check das mal in deiner Bildschirmzeit am Smartphone!), verdödelst du permanent Zeit.
Wo das? In dem du überlegst, was als nächstes dran ist, indem du von Thema zu Thema hüpfst – sog. Task Switching – und am Ende nichts geschafft hast, weil alles nur so halb angefangen wurde, du gar nicht richtig ins Thema reinkamst und wieder abgelenkt wurdest.
Wir brauchen für jeden Themenwechsel im Hirn durchschnittlich 20 Sekunden, um uns in das Thema “einzudenken” und weitere 10-20min, um „in den Flow“ zu kommen, um darin wirklich produktiv zu werden. Und wenn es nur beim Kochen die Schmutzwäsche am Boden sehen ist und sie zur Waschmaschine bringen. Jeder Themenwechsel kostet dich wertvolle Zeit und die summiert ergibt Stunden an ungenutzter und ineffizient genutzter Zeit.
Auch wenn es meist eine harte Pille ist, die wir da schlucken müssen: Wir haben genug Zeit, um z. B. ein Online Business aufzubauen oder einem Hobby nachzugehen. Auch mit Kindern. Auch alleinbegleitend.
Es ist nur zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.
“Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“
Seneca
Mein Tipp: Finde deine Zeitfresser Um herauszufinden, wo deine ganze Zeit hin ist, musst du sie erstmal finden, um sie auch nutzen zu können. Finde deine Zeitfresser!
Home Office mit Kindern Tipp 2: Entlarve blockierende Gedanken
“Sorry, da hab ich zu wenig Zeit für.”, war mal mein Lieblingssatz. Damit war die Sache gegessen und ich hab halt nicht gemacht, was ich gern wollte und mich lieber geärgert. Kennst du das vielleicht? Wir Menschen neigen dann dazu, zu schauen, wer oder was jetzt Schuld an unserer wenigen Zeit ist und leiten dann diese Energie weiter.
Doch es ist nichts weiter als ein Glaubenssatz, der blockiert. Ein so mächtiger und gewohnter Gedanke, der so viel Einfluss auf dein Handeln nimmt, dass du viele Dinge gar nicht erst beginnst, weil dir deine Stimme selbst flüstert, dass es sinnfrei ist, denn Zeit ist nun mal Mangelware.
Andere blockierende Gedanken können sein:
“Wenn ich mich selbstständig mache, arbeite ich selbst und ständig” oder
„Ein Arbeitstag dauert 8 Stunden und so viel Zeit hab ich gar nicht.“
Mein Tipp: Überprüfe deine blockierenden Gedanken zu Zeit & Online Business Warum dauert ein Arbeitstag im Online Business acht Stunden? Wenn du die Freiheit nicht lebst, die du dir durch die Selbstständigkeit erhoffst, wirst du sie nicht bekommen.
Home Office mit Kindern Tipp 3: Entwickle Routinen
Routinen mögen mega langweilig klingen. Aber wusstest du, dass sie dir Zeit schenken können?
Den Alltag mit Kindern und Home Office organisieren, ist nicht immer ganz leicht. Doch indem du Routinen in deinen Alltag einbaust (damit meine ich nicht fancy Yoga & Meditation am Morgen, sondern einfach einen festen Ablauf der Dinge, die du erledigen willst), musst du nicht mehr Zeit verschwenden mit Nachdenken über das, was du noch erledigen musst, bevor du z. B. das Haus verlässt. Hast du auch an alles gedacht?
Und nicht nur dir direkt erleichtern Routinen den Alltag, auch deinen Kids. Erstelle mit ihnen gemeinsam einen Plan zum Abhaken, auf dem alles notiert ist, was sie erledigen wollen. Wenn sie noch nicht lesen, können sie die Tätigkeiten auch malen.
Diesen Zettel könnt ihr gut sichtbar aufhängen, so dass deine Kids immer gucken können, was als nächstes ansteht ohne, dass sie anfangen zu träumen und du sie immer wieder erinnern musst doch jetzt bitte endlich die Haare zu kämmen oder in den Schlafanzug zu wechseln.
Denn auch Kinder lieben Checklisten abhaken. 😀
Mein Tipp: Entwickle Routinen Erleichterst du deinen Kindern den Alltag, erleichterst du ihn auch dir. Entwickle Routinen für dich, dein Online Business und deine Kinder, damit du massiv Zeit einsparst.
Homeoffice mit Kindern Tipp 4: Klare Ziele setzen
Wenn du nicht weißt, wo du hin willst mit deinem Online Business, kannst du auch nicht ankommen. Oder nur mit massiver Verspätung.
Menschen sind Meister im Verschwenden von Zeit, indem wir drüber nachdenken, was wir eigentlich heute erledigen möchten/sollten oder was wir vergessen haben könnten. Dabei verlieren wir insbesondere im Home Office mit Kindern zuhause ganz schnell aus den Augen, wo wir hin wollen, während wir der nächsten bequemen Tätigkeit (scrollen, Textnachrichten lesen und beantworten) nachhängen, weil wir vergessen haben, was eigentlich ansteht und uns wichtig ist.
Klare Ziele für unser Leben helfen massiv dabei, unsere Träume und Vorstellungen tatsächlich wahr zu machen.
Frag dich: Was erledige ich heute, um meine Vision wahr werden zu lassen?
Wusstest du, dass der Fortschritt, den du beim Arbeiten an deinen Zielen machst, für ein Glücksgefühl sorgt? Das ist übrigens auch das gute Gefühl am Abend, wenn du sagst: “Wow, heute hab ich echt was geschafft”.
Mein Tipp: Nimm deine klaren Ziele und entwickle daraus konkrete Pläne. Lad dir hier meinen bewährten Wochenplan (<-*klick*) für meine Woche im Home Office mit Kindern runter, den ich nutze, um anhand meiner Ziele an alles zu denken, was ich und meine Familie diese Woche erledigen wollen, um unsere Träume zu erfüllen.
Home Office mit Kindern Teil 5: Nimm dich selbst ernst.
Bist du in der Vergangenheit für das eingestanden, was du erreichen willst? Hast du vor Familienmitgliedern formuliert und deutlich gemacht, dass dir etwas am Erreichen und Erfüllen deiner Träume liegt? Dass du ernsthaft ein Online Business betreiben möchtest im Home Office?
Ganz oft denken wir einfach, dass der andere schon weiß, wie wichtig uns das ist und sich auch der Intensität unseres Wunsches nach einem erfüllenden eigenen Online Business auf der einen Seite und einem schönen Familienleben mit Kindern auf der anderen Seite, bewusst ist.
Tatsächlich stecken wir aber alle in unseren eigenen Köpfen und wenn wir unsere Bedürfnisse nicht klar äußern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass kaum wer davon Wind bekommt oder dich deshalb nicht ernst nimmt.
Je klarer du gegenüber deiner Familie wirst, desto eher finden sich zusätzliche Zeitblöcke, die du für dein Vorhaben im Online Business mit Kindern verwenden kannst.
Zeit zu finden, um dein Online Business im Home Office mit Kindern zu organisieren, funktioniert aber nur, wenndu dich selbst ernst nimmst. Das bedeutet, du stehst hinter dem, was du erreichen willst und bist bereit, die möglicherweise anfänglich anfallenden Konflikte zu lösen, wenn sich deine Familienmitglieder noch an die Veränderung anpassen lernen.
Gerade als Mama rutschen wir schnell in ein Muster hinein, in dem wir (manchmal real und nicht nur gefühlt) alles machen und jeder andere Mensch in unserem Umfeld sich einfach Zeit nimmt ohne Rücksicht.
Es liegt in deiner Verantwortung da auszusteigen und dich endlich selbst ernstzunehmen.
Mein Tipp: Nimm deine Pläne und Wünsche für dein Online Business ernst. Scheu die möglicherweise aufkommenden Konflikte nicht länger, sondern sag, was du brauchst und erarbeite dir mit deiner Familie gemeinsam eine Lösung. Du hast das selbe Recht zur Selbstverwirklichung, wie andere Familienmitglieder.
Fazit zum Online Business mit Kindern von zuhause aus
Ohne einen Plan wäre ich längst im Chaos untergegangen. Ich musste erst lernen, wie ich mich selbst und meine Kinder effektiv im Home Office gut organisiere, wo ich überall Zeit verschwende mit sinnlosen Dingen, die mich nicht weiterbringen und vor allem, wie wichtig klare Ziele in meinem Online Business sind, damit ich erfüllt und enthusiastisch in den Tag starten kann und Familie und Beruf vereinen kann.
Vorweg: Mein größter Respekt geht an viele Familien, die in Deutschland freilernen. Einige von ihnen kriegen es gut hin und wieder andere sehen sich vor massiven Herausforderungen mit Behörden, Gerichten und dem ganz normalen Alltag als Freilerner in Deutschland.
Nicht selten werde ich gefragt, warum wir denn Deutschland verlassen haben, um freizulernen, wenn es doch so extrem wichtig ist, dass es Menschen in Deutschland gibt, die das Freilernen richtig leben und sich vor Ort dafür einsetzen, dass vielleicht auch in der Zukunft das Freilernen in Deutschland möglich wird.
Meine Antwort lautet dann meist:
Die Kindheit meiner Kinder ist jetzt. Ich opfere sie nicht für eine „größere Sache.
Und so ist es ja auch. Die Kindheit mit all ihren Phasen und Entwicklungsstufen, dem rasanten Wachstum, innerlich wie äußerlich und all die Prozesse drum herum, findet so eben nur jetzt statt.
In dieser wertvollen Zeit möchte ich nicht, dass sie sich durch ihre Umgebung als „anders“, „falsch“ oder „nicht richtig“ empfinden oder dass wegen ihnen (bzw. wegen einiger Gesetze) vor Gericht gestritten werden muss, weil das Freilernen in Deutschland nicht vorgesehen ist.
Auch wenn ich gerne mal angefeindet werde für diese Worte, weil es irgendwer egoistisch finde, dass ich die Kindheit meiner Kinder nicht „der größeren Sache“ opfere (denn so würde es sich für mich wirklich anfühlen): Die Kindheit ist so elementar wichtig, dass ich ein Verkacken vermeiden möchte, was wohl wir Eltern fast alle miteinander gemein haben.
Wir wünschen unseren Kindern eine wunderbare Kindheit und alles, was sie brauchen, um auch ein wunderbares Leben führen zu können. Nur unsere Herangehensweisen unterscheiden sich. Denn wir alle haben unterschiedliche Ängste. Bewusste und unbewusste. Und das ist okay. Das darf so sein. Wär ja sonst langweilig.
Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, zu reisen und auszuwandern, ist also eine sehr persönliche. Auch wenn einige meinen, sie hätten den einzig wahren Weg gefunden: Den einzig wahren Weg gibt es nicht. Weder ist mein Weg der Beste für alle, noch ist es der “Gerichtsweg” in Deutschland oder gar der Schulweg in Deutschland. Familienkonstellationen und -situationen sind nun mal unterschiedlich, ebenso wie unsere Ängste.
Hier geht’s um meine persönlichen Gründe gegen das Freilernen in Deutschland. Sie sollen dir bei der Entscheidung helfen, was das richtige für deine Familie ist.
Grund 1 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir wollten reisen.
Unsere Pläne zu reisen und auszuwandern sind älter als unsere Kinder. Schon lange bevor wir Eltern wurden, wünschten wir uns nach Irland auszuwandern und die Welt zu sehen. Ich mein, wer träumt da nicht von? Es gab wenig, was uns in Deutschland hielt, außer die Ungewissheit, wie es sein würde, nicht mehr dort zu sein.
Flucht ist nur selten der richtige Weg, weshalb ich niemandem raten würde zu so lange Zeit reisen, der tief in sich drinnen in Deutschland bleiben möchte. Oder vielleicht dann ganz besonders? Das entscheidest du. 😉
Wir sind nicht geflohen, wie uns so mancher mit unfeinen Gedanken nachsagen mag, sondern haben die Schulpflicht als zeitlichen Anlass genommen, endlich unsere Reisepläne umzusetzen.
Grund 2 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir waren kigafrei in Deutschland.
Wir hatten eine besonders schöne, kigafreie Zeit. Beide Kinder sind ohne Kita oder Kiga aufgewachsen. Wir trafen uns regelmäßig und häufig mit anderen kigafreien Kindern und es fehlte uns an nichts. Warum ist das dann ein Grund gegen das Freilernen in Deutschland, fragst du dich?
Der Kindergarten ist in Deutschland größtenteils nicht verpflichtend und so war es für uns kein Problem in der großen Stadt, in der wir zu dem Zeitpunkt lebten, andere Familien ausfindig zu machen, die sich ebenfalls auf ein Leben ohne Fremdbetreuung eingerichtet hatten.
Doch wie es so ist, befreunden sich meine Kinder auch mit anderen Kindern, die in Kita & Schule gehen, was mich natürlich ebenso gefreut hat. Unschön daran war, dass diese Kinder so gut wie nie Zeit hatten zu spielen. Ob Schule, Hausaufgaben, Ballettunterricht oder nach dem Kiga noch in den Hort: Vor 17 Uhr kam kaum ein Kind zum freien Spielen raus im Sommer. Im Winter auch mal gar nicht.
Mir schwante bereits, dass es schwierig werden könnte, Sozialkontakte an einem Ort zu erhalten, die mehr Zeit hatten, wenn der Großteil zur Schule ging.
Dazu kam, dass viele der kigafreien Familien, die anfangs noch sehr viel vom Freilernen hielten, “kurz vor Schluss”, also zum Ende der Kindergartenzeit hin einen Rückzieher machten und ihre Kinder wie gehabt einschulten. Sie waren, anders als du, nicht an anderen Wegen interessiert, die ihnen das Freilernen trotzdem ermöglichten.
Grund 3 gegen das Freilernen in Deutschland: Mein Kind soll sich nicht “falsch” fühlen.
Freilernen in Deutschland ist illegal. Aus diesem Grund läuft einiges “unterm Radar” ab.
Viele Familien berichten z. B., sie lassen ihre Kinder vormittags nicht raus zum Spielen, weil es einfach zu viele unbeteiligte Menschen neugierig macht. Selbst dann nicht, wenn sie offen mit der Tatsache umgehen, dass sie in Deutschland freilernen und sich mit sämtlichen Behörden und Gerichten deshalb auseinandersetzen. Denn egal, was man auch tut: Kinder im schulpflichtigen Alter am Vormittag gehören aus Sicht der Deutschen vormittags nicht in die Öffentlichkeit.
Ist dir mal aufgefallen, dass Erwachsene keine Gesprächsthemen haben, wenn sie mal in die Situation kommen und mit einem fremden Kind sprechen? Außer eins: Schule.
Schon in der kitafreien Zeit musste ich erfahren, wie nervig und grenzüberschreitend es sein kann, wenn meine Kinder an der Supermarktkasse vormittags regelmäßig gefragt wurden “Musst du heute gar nicht in den Kindergarten?” oder auch kurz bevor sie schulpflichtig geworden wären “Musst du denn grad gar nicht in der Schule sein”?
Für meine Kinder ist es nach wie vor unverständlich, wie man die längste Zeit des hellen Tages in einem Gebäude verbringen muss, aus dem man nicht raus darf und in dem man nicht tun darf, was man mag, weshalb sie diese Fragen sehr irritierten.
Ich für meinen Teil möchte, dass meine Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in denen sie nicht die “Komischen” sind, die “anders” oder „nicht richtig“ sind, sondern wo es als normal betrachtet wird, dass man auch schon morgens um halb 9 gemeinsam draußen spielen kann.
Grund 4 gegen das Freilernen in Deutschland: Unterwegs ist Bildung vermitteln leichter.
Tatsächlich empfinde ich es so: Halten wir uns länger an einem Ort auf, wird dieser Ort “bekannt” und es gibt nicht mehr so viel Neues zu entdecken. Durch unsere Reisen ist ständig Neues hinter jeder Ecke: Neue Menschen, neue Orte, neue Geschichte, neue Flora und Fauna, neue Kultur usw. Es ist durch das Reisen so einfach, neuen Input zu finden, der die Kids neugierig hält.
Natürlich ist es auch ohne Reisen möglich, den Kindern immer wieder Anlass zur Neugier zu geben, keine Frage! Es bedarf nur einfach mehr Planung und Aktion, die beim Reisen automatisch mit drin ist.
Grund 5 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Kultur
Dieser Punkt kam erst auf Reisen hinzu. Denn wenn ich ehrlich bin, wurde ich ja auch durch diese deutsche Kultur geprägt und ich lernte erst auf Reisen bestimmte Denkweisen oder Eigenschaften abzulegen, die wohl als “typisch deutsch” bezeichnet werden.
Bei jedem Deutschlandbesuch fällt mir allerdings aufs Neue auf, wie wenig Lebensfreude viele Deutsche haben und wie viele von ihnen mit einem grimmigen Gesicht durch die Gegend laufen. Die meisten sehen sich als die Opfer ihrer Umstände, als hilflos und ohnmächtig gegenüber dem, was sie eigentlich gerne für ein Leben hätten. Sie haben keine Träume mehr und ackern sich so durch die Jahre, die sie leben nennen.
In einer solchen Kultur, die meist nur am Meckern ist und auf Regeln und Verbote bedacht ist, möchte ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen müssen.
Grund 6 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Justiz
Wie du mittlerweile weißt, ist Freilernen in Deutschland illegal. Auch wenn es manche Familien ganz gut schaffen, sich zu “verstecken” (warum ich das nicht mag, weißt du ja aus Punkt 3), viele von ihnen haben früher oder später mit der deutschen Justiz zu tun.
Bis ich selbst Kinder hatte, dachte ich noch, dass man schon grob was falsch machen müsse (und damit meine ich nicht die simple Schulpflichtverletzung, sondern Kindesmisshandlung oder ähnlich schlimmes), damit man ungerechtfertigterweise richtig ernste Probleme mit der Justiz bekommen konnte.
Seit ich Mutter bin, hat sich mir ein anderes Bild gezeigt. Ob es nun das Thema Schwangerschaftsvorsorge, Geburt, Impfen ja oder nein oder Ernährung ist: Plötzlich will da jemand mitreden, der seine Macht auch ausübt. Spätestens seit 2020 ist es auch dem ein oder anderen mehr aufgefallen, dass Recht haben und Recht bekommen einfach Zweierlei sind.
Wir sind also auch deshalb pro Reisen oder Auswanderung, weil – so traurig es auch klingt – das Vertrauen in die deutsche Justiz fehlt.
Freilernen in Deutschland eine gute Idee?
Die Gründe für mich gegen das Freilernen in Deutschland sind so vielfältig und sicherlich gibt es noch ein paar mehr, jedoch müssen es nicht deine sein. Wir treffen alle Entscheidungen aufgrund von Vermutungen, Erfahrungen oder unserer eigenen Werte.
Möchtest du trotzdem freilernen in Deutschland, dann wende dich für Unterstützung und mehr Informationen an den bvnl.de, den Bundesverband Natürlich lernen e.V.
Hast du dich gegen das Freilernen in Deutschland entschieden oder dafür? Welche Erfahrungen hast gemacht (ich freue mich auch über positive in Deutschland) ?