Sozialisation. Schwere erfüllt den Raum, wenn dieses Wort fällt. Und vor meinen Augen flimmert immer wieder die selbe Schlüsselszene aus den Kleinkindjahren meiner Tochter auf:
Schluchzend und weinend kommt meine Tochter zu mir gerannt. Sie ist drei Jahre alt und ihre Welt ist grad erschüttert worden.
„Sie hat gesagt, sie ist nicht mehr meine Freundin!“, schluchzt sie voller Unverständnis über die Aussage eines Nachbarkindes. „Was ist denn passiert?“, frage ich und streichle ihr über die blonden Locken. Das Mädchen, das bis eben noch ihre Freundin war, wollte mit dem Lieblingsstofftier meiner Tochter spielen. Meine Tochter war aber nicht einverstanden. Und zack fiel dieser Satz, der alles für meine Tochter veränderte und mir sofort Ben Harpers Song „Welcome to the cruel world“ in den Kopf spielte.
Es sollten in den darauffolgenden Jahren noch viele ähnliche Situationen folgen. Auch mein Sohn musste dieselbe Erfahrung machen und es hat ihm ebenso den Boden unter den Füßen entrissen, wie vor vielen Jahren meiner Tochter. Auffällig war damals, dass diese Sprüche (psychische Gewalt in Form von emotionaler Erpressung) in erster Linie von Kindern kamen, die einen Kindergarten oder die Schule besuchten. Befanden wir uns in kleinen Kreisen unter anderen kiga- und schulfreien Kindern (Kinder, die keinen Kindergarten oder Schule besuchen -> Freilernen – Weg in die Freiheit), blieben diese Situationen meist aus oder waren zumindest sehr selten.
Ich betrachte hier das breite Feld der Sozialisation nicht in jedem einzelnen Aspekt, sondern ganz besonders in Hinblick auf Konfliktverhalten 3- bis 10-jähriger Kinder. Der Bereich, der am häufigsten dazu führt, dass ein Kind als „schlecht sozialisiert“ abgestempelt wird.Übrigens der selbe Bereich, der gemeint wird, wenn die unüberlegte Behauptung aufgestellt wird, dass Freilerner eben diese Sozialisation nicht erfahren, gerade weil sie keine Schule besuchen. Schauen wir uns das doch mal genauer an.
Sozialisation: Du bist der Durchschnitt deines Umfeldes.
Was ich hier nicht ausdrücken will, ist, dass Kinder, die Einrichtungen besuchen, schlechte Menschen seien. Das vorweg, auch wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Was ich aber aus meinen Beobachtungen über die letzten Jahre schließe und was ich auch mein gesamtes Leben über selbst erfahren habe, ist:
„Du bist der Durchschnitt der Menschen, mit denen du dich selbst umgibst.“
Kinder – nicht nur in Kindergarten und Schule – können sich ihr Umfeld nicht selbst aussuchen und haben deshalb auch nicht viel Einfluss auf ihre Entwicklung und Sozialisation. Es liegt an ihren Eltern, Lehrern, Bezugspersonen und Betreuern, ob und wie sie lernen mit Konfliktsituationen umzugehen. Denn auch wenn es immer heißt, dass Kinder andere gleichaltrige Kinder brauchen für eine gute Sozialisation, so können sie doch nicht viel von ihnen lernen, wenn es um Konflikte geht – ohne nachahmenswerte Vorbilder und Hilfsangebote.
Sozialisation: Von wem wir lernen.
Wir lernen von Menschen, die auf dem Gebiet, auf dem wir lernen wollen, bereits weiter sind als wir selbst. Wir lernen aus Beobachtung, Nachahmung, Ausprobieren und möglicher aktiver Hilfestellung, indem wir Hilfe suchen – weil sich ein Konflikt nicht unbedingt gut in uns anfühlt. Bei Gruppen von Gleichaltrigen wird das eher schwierig, daher sind „erfahrenere“ Menschen für die Sozialisation unausweichlich, um alternative Lösungswege zu erlernen. Das können auch einfach ältere Kinder sein, nicht notgedrungen Erwachsene oder „professionelle Erwachsene“ (aka Lehrer/Betreuer).
Daraus ergibt sich für mich die umgekehrte Frage: Sind Kinder, die in gemischten Gruppen aufwachsen wie Freilerner, also i.d.R. ohne Schule und Kindergarten besser/weiter sozialisiert als Kinder, die den Hauptteil des Tages in Einrichtungen mit Gleichaltrigen verbringen?
Sozialisation: Sind Freilerner besser sozialisiert als Schulkinder?
Freilerner zum Beispiel: Viele von ihnen leben nicht in Gruppen von Gleichaltrigen, sondern haben nicht selten Sozialkontakte jeden Alters. Ein großer Teil der Freilerner-Community schreit jetzt sicherlich direkt „Ja, natürlich sind sie besser sozialisiert!“ und ich bin geneigt mit in diesen Jubelschrei einzustimmen. Doch etwas hält mich auf. Da kriechen unschöne Erinnerungen in mir hoch. An Treffen mit so manch einer reisenden Familie, die ich mir und meinen Kindern gern erspart hätte.
Und wieder: Ich spreche hier nicht von „schlechten Menschen“ oder „bösen Kindern“. Ich spreche von jungen Menschen, die sich und verschiedene Verhaltensweisen ausprobieren bis sie für verschiedene Situationen für sich selbst angenehme Strategien gefunden haben, um ihre Konflikte zu lösen. Dass diese nicht immer sozial verträglich sind, muss ich wohl niemandem mit Kindern erklären. Es ist wie alles ein Prozess.
Manche dieser Familien waren erst frisch raus aus Schule und Kindergarten und fielen uns durch das für uns schultypische Verhalten auf. Die Eltern, jedoch keinesfalls alle, waren meistens zugewandt und begleiteten ihre Kinder in der Umstellung, sprachen mit ihren Kindern über die Konflikte und boten ihnen Hilfe bei der Lösung an.
Denn das ist es, was das Erlernen von positivem, sozialem Konfliktverhalten ausmacht:
Unsoziales Verhalten als solches überhaupt erkennen (das fehlt aus meiner Sicht schon bei vielen, weil kaum ein Elternteil vor anderen Eltern zugeben will, dass das eigene Kind sich auch einfach mal scheiße unsozial verhält),
es (sich und dem Kind) bewusst machen, z. B. indem es darauf angesprochen wird und
mögliche Handlungsalternativen aufzeigen, ermutigen diese auszuprobieren.
Und das ganze immer und immer wieder. Manche Kinder brauchen das nur einmal, andere über viele Jahre wiederkehrend. Und das ist okay so. Wichtig ist nur, dass es überhaupt kommt, dass die Kinder nicht allein gelassen werden in Situationen, die sie noch gar nicht selber lösen können. Einfach deshalb, weil ihnen die Handlungsalternativen noch fehlen.
Die falsch verstandene Ja-Umgebung
Und dann kommen Erinnerungen hoch an Treffen mit Familien, deren Kinder wie meine noch nie eine Einrichtung besucht haben. Familien, die sich genau wie wir Freiheit auf die Fahnen geschrieben haben. Aber auch Familien, die ihren Kindern eine Ja-Umgebung erschaffen wollen, in der es kein einziges Nein zu finden gibt.
Die Ja-Umgebung: Häufig taucht dieser Begriff auf, wenn Babys mobil werden. Ihre Umgebung wird so gestaltet, dass sie nicht an Dinge drankommen, an die sie nicht drankommen sollten. So wird selten ein „Nein“ notwendig. Mittlerweile höre ich diesen Begriff auch bei Familien mit älteren Kindern häufiger, wo er gerne grob mit „Kindheit in Freiheit“ gleichgesetzt wird und dem Kind ein möglichst freiheitliches Aufwachsen, eigene Erfahrungen machen, Freilernen, etc. ermöglicht werden soll.
So sehr ich diese Prinzipien des freiheitlichen Aufwachsens befürworte, so sehr ist mir wichtig herauszustellen, dass eine solch freie Umgebung nicht die Abwesenheit des Neins ist:
Es handelt sich nicht um Freiheit,wenn Eltern durch ihre eigene Abwesenheit (physisch oder geistig) glänzen!
Nicht, wenn ihre Kinder mit Äxten und Sägen durch die Gegend laufen und damit auch andere Kinder bedrohen,
Nicht, wenn andere Kinder an einen Baum gefesselt werden, warum auch immer,
Nicht, wenn ihre Kinder psychische Gewalt (z. B. Emotionale Erpressung, Manipulation, Ausgrenzung) anwenden, um ihre Ziele zu erreichen,
Nicht, wenn ihre Kinder in ihrer Familie alleine bestimmen und die Eltern sich dem anpassen.
Das hier sind keine ausgedachten Beispiele. Das sind Erlebnisse, die wir und andere uns bekannte Familien mit anderen freilernenden Kindern und Familien gemacht haben. Aber keinesfalls nur mit ihnen.
Wir erleben, wie diese Eltern sich dafür feiern, wie frei ihre Kinder aufwachsen dürfen, während sie als Eltern aber nicht da sind, um ihren Kids Handlungsalternativen aufzuzeigen, wenn sich diese in Konfliktsituationen befinden, die sie noch nicht positiv für alle Beteiligten selber lösen können.
Leider ist es das, was ich beobachte: Aus falsch verstandener Freiheit heraus werden Kinder sich und ihren Konflikten selbst überlassen, damit sie lernen diese alleine zu lösen. Und das tun sie auch. Sie lösen ihre Konflikte. Aber eben auf nicht sehr soziale Art und Weise.
„Kinder sind halt grausam.“?
Es wird erpresst, gelogen, manipuliert. Aber nochmal: Diese Kinder sind nicht falsch. Sie haben nur noch keine sozialverträglicheren Strategien zum Lösen von Konflikten erlernt. Weil sie möglicherweise kein Umfeld haben, das ihnen in diesen Situationen zur Seite steht. Oder weil sie – selbst mit passendem Umfeld – einfach Zeit brauchen, um alternative Handlungswege auch tatsächlich abrufen zu können und auszuprobieren. Sie ahmen das von Anderen nach, was schnell funktioniert und leicht wirkt und das ist eben nicht selten psychische oder körperliche Gewalt. Die Intention ist nicht zu verletzten, das dürfen wir nicht vergessen.
Hier handelt es sich natürlich nicht „nur um freilernende Kinder“ oder „nur um Schulkinder“. Fehlgeschlagene Konfliktlösungen zieht sich durch alle Gruppen.
Sind diese Kinder gut sozialisiert? Nein, Sozialisation ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert. Sollten sie es sein? Nicht unbedingt, denn nicht jeder Aspekt von „guter Sozialisation“ ist tatsächlich auch für alle wünschenswert und in jeder Altersklasse zu erwarten. Haben sie eine Chance es zu werden? Ja, mit zugewandten Eltern und/oder Bezugspersonen, die insbesondere psychische Gewalt nicht übersehen, weil man diese Narben nicht sehen kann. Psychische Gewalt kann in Einrichtungen wie Schule und Kindergarten kaum aufgefangen werden.
Wir fragen uns, warum viele junge Menschen psychisch krank aus der Schulzeit ins Berufsleben einsteigen oder warum so manch „erfolgreicher“ Mensch so skrupellos handelt? Unter Anderem mit Sicherheit, weil sie entweder selber psychischer Gewalt ausgesetzt waren oder aber diese geschickt angewandt haben, um ihre Ziele zu erreichen.
Mein Fazit
Nein, Freilerner erfahren nicht automatisch eine bessere Sozialisation als Schulkinder, weil sie Freilerner sind. Sie alle stecken im selben Prozess.
Freilerner und andere Kinder, die nicht in Gruppen von Gleichaltrigen den Großteil des Tages verbringen, können unter Umständen die besseren Chancen haben, da sie nicht wie Schulkinder oft täglich Zwang, Druck, Angst oder psychischer/körperlicher Gewalt durch Mitschüler bis in hohe Klassenstufen ausgesetzt sind. Eine gute Sozialisation geht jedoch vom engen Umfeld der Kinder aus. Dann, wenn sie – egal ob Schulkind oder Freilerner, Familie und Freunde haben, die sich ihres eigenen Einflusses auf die soziale Entwicklung wirklich bewusst ist, ohne Vernachlässigung mit Freiheit zu verwechseln oder Schule mit Sozialisation gleichzusetzen.
Denn wir sind alle nur der Durchschnitt unseres engsten Umfeldes.
Am Montag beginnt die Schule wieder und die Sommerferien sind vorbei. Mein Kind freut sich schon richtig drauf!😊“
So oder so ähnlich heißt es stets pünktlich zum Ferienende von glücklichen Eltern. Oft bin ich mir nicht sicher, ob sie tatsächlich von ihren Kindern sprechen oder lediglich darüber, dass sie selbst als Eltern froh sind, wieder einem „normalen“ Alltag nachgehen zu dürfen. Ohne Ferienbetreuung und Urlaub nehmen.
I mean… like… seriously?!
Das Märchen um die Liebe zur Schule
Sommerferien rum und überall erleichterte Kinder, die eeendlich wieder in die Schule dürfen. Verrückt. Hat sich das deutsche Schulsystem so gravierend verbessert, dass die Kinder danach lechzen wieder in die Schule zu dürfen? Wann ist das passiert und warum hab ich davon nichts mitbekommen?
Und ich meine wirklich auf die Schule freuen… so mit allem drum und dran, was zum Schulalltag dazu gehört. Oder sind es die Eltern, die das gerne so verstehen?
„Yeah, mein Kind freut sich auf die Schule, wir haben alles richtig gemacht!“
Warum gibt es Bedarf bei den Eltern, diesen Satz auf sämtlichen Social Media Platzformen droppen zu lassen? Eltern, die freudig verkünden, ihre Kinder freuten sich schon übelst auf die Schule und könnten es kaum erwarten, morgens total übermüdet ins Klassenzimmer zu schlurfen.
Unwahrscheinlich.
Nein, ich glaube kaum, dass sich irgendein Kind auf den Schulbesuch freut. Spricht man mit den Kindern, dann freuen sie sich auf bestimmte Aspekte, die lediglich im Rahmen der Schule stattfinden, aber nicht exklusiv dem Schulbesuch vorbehaltensind.
Worauf sind Kinder nach den Ferien wirklich freuen
Einige Aspekte können sein:
Freunde: die Ferienzeit vergeht für viele Kinder mit Familienurlaub (ohne Freunde) und den Nachbarskindern. Die besuchen aber nicht immer auch die gleiche Schule oder Jahrgangsstufe. Schulfreunde können auch mal im nächsten Dorf wohnen und das tägliche Treffen bleibt daher in der Ferien oft aus. Vorfreude auf das regelmäßige Treffen der Freunde in den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden.
Beschäftigung: Viele Kinder haben nie gelernt, sich selbst zu beschäftigen. Spätestens ab dem Kindergarten bekommen sie vorgegeben, was zu tun ist, ob durch Erwachsene oder andere Kinder. Schulkinder freuen sich auf das Gewohnte und darauf, sich nicht mehr ständig selbst um Beschäftigung/Unterhaltung/Input kümmern müssen. Das ist nämlich anstrengend und es ist einfach eine Erleichterung für den Kopf, zu wissen, wie der Tag ablaufen wird und dass Input von außen kommt.
Lob: Bestätigung durch Lehrkräfte fühlt sich für viele Kinder gut an. Sie haben schon früh durch Kindergarten, Umfeld etc. gelernt, ihren eigenen Selbstwert an ihre erbrachten Leistungen zu koppeln. Bewertung, Lob und Tadel in der Kindheit führen dazu, dass die Menschen auch noch im Erwachsenenalter mit ihrem Selbstwert zu kämpfen haben und permanent danach streben, besondere Leistungen zu erbringen. Schulkinder freuen sich unbewusst darauf, dass ihr Selbstwert wieder durch tägliche Bewertung und daraus möglicherweise resultierendem Lob gepusht wird.
Diese drei Punkte sind sicherlich noch zu ergänzen, z. B. mit Szenarien, in denen die Kinder in gewalttätigen Familien leben und froh darüber sind, ihr Haus zumindest zeitweise verlassen zu können. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind nicht exklusiv mit der Schule verwoben. Freundschaften sind nicht exklusiv Schulkindern vorbehalten. Zugewandte Menschen, um dem Elternhaus zu entfliehen, findet man auch anderswo. Der Wunsch nach Beschäftigung und das Streben nach Lob sind ebenso außerhalb des Schulumfeldes umsetzbar, wobei ich diese Aspekte als negativ betrachte und ich es fraglich fänd, wenn die Erfüllung dieser durch die Eltern bewusst veranlasst wird.
Worauf sich Kinder nach den Ferien wirklich nicht freuen
Was macht unser heutiges Schulsystem überhaupt aus? Welche Aspekte lassen sich denn nur der Schule zuordnen und findet sich nur schwer in anderen Kontexten?
Vier Punkte, ohne die das heutige Schulsystem nicht funktionieren würde:
Alles findet unter Zwang statt, es gibt keine vorgesehene, echte Wahl- oder Ausstiegsmöglichkeit
Bewegungs- und Kommunikationseinschränkung: möglichst still neben seinen Freunden zu sitzen, aber nicht frei mit ihnen interagieren zu dürfen (je nach Schulform auch mal weniger gravierend)
Im vorgegebenen Rahmen sich täglich unter obigem Zwang mit Themengebieten zu befassen, die nicht immer den eigenen Interessen entsprechen.
Bewertung & Beobachtung: permanent unter Beobachtung zu stehen, bewertet zu werden & Leistungen zu erbringen, die für den jungen Menschen selbst meist ohne Bedeutung sind, aber großen Einfluss auf die Zukunft des Menschen haben können
Diese vier Punkte zeichnen die Schule aus und finden sich kaum in einem anderen Umfeld wieder. Sie sind von der Institution Schule, wie wir sie heute in Allgemeinen kennen, nicht zu trennen.
Alles andere, das in der Schule passiert, kann auch woanders, in anderen Kontexten, an anderen Orten und unter anderen Bedingungen passieren. Gehört also nicht exklusiv zur Schule. Die Punkte, die Schule ausmachen, finden sich nicht woanders wieder. Allerdings mit einer Ausnahme und das sind Gefängnisse.
Kein Kind geht also gerne in die Schule um der Schule selbst willen. Diese vier Punkte sind es, die die Kinder als miesen Beigeschmack einfach hinnehmen und nicht hinterfragen, damit sie ihre obigen Wünsche nach Freundschaft, Lob und Input etc. erfüllt sehen!
Nicht selten ist es auch der Fall, dass sich die Schulkinder gar nicht darüber bewusst sind (meist so von Eltern und Lehrkräften gewollt), dass es Alternativen zur Schule gibt. Diese Kinder mögen zwar sagen, dass sie gern zur Schule gehen, mit allem drum und dran, doch geschieht das aus dem Nichtwissen heraus, dass es Alternativen gibt.
Sie haben den Schulbesuch als „da muss jeder durch“ abgespeichert, als nicht diskutierbare, dem Leben inhärente (also unausweichlich zum Leben gehörende) Phase oder Gegebenheit auf dem Weg des Erwachsenwerdens.
Denn einige der Sätze, die Schulkinder oft durch Eltern und Lehrkräfte verinnerlicht haben sind:
Ohne Schule bleibt man dumm.
Kinder, die nicht in die Schule gehen, sind arm dran (gerne werden hier „arme Kinder in Afrika“ als Totschlagargument angeführt).
Wer nicht in die Schule geht, gehört einer fanatischen Religionsgemeinschaft an.
Die Schule ist ein Ort der Bildung, die anderswo nicht stattfinden kann.
Schule ist unausweichlich, um ein klug zu werden.
Wir haben so ein Glück, dieses Schulsystem zu haben.
Ich brauche professionelle Hilfe (Lehrkraft), um etwas zu lernen.
Niemand kann all den Stoff alleine zuhause lernen. Woher sollte man auch wissen, wie?
u.v.m.
Ganz besonders ist dies in Deutschland der Fall, da hier die Schulpflicht Ausmaße annimmt, die in anderen Ländern so kaum bekannt sind. So wird das je nach Schulform vorkommende Stillsitzen, nicht mit Freunden frei interagieren zu können, sich mit Themen beschäftigen müssen, die einen nicht interessieren und weitere in Kauf genommen und nicht weiter hinterfragt. Würde man diese Kinder auf genau die Punkte ansprechen (nicht nur einmal, sondern sich intensiv damit beschäftigen), so würde herauskommen, dass die Kinder nicht glücklich mit diesen Aspekten des Schulalltags sind.
Das kritische Nachfragen können sich wiederum nur Eltern leisten, die selbst offen sind, andere Wege zu gehen. Eltern, die keine anderen Wege gehen wollen, werden diese Fragen nicht stellen (Stichwort: „einen Floh ins Ohr setzen“).
Was wir Eltern gern verstehen wollen
Wir Eltern neigen dazu, Situationen, die wir meinen nicht ändern zu können („Es muss doch jedes Kind zur Schule gehen…!“), uns selbst und anderen schön zu reden. Wir interpretieren dann einfach mehr in die Aussagen unserer Kinder über den ach so schönen Schulbesuch hinein, als unsere Kinder uns damit eigentlich mitteilen wollen.
Passiert dir das auch manchmal? Ich bin auch nicht frei davon und überprüfe Aussagen meiner Kinder, über die ich mich besonders freue oder die mir dolle missfallen sehr kritisch und hake nochmal nach, damit ich auch wirklich nichts interpretieren muss.
Ich bitte dich einmal bewusst für dich selbst zu überprüfen, ob die obige Aussage, dass dein Kind gerne beschult wird, eine Tatsache oder lediglich deinem natürlichen Wunsch geschuldet ist, dass es ihm gut geht und du seine Zustimmung gerne auf den gesamten Schulbesuch beziehen möchtest und nicht nur auf einzelne Aspekte.
Schulanfang: „Jetzt gehörst du zu den Großen!“
Kennst du noch diesen Satz? Ich erinnere mich noch zu gut, wie mir selbst dieser Satz erst im Kindergarten, dann in meiner Familie und auch am Tag meiner Einschulung und danach noch von allen Seiten entgegen schallte. Als Schulkind gehöre ich nun zu den Großen. Das ist etwas, das sich wohl die meisten Kinder wünschen. Groß sein. Machen dürfen, was Erwachsene so machen. Freiheit. Und was bekommen unsere Kinder in den Schulen dann letztendlich? Keine Freiheit, noch mehr Eingrenzung, aber immerhin nennen wir sie jetzt „groß“. Um es frei heraus zu sagen: Nur weil wir etwas immer und immer wiederholen, wird es nicht wahr.
Was jedes Jahr in vielen Familien, Kindergärten und Schulen abläuft ist krasse Manipulation, die notwendig(!) ist, um Kindern die Schule erst schmackhaft zu machen. Sie werden mit allem möglichen gelockt. Vom Märchen des „großen Schulkindes“ zu der „Zuckertüte“, dem gemeinsamen Essengehen am Tag der Einschulung, Omas und Opas zu Besuch und weiteren Geschenken. Wäre die Schule ein Ort, an den man wirklich gerne hingehen würde, so wäre dieses große Tamtam schlichtweg überflüssig. Es wäre Freude genug hingehen zu dürfen, so wie es viele Kids lieben in einen Freizeitpark zu gehen. Oder feierst du dein Kind vor dem Besuch des Freizeitparks auch mit Süßigkeiten und Geschenken, weil es jetzt endlich groß genug ist, um die Achterbahn zu fahren?
Wohl kaum. Dieses TamTam wird veranstaltet, weil wir tief in uns drinnen wissen, dass die Schulzeit nicht geil sein wird. Wir wollen unserem Kind, solange es uns möglich ist, eine Party daraus machen. Wir wollen, dass es Schule mit positiven Dingen verknüpft, bevor es selber merkt, dass Schule all das eben nicht ist. Wir wollen es ihm damit leichter machen. Weil wir es lieben und schützen wollen. Und dazu nehmen wir in Kauf es anzulügen.
Recht kurz nach dem Schulstart hören wir dann andere Sätze. Jetzt beginnt nämlich „der Ernst des Lebens“, denn „das ist hier kein Kindergarten!“, „jetzt ist Schluss mit lustig“.
Warum du nicht verallgemeinern solltest
„Aber mein Kind geht gerne zu Schule! Wie soll ich es denn sonst sagen?
Deutlich sinnvoller wäre es z.B. zu sagen:
„Mein Kind freut sich darauf, seine Schulfreunde wieder regelmäßig zu treffen.“
Damit sorgst du aktiv dafür, dass das Bild des Kindes, das die Schule selbst liebt, nicht weiter verbreitet wird. Doch warum ist das nötig? Jedes Mal wenn ein Kind mit „Ja“ auf die Frage antwortet, ob es gern zur Schule geht, stirbt ein Einhornbaby… also fast.
Nein, eigentlich ist es viel mehr so, dass dieses Bild, das noch immer in so vielen Köpfen rumspukt, auf seinen Realitätsgehalt überprüft wird, wenn wir uns genau ausdrücken und nicht die gesamte Institution Schule als Ort der Freude darstellen, wenn sie es doch gar nicht ist.
Wenn wir aufhören zu sagen, dass unsere Kinder gerne zur Schule gehen, wenn sie es doch gar nicht um der Schule selbst willen tun, sondern wegen der anderen Dinge, für die es gar keine Schule braucht, dann geben wir der Schule und den Teilen, für die sie exklusiv steht (Zwang etc.) Macht.
Wir nehmen billigend in Kauf, dass diese Teile existieren und geben ihnen von unserer „allgemeinen Liebe für die Schule“ Liebe ab. Das könnte bildlich gesprochen so aussehen, dass der Zwang sich mit der Liebe zur Schule rühmt, obwohl sie ihm gar nicht zusteht. Eine stille Akzeptanz des Zwangs und seinen Freunden. Damit das nicht passiert, damit wir ihm keine Bühne bieten, auf der er für sich werben kann („Schaut her, die Kinder lieben die Schule, sie lieben mich (den Zwang), ich störe sie nicht, sie wollen das so!“), müssen wir auf unsere Worte achtgeben.
Anders ausgedrückt: Indem du verallgemeinerst und sagst, dein Kind gehe gerne zur Schule, verharmlost du die Aspekte, die Leid verursachen. Und genau diese Aspekte sind es, die Schule erst zu Schule machen. In keinem anderen Umfeld wird von Menschen unter Zwang verlangt sich mit vorgegebenen Themen zu beschäftigen, sich permanent einer Bewertung zu unterziehen u.s.w. All dies verursacht – viel häufiger als uns lieb ist – Schäden, die wir nur mit ganz viel Mühe und manchmal gar nicht mehr reparieren können.
Indem du präzisierst, auf was sich deine Kinder freuen, kannst du verhindern, der Schule Aspekte zuzuschreiben, die gar nicht zur Schule selbst gehören, sondern nur eine Begleiterscheinung darstellen (wie z. B. das regelmäßige Treffen der Freunde, neuer Input etc.). Diese Aspekte sind auch außerhalb der Schule erlebbar und gehören daher nicht exklusiv zum Schulbesuch.
Worte sind mega mächtig. Daher ist das Präzisieren super wichtig, damit der Zwang (um ihn nochmal zu personalisieren für die bildliche Vorstellung) sich nicht mehr mitgemeint fühlen kann. Damit er keine Bühne mehr bekommt und damit er vielleicht sogar als das, was er ist, gesehen und adressiert werden kann.
Denn nur was man auch deutlich erkennen und benennen kann, kann man bekämpfen. Damit er sich endlich auflöst und Kinder freiwillig in die Schule gehen können, sofern sie es wollen, den Rahmen selbst vorgeben können und endlich eine echte Wahl haben.
Sprache ist eine subtile, aber mächtige Artm, um die Welt zu verändern.
Sprache schafft Bilder im Kopf und Bilder führen zu Gefühlen und diese zu Handlungen.
Wenn du mehr über Alternativen lesen magst, dann schau gerne in unserem Beitrag zum Freilernen / Unschooling hinein und finde Antworten auf deine Fragen in unserem großen FAQ Freilernen.
Geht dein Kind gerne zur Schule? Erzähl uns gerne davon in den Kommentaren!
Diese Liste dient interessierten, reisenden, auswandernden und freilernenden Familien dazu, erste Kontakte im jeweiligen Zielland zu anderen Freilernerfamilien aufzubauen und Informationen über das Freilernen vor Ort einzuholen.
Die Liste der Freilernerfamilien wird regelmäßig aktualisiert!
Du hast Lust anderen Freilernerfamilien eine Anlaufstelle zu sein, die in deinem Wohnland reisen oder dorthin auswandern möchten?
Du magst gerne neue Kontakte knüpfen und freust dich über Gleichgesinnte?
Wenn du auch in diese Liste passt (je mehr Freilernerfamilien pro Land, desto besser!), dann schreib mir eine eMail oder in die Kommentare mit den folgenden Informationen:
Dein Wohnland | Dein Name| ungefähres Gebiet wie Provinz, Kreis oder Gemeinde | Ist Freilernen in deinem Land möglich? Ja, Nein, unter Umständen | Unterkunft & mögliche Kosten: Stellplatz, Zelt, Ferienhaus, Zimmer, Keine Möglichkeit | Kontakt
Freilernerfamilien in Europa
England
Natascha Rohde
Birmingham
Freilernen möglich: ja
Unterkunft: Schlafsofa für 2-3 Personen für ein paar Tage, kein Stellplatz
Möglichkeit zum Treffen und Parken mit Wohnmobil: Costești am Fluss (Google Maps Link), Möglichkeit mit Camper zu stehen, Wasser aufzufüllen am Klohäuschen, Baden im Fluss, Essen und Trinken, Wanderungen
Treffe andere Familien auf Freilernertreffen, Camps und Meet Ups weltweit. Wo findet was wann statt? In unserem Veranstaltungskalender findest du alle Termine. Du kennst noch mehr? Schreib sie uns in die Kommentare!
Wenn du neu beim Thema Freilernen oder Homeschooling bist, dann wirst du vielleicht schon ab und zu über den Begriff Deschooling gestolpert sein und dich gefragt haben, was es genau damit auf sich hat. Vielleicht aber hast du auch noch nie was von Deschooling gehört.
Hier gibt’s jetzt die Aufklärung:
Was ist Deschooling?
Deschooling, das „Entschulen“, beschreibt im praktischen Sinne den mentalen Prozess, den ein Mensch durchläuft, wenn das gängige Schulsystem verlassen wird und nun als Freilerner (Unschooler) oder Homeschooler gelernt und gelebt wird.
Doch dieser Prozess betrifft nicht nur diesen einzelnen Menschen, sondern i.d.R. die gesamte Familie, die diesen Menschen begleitet, der nun außerhalb der Institution Schule leben wird.
Der Ursprung des Deschooling und Schulkritik
Der Begriff „Deschooling“ wurde vom Philosophen und Autor des Buches „Deschooling Society“* Ivan Illich geprägt. Das Buch erschien 1971 und entstand aus der 68er-Bewegung, die bereits begann das herrschende Schulsystem zu kritisieren. Andere frühe Kritiker des Schulsystems sind u.a. John Holt, Paul Goodman, Everett Reimer und Ian Lister, die wichtige Werke für alle Interessierten zu bieten haben, ebenso wie die heutigen Kritiker um die Stern-Familie (Arno, Bertrand und André Stern), John Taylor Gatto, sowie der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther.
Die Kritik der damaligen Deschooler am Schulsystem ist heute aktueller denn je. Die Institution Schule vermittelt ungefähr so viel Bildung wie ein Pfarrer akkurater Ansprechpartner für Familien- und Eheberatung sein kann. Denn Vermittlung von Bildung ist gar nicht das vorrangige Ziel der Institution Schule, auch wenn dies als Daseinsberechtigung der Schule eingesetzt wird.
Zu erkennen ist dies recht simpel daran, dass vielerorts keine anderen Bildungswege neben der Schule selbst zugelassen werden und dies zu einer Monopolstellung der Institution Schule führt, die über weitere Bildungswege und Berechtigungen entscheidet.
Kinder werden ab einem bestimmten Alter der Indoktrination der Regierung, die grad an der Macht ist, ausgesetzt, ohne die Möglichkeit nach links und rechts zu blicken. Schule ist somit immer politisch. Die Mehrheit der Menschen, die sie durchlaufen, werden von ihr zu Menschen gemacht, die geführt werden müssen, während einige wenige ausgebildet werden, um diese zu führen.
Doch hier soll es nicht vorrangig um die Kritik am Schulsystem gehen. Bist du daran interessiert: Hier findest du unsere Gründe für’s Freilernen und so einige Kritikpunkte am Schulsystem des Autoren Ian Lister.
Weiter geht’s mit dem Deschooling heute:
Der Prozess des Deschooling heute
Heutzutage meint Deschooling in der Praxis den Prozess, der durchlaufen wird, wenn ein Mensch das klassische Schulsystem verlässt. Vom Schooling („beschult werden“) führt nur der Weg über das Deschooling („sich entschulen“) zum Unschooling (Freilernen) oder manch freiere Art des Homeschooling (Heimunterricht).
In der Praxis geht diese Phase des Übergangs oft mit vermeintlicher Strukturlosigkeit, Langeweile und Schwierigkeiten sich in die neue Situation einzugewöhnen einher. Das liegt daran, dass ein beschulter Mensch, der es von kleinauf an gewohnt war,
gesagt zu bekommen, was er zu tun hat,
dem ein Rahmen gesteckt wurde und
der nicht selber wählen durfte, womit er sich beschäftigt,
häufig anfangs von der neuen Freiheit überfordert ist.
Je nach Dauer der Beschulung, Alter des Menschen und Persönlichkeitstyp kann diese Phase von einigen Monaten über mehrere Jahre andauern.
Das Deschooling ist abgeschlossen, wenn der Mensch aus sich selbst heraus gelernt hat, sich eine eigene Struktur zu geben (die nicht mit den Ansichten anderer übereinstimmen müssen, was eine gute Struktur ist!), das schulische Denken verlernt hat und in der Lage ist, sich selbstbestimmt zu bilden.
Deschooling in der gesamten Familie
Deschooling betrifft allerdings nicht nur den (meist jungen) Menschen, der aus dem beschulten Leben ausbricht, sondern sein gesamtes Umfeld, insbesondere die engsten Bezugspersonen wie die eigene Familie.
Durchlaufen die Eltern nur in der Theorie diese Phase, also kritisieren sie eventuell das Schulsystem, zeigen aber nicht in ihrem Alltag, dass sie Vertrauen in ihren neuen Weg und ihre Kinder haben, so werden sie selbst zum häufigsten Fallensteller für ihre eigenen Kinder.
Wenn sich Eltern dazu entscheiden, dass ihre Kinder niemals eine Schule aus Zwang besuchen sollen, dann mögen diese Kinder den Prozess des Deschooling nicht nötig haben.
Die Eltern, die selbst noch beschult wurden, durchlaufen das Deschooling aber trotzdem, da auch sie erstmal Vertrauen in sich und ihre Entscheidung gewinnen müssen. Die neuen Freiheiten weit weg vom durchschnittlichen Familienalltag beschulter Familien müssen erst in ihren Familienalltag integriert werden, um ihren Kindern (und sich selbst!) das Umfeld zu erschaffen, das diese benötigen, um sich optimal zu entwickeln.
Eltern, die sich selbst noch im mentalen Prozess des Deschooling befinden, neigen dazu:
die Leistungen ihrer Kinder mit denen beschulter Kinder zu vergleichen (insbesondere in den ersten Jahren, wenn den Eltern oft Lesen, Schreiben, Rechnen von vorrangiger Wichtigkeit ist),
zu versuchen, dem Kind einen Weg vorzugeben, indem sie z. B. meinen zu wissen, was wichtig für das Kind zu wissen ist, wann es mal „mehr tun“ sollte,
mehr zu erklären, als vom Kind gefragt wird, was dazu führt, dass das Kind belehrt wird und in der Folge weniger fragt, weil es zu viele für es selbst irrelevante Informationen „um die Ohren gehauen“ bekommt,
sich selbst nicht für „gut genug“ zu halten und zweifeln deshalb, ob sie ihre Kinder optimal begleiten können.
Insbesondere der letzte Punkt erinnert mich an folgendes Zitat:
„Don’t question your ability to teach your child. Question putting your child into the same system that left you feeling incapable of teaching your child.“ – Unbekannt
„Stelle nicht deine Fähigkeit in Frage, dein Kind zu begleiten. Stelle in Frage dein Kind in das selbe System zu stecken, das dich fühlen/glauben lässt, dass du unfähig bist dein Kind zu begleiten.“
Ich mag an dieser Stelle teaching mit begleiten und nicht mit unterrichten übersetzen, da wir als Freilerner eben nicht unterrichten. Dem Kern der Aussage tut dies aber keinen Abbruch.
Stellst du einen dieser Punkte bei dir fest (das tun wir wohl alle dann und wann mal), dann lass dich nicht davon entmutigen, sondern arbeite verstärkt an deinen Zielen und übe zu vertrauen. Vertrau dir selbst und vertrau deinen Kindern. Nichts einfacher (oder schwieriger) als das.
„Alles was ich in diesem Buch sage, kann in zwei Worten zusammengefasst werden:
Vertraut Kindern.
Nichts könnte einfacher oder schwieriger sein. Schwierig, weil wir, um unseren Kindern zu vertrauen, erst lernen müssen uns selbst zu vertrauen, obwohl die meisten von uns als Kinder lernten, dass man uns nicht trauen könne.“
„All I am saying in this book can be summed up into two words: Trust children. Nothing could be more simple, or more difficult. Difficult because to trust children we must first learn to trust ourselves, and most of us were taught as children that we could not be trusted.“ – John Holt aus „How Children Learn“*
Als selbst beschulter Mensch habe ich anfangs all die Dinge getan und gedacht, von denen du grad gelesen hast. Das fängt schon vor der Schulzeit an, wenn wir unsere Kinder insgeheim vergleichen, z. B. wenn es darum geht, wann ein Kind zu laufen beginnt oder sprechen lernt.
Was mir massiv geholfen hat, in diesen Prozess voranzukommen, war die Gründung meines eigenen Online Business. Ob jetzt online oder nicht, die Gründung eines Unternehmens ist immer Persönlichkeitsentwicklung und du kommst nur so weit, wie du bereit bist dich zu entwickeln.
Hier war ich plötzlich auf mich selbst gestellt. Niemand mehr, der mir sagte, was ich wann zu tun habe, was der richtige Weg ist und woher ich mein Wissen beziehen soll.
Indem ich diesen Schritt gegangen bin, lernte ich mich selbst wirklich zu strukturieren, selbstbestimmt zu lernen, was ich brauchte und verantwortungsvoll und überlegt meine Entscheidungen zu treffen.
Bist du daran interessiert, einen Weg zu finden, wie du das Leben als Freilernerfamilie finanzieren kannst, so dass du selbstständig und unabhängig von einem Ort Geld verdienen kannst?
Dann vertreib dir die Zeit mit der Vagabundenpost, in der du regelmäßig Wissenswertes & Neuigkeiten auch zum ortsunabhängigen Arbeiten erhältst und immer wieder kleine Guides, Checklisten oder Anleitungen. Gerade jetzt kannst du dir meine Online Business Roadmap sichern. Das ist dein Wegweiser durchs Online Business, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, so dass du immer weißt, wo du auf deiner Online Business Reise stehst und welche Schritte du möglicherweise noch nachholen willst.
Ein Campingplatz irgendwo in Rumänien. Es ist Sommer.
Was unser Alltag ist (wir sind zum Wäschewaschen auf diesem Platz gelandet), ist der Urlaub vieler anderer Menschen, denen wir begegnen. Nicht selten treffen wir auch hier auf andere Deutsche, die nach den ersten Minuten schon feststellen, dass wir nicht zu den üblichen Urlaubern gehören. Unweigerlich werden die Fragezeichen größer, wenn das Thema Schule bzw. Unschooling/Freilernen auftaucht. Auch heute wieder. Inspiriert von diesem wirklich guten Gespräch entsteht nun unser FAQ zum Freilernen / Unschooling.
Ein paar der immer wiederkehrenden Fragen von unseren (teilweise) irritierten, aber interessierten Mitmenschen oder besorgten Familienmitgliedern für euch beantwortet:
Häufigste Sorgen zum Freilernen:
Wie lernen Freilerner, wenn sie keine Schule besuchen?
Sehr häufig begegnet mir der Glaubenssatz, dass Lernen und Bildung nur in Schulen stattfinden kann. Ich fordere dich heraus, diesen Glaubenssatz abzulegen.
Was Freilernen wirklich ist:
Lernen kann höchst individuell aussehen und ist nicht an einen Ort gebunden.
Lernen bedeutet nicht Hefte aufzuschlagen und Übungen nach Vorgabe darin zu machen.
Es ist unmöglich nicht zu lernen.
Lernen ist Spiel.
Das Leben ist Lernen.
Menschen kommen schon neugierig und wissbegierig auf Welt und nehmen in jungen Jahren alles auseinander und ahmen ihre Bezugspersonen nach (manchmal zu unserem Leidwesen, aber auch das Laufenlernen gehört dazu). Kommen Kinder in die Schule, zeigt sich, dass die Freude an Neuem, an Unbekanntem, am Verstehen und Lernen mit der Zeit nachlässt und weniger wird. Dies ist jedoch nicht dem Alter geschuldet. Desinteresse wird dann geweckt, wenn etwas zur Pflicht wird.
Kennst du vielleicht selber aus deinem Alltag. Sobald du etwas machen musst, fühlt es sich nicht mehr unbedingt gut an. Du fühlst dich fremdbestimmt. Kannst du aber frei wählen, ob du etwas tust, entscheidest du dich mit viel mehr Freude für etwas.
Warum freilernen?
Der deutsche Schulzwang, Leistungsdruck, Gruppenzwang, Belohnung & Strafe, ständige Beobachtung & Bewertung und der Lehrplan, laut dem alle Kinder zu selben Zeit das selbe lernen sollen, obwohl sie total unterschiedliche Menschen sind, ersticken innerhalb kürzester Zeit das Feuer der Neugier in uns Menschen.
Nicht mal am Nachmittag bleibt noch Zeit, um sich tief den eigenen Interessen zu widmen oder diese überhaupt erst zu entwickeln. Was macht ein Mensch unter Druck & Zwang? Zu machen. Die Schotten dicht machen. Alles, was irgendwie mit Schule in Zusammenhang gebracht werden könnte, wird ab jetzt nur noch mit der Kneifzange angefasst.
Freilerner lernen also vom Leben selbst. Ohne Vorgabe von Themen, sondern ganz nach den eigenen Interessen. Sie lernen genau das, was für sie gerade dran ist. Und das in einem irren Tempo, weil sie alles dazu aufsaugen wie ein Schwamm das Wasser. Dieses Lernen findet aus intrinsischer Motivation, also von innen heraus, statt. Hier ist der Mensch kein Objekt, in den etwas „hineingestopft“ wird, das da vielleicht gerade gar nicht hinein will oder drin sein muss. Der jeweilige Mensch entscheidet hier selbst, was hinein soll und wann und in welchem Umfang und genau das ist die Selbstbestimmung, die ich anstrebe.
Wie und wann lernen eure Kinder beim Freilernen lesen und schreiben?
Dazu möchte ich erst etwas vorweg zum Schulsystem sagen: In deutschen Schulen lernen Kinder ab sechs Jahren zu lesen und zu schreiben. Nicht, weil jedes einzelne Kind dazu bereit wäre in dem Alter, sondern weil das Schulsystem mit dem Versuch der Massenbildung – nicht nach Maß – sich selbst begrenzt.
Am besten geht das, wenn man Informationen geschrieben an die Masse verteilt, weil man so eine größtmögliche Anzahl Menschen erreicht und alles weitere mit diesem Werkzeug (nichts anderes ist Lesen) im Klassenzimmer theoretisch erlernt werden kann. Doch der Bezug zum eigentlichen Leben und Alltag geht hier verloren. Wie und wann in Schulen lesen und schreiben beigebracht wird, hat nichts damit zu tun, was das beste für die einzelnen Menschen wäre, sondern nur damit, was das beste für das System Schule ist.
Lesenlernen ist für unsere Kids beim Freilernen, wie für viele Geschwister, höchst individuell und beide Kids verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Genau sagen, wie sie es im Speziellen lernen, können wir gar nicht, da nicht alle Schritte offen sichtbar sind. Das Ergebnis sehen wir dann im Alltag, wenn eines der Kinder plötzlich etwas liest oder schreibt und uns immer wieder mit neuen Fähigkeiten und Wissen überrascht. Nämlich genau dann, wenn sie selbst dazu bereit sind.
Manche Kinder, die freilernen, können plötzlich lesen und der Lernprozess war nie sichtbar. Andere lernen es über viele Jahre in kleinen Schritten, sichtbar für andere. Manche erkennen Wörter an ihren einzelnen Silben oder Buchstaben, andere verinnerlichen Wörter als Ganzes. Manche stellen viele Fragen und andere beobachten im Stillen.
Lesen wird genau dann wichtig für ein Menschen, wenn er selbst merkt, dass er sich mit dieser Fähigkeit das Leben erleichtern kann oder etwas ohne Hilfe erreicht, wofür er sonst Hilfe brauchte (sich helfen lassen ist gut und schön, aber selbstständig werden ist überlebenswichtig). Nicht mehr warten müssen, dass ein Erwachsener das heißgeliebte Buch endlich weiterliest, mit Freunden über Distanz kommunizieren können oder einen Laptop bedienen können, um noch mehr Informationen zu einem Thema zu zu bekommen, sind nur einige Beispiele.
Freilerner finden vieles neben Büchern und Comics zum Üben: Straßenschilder, Werbetafeln, Namen von Geschäften, Nummernschilder, Spiele, Textnachrichten von Oma, Lebensmittelverpackungen und so weiter.
Es gibt ja schon wichtige Themen wie z.B. Rechtschreibung. Wie lernen eure Kinder sowas beim Freilernen / Unschooling?
Es gibt viele wichtige Themen. Menschen lernen die Dinge, die für sie dran sind, die für sie grad Bewandtnis haben. Und die dann richtig gut und schnell, wenn die intrinsische Motivation (die Motivation aus einem selbst heraus ohne Druck oder Antrieb von außen) sie antreibt. Das ist beim Freilernen nicht anders.
In unserem Beispiel wäre es beim Freilernen / Unschooling so: Rechtschreibung werden sie dann lernen, wenn andere Menschen Probleme haben, die geschriebenen Texte zu lesen und verstehen. Die eigene Motivation wächst immer dann, wenn die Notwendigkeit dazu besteht und ihnen der Sinn deutlich wird. So wie Kleinkinder lernen deutlich zu sprechen, weil sie merken, dass sie sonst nicht verstanden werden, so lernen Freilerner richtig zu schreiben, weil sie sonst nicht richtig gelesen werden. Zudem lernt sich Rechtschreibung insbesondere durch’s Lesen selbst. Was das Auge immer wieder sieht, kann es sich einfacher so merken.
Jetzt sagst du: „Aber mein Sohn liest gar nicht gern.“ Das mag sein. Aber warum ist das so? Wurde er eventuell zu einem Zeitpunkt gezwungen es zu lernen, als er noch gar nicht selbst das Bedürfnis danach hatte? Dies ist einer der Hauptgründe, warum Menschen heutzutage Probleme mit dem Lesen haben oder schlichtweg keinen Bock drauf. Sie haben das Lesenlernen als Pflicht/Zwang wahrgenommen. Es war nichts, das sie zu dem Zeitpunkt speziell interessiert hat oder worauf sie besondere Lust verspürten oder es wurde ihnen durch ständige Vorgaben und Wiederholungen auf schon 30x kopierten Aufgabenblättern madig gemacht.
In der Folge meiden sie dann dieses Feld und nutzen ihr mit Müh und Not Erlerntes nur für das wirklich Nötigste. Durfte ein Mensch den Zeitpunkt und auch das „Wie“ selber wählen und erkennt den Nutzen daraus für sich selbst, so entwickelt sich gar nicht erst eine Abneigung und der Mensch bleibt offen für Texte jeglicher Art.
Wusstest du, dass bei der IGLU-Studie von 2021 herauskam, dass 25% der Viertklässler in Deutschland den gerade gelesenen Inhalt eines Textes nicht versteht?
Soll dein Kind wieder Freude am Lesen bekommen? Dann ab ins Deschooling!
Kann man als Freilerner / Unschooler einen Schulabschluss machen?
Japp, das ist möglich (aber nicht für alle nötig). Einen Abschluss kann man in Deutschland als sog. Externe an Schulen machen. Wenn der Mensch das selber möchte, wird sich entsprechend darauf vorbereitet und sich für die Prüfung angemeldet.
Ein Abschluss bei der Berufswahl ist allerdings nicht zwingend erforderlich. Durch den Schulbesuch werden wir auf eine Karriere als Angestellte vorbereitet und nicht auf die Möglichkeit, dass wir uns selbstständig machen. Mit dieser „Angestelltendenke“ meinen wir dann, dass wir unser Wissen & Können erst testen lassen müssen, um uns mit einem Wisch darüber bestätigen zu lassen, dass wir diese Fähigkeiten haben. Wir sind es einfach gewohnt bewertet zu werden.
„Knowledge has no value except that which can be gained from its application toward some worthy end. This is one reason why university degrees are not guarantees of successful careers.“ Zu deutsch: „Wissen hat nur dann einen Wert, wenn es zu einem sinnvollen Zweck eingesetzt werden kann. Das ist ein Grund, warum Universitätsabschlüsse keine Garantie für eine erfolgreiche Karriere sind.“
Napoleon Hill
Das Ziel ist also nicht bei allen Menschen eine gut bezahlte Anstellung zu finden, sondern sich mit dem selbstständig zu machen, was ihnen liegt. Zudem beginnen auch Arbeitgeber und sogar Universitäten zu verstehen, dass Noten auf einem Blatt Papier nichts über die Person aussagen, dessen Name oben drauf steht, so dass ein Abschluss in Zukunft nicht mehr den Stellenwert haben wird, den er heute vermeintlich noch hat. Kreative, offene und hinterfragende Köpfe werden als Mitarbeiter schon vielerorts sehr geschätzt.
Gerald Hüther, Neurobiologe/Hirnforscher, sagt dazu folgendes:
„Und wenn Schule anders wäre, um es so auf den Punkt zu bringen und aus allen unseren Schulen tolle junge Leute herauskämen, die richtig gebildet wären und wüssten, was sie wollten, müssten wir unser Wirtschaftssystem zumachen. Weil die brauchen den ganzen Schrott nicht. Das heißt, wir brauchen möglichst schlechte Schulen, damit wir genügend Kunden für den Müll haben, den wir hier ihnen andrehen wollen. Das geht bis in die Politik. Wir brauchen möglichst unmündige Wähler, damit die ihre ständigen Diskussionsveranstaltungen im Fernsehen machen können. Die Schule dient sozusagen dazu, das zu produzieren […].“
Können Menschen, die mit Freilernen / Unschooling groß geworden sind, ganz normal in unserer Gesellschaft leben oder leben alle in Parallelgesellschaften und können nur selbstständig Geld verdienen?
Jedem Menschen steht es frei, die Art der Gesellschaft zu wählen, die ihm zusagt. Auch Unschooler bzw. Freilerner können ganz normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, sofern sie es möchten und als Angestellte in den gängigen Jobs tätig werden. Absolut notwendige Abschlüsse können erlangt werden, sollten sie sich dafür entscheiden (siehe Frage oben drüber). Auch das wäre freilernen.
„Ich bin sehr froh, dass meine Eltern mich dazu gezwungen haben, einen Uni-Abschluss zu machen und nicht abzubrechen. Das bildet einen ja auch charakterlich, wenn man etwas zu Ende bringt, auf das man keine Lust hat und das man nicht braucht.“ Woher nehmen eure Kinder solche Erfahrungen?
Gegenfrage: Tut es das? Was hat man gewonnen, wenn man etwas zu Ende bringt, mit dem man eh nichts anfangen möchte? Bildet es einen charakterlich nicht viel eher, wenn man sich entgegen der weitläufigen Meinung, man sei „gescheitert“ einfach gar nicht als Versager fühlt, sondern sich darüber freut, dass man keine weitere Zeit mit etwas verschwendet, was man eh nicht machen will? Und diese Zeit vielleicht sogar dafür nutzt, etwas zu tun, was den eigenen Bedürfnissen und Interessen eher entgegen kommt? Wer entscheidet, was scheitern ist? Und wer sagt, dass scheitern schlecht ist (sondern wieder eine Option zu lernen)?
Und: Gibt man die Verantwortung nicht auch dabei an andere ab, wenn man erwartet, dass sie einen zu etwas zwingen sollten, was man auch selbst tun könnte, wenn man nur wollte?
Ja, es bildet einen charakterlich, wenn man Dinge tut, die man nicht möchte und nicht braucht. Die Frage dabei ist aber viel mehr, ob diese charakterliche Bildung tatsächlich erwünschenswert und im Leben hilfreich ist.
Natürlich machen wir auch beim Freilernen alle Dinge, sogar tagtäglich, auf die wir eventuell keinen Bock haben. Etwas aufheben, weil es uns runtergefallen ist, abwaschen usw. zählen sicherlich viele dazu. Wenn du aber gerne in einem sauberen Haushalt leben magst, dann ist das entweder ein „Opfer“, das du bringen musst oder du machst es gerne, weil es dir ermöglicht in einem sauberen Haushalt zu leben. Hier steckt ja ein direkter Sinn hinter der Tätigkeit. BWL zu studieren, auf das man keinen Bock hat und in dem man eigentlich auch nicht arbeiten will, gehört definitiv nicht dazu.
Ohne Schule fehlt den Kindern aber doch die nötige Sozialisation, oder nicht?
Menschen werden ihr leben lang „sozialisiert“. Das passiert immer dann, wenn sie auf andere Menschen treffen. Dabei ist es egal, wie alt diese Menschen sind. Sozialisation findet mit der Oma statt und mit dem Nachbarsbaby, mit dem Kassierer und der Treckerfahrerin, mit den Nachbarskindern, den Kindern aus dem Sportverein oder Pfadfindern, der Familie im Gesamten und dem gesamten Umfeld dieses Kindes. Für eine gute Sozialisation empfinde ich Schulen tatsächlich als kontraproduktiv. Jeden Tag im Wettstreit, Ältere gegen Jüngere, Schüler gegen Lehrer, wenig Zeit für echte Freunde und Interessen, dazu Mobbing und Bullying. Freilernen bietet die 1:1 Betreuung, die einfach oft noch nötig ist.
Man muss aber doch lernen sich in Gruppen einzufügen!?
Muss man das? Wer sagt das? Und warum? Es gibt Menschen, die tun das sehr gerne, andere wiederum nicht. Wir sind nicht alle gleich und manchen wird es leichter fallen und anderen nicht. Deshalb sind nicht die einen richtig und die anderen falsch. Wer gerne in Gruppen lebt, wird das tun und dort seinen Platz finden. Wer das nicht so gern hat, lässt es bleiben und wird auch seinen Weg gehen. Gruppen finden sich überall in unserer Gesellschaft. Eine Schule ist dafür nicht die einzige Möglichkeit und kein Garant dafür, dass ein Mensch lernt sich in eine Gruppe einzufügen.
Aber muss nicht jeder mal Dinge tun, auf die man keine Lust hat?
Muss man das? Wer sagt das? Und warum? Soweit ich mich erinnere, können Erwachsene selber entscheiden, was sie gerne arbeiten möchten, wann sie aufstehen, was sie mit ihrem Geld anfangen, ob sie überhaupt morgens aus dem Bett steigen, jeden Tag Pizza essen, den Job kündigen, wenn man keinen Bock mehr drauf hat u.s.w.
Kinder, die zur Schule gehen, dürfen in Deutschland nicht kündigen. Können sich ihre Kollegen nicht aussuchen. Nicht mal das Arbeitsfeld, müssen sogar noch fragen, ob sie mal aufs Klo dürfen. Warum messen wir mit zweierlei Maß und zwingen unsere Kinder zu etwas, das wir als Erwachsene nicht freiwillig tun würden?
Und ja klar gibt es Situationen, die wir gerne anders hätten. Unsere Kids möchten manchmal auch lieber ein Eis zum Frühstück, anstatt ein gesundes Müsli. Oder müssen mal Zeug aufräumen, wenn Platz für anderes frei wird, können nicht immer entscheiden, was gespielt wird, sondern müssen auch aushalten, wenn andere Kinder was entscheiden möchten. Diese Situationen verhindern wir ja nicht, indem die Kinder nicht in die Schule gehen. Die kommen von ganz alleine und steigern die Frustrationstoleranz eines jeden Menschen. Warum künstlich noch mehr davon erzeugen?
Aber ich bin doch kein Lehrer, ich kann doch nicht alles wissen! Woher nehmt ihr das ganze Wissen fürs Freilernen?
Ganz einfach: Haben wir nicht. Aber das macht gar nichts. Unser Ziel ist, den Kids zu zeigen, wo und wie sie an die Informationen herankommen, die sie benötigen. Und genau das leben wir ihnen beim Freilernen vor, wenn wir selbst etwas nicht wissen. Auch Lehrkräfte wissen nicht alles. Wir ebenso nicht und es ist keine Schande, wenn man etwas nicht weiß. Es ist eher eine Schande, vorzugeben etwas zu wissen, was man nicht weiß. 😉
Wir wenden uns bei Bedarf an Bücher, ans Internet, Dokumentationen und Fachleute (offizielle und inoffizielle), wenn wir etwas wissen möchten und erschaffen uns so eine breite Palette an Möglichkeiten.
Und mal ganz nebenbei gesagt: Der deutsche Lehrplan ist nicht das AO der Allgemeinbildung. Wie oft hast du in deinem Leben eine Kurvendiskussion gebraucht (außerhalb der Schule) und wieviel Zeit deines Lebens hast du für das Lernen verschwendet? Meinst du nicht, du hättest es auch später noch lernen können, nämlich genau dann, wenn es du es tatsächlich brauchst und der Sinn deine intrinsische Motivation aufbaut?
Ist eure Motivation für’s Freilernen / Unschooling, den Kindern euer eigenes Weltbild überzustülpen?
Kurz: Ja und nein.
Lang: Ja, weil wir es als unsere Aufgabe als Eltern erachten, unseren Kindern unsere Werte zu vermitteln. Wir glauben, dass es Aufgabe aller Eltern ist, ihren Kindern das auf ihrem Lebensweg mitzugeben, was sie selbst für wertvoll, moralisch oder allgemein ethisch halten.
Nein, weil ich unseren Kindern vorleben möchte, nichts einfach so als gegeben hinzunehmen, sondern viel zu hinterfragen. Dabei kann es passieren, dass sie auch mich hinterfragen. So können sie sich jederzeit auch von meinem Weltbild abwenden, weil sie durch’s Hinterfragen auf andere Ergebnisse gekommen sind als ich.
Freilernen ist kein System, keine Glaubensgemeinschaft. Freilerner leben nicht alle nach den selben Regeln und Prinzipien, sondern sind so unterschiedlich, wie Menschen nun mal sind. Sie werden nicht von einem System in ein anderes gepresst, sondern aus den Systemen herausgenommen. Sie verschaffen sich einen Überblick und können frei entscheiden, ob sie Teil eines Systems sein möchten oder nicht und wenn doch, von welchem.
Hinweis:Es ist immer Aufgabe der Schule, den Kindern das Weltbild zu vermitteln, das die jeweilige Regierung gerade als die für sich förderlichste hält. In Schulen passiert ebenso ein Überstülpen von Weltbildern, aber eben oft ohne Kenntnis oder Bewusstsein dafür der Eltern.
Des weiteren denke ich nicht, dass man wirklich frei aufwachsenden Kindern auch nur irgendwas überstülpen kann, das sie nicht wollen. Geht einfach nicht.
Warum sind Freilerner / Unschooling – Familien oft gegen alles mögliche wie Schulmedizin, warum lehnen sie so vieles ab, was gängige Praxis ist?
Ob das oft der Fall ist, kann ich nicht beurteilen. Uns sind sowohl ganz „durchschnittliche“ Freilernerfamilien bekannt, aber ebenso viele, auf die die Beschreibung zutreffen mag.
Wer einmal begonnen hat ein bestimmtes System zu hinterfragen und daraus ausgestiegen ist, beginnt oft auch weitere Systeme zu hinterfragen. Je nachdem wie das Ergebnis der Recherche lautet, wird nun also auch aus weiteren System ausgestiegen. Dazu muss nicht der Ausstieg aus dem Schulsystem die Zündung dieser Kettenreaktion auslösen. Ich denke, es ist egal, aus welchem System man zuerst aussteigt.
Manche Menschen erleben die Grenzen der Schulmedizin oder eine traumatische Geburt ihres Kindes hinterlässt tiefe Spuren in der Familie. Sie beginnen nun zu hinterfragen. Nach ihrer Recherche entscheiden sie sich Stück für Stück aus dem staatlichen System zu Krankheit und Gesundheit auszusteigen. Oder eben auch nicht!
Da sie nun für mögliche fehlerhafte Systeme ein Auge bekommen haben und kritisch überprüfen, erkennen sie eventuell das Schulsystem oder das Rentensystem oder irgendein anderes System für sich als auch fehlerhaft und steigen daraus aus.
Ein Domino-Effekt?
Was ist mit Kindern aus „bildungsfernen“ Schichten mit Eltern in Schicht- oder Vollzeitjobs? Würde es keine Schulpflicht geben und Unschooling erlaubt, würden diese eventuell vernachlässigt und ungebildete Analphabeten bleiben.
So sehr ich diese Sorge nachvollziehen kann, so ändert die Schulpflicht nichts am Schicksal dieser Kinder. Es gibt auch mit der Schulpflicht Leid in Familien. Dieses Leid wird es auch ohne Schulpflicht geben. Nur weil es keine Schulpflicht gibt, heißt das ja nicht, dass alle Eltern ihre Kinder von nun an zu Freilernern / Unschoolern machen. Es wird ja lediglich die Wahl gelassen, die Kids ins Schulsystem zu schicken oder eben nicht.
Zudem behaupte ich, dass sich Menschen, die sich keine intensiven Gedanken um Bildung machen, eher geneigt sind, ihre Kinder in Schulen zu geben, weil sie glauben, dass ihre Kids damit eine bessere Bildung erhalten als sie sie selbst bekamen. Menschen, die sich intensiv mit Bildung auseinandersetzen, die werden andere Wege wie z. B. Freilernen / Unschooling oder alternative Schulformen suchen und diese Kinder sind dann sehr wahrscheinlich auch nicht der Gefahr der Vernachlässigung ausgeliefert, weil eh ein anderer Denk- und Lebensansatz verfolgt wird.
Zudem gebe ich zu bedenken, dass jetzt bereits tausende (wenn nicht Millionen) Kinder in Deutschland unter der Schulpflicht leiden. Können wir von all diesen Kindern verlangen, dass sie u. U. traumatische Kindheiten erleben aufgrund der Schulpflicht? Die das einfach aushalten müssen für diejenigen, deren Eltern sich nicht sehr mit dem Thema Bildung befassen? Wo fangen wir da an Leid zu bewerten und wo hört es auf?
Sicherlich müssen Lösungen her, um Kindern Schutz zu bieten, die vernachlässigt oder anders misshandelt werden. Doch das ist weder Aufgabe des Schulsystems, noch kann die Schule dieser Verantwortung gerecht werden. Auch im internationalen Vergleich werden in Ländern ohne Schulzwang (aber mit Bildungspflicht) nicht automatisch mehr Kinder misshandelt.
Was ist, wenn eure Kinder feste Freundschaften aufbauen möchten und wieder sesshaft werden wollen?
Unsere Kinder sind unterwegs durchaus in der Lage feste Freundschaften zu bilden. Wir suchen unsere Ziele nicht nur nach Bildungsmöglichkeiten aus, sondern auch danach, ob Freunde vor Ort sind, so dass sie nicht immer nur neue Kinder kennenlernen, sondern auch mit gewohnten Freunden sein können.
Sobald sich Bedürfnisse innerhalb der Familie verändern und einen Lebensstilwechsel nötig machen, ist es für mich selbstverständlich eine Option wieder zeitweise sesshaft zu werden oder meine Art zu reisen an unsere veränderten Bedürfnisse anzupassen. Wir nehmen das Leben wie es kommt.
Dürfen eure Kinder in die Schule, wenn sie das möchten?
Ein absolutes Ja. Sollte der Wunsch aufkommen, mal eine Schule auszuprobieren, werden wir das unseren Kindern ermöglichen. Auf regelmäßige Nachfrage antworten beide bisher immer gleich. Sie treffen viele Kids unterwegs, die bereits Schulen besucht haben und von ihren Erfahrungen berichten. Das alleine sorgt schon dafür, dass sie aktuell nicht erpicht drauf sind und weiter Freilerner bleiben möchten.
Aus unserem Alltag
Wie geht ihr mit Situationen beim Freilernen um, die ihr nicht alleine meistern könnt? Wenn das Kind z. B. ein Instrument lernen möchte, das ihr ihm nicht selbst beibringen könnt oder eine Teamsportart ausüben möchte?
Wir holen uns Hilfe. Wir wissen und können nicht alles, aber wir wissen, wie man Menschen oder Informationen findet, die uns helfen können. Möchte eines unserer Kinder von sich aus ein Instrument lernen, so zeigen wir ihm die uns bekannten Möglichkeiten auf, die auch zum jeweiligen Alter und Typ passen (z. B. selber ausprobieren, Bücher, Internetrecherche, Online-Videokurs, „echter“ Mensch, der online oder offline lehrt).
Im Falle einer Teamsportart suchen wir ein Team, von dem es Teil werden kann. Dieser Punkt ist auf Reisen allerdings manchmal schwierig. Nicht immer hat man im Land so viele Kontakte, dass man eine Fußballmannschaft aufstellen kann oder ist lange genug an einem Ort, so dass sich eine Vereinsmitgliedschaft lohnt. Wenn ein Interesse sehr groß wird und wir uns nicht mehr in der Lage fühlen, das Interesse „bedienen“ zu können aufgrund unseres Lebensstils, dann werden wir auch am Lebensstil feilen. Wir sind und bleiben flexibel und passen unser Leben an unsere Bedürfnisse an.
Ich bin alleinbegleitend. Wie kann ich meinen Alltag im beim Freilernen / Unschooling organisieren und Kinder und Job unter einen Hut bringen, wenn die Kinder nicht durch die Schule betreut werden?
Familien mit einem Elternteil brauchen natürlich mehr Organisation, als Familien, in denen ein Elternteil sich um den Job kümmern kann und das andere betreut. Wir machen das zum Beispiel meist im Wechsel.
Natürlich betrifft die Organisation eines für alle passenden Freilerner-Alltags nicht nur alleinbegleitende Elternteile. Hier ein paar Schräubchen, an denen alle drehen können, die sich fragen, wie ein Alltag ohne Fremdbetreuung funktionieren kann:
1. Netzwerke schaffen
Finde Gleichgesinnte in deiner Umgebung (ob nun in fester Wohnung oder auf Reisen) und teilt euch die Betreuung bei noch jüngeren Kindern für ein paar Stunden am Tag auf. Ab 6 Jahre gehen schon viele (nicht alle) gerne mal woanders hin zum Spielen oder u. U. auch alleine in den Sportverein etc. Ältere Kinder benötigen natürlich nicht mehr so intensive Betreuung und sind auch mal sehr froh, wenn sie was alleine machen können.
2. Den passenden Job finden
Findet einen Job, bei dem du zeitlich und womöglich auch örtlich ungebunden bist und den du nicht 8h pro Tag ausüben musst, um für dein Einkommen zu sorgen. Was jetzt für viele wie ein schlechter Scherz klingt, ist aber durchaus mein Ernst. Es gibt diese Jobs. Es ist nur kaum wer gewillt tatsächlich die Verantwortung zu übernehmen und die Arbeit zu machen, weil es nun mal keine „offiziell anerkannten“ Tätigkeiten sind. Ein paar Ideen findest du hier: Ortsunabhängig arbeiten ist (k)ein Hexenwerk – 5 Ideen für deine Unabhängigkeit. Darüberhinaus gibt es selbstverständlich noch weitere Möglichkeiten. Bleib offen, werde selbst zur Freilernerin und eigne dir das an, was du dazu brauchst.
Die meisten Kinder heutzutage kennen kaum Langeweile. Ständig bekommen sie Reize von außen. Entweder wird ihnen ein Tagesablauf auferlegt, der ihnen keine Zeit für Langeweile lässt (Aufstehen, Schule, Hausaufgaben, Nachmittagsaktion, Ins Bett) oder sie lenken sich bei den ersten ungemütlichen Gedanken an Langeweile direkt mit Unterhaltung ab oder fordern Unterhaltung TV/Smartphone/Tablet ein. Sind wir mal ehrlich: Gelernt haben sie es von den besten, nämlich ihren eigenen Eltern, die ebenfalls gerne zum Smartphone greifen oder meinen sich abends mit TV berieseln lassen zu müssen, wenn man „nichts zu tun“ hat. Hast du mal versucht dich eine Stunde lang auf einen Stuhl zu setzen und nichts zu tun?
Langeweile aber ist essentiell für Kreativität. Erst wenn ein Mensch Langeweile zulässt und aushält, wird das Hirn aktiv und sucht sich selbst eine kreative Beschäftigung, wenn keine von außen kommt. Das dauert meist so 20min und je häufiger „geübt“, desto schneller springt das Gehirn auf „innen“ anstatt „außen“ zu verweilen. Mit dieser Kreativität entwickelt sich auch Selbstwert. Anerkennung und Zustimmung durch Andere braucht dieser Mensch immer weniger und weniger.
Lass also ruhig Langeweile zu. Wenn es um einige Stunden Arbeit geht, die erledigt werden muss, sei es um Geld zu verdienen oder andere alltägliche Organisation, darfst du guten Gewissens deiner Arbeit nachgehen und nicht das Entertainmentprogramm spielen. Die Unterhaltung deiner Kinder liegt nicht in deiner Verantwortung. So kannst du auch erholter und zufriedener wieder in gemeinsames Spiel mit deinen Kindern gehen.
Was tut ihr, wenn euer Kind sich brennend für ein bestimmtes Thema interessiert und gerne ein Buch oder anderes Material „aufsaugen“ möchte? Wo kriegt ihr das auf Reisen her?
Unterwegs ist die Materialbeschaffung meist mit etwas mehr Aufwand verbunden, weil wir ja nicht alles direkt in der richtigen Sprache vorfinden. Wenn möglich, werden Bücher als eBooks gekauft (was natürlich noch den Vorteil hat, dass sie platzsparend sind). Geht das nicht oder ist es nicht sinnvoll, so bestellen wir online. Entweder an eine lokale Adresse, die wir uns organisieren müssen oder, wenn es mehrere Sendungen sind, zu unserer Verwandtschaft nach Deutschland, die dann wiederum alles zusammen an eine lokale Adresse bei uns versendet. Manchmal finden sich aber auch über Reisecommunities Menschen in der Umgebung, die das Gewünschte haben.
Ist Freilernen / Unschooling nicht ganz schön anstrengend, wenn du zwei/drei/vier Kinder selbst unterrichtest?
Nein. Denn wir unterrichten nicht. Wir leben unser Leben weiter so wie vor dem 6. Geburtstag. Sie lernen beim Freilernen / Unschooling genau so weiter, wie sie die ersten sechs Jahres ihres Lebens auch schon gelernt haben. Ja, ein Leben mit Kindern ist anstrengend. Doch wie bei allem haben wir die Wahl:
Ob wir meinen kämpfen zu müssen oder ob wir auch ein großes Stück Vertrauen in uns und unsere Kinder setzen wollen. Wir können uns dafür entscheiden, nicht die Beziehung zu unseren Kindern auf’s Spiel zu setzen. Eltern, die das tatsächlich tun, haben es leider schwer mit Kindern an deutschen Schulen. Ständig ecken sie an, weil sie nicht mehr bereit sind, den verlängerten Arm der Lehrkraft zu spielen und Gesetze bei sich zuhause durchzuboxen, hinter denen sie selbst nicht stehen. Auf Dauer ist die Belastung innerhalb der Familie, ausgelöst vom Schulsystem, anstrengender als ein Alltag mit der ganzen Familie ;).
Wie vereint ihr Unschooling / Freilernen mit eurer Karriere?
Je nachdem, wie man Karriere definiert, kann sich Unschooling in der eigenen Familie als hinderlich erweisen auf die Karriere. Wenn nun also alle Bezugspersonen einen Arbeitsalltag außerhalb der Familie anstreben, so dass niemand zur Betreuung und für Hilfestellung vorhanden ist, so dürfte das Ziel mit den Kindern gemeinsam zu leben verfehlt sein.
Wir halten es für wichtig, das mindestens eine Bezugsperson den Kindern ständig zur Verfügung steht (entsprechend dem Alter und Fähigkeiten des Kindes angepasst natürlich). Ist das Ziel des Freilernens / Unschooling für eine Familie groß genug, so wird sie Wege finden Karriere und gemeinsames Familienleben zu vereinen.
Gibst du Impulse „sich mal an den Tisch zu setzen“? Wie oft findet „begleitetes Lernen“ beim Freilernen / Unschooling statt? Lernt ihr auch mit Lehrplan?
Ich mache Angebote, die aber tatsächlich nur Angebote sind und von meinen Kindern auch als solche verstanden werden. Ein Angebot darf man ablehnen und der/die Anbietende weiß das und hat keinen Grund deshalb sein Verhalten zu ändern oder eingeschnappt zu sein. Diese „Impulse“ sind immer freiwillig und bedingungslos.
Wir wissen, dass lernen hauptsächlich nicht am Tisch stattfindet, sondern immer in unserem Alltag, unserem ganz normalen Leben. Natürlich bieten wir Begleitung oder Hilfestellung an, sollten wir den Eindruck haben, dass ein Kind dies grad annehmen mag oder eben aktiv selbst danach fragt.
Führen deine Kinder Hefte zu bestimmten Themen oder schreiben sich Gelerntes auf?
Das ist von Zeit zu Zeit und auch von Thema zu Thema unterschiedlich. Manchmal gibt es den Wunsch Listen oder Sammlungen zu erstellen. Das wird dann gemeinsam oder auch alleine gemacht, aber haben diese meist im Nachhinein wenig Bedeutung für die Kids. Die Erstellung selbst ist für sie der eigentlich Sinn. Natürlich kann sich das jederzeit ändern.
Wie weit sind deine Kids im Vergleich zu Gleichaltrigen?
Eine gerne gestellte Frage, auch verdeckt als „In welcher Klasse wären deine Kinder jetzt?“ oder „Wie alt sind deine Kinder?“, nachdem gefragt wurde, ob sie schon lesen, schreiben und rechnen können, auftaucht.
Da ich weiß, dass meine Kinder ganz anders lernen und dies absolut nicht vergleichbar ist mit dem wie Kinder im Schulsystem lernen, kann ich darüber keine eindeutige Aussage machen. Würde ich gezwungenermaßen die Kenntnisse meiner Kids in Fächer einteilen, wären sie Gleichaltrigen in manchen Fächern weit voraus und in anderen hätten sie aus schulischer Sicht Nachholbedarf. Da das aber irrelevant ist für mich, stelle ich diesen Vergleich nicht an.
Hat dich schon mal jemand mit 20 gefragt, wie alt du warst, als du fließend laut lesen konntest? Noch nie? Genau deshalb. Ob du es mit 4 Jahren schon konntest, mit 6, mit 9 oder mit 16 gelernt hast, juckt niemanden später mehr.
Was hat euch zum Freilernen bzw. Unschooling inspiriert?
Überall. Das Internet und das Leben draußen vor der Tür ist voll davon. Als Angebote habe sie ein paar „Lernapps“ wie „Anton“ oder „Fiete“ auf den Geräten, die mal mehr und mal gar nicht genutzt werden.
Aber auch ich haben weitere Materialien immer als Angebote parat.
Wie könnt ihr freilernen und dabei der Schulpflicht entgehen?
Da wir sowieso länger reisen wollten, sind wir erstmal losgezogen. Haben festen Wohnsitz gegen Abenteuer eingetauscht und haben Deutschland verlassen. Wie du damit aus der Schulpflicht kommst, kannst du hier nachlesen: Raus aus der Schulpflicht – jetzt reisen und auswandern ohne Schule.
Es gibt allerdings auch Familien, die zum Freilernen in Deutschland geblieben sind. Sollte das dein Plan sein, so schau mal beim BVNL vorbei und hol dir die Hilfestellung, die du benötigst.
Wir wir die ganze Bürokratie wie Schulpflicht, Kindergeld und Finanzamt angegangen sind, bevor wir endlich auf Reisen gehen konnten, erzähle ich in meinen eBooks.
Zwischen Freiheit und Finanzamt
Freie Schulen bzw. Waldorfschulen als Alternative zum Freilernen?
Auch Freie Schulen unterstehen den deutschen Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer. Sie sind nur so frei, wie es das jeweilige Schulgesetz zulässt. Auch auf diesen Schulen müssen letztendlich die jungen Menschen bewertet, analysiert und in Kurven gepresst werden. Auch wenn einiges davon vielleicht zum Wohle des Kindes nur auf dem Papier passiert.
Viele freie Schulen klingen in der Theorie oftmals schon wunderbar, wenn man sich die wirklich frei anmutenden Konzepte durchliest. Kommt man aber in Kontakt mit der Praxis aus erster Hand, hören wir vermehrt auch anderes. Auch hier findet ein Großteil des Alltags aus Zwang außerhalb der Kernfamilie statt und auch hier gibt es oft nicht genug Personal, um ungesunde Gruppendynamiken zu erkennen und zu vermeiden.
Für kompromissbereite Familien sicherlich im Einzelfall eine tolle Lösung.
Wie gehe ich mit Kritik innerhalb der Familie um?
Ich habe mir über die Jahre einen Ruf in meiner Familie erarbeitet, der dafür sorgt, dass meine Familie nicht mehr allzu überrascht ist, wenn ich wieder mal alles anders mache, als sie es gewohnt sind. Anfangs habe ich mich noch zu Diskussionen und Erklärungen hinreißen lassen. Später, als ich merkte, dass das zu nichts führt, haben ich diese Energie gespart und meiner Familie Literatur und Dokumentationen empfohlen mit dem Angebot, danach gerne darüber zu sprechen.
Ein Teil der Familie hat dieses Angebot angenommen und steht seither vollkommen hinter der Entscheidung. Ein anderer Teil hat sich nicht weiter damit befasst und kommt auch nach vielen Jahren noch mit den immer selben Gedanken und Bedenken auf mich zu. Allerdings entscheiden ich, wie ich damit umgehe und störe mich nicht daran. Niemand muss alles gut finden, was ich mache.
Gibt’s Literatur für skeptische Großeltern oder Partner? Buchtipps?
Ja! Es gibt viele wunderbare Dokumentationen und Bücher übers Freilernen, aber eine ganz besondere möchte ich dir hier vorstellen. Es handelt sich um den Film „Alphabet“ und lässt u.a. auch Hirnforscher wie Gerald Hüther zu Wort kommen, um das ganze Thema „Lernen“ von der wissenschaftlichen Seite beleuchten.
An Literaturempfehlungen von der Familie Stern über Klassiker von John Holt und Taylor Gatto und vielen weiteren:
André Stern
… und ich war nie in der Schule
John Taylor Gatto
Verdummt nochmal
Arno Stern
Wie man Kinderbilder nicht betrachten sollte
John Holt
Aus schlauen Kindern werden Schüler
Bildung in Freiheit
Wie kleine Kinder schlau werden
Gemischte Autoren
Geht’s auch ohne Schule?
Das große Unschooling Handbuch
Wir sind so frei
Schulfrei – Lernen ohne Grenzen
The Unschooling Unmanual
Radical Unschooling
Aber mein Kind geht gern zur Schule, warum sollte ich es aus der Schule nehmen?
Ich weiß, dieser Satz fällt oft. Tatsächlich bin ich aber der festen Überzeugung, dass kein Kind gern zur Schule geht. Zum Einen liegt das daran, dass Kinder bei solchen Fragen gerne so antworten, wie es die Erwachsenen gerne hätten, auch um lästige weitere Fragen zu vermeiden (Hast du deiner Tante immer gesagt, dass du kein Bock auf Schule hast, wenn sie dich 2x pro Jahr danach fragte im Beisein der gesamten Familie?) und auch aus der Erfahrung heraus, dass ihre Meinung dazu eh nicht ernstgenommen wird („Tja, da müssen wir halt alle durch.“).
Zum Anderen liegt das aber an der Sache selbst: Was ist Schule, was beinhaltet Schule eigentlich wirklich und wie trennt sich Schule vom Alltag? Was ist es genau, das mein Kind an der Schule mag und ist es etwas, dass es nur in der Schule erleben kann?
Wir Eltern neigen dazu, Situationen, die wir meinen nicht ändern zu können („Es muss doch jedes Kind zur Schule gehen…!“), uns selbst und anderen schön zu reden. Wir interpretieren dann einfach mehr in die Aussagen unserer Kinder über den ach so schönen Schulbesuch hinein, als unsere Kinder uns damit eigentlich mitteilen wollen.
Beispiel Freundschaft: „Mein Kind geht gern zur Schule, denn da sind seine Freunde.“ Jo, versteh ich. Deshalb geht dein Kind noch lange nicht gerne zur Schule mit all den Dingen, die zum Schulbesuch dazu gehören (nämlich u.a. Zwang), sondern es sieht halt einfach gerne seine Freunde. Du könntest genauso. gut sagen: „Mein Kind spielt gern auf der Spielstraße vorm Haus mit den Nachbarskindern“ oder „Mein trifft nachmittags gerne seine Freunde“. Dass es seine Freunde gerne sieht, hat rein gar nichts mit dem Schulbesuch an sich zu tun. Ich möchte wetten, dein Kind trifft seine Freunde lieber außerhalb der Schule, als in der Schule. Wenn es die Wahl hätte.
Wäre die Schule ein Ort, an den man wirklich gerne hingehen würde, so wäre auch dieses große Tamtam zum Schulanfang schlichtweg überflüssig. Es wäre Freude genug, endlich zur Schule gehen zu dürfen. Genau so, wie es viele Kids lieben, in einen Freizeitpark zu gehen. Oder feierst du dein Kind vor dem Besuch des Freizeitparks auch mit Süßigkeiten und Geschenken, weil es jetzt endlich groß genug ist, um die Achterbahn zu fahren?
Wohl kaum. Dieses TamTam wird veranstaltet, weil wir tief in uns drinnen wissen, dass die Schulzeit nicht geil sein wird. Wir wollen unserem Kind, solange es uns möglich ist, eine Party daraus machen. Wir wollen, dass es Schule mit positiven Dingen verknüpft, bevor es selber merkt, dass Schule all das eben nicht ist. Wir wollen es ihm damit leichter machen. Weil wir es lieben und schützen wollen. Und dazu nehmen wir in Kauf es anzulügen.
Wirst du auch zum Unschooling bzw. Freilernen befragt oder hast du sogar selber Fragen? Stellt sie mir hier in den Kommentaren oder per Kontaktformular.
Eine Frage, die sich vermeintlich selbst widerspricht, ist die, welches Material wir zum Freilernen nutzen, um unseren Kindern rechnen, lesen und schreiben u.s.w. beizubringen. Doch wer bringt hier wem was bei?
Es gibt so viele verschiedene Freilerner, wie es Sand am Meer gibt
Beim Freilernen gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Rein von der Definition her ist das Freilernen mit dem Unschooling gleichzusetzen. Es geht hier um vom Kind selbstbestimmte Bildung. Trotz allem nutzen manche Freilerner auf Wunsch des Kindes Schulmaterialien, die sie wie beim Homeschooling durcharbeiten. Je nach Alter und Bedürfnissen schaffen sich die jungen Menschen selbstständig feste Zeiten zum Lernen oder nehmen sich bestimmte Themen vor, die sie eventuell sogar in die gängigen Fächer einteilen.
Wichtig ist, dass, wenn solche Strukturen gelebt werden, diese vom Freilerner selbst kommen und nicht von außen (evtl sogar noch mit Druck) aufgedrängt werden.
Unter den Begriff (Radical) Unschooling tummeln sich oft diejenigen, die kein spezielles Material nutzen, sondern die Situationen im Alltag nehmen, wie sie kommen. Sie erklären, wenn Fragen aufkommen oder suchen mit den Kindern gemeinsam nach Lösungen. Materialien werden auf Wunsch selbstverständlich zur Verfügung gestellt.
Aus meinem Alltag kann ich bestätigen, dass es meist sehr viel mehr Fragen gibt, als ich sofort Antworten darauf finde und so gibt es immer wieder Gründe gemeinsam Neues zu lernen.
Die meisten Freilerner, die ich bisher kennenlernen durfte, stehen irgendwo dazwischen. Mal gibt es Phasen, in denen mehr Material verlangt wird und mal solche, in denen gar nichts gebraucht wird, was irgendwie Ähnlichkeit hätte mit gängigen Lernmaterialien.
Freilernen: Sind wir Homeschooler oder Unschooler?
Auch wenn wir stark in Richtung Unschooling tendieren, so haben wir doch gewisse Materialien da, die wir unseren Kindern zur Verfügung stellen. Sie haben diese zur freien Verfügung und können damit arbeiten, wann und wie lange sie möchten. Einige dieser Materialien möchte ich dir vorstellen. Das eine oder andere wird dir sogar seltsam bekannt vorkommen und eher als „Spielzeug“ verbucht worden sein.
Wie lernen Kinder Lesen und Schreiben beim Freilernen?
Zum Lesenlernen benutzte unserer (damals) siebenjährige Tochter alles, was sie an Buchstaben in ihrer Umwelt gefunden hat. So las sie im Auto beim Vorbeifahren Straßenschilder, Namen von Geschäften und was sie sonst noch so alles fand. Meist kam dann ein „Mama! Da steht „Hotel“!“ vom der hinteren Sitzbank, was mich jedes Mal zum Schmunzeln brachte.
Sie dachte jedoch einige Zeit, dass Lesen einfach übelst schwer sein muss und traute sich an nichts heran. Als sie aber plötzlich Erfolgserlebnisse hatte, begann sie eifrig – meist für sich ganz heimlich – Worte zu entziffern. Bestens daran zu erkennen, dass sie angestrengt auf ein Wort starrte und sich ihre Lippen dabei bewegten. Dann der Begeisterungsschrei, wenn das, was sie soeben gelesen hat, für sie auch wirklich Sinn ergab! Es war eine riesige Freude sie so eifrig etwas lernen zu sehen, wofür man angeblich jahrelang in die Schule gehen muss.
Es macht generell sehr viel Spaß meinen Kindern beim Spielen damit zuzusehen. Ganz besonders wichtig finde ich, dass die Motivation dafür aus ihnen selbst kommt, auch „intrinsische Motivation“ genannt. Keine Kämpfe, keine belastete Beziehung und dafür ganz viel nachhaltige Bildung.
Viele der Eltern, die pandemiebedingt zu Homeschooling Eltern* wurden, können wohl ein Lied davon singen, wie es ist, der verlängerte Arm der Lehrkraft zu sein. Auch die Auswirkung auf die Beziehung zu ihren Kindern sei hier nicht außer Acht gelassen.
*Ich bevorzuge eigentlich den Begriff Coronaschooling, weil es einen beträchtlichen Unterschied ausmacht, ob man als Eltern gezwungen wird, die Kinder selbst zu unterrichten oder ob man sich aus freien Stücken dazu entschieden hat. Zudem nehmen die Freiwilligen auch selbst Einfluss auf Dauer, Thema, Menge etc. und können normalerweise Möglichkeiten anbieten, Museen zu besuchen und anderen bildenden Aktivitäten nachzugehen.
Trotz unseres sehr freien Ansatzes haben bzw. hatten unsere Kids diese Materialien zur freien Verfügung, die das Interesse an Buchstaben auch ganz nebenbei wecken.
Die Produkte hier sind mit Werbelinks (sog. Affiliate Links) verlinkt und mit einem *-Sternchen gekennzeichnet. Du hast keinerlei Nachteile, ich bekomme jedoch eine geringe Provision (oft Cent-Beträge :D).
Du darfst dir aber sicher sein, dass ich dir hier nichts empfehle, das ich nicht wirklich für hilfreich & wertvoll halte. Die Einnahmen ermöglichen mir hier weiterhin über das Freilernen, Reisen mit Kindern und den Online Business Aufbau zu schreiben. Jetzt aber los:
Lesen lernen beim Freilernen
Lesen lernen mit dem „ABC der Tiere“ – Poster
Dieses Poster* hängt schon seit unsere Große drei oder vier Jahre alt war immer gut sichtbar im Raum oder Wohnmobil (im Wohnmobil in etwas kleiner). Sie schaute selbstständig nach, welche Buchstaben sie wohl gebrauchen kann, wenn sie ein Wort oder einen Namen schreiben wollte oder wie ein Buchstabe klingt. Auch mein Sohn hat damit alle Buchstaben ganz nebenbei gelernt.
Dies war von allen die lohnenswerteste Investition für echt kleines Geld!
Lesen lernen mit Mini Lük von Westermann
Aus meiner Grundschulzeit habe ich im Keller meiner Eltern noch ein Mini Lük* gefunden. Dann und wann wird begeistert damit gespielt und so das Gehör schult. Da meine Version aus den 1990ern stammt, habe ich dir eine möglichst ähnliche Version hier verlinkt.
Der Westermann Verlag hat sich in der Zwischenzeit ganz viele neue und ansprechendere Hefte* ausgedacht, die weit übers Lesen- und Rechnenlernen hinausgehen.
Lesen lernen mit tiptoi
Wen das Mini Lük nicht mehr hinter der Ofenbank hervorlockt, der kann sich vielleicht mehr für Tip Toi begeistern!
Buchstaben richtig hören üben die Kinder, indem sie mit dem Tip Toi Spiel Buchstabenburg* spielen. Hier spielen sie gegen einen Drachen um einen Schatz!
Bei Magors Lesezauber* helfen die Kinder dem Zauberer Magor einen Raben zu fangen und lernen dabei ganz beiläufig die ersten Buchstaben zu erkennen.
Das Tip Toi Buch Erste Buchstaben* (heißt jetzt: Meine Lern-Spiel-Welt*)hat den Kids einen wunderbaren ersten Einstieg in die Welt der Buchstaben ermöglicht. Mit den vielen Minispielen und Erklärungen war dies genau das richtige, wenn sie sich ohne Mamas Augen in dieser Welt umschauen wollen.
Den Tip Toi Stift* gibt’s hier ebenso, wie auch viele weitere Bücher:
Als sich unsere Tochter nicht mehr mit einzelnen Buchstaben zufrieden gab, kam der konkrete Wunsch auf lesen zu lernen. Es ging ihr einfach nicht schnell genug, weshalb wir uns entschieden die Silbenfibel von Mildenberger* anzuschaffen. Mal las sie darin mit Begeisterung ein paar Seiten, dann wieder monatelang gar nicht und wollte auch gar nichts davon wissen.
Auch das gehört dazu, denn Kinder wissen selbst am Besten, wann ihre „Fenster geöffnet sind“ um etwas zu erfassen und wann etwas ganz anderes dran ist. Mit der Silbenfibel lernte sie nun einzelne Buchstaben zu Wörtern zusammenzufassen. Hierzu gibt es auch ein Schreiblerngang und Übungsheft.
Update: Probiert euch aus! Nach einiger Zeit wurde der Wunsch meiner Tochter sehr groß, Englisch zu lernen und so begann sie mit einem Englisch-Online Programm, in dem sie zeitgleich auch Englisch lesen lernte. Schnell fiel mir auf, dass sie Englisch viel schneller lesen konnte als Deutsch. Ich schaute genauer hin und entdeckte, dass sie sich viel leichter tat, ganze Wörter zu lesen, sie direkt zu erkennen und dabei auch zu begreifen, was sie da grad las, als ein Wort erst in seine Silben zu zerlegen oder aus buntgefärbten Silben zusammenzusetzen.
Mit dieser Erkenntnis packten wir die Silbenfibel weg und es dauerte nicht lange und sie las genauso flüssig Deutsch, wie sie Englisch las.
Meine Tochter ist aber nicht dein Kind, weshalb ich dir diese Möglichkeit der Silbenfibel trotzdem zeigen möchte. Beobachte dein Kind genau, dann wirst du herausfinden, auf welche Art es sich am liebsten und besten mit dem Lesen und Schreiben befassen mag.
Conni aus dem Carlsen Verlag
Kommt dein Kind gut mit der Silben-Methode klar, schau dir für mehr Abwechslung und interessantere Texte die Silbenbücher von Conni an. Conni-Fans finden in den Silben-Geschichten zum Lesenlernen* erste Geschichten zum Lesenlernen und in den Übungsheften* abwechslungsreiche Aufgaben. Mehr Rätselspaß und weniger langweilige Wiederholungen. Es handelt sich um eine ganze Reihe mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, so dass es nicht zu langweilig oder überfordernd wird.
Rechnen lernen beim Freilernen
Gezählt wird bei uns alles. Krümel, Kaffeetassen, Dinosaurier, Legosteine… einfach alles. Ganz beiläufig wurden 1 + 1 zusammengezählt oder abgezogen.
Freilernen macht z. B. super Spaß mit den Fiete Lernapps und die Bildschirmzeit wird auch gut genutzt. Als Eltern kann man sogar in Statistiken schauen und sieht genau, welche Bereiche wunderbar klappen. Oder man lässt den Kids einfach ihren Spaß ;), denn es gibt beim Freilernen kein „hinter sein“ oder vergleichen.
Ein ganz simpler, selbstgebastelter Zahlenstrahl und unsere zehn Finger dienen hier aber hauptsächlich zum Rechnen und so bildete sich mit der Zeit ein Verständnis zu Mengen und Größen bis hin zu unserem Geldsystem.
Wenn unseren Kindern nach Rätseln und Knobeln ist, dann schauen sie aber trotzdem gern in unsere Materialen, denn sie lieben alltagstaugliche Textaufgaben. Für sie hat das auch nichts mit Mathematik zu tun, sondern einfach mit ein wenig Knobeln, sich auf die Suche nach einer Lösung machen und das Gehirn anschmeißen.
Rechnen lernen mit dem Abakus / Rechenschieber
Kein Witz! Die Dinger gibt’s noch immer und solange wir unsere Kinder nicht zwingen damit zu rechnen, spielen sie von ganz alleine mit großer Begeisterung mit Mengen. Bei der Auswahl ist mir persönlich wichtig, dass die Fünfer-Gruppen leicht zu erkennen sind, so wie es beim Abakus von Wissner* der Fall ist. Aber auch ohne die Trennung, mit farblich ansprechenderer Gestaltung wie beim Abakus von Kindsgut*, bleibt der Lerneffekt nicht aus!
Rechnen lernen mit tiptoi
Wie du gemerkt hast, sind wir ziemliche tiptoi-Fans (bis die Kids da rausgewachsen sind)!
Auch beim Zählen und Rechnen wird sich ein tiptoi Stift geschnappt und los geht’s. Im Buch tiptoi Lern-Spiel-Welt Zahlen und Mengen gibt’s wieder eine Menge Minispiele und ganz viel zum Zählen. Auch von Tip Toi gibt es weiterführende Bücher mit erhöhten Schwierigkeitsgraden, so dass es nie langweilig wird. Und das Beste: Sie lernen es einfach nebenbei mit Spaß. Spielen ist Lernen!
Mit dem Spiel Rechenspaß mit Taschengeld* gehen die Kids bei uns einkaufen und kaufen sich mit ihrem Spielgeld die ganze Einkaufsliste hoch und runter. Irgendwann wurde ihnen das Spielgeld zu langweilig, deshalb benutzen wir meist echte Münzen. Der Zahlenraum bis 100 wird so ganz spielerisch verstanden. Weitere Spiele:
Auch beim Freilernen sind Rechnen & Lesen sozusagen die Basics, allerdings ist das Leben viel bunter als diese zwei Themenbereiche, weshalb nicht irgendein Bereich einem anderen vorgezogen wird. Die Welt lässt sich für uns nicht in Fächer einteilen, denn alles ist miteinander verwoben und das meiste lernen wir ganz unbewusst nebenbei. Das eine bedingt das andere. Kochen kommt u.a. nicht aus ohne Mathematik, Lesen, Lebensmittelkunde, Hauswirtschaft und Chemie. Ein Verständnis für Zusammenhänge und Vorgänge entwickelt sich so von ganz alleine und erhält die Freude an Neuem. Es gibt immer und überall was Neues zu lernen!
Wie lernen deine Kinder am liebsten und womit? Erzähl es mir in den Kommentaren und teile deine Erfahrungen & Tipps mit anderen Familien.
Nutzen andere Familien auch Materialien zum Freilernen?
„Freilernen heißt bei uns, unsere Kinder lernen aus ihrem inneren Antrieb heraus, aus Begeisterung und in ihrem Tempo. Sie lernen zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen ganz natürlich, so wie sie auch Laufen, Sprechen und Fahrrad fahren gelernt haben. Es heißt auch, dass unsere Kinder mit Übungs- und Lernheften, Apps und vielen Bücher lernen. Sie lernen das, worauf sie gerade Lust haben. Natürlich findet Lernen nicht nur am Tisch statt, sondern ständig und oft ganz nebenbei. Im Alltag, im Kontakt mit anderen Menschen, auf Reisen und Ausflügen, durch Fragen und ganz wichtig durch Spielen. Lernen vom Leben.“ – Nicole & Robert