Schaden an Gesellschaft und Gleichberechtigung durch Schule?
(Dieser Artikel befindet sich noch in Bearbeitung.)
Was für dich jetzt vielleicht noch wie eine reißerische Überschrift wirkt, wird sich gleich als logischer Zusammenhang zeigen.
Du wirst verstehen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, was wir zu Hauf in seitenlangen E-Mails und Zeugenberichten, Zeitungsberichten und in all den Medien tagtäglich nachlesen und sehen können. Mir persönlich wird jedes Mal so übel und schwindelig davon und trotzdem bin ich nicht überrascht. Denn weder die Epstein-Files, noch der Fall Pelicot ist ein „Einzelfall“ oder betrifft nur „die Elite“. Nein, das Ganze hat System und wird von unserer jetzigen Gesellschaft, ihren Institutionen und Einrichtungen (möglicherweise) auch unbewusst gefördert.
Was bei dir zuhause im Kleinen passiert, sorgt dafür, dass es im Großen passiert. Sorgt für Raub, Mord, Kannibalismus, Verstümmelung, Vergewaltigungen und noch viel mehr.
Um zu verstehen, warum es mehr als relevant ist, was bei dir zuhause passiert, ist es wichtig zu verstehen, in welcher Art „System“ wir eigentlich leben und was das mit dem „Patriarchat“ zu tun hat.
Wenn du dich mit diesen Begriffen noch nie wirklich eingehend beschäftigt hast oder dir unsicher ist, ob wir wirklich vom selben sprechen, dann kein Problem, I’m here to help: >>>Definition & Begriffserklärungen leicht. verständlich: Was bedeuten diese 7 Begriffe wirklich?<<<
Menschen, die den Schulbesuch ihrer Kinder ablehnen oder kritisieren, reden immer wieder „vom System“, in dem sie leben und in dem auch das Schulsystem als „System im System“ existiert. Doch oft ist das, was als „System“ bezeichnet wird, eher eine schwammige Vorstellung und beinhaltet je nach Mensch unterschiedliche Aspekte. Diese Gruppe der Menschen, die Schule kritisieren oder ganz ablehnen wird immer größer und das führt zunehmend zu Missverständnissen untereinander, aber auch nach außen hin bei Menschen, die Schule, wie sie aktuell ist, (noch) befürworten.
Aus diesem Grund ist es essentiell, die Grundlagen und Ursprünge unseres Systems zu verstehen.
So können wir besser einordnen und verstehen, warum
- immer mehr Menschen Schule ablehnen und
- unsere Gesellschaft Menschen hervorbringt, die im Kleinen und im Großen sich gegenseitig schaden.
Doch bevor ich dazu übergehe, ist es mir wichtig, eine Beobachtung aus vielen Reise- und Freilernerjahren zu teilen, für diejenigen, die keine Berührungspunkte bisher mit Freilernern hatten und solche, die sich der unterschiedlichen Wertemodelle innerhalb dieser Gruppe nicht bewusst sind.
Meine persönliche Beobachtung
Durch meine eigene Recherche und Beobachtung in vielen Jahren Reise- und Freilernerleben kann ich heute sicher über diese Bewegung sagen, dass es (mindestens!) zwei stark unterschiedliche Gruppen innerhalb dieser gibt. Doch bei genauerem Hinsehen, fällt etwas auf, auf das ich hindeuten möchte. Der Übersicht halber nenne ich die Gruppenmitglieder Hierarchische und Egalitäre:
- Die Hierarchischen leben gerne in „traditioneller“ Rollenverteilung, ohne oder kaum Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter oder Kulturen. Sie nehmen ihre Kinder gerade wegen der Gleichberechtigungsversuche in staatlichen und schulischen Zusammenhängen aus dem Schulsystem. Hierunter fallen oft, aber nicht ausschließlich Menschen, die (auch unbewusst & ungewollt) Werte vertreten wie AfD-Wähler, Menschen mit stark christlicher (aber auch anderer) Religionszugehörigkeit, Reichsbürger u.ä.. Das „Herrsche-und-Teile“-Prinzip, das mir dieser Stelle gerne unterstellt wird („Freilerner müssen zusammenhalten.“), ist ein Prinzip, dass sie in sich tragen, wenn sie Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht abwerten, um Gleichberechtigung zu vermeiden.
Doch bevor du jetzt aufschreist, hör mich an, denn ich weiß, du bist nicht so, denn an dieser Stelle liegt der Knackpunkt, auf den ich hier gleich eingehen werde.
- Die Egalitären kritisieren gerade die generelle Unvereinbarkeit von Gleichberechtigung im schulischen & staatlichen Kontext mit echter Gleichberechtigung der Kulturen, Geschlechter etc. Daher möchten sie ihre Kinder nicht in einem solchen System aufwachsen lassen und durch sie diese Ungleichheit auch in weiteren Generationen reproduziert sehen. Hierunter fallen emanzipierte, feministische Familien, die eine „traditionelle Rollenverteilung“ ablehnen, Menschen mit Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Geschichten, Bewusstsein über kapitalistische Systeme und Kolonialismus und ihre Ursprünge etc.
Der Knackpunkt:
Viele der Hierarchischen Freilerner sind „lauter“, da sie öfters innerhalb der gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen verkehren. Sie äußern sich abwertend über Migration, gegen Homosexualität etc.
Das hat zwei schwerwiegende Folgen:
- Freilernende Menschen werden von Außenstehenden insgesamt häufiger als Gruppierung gesehen, die die Werte der Hierarchischen vertritt. Aus diesem Grund distanzieren sich Außenstehende dann vom Freilernen, obwohl sie mit dem Schulsystem gar nicht einverstanden sind, nur um sich von den Werten der Hierarchischen abzugrenzen. Die bedeutenden Zusammenhänge von Schule & Patriarchat sind ihnen noch nicht bekannt und um sie geht es in diesem Artikel. Wenn du also das Bedürfnis hast dich von Freilernern abzugrenzen, aber dir noch nicht ganz klar ist, wie Schule und Patriarchat zusammenhängen, dann lies weiter.
- Freilernende Menschen, die sich vor ihrem neuen, freieren Bildungsweg eher unbewusst für Gleichberechtigung und gegen Diskrimierung positioniert haben, sehen sich vermehrt mit anderen Parolen und Aussagen konfrontiert und übernehmen diese in Teilen häufig unbewusst, um ihre Zugehörigkeit zur freilernenden Gemeinschaft zu stärken. Dies zeigt sich besonders in Aussagen wie denen von Ricardo Leppe (Bekannter Mensch in der Freilernerbewegung), die er auf Instagram teilte und sich aufregt (hier gekürzt):
„An allem sind einfach Männer Schuld , die alten weißen Männer. Alle anderen sind super. Und Frauen sowieso.“ Wie diese ganze Feminismus-Kacke hochgekommen ist… – Ricardo Leppe
Und dann spricht er darüber, dass es doch gar nicht um „Pro Frau“ oder „Pro Mann“ gehe, sondern dass wir uns ergänzen als Mann und Frau und sagt weiter, wie unfair es ist, dass es keine Frauenquote für den Bergbau gibt. Wie Feminismus uns spaltet. Wie wir doch rechtlich gleich sind und als Wesen gleich und dass jeder Mann doch aus einer Frau kommt. Dass es biologisch gesehen keine Hierarchie gibt.
Und genau das ist gefährliche Rhetorik. Hier finden sich Menschen wieder, die sagen „Ja, ich stimme zu, dass es biologisch keine Hierarchie gibt, Mann und Frau sind doch gleichwertig.. was wollen diese Frauen eigentlich noch? —-> Sie spalten uns! Feminismus ist schlecht!“
Menschen, die sich für genau das aussprechen, was Feminismus ist und dabei Feminismus vehement ablehnen.
Es ist fast zu absurd, aber ich habe mich gefragt, was da schief läuft:
Menschen wie Ricardo Leppe verwechseln Kritik an einem Herrschaftssystem („Diese Gesellschaftsform (Patriarchat) schadet uns allen gleichermaßen“) mit individuellen Schuldzuweisungen („Du bist schlecht, weil du ein Mann bist.“). Dass Feminismus keinen Mann leiden sehen will, dass Feminismus nicht gegen Männer gerichtet ist, dass es nicht um Herrschaft über einen Mann durch Frauen oder „Frauen sind besser“ geht, haben sie noch nicht richtig verstanden. Einfach deshalb, weil er sich noch nicht eingehend mit unserem aktuellen Herrschaftssystem und seinen Folgen auf uns alle befasst hat. Es geht um strukturelle Ungleichheit und wie diese entstanden ist, das liest du hier im Artikel.
(Aus Fairness-Gründen muss ich an dieser Stelle betonen, dass er sein Reel vom 09.02.26 ein paar Stunden nach der Veröffentlichung wieder gelöscht hat. Nichtsdestotrotz nutze ich seine Argumentation hier stellvertretend für 1000 andere Gespräche, die ich im Laufe meines Lebens zu dem Thema führen durfte. Wollen wir hoffen, dass er meinen und andere Kommentare zum Anlass genommen hat, sich doch nochmal zu hinterfragen.)
Insgesamt führen diese Dynamiken u.a. dazu, dass ein anderer Bildungsweg im Gegensatz zum regulären Schulbesuch innerhalb der Gesellschaft eher als „rechts“ geframed wird. Was sehr interessant ist, da ein Blick in die Welt das Gegenteil zeigt: Der in vielen Staaten sicht- und spürbare Rechtsruck führt aktuell häufiger dazu, dass alternative Bildungswege – wie das Freilernen – neben dem staatlichen Schulbesuch vielerorts kriminalisiert werden, wo sie es vorher noch nicht waren.
Doch was hat Schule mit der Gewalt der Elite oder dem System zu tun?
Wenn wir über Schule sprechen, denken wir zuallererst an einen Ort des Lernens, persönlicher Entwicklung, gesellschaftlichen Fortschritts und möglicherweise auch der Chancengleichheit. Wir sehen „die guten Absichten“, die Schule sich heute auf die Fahne geschrieben hat. Doch wenn wir mal einen Schritt zurückgehen und in die Geschichte menschlicher Gesellschaften eintauchen, erkennen wir, dass das Ganze etwas anders aussieht.
Wir erkennen, wie sich das Patriarchat entwickeln konnte, das Ursache für die abscheulichen Taten ist, die jeden Tag auf unserem Planeten passieren. Von Kriegen über Hexenverbrennung, sexueller Gewalt, Pädophilie und jede andere Art von Gewalt und Machtmissbrauch.
>>>Definition & Begriffserklärungen leicht. verständlich: Was bedeuten diese 7 Begriffe wirklich?<<<
Mit diesem Verständnis für die Entwicklung unserer heutigen gesellschaftlichen Strukturen wird klar, inwieweit die Institution Schule zu großen Teilen mitverantwortlich ist für die Welt, in der wir leben.
Schule ist demnach nicht entstanden, um den Wunsch nach Wissen zu stillen, sondern aus ganz konkreten gesellschaftlichen Bedingungen.
Um das zu verstehen, starten wir weit in der Vergangenheit – in einer Zeit, bevor es Staaten, Städte oder Klassenunterschiede gab.
(Selbstverständlich können wir weder hier noch sonst irgendwo von 100%iger Geschichtsschreibung sprechen, denn das ist schlichtweg unmöglich. Auch wenn das früher im Geschichtsunterricht nie jemand dazu gesagt hat. Geschichte schreiben die Sieger. Die Zusammenhänge, die ich hier erläutere, sind eine sehr wahrscheinliche und in sich logische Schlussfolgerung, die unsere heutigen, gesellschaftlichen Herausforderungen sehr gut erklärt und keine expliziten, möglicherweise fragwürdigen Ereignisse zur Grundlage hat.)
Die große Wende
Große Umbrüche in der Menschheitsgeschichte gab es viele, wie die Entstehung von Staaten, die Industrialisierung oder große Kriege. Doch der entscheidende Umbruch, der zu unser heutigen Gesellschaft führte und viele weitere Umbrüche erst möglich macht, ist bereits 12000-10000 Jahre her:
Die Zeit, bis zu der die Menschen nomadisch lebten und in kleinen Gruppen den Jahreszeiten folgend mit der Natur ihre Ressourcen nutzten. Bis dahin lebten – das zeigen archäologische und ethnologische Studien – viele dieser Gruppen egalitär, d.h. auf soziale Gleichheit ausgerichtet. Besitz spielte eine geringe Rolle, weil man sowieso ständig unterwegs war. Nahrung wurde geteilt und große soziale Unterschiede waren selten.
Mit dem Beginn des dann startenden Ackerbaus durch die Sesshaftwerdung änderten sich diese Muster grundlegend.
Durch Anbau und Tierhaltung wurde Nahrung auf einmal planbar und Knappheit seltener. Die Bevölkerung wuchs natürlicherweise in der Folge erstmal an und der Platz (das für Ackerbau geeignete Land) wurde weniger. Somit wurde Land zu einer wertvollen Ressource, die man nicht mehr einfach aufgeben wollte, sondern die Früchte der eigenen Arbeit ernten und auch an die eigenen Nachfahren weitergeben.
Eine neue Logik, das Besitzdenken (vor allem in Bezug auf Land, Lebewesen, Vorräte) und die damit einhergehende Abgrenzung von anderen Gruppen, entstand: Land wurde zu Besitz -> Besitz musste geschützt werden -> Territorien wurden verteidigt.
Männliche Dominanz
Da Konflikte um Land zunahmen und kriegerische Auseinandersetzungen entstanden, gewann körperliche Stärke immer mehr an Bedeutung, was dazu führte, dass der Status des Mannes aufgrund seiner körperlichen „Vorteile“ in vielen Gemeinschaften wuchs. s. Anm.
Gleichzeitig entstand ein neues Problem: Besitz sollte weitergegeben werden. Felder, Tiere oder Vorräte waren nicht mehr nur für den Moment da, sondern für die Zukunft. Daher war es wichtig zu wissen, wer die legitimen Erben waren.
Männliche Dominanz in Besitz- und Entscheidungsfragen führte zu patrilinearen Abstammungssystemen (Abstammung sollte kontrollierbar über den Vater sein) und Kontrolle über die weibliche Sexualität.
Das Patriarchat war geboren als eine (von mehreren) mögliche gesellschaftliche Ordnung, die sich aus der Sesshaftigkeit entwickelte. Die Entstehung von anderen sozialen Systemen nach Sesshaftwerdung ist damit nicht ausgeschlossen. Anderen Optionen und Entwicklungen konnten jedoch neben dem Patriarchat mit seiner oft groben & kriegerischen Gewalt bis heute nur schwer bestehen und verschwanden größtenteils bis auf wenige Ausnahmen.
In den folgenden Jahrtausenden wurde das Patriarchat durch Entstehung der heutigen Weltreligionen, der Erfindung der Schrift und Gesetze gesellschaftlich immer fester verankert. Deshalb sind natürlich auch die heutigen Religionen von Herrschaftsgedanken und Misogynie (Frauenhass) durchtränkt. Weltweite Verbreitung erlangt das Patriarchat auch durch Militarisierung, Kolonialisierung und Missionsarbeit (religiöse Bekehrung).
Das Patriarchat selbst ist damit das zentrale Organisationsprinzip der heutigen Gesellschaftsform.
Es war eine Folge dieser neuen Lebensweise, nicht jedoch aus einer Ideologie entstanden.
Anmerkung: Hier kann natürlich auch argumentiert werden, dass die Bewertung, körperliche Stärke führe unweigerlich zu höherem sozialen Status, selbst eine Folge patriarchaler Denkweisen der Interpretierenden sei, dem ich im Großen und Ganzen zustimme. Statusbewertungen sind oft kulturell bedingt.
Ich sehe jedoch ein gesteigertes, männliches Aggressionspotenzial und Gewaltbereitschaft in Zusammenhang mit dem Körperbau unter den sich veränderten Bedingungen von großem Besitz, Erbfolge und nun häufigeren, kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich nun viel deutlicher auch gegen Frauen und Kinder aus der eigenen Familie gerichtet haben könnte bei dem Versuch ihre Sexualität zu kontrollieren (z. B. Mord an einem Baby, das durch Vergewaltigung durch einen fremden Mann entstanden ist, um nur leiblichen Kindern Besitz zu vererben). Die „Notwendigkeit“ (es tut weh, das zu schreiben) ist vorher nicht da gewesen, weil es keinen großen Besitz zu vererben gab. Dies kann zu Verhaltensänderungen – wahrscheinlich vermehrter Unterwürfigkeit der Frauen – geführt haben, um am Leben zu bleiben und die eigenen Kinder zu schützen.
Staat, Klassen & Industrie als Folge
Soziale Ungleichheit entsteht, wenn Besitz ungleich verteilt ist.
Manche Gruppen besitzen mehr Land, mehr Tiere, mehr Vorräte als andere.
Aus dieser Ungleichheit entstanden Klassenstrukturen (z. B. Oberschicht, Unterschicht), denn die Erbfolgen sichern Macht innerhalb dieser männlichen Linien. Reiche Familien bleiben also eher reich und ärmere Familien arm. So sind die Klassen an Besitz geknüpft.
Je mehr eine Gruppe oder Familie besaß, desto mehr musste sie ihren Besitz organisieren, schützen, kontrollieren und verwalten. Auf diese Weise entstanden politische Strukturen vom Anführer über Verwaltungsapparate, Militär, Monarchien… und schließlich Staaten – getragen von männlich dominierten Machtstrukturen. Damit ist die Existenz von Staaten Ausdruck patriarchaler Ordnung.
Staaten sind also nicht einfach so im luftleerem Raum entstanden, sondern innerhalb hierarchischer, patriarchaler Strukturen.
Ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung war die Industrialisierung. Um sich zu entwickeln war Privateigentum, Arbeitsdisziplin, soziale Hierarchie und staatliche Organisation notwendig. In der Fabrik, die das Feld für viele als Arbeitsort ablöste, herrschen klare Regeln, Kontrolle und Disziplin neben festen Arbeitszeiten und natürlich einer klaren Hierarchie.
Und hier kommt die Schule ins Spiel
Das moderne Schulsystem entsteht vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, parallel zur Industrialisierung und zur Entwicklung moderner Nationalstaaten.
Damit Staat & Industrie weiter funktionieren, sahen sie wichtige Eigenschaften der Menschen in
- der Fähigkeit lesen und schreiben zu können,
- gehorsam, diszipliniert und pünktlich zu sein,
- sie sollten innerhalb der Strukturen funktionieren und
- die dafür nötigen Werte teilen.
Da die meisten Arbeiter diese Fähigkeiten nicht „von Haus aus“ mitbrachten, entstand die Notwendigkeit eines Ortes, an dem diese Fähigkeiten und Werte vermittelt wurden. Und das bestenfalls schon von klein auf an.
Die Schule war geboren.
Dieser Ort ist ein Produkt patriarchaler Gesellschaftsordnung.
Schulische Strukturen sind nicht zufällig und spiegeln auch heute noch diese Anforderungen wider, die gar nicht so weit her „von gestern“ sind, da sie in unserer heutigen, noch immer auf Hierarchie, Wettbewerb und Besitz aufgebauten Gesellschaft ebenso gebraucht werden. Darunter fallen:
- feste Stundenpläne
- Klingeln als Taktgeber
- Frontalunterricht (auch wenn es hier Bemühungen in andere Richtungen gibt)
- Noten und Leistungsvergleiche
- Autorität der Lehrkräfte
- Trennung nach Leistung
Schule ist damit kein neutraler Ort, der außerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse steht. Sie ist Teil eines Systems, das über Jahrtausende gewachsen ist und Ungleichheit, Hierarchie und damit Gewalt am Leben hält und reproduziert.
Es gab und gibt jedoch auch Versuche, Schule bewusst gegen hierarchische und patriarchale Strukturen zu gestalten, z. B. Montessori-Pädagogik, demokratische Schulen, feministische Pädagogik und inklusive Bildungsinitiativen.
Doch so sehr Schule auch versucht diese Strukturen abzulegen… es ist nicht möglich. Lehrkräfte gehören zu eben dieser Gesellschaft, Lehrpläne vermitteln gesellschaftliche Werte usw. Wir drehen uns im Kreis.
Das moderne Schulsystem ist nicht nur ein Produkt von Staat und Industrialisierung, sondern ein Ausdruck einer seit der Sesshaftwerdung patriarchal geprägten Gesellschaftsordnung.
Und das ist der springende Punkt in allen Debatten, in denen Schule als Ort der (Chancen-)gleichheit ausgelobt wird: Da Schule aus dieser hierarchischen, patriarchalen Gesellschaft hervorgegangen ist, trägt sie deren Strukturen in sich. Und solange unsere Gesellschaft von Ungleichheit geprägt ist, kann Schule zwar versuchen hier und da etwas auszugleichen, doch als Teil der selben Logik niemals zu wahren gesellschaftlichen Änderungen oder gar Gleichberechtigung führen.
Nochmal: Schule ist kein isolierter Raum, sondern ein Teil der Gesellschaft. Sie übernimmt deren Werte, Machtverhältnisse und Ungleichheiten.
Das bedeutet, wenn eine Gesellschaft patriarchal organisiert ist, dabei Klassenunterschiede aufweist und diskriminierende Strukturen enthält, dann finden sich und wirken die selben Strukturen auch in der Schule!
Schulen reproduzieren gesellschaftliche Ungleichheiten:
- Soziale Hierarchien: Unterschiedliche soziale Hintergründe der Kinder (kulturelles Kapital wie Bildungsniveau, Sprachliche Förderung, aber auch Einkommen der Eltern, Wohnverhältnisse, Gesundheit & Ernährung, Geschlechterrollen und Erwartungen) sorgen für unterschiedliche Chancen, da das System das eine Verhalten oder Wissen als Talent, Fleiß oder Intelligenz lobt und das andere abstraft. Klassen- und Statusunterschiede werden auf diese Weise stabilisiert.
- Sexistische Strukturen: Gesellschaftliche Rollenbilder wirken auch hier, z. B.: Jungen werden eher mit Durchsetzungsfähigkeit assoziiert, Mädchen eher mit Fleiß und Anpassung. Manche Fächer gelten als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“. Diese Erwartungen haben letztendlich mehr Einfluss auf z. B. die Fachwahl, das Verhalten im Unterricht, als uns lieb ist
- Hierarchie als Organisationsprinzip: Menschen werden nach Leistung sortiert, vorbereitet auf gesellschaftliche Hierarchien, Normen vermittelt wie Gehorsam, Pünktlichkeit, Anpassung. Lehrkräfte entscheiden über Noten, Versetzung, Empfehlungen, Schüler haben wenig bis kein Mitspracherecht. Strukturelle Ebenen: Bildungsministerium -> Schulaufsicht -> Schulleitung -> Lehrkräfte -> Schüler
Innerhalb der Schule: Klassenstufen – Notenhierarchien – Leistungsgruppen – Übergänge (z. B. Hauptschule, Realschule, Gymnasium) - Normvermittlung: Schulen vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch gesellschaftliche Werte (z. B.: Respekt vor Autorität, Wettbewerb statt Kooperation und Leistungsorientierung) und unausgesprochene Regeln (z. B.: wer sich anpasst, wird belohnt – wer spricht, bekommt Aufmerksamkeit – wer nicht in die Norm passt, wird sanktioniert) – das Hidden Curriculum, der versteckte Lehrplan.
Diese Normen stabilisieren hierarchische Ordnungen, reproduzieren traditionelle Rollenbilder und legitimieren bestehende Machtverhältnisse.
Eine sozial ungleiche Gesellschaft kann also keine absolute Gleichberechtigung in der Institution Schule hervorbringen.
Die Basis für derartige Gewalt, wie wir sie heutzutage erleben, entsteht.
Fazit
Das moderne Schulsystem ist kein neutraler Ort zum Lernen und sich bilden. Es ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die mit der Sesshaftwerdung begann. Besitz, Hierarchien und patriarchale Strukturen prägten die Entstehung von Staat, Klassen und Industrie – und eben auch die Schule.
Schule ist kein isolierter Raum – sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat.
Wollen wir eine andere, neue Gesellschaft gründen, die ohne Gewalt existieren kann, die unseren Planeten schützt und unseren Kindern eine echte Zukunft schenkt, dann sind hierarchische Strukturen wie das Patriarchat darin nicht zu finden und damit auch keine Schule, wie wir sie heute kennen.
Doch wie gehen wir das an? Wie sorgen wir dafür, dass Gewalt, Kriege und Ungleichheit aufhört und wir uns sicher und nachhaltig durch unser Leben bewegen können?
Es hilft nicht, auf eine Lösung „von oben“ zu warten.
Darauf, dass „das Richtige“ wählen die Dinge grundlegend verändern wird.
Darauf, dass Gesetze erlassen werden, die unsere Kinder schützen.
All das wird nichts bringen, weil die Leute an der Spitze selbst das Problem sind: Die Nutznießer dieses Systems.
Es kann daher nur eine Lösung sein, die „von unten“ kommt.
Von dir und mir. Von deinen und meinen Freunden und Verwandten.
Jetzt, wo du weißt, woher unsere aktuelle Kultur stammt, wird dir vermutlich klar, dass wir Alternativen schaffen müssen.
Alternativen für Kapitalismus, Kolonialismus, Patriarchat.
Der Wunsch unsere Gesellschaft zu verändern, muss so groß in uns wachsen, dass wir aufhören, nur darüber nachzudenken, sondern endlich handeln.
Und das fängt an mit dem ersten und kleinsten Schritt:
Schritt 1: Wir bauen Beziehungen auf und verbinden uns wieder echt unter- und miteinander. Von Mensch zu Mensch. Beziehungen, die auf Freundlichkeit, Fürsorge, Empathie und echter Verbundenheit beruhen.
Dieser kleine, vermeintlich irrelevant wirkende Schritt ist das Gegenteil von dem, was wir zerstören wollen.
Schritt 2: Wir bilden kleine Gemeinschaften, die sich selbst erhalten und von Werten getragen werden, die u.a. nachhaltig, zukunftsorientiert und gewaltfrei sind, um patriarchale Strukturen, die zu Ungleichheit und Gewalt führen, in Zukunft auszulöschen.
Mach dich gemeinsam mit anderen, so weit es möglich ist, unabhängig von den herrschenden Strukturen, versorgt euch selbst, stellt alles in Frage (Landbesitz? Ländergrenzen?) und sortiert euch neu.
Um das ganze noch zu beschleunigen und bereits erste Ergebnisse in der nächsten Generation zu sehen:
Schritt 3: Wir nehmen die Kinder aus den Schulen. Bereitet sie nicht auf ein System vor, das zu ihrem eigenen Schaden existiert.
Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel kommt von unten, nämlich genauer gesagt durch unsere Kinder. Nicht von schlauen Erwachsenen mit cleveren Ideen, sondern von wilden Kindern, die spielerisch ihre Realität kreieren. Doch unsere Gesellschaft ist auf jede erdenkliche Weise gegen Kinder gerichtet und zerstört damit diese generative Kraft.
Aktuelle Gewalttaten, die durch patriarchale Strukturen entstanden sind
Kolumbus hat schon in seinem Tagebuch über den Verkauf von 9-10-jährigen Mädchen geschrieben. Nach ihm ist sogar ein Feiertag in den USA benannt. 500 Jahre später sind wir immer noch nicht genug geschockt, um was zu unternehmen?
All die Nachrichten, die jede Frau zum Brechen bringen, sind kein „Skandal“.
Das alles ist ein Muster und Muster durchbrechen sich nicht selbst. Du musst sie erst erkennen:
- Alles im Zusammenhang mit den Epstein Files (keine Links an dieser Stelle)
- https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/frauen-vor-gewalt-schuetzen/haeusliche-gewalt/formen-der-gewalt-erkennen-80642
- Gisèle Pelicot: https://www.deutschlandfunkkultur.de/urteil-vergewaltigung-prozess-frankreich-gisele-pelicot-100.html
- https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/telegram-ko-tropfen-vergewaltigung-netzwerk-100.html
- https://www.zeit.de/news/2026-02/02/freundin-betaeubt-und-vergewaltigt-mordversuch-angeklagt
- https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2025/frauen-betaeubt-und-gefilmt-das-netzwerk-der-vergewaltiger,vergewaltiger-netzwerk-100.html
- und viel zu viele mehr.
Besondere Aufmerksamkeit darf auch der verharmlosenden Sprache gewidmet werden, in der die Medien über solche Fälle berichten.
„Minderjährige Frauen“ anstatt „Kinder“ oder „Beziehungsdrama“ anstatt „Femizid“ usw.



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