Als digitale Nomaden, also Reisende, die ortsunabänmgig arbeiten, sind wir jeden Tag aufs Internet angewiesen. Datenvolumen und mobiles Netz sind plötzlich Thema, weil das Internet unterwegs nicht mehr selbstverständlich aus der Wand kommt.
Aber auch das lässt sich unterwegs lösen!
Wer viel Online Arbeit zu erledigen hat, große Dateien hoch- und runterladen muss, verbraucht im Monat zurückhaltend um die 200-300GB. Nach oben natürlich offen…
Unsere Kids verbrauchen für die eine oder andere Lieblingsserie, den Online Kurs oder andere Online Bildungsangebote immer wieder Datenvolumen und wer wie wir gerne mal einen „gemütlichen Abend“, ein Kinoabend mit Popcorn, Kerzen, eingekuschelt in Decken macht, bei dem geht ohne ausreichendes Datenvolumen gar nichts!
Bevor wir unsere Reise antraten, dachten wir, dass das niemals nie klappt mit der Arbeit und dem Internet unterwegs im Wohnmobil. Wir kannten ja das mobile Netz in Deutschland und waren dementsprechend pessimistisch eingestellt. Sobald man in Deutschland ein bisschen ländlicher unterwegs ist, darf man wieder wie früher auf Hügel steigen und in der typischen Haltung mit ausgestrecktem Handy den besten Platz zum Absenden der Mail finden. So kann ja wirklich niemand arbeiten! Zudem hatten wir keine Ahnung, wieviel GigaByte wir wirklich im Monat brauchten und wie viel wir verbrauchen, wenn wir wirklich sparsam sind.
Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Ja, Internet unterwegs auf Reisen ist kein Problem!
Zum Einen ist das mobile Internet in fast allen Ländern, die wir bisher besucht haben, besser ausgebaut als in Deutschland (Überraschung? Not!); zum Anderen gibt es in vielen Ländern durchaus gute Prepaid Angebote mit ausreichend Datenvolumen. Mittlerweile gibt’s da auch für Deutschland ein gutes Angebot, dazu aber mehr weiter unten.
Internet unterwegs: Smartphone-Hotspot oder LTE-Router?
Ich höre von vielen Reisenden, dass sie einfach ihr Handy zum Hotspot machen – eine Einstellung im Smartphone, die jedes Smartphone heutzutage besitzt – und sich so auch mit ihren Laptops ins Netz einloggen.
Doch was, wenn der Empfang wirklich mal schlecht ist? Sind die integrierten Antennen in Smartphones stark genug? Diese Variante habe ich im Vergleich zu unserer Standard-Lösung unten getestet und komme zu dem Schluss, dass die Smartphone-Antennen wirklich um einiges schwächer sind. Sie reichen aber in Gegenden aus, in denen der Empfang sowieso schon ausgezeichnet ist. Zudem kann sich dann derjenige, dessen Handy der Hotspot ist, nie von den anderen entfernen, wenn die grad Internet brauchen. Lediglich eine Lösung für Alleinreisende.
Die Lösung kam für uns in Form eines mobilen LTE-Routers: Nach kurzer Recherche zog der hochgelobte Nighthawk M1 von Netgear* ein. Dieser hat uns nun über viele Jahre mit wirklich gutem Empfang und leichter Bedienbarkeit überzeugt, der selbst dann noch ein bisschen Empfang findet, wenn unsere Smartphones nur noch „nur Notruf möglich“ anzeigen.
Mittlerweile gibt es sogar einen 5G-Router von Netgear*. Zum Einen kommt dieser vielen nicht aufgrund der umstrittenen 5G-Technologie ins Haus, zum Anderen ist das Preis-Leistungsverhältnis des deutlich günstigeren 4G-Routers unschlagbar! Von digitalen Nomaden empfohlen ;).
Internet unterwegs ohne externe Antenne
Wenn man anfänglich nicht den Fehler macht wie wir, sich einSet externe Antennen dazu zu besorgen, dann kriegt man auch an fast jedem Plätzchen guten Empfang und kann beruhigt in die Arbeitswoche starten. Wieso keine externen Antennen am LTE-Router, fragst du?
Grundsätzlich kannst du natürlich externe Antennen* besorgen, aber achte beim Kauf darauf, dass diese einen besseren Empfang liefern, als die ohnehin schon guten internen Antennen des Routers. Ein Punkt, den wir nicht bedacht hatten, weil wir dachten, dass die Externen auf jeden Fall besser sind.
Sobald externe Antennen am Nighthawk angebracht sind, werden die Internen ausgeschaltet und wir ärgern uns mit schlechtem Empfang herum. Muss man aber auch erstmal drauf kommen…
Dort werden für fast jedes Land der Welt, so aktuell es eben grad ist, passende Anbieter und Tarife vorgestellt. Der Gang zum nächsten Handyladen bleibt da zwar nicht aus, allerdings tut der Überblick über das grundsätzliche Angebot gut, um einschätzen zu können, wie hoch die Kosten pro Monat werden könnten. Lass dir aber in jedem Fall sagen, ob es derzeit besondere Angebote gibt.
In manchen Ländern gibt es Unlimited Datenvolumen zu circa 1 Euro/Tag, darunter zählt mittlerweile sogar freenet FUNK aus Deutschland, bei denen du nur 99ct/Tag zahlst, täglich kündbar. Wem das reicht, der bekommt sogar im EU-Roaming 1 GB/Tag. 30 Tage pausieren ist ebenfalls möglich, wer nicht direkt kündigen mag. Aber auch NOS aus Portugal spielt in dieser Liga.
Ein paar Beispiele (Tarife können aktualisiert worden sein vom Internetanbieter):
Rumänien: 10 Euro für 100 GB bei Vodafone oder 6 Euro für 60 GB bei orange reines Datenvolumen oder 8 Euro für Unlimited Data mit Telefonie bei Vodafone
Griechenland: 25 Euro für 200 GB Cosmote / Sonderangebot von Vodafone 13 Euro unlimited Datenvolumen im Lockdown 20/21) / 25 Euro für Unlimited bei WIND
Portugal: 1 Euro pro Tag für unlimited Datenvolumen bei NOS
Spanien: 17 Euro für 28 GB bei simyo (doppeltes Datenvolumen geschenkt in der Weihnachtszeit), aber noch viel besser: 35 Euro für 150 GB bei Yoigo (auch 15 Euro für 20 GB) bei Yoigo. Großer Vorteil: Roaming in Frankreich funktioniert mit diesen Karten wunderbar, so dass du dir bei Durchreise durch Frankreich die Fahrt zum Handyladen sparst! In Portugal hat’s leider nicht geklappt.
Frankreich: 19 Euro für 100 GB und 25GB im Roaming (Roaming damit hat bei uns nicht funktioniert.) bei free.
Dänemark: 15 Euro für 100 GB bei Lebara oder für ca. 22 Euro 400 GB (benötigt eine Adresse, an die man sich die SIM-Karte schicken lassen kann).
Bulgarien: 15 Euro für 30 GB bei A1.
Internet unterwegs: Warum nicht mit einem deutschen Tarif ins Ausland?
Wir schauten anfangs nach guten deutschen Tarifen, die wir mit ins Ausland nehmen konnten. Als Bestandskunden wollte man uns nicht die Konditionen zuteil kommen lassen, die Neukunden bekamen oder die Kosten überstiegen maßlos die Kosten, die uns mit einer inländischen Prepaid Sim im Zielland erwartet hätten. Zudem ist das Roaming auf die EU beschränkt und wer weiß denn so genau, wo wir in einem halben Jahr vielleicht sind?
Auch die Fair-Use-Policy muss im Auge behalten werden, denn die deutschen Tarife sind von ihren Anbietern nicht dazu gedacht, dass sie ununterbrochen im Ausland genutzt werden. Manch Unlimited Data Tarif wird auch im Roaming limitiert, ohne dass diese Information, auch nicht bei mehrmaligen Nachfragen, an den Kunden weitergegeben wird.
Natürlich heißt das nicht, dass sich ein deutscher Tarif für dich nicht lohnen kann.
Internet unterwegs: Wie kann ich meine deutsche Handynummer behalten?
Mir ist wichtig, dass ich immer noch für Freunde und Familie, aber auch geschäftlich mit deutscher Handynummer erreichbar bin. Hier kommt die kostenlose App Satellite ins Spiel. Satellite ist eine App, die wie ein Dual Sim Handy funktioniert und mir erlaubt unter meiner deutschen Nummer weiterhin erreichbar zu sein, ohne an einen deutschen Handyvertrag zu gebunden zu sein. Telefoniert wird hierbei über die mobilen Daten, die wir uns in jedem Land sowieso besorgen müssen, so dass keinerlei weitere Kosten anfallen. Schaut mal rein: satellite.me
Schreib mir auch deine Tipps für andere Länder oder Anbieter in die Kommentare und ich werde sie in diese Liste aufnehmen!
Du willst mehr Freiheit & Unabhängigkeit und ins Digitale Nomadentum starten?
Du fühlst dich ein wenig überfordert mit dieser Aufgabe, weißt nicht, wie du das angehen sollst, wie du ortsunabhängig dein Business starten kannst, keine Idee womit und keine Lust auf Technik-Gefriemel?
In der Vagabundenpost bekommst du regelmäßig Wissenswertes und Neuigkeiten auch zum ortsunabhängigen Arbeiten & immer wieder kleine Guides, Checklisten oder Anleitungen. Gerade jetzt kannst du dir meine Online Business Roadmap sichern. Das ist dein Wegweiser durchs Online Business, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, so dass du immer weißt, wo du auf deiner Online Business Reise stehst und welche Schritte du möglicherweise noch nachholen willst.
Abmelden aus Deutschland ist ziemlich einfach. Ein Gang zum Meldeamt. Doch bist du jetzt obdachlos? Und was passiert jetzt? Ja, was bin ich jetzt eigentlich? Manche nennen es obdachlos, andere fragen mich ganz direkt, ob ich jetzt noch Deutsche sei. Und dass das überhaupt geht.. sich einfach abmelden… darf man das eigentlich?
So viele Fragen zur Abmeldung aus Deutschland führen auch zu vielen Antworten. Und vor allem total unterschiedlichen Antworten, dass du dir die Haare raufen willst.
„Was muss ich denn jetzt beachten, wenn ich mich abmelden will? Ist es in meiner Situation überhaupt notwendig? Gibt es Alternativen? Finanzamt, Krankenkasse, Familienkasse, Schulamt – was haben die damit zu tun?„
Damit du nicht vor den selben Hindernissen stehst, die leider schon sämtliche Reisefamilien in Atem halten und sie sogar zeitweise dazu gezwungen haben, nach Deutschland zurückzukehren, möchte ich hier die für mich wichtigsten Institutionen nennen, die deine Abmeldung aus Deutschland überhaupt etwas angeht und was du bedenken solltest, wenn du eine Weltreise oder Auswanderung planst.
Diese Aufzählung erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch Richtigkeit, da sich Gesetze, Verordnungen und Vertragsbedingungen täglich ändern können. Sie soll dir hier als Anhaltspunkt dienen. Nimm mit, was auf deine Situation passt und recherchier weiter, stell Fragen oder erzähl, was bei dir geklappt hat oder nicht hier unten in der Kommentarspalte.
Die Abmeldung aus Deutschland selbst geht ganz schnell. Du gehst zu deinem Einwohnermeldeamt und sagst, dass du dich (bzw. ihr euch) aus Deutschland, genau genommen aus der Wohnung oder dem Haus, das du bewohnt hast, abmelden willst. Denn nichts anderes ist eine Abmeldung. Du meldest dich von deiner gemeldeten Adresse ab und sagst damit sowas wie:
“Aus dieser Wohnung bin ich ausgezogen und ich werde keine neue Wohnung in Deutschland beziehen.” Die (meist) nette Dame oder der nette Herr kann dir dann nach wenigen Klicks einen neuen Aufkleber auf den Personalausweis kleben, auf dem steht “keine Wohnung in Deutschland” (manchmal auch anders formuliert), wo sonst deine Adresse stand. Fertig.
Doch damit fängt der Spaß erst an und es ist ratsam diesen Schritt erst als den allerletzten vorzunehmen und dich erst den anderen Ämtern und Institutionen zu widmen.
Übrigens kannst du deine Abmeldung auch online vornehmen, per Post oder e-Mail einreichen oder persönlich erscheinen. Sieben Tage vor deinem Auszug und bis zu 14 Tage nach deinem Auszug sollte die offizielle Abmeldung stattfinden.
Ein guter Zeitpunkt…
…um sich um alles andere zu kümmern, sind die Monate vor deinem Wegzug und damit deinem offiziellen Abmelden aus Deutschland.
Du hast also die Kündigung deiner Wohnung abgeschickt oder dir Mieter oder Käufer für dein Eigenheim gesucht. Ja ja, du lachst. Manche Menschen machen das tatsächlich andersherum.
Ohne Meldeadresse steht die Welt Kopf
Kopfstand war bei mir anfangs täglich notwendig. Was die Leute in den Behörden brauchen, sind nämlich Adressen. Nach dem Abmelden merkst du, dass so vieles nicht mehr geht ohne Adresse. Gefühlt. Und bitte offizielle.
Denn: Für die meisten Menschen ist ein Leben ohne Meldeadresse eh nicht vorstellbar, so dass kaum eine Behörde oder Abteilung auf deinen Fall vorbereitet sein wird. Es lohnt sich in fast jedem Fall in AGBs, Gesetze und sonstige Bedingungen reinzuschauen.
Welche Institutionen sich für deine Adresse interessieren, liest du nun.
Sei dir aber bewusst, dass es nur eine Meldeadresse ist, die aber nicht notgedrungen mit deinemWohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt zu tun hat. Die Meldeadresse dient oft als Indiz für Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt.
Gesetzliche Krankenkassen und Auslandskrankenversicherung
Ob angestellt oder selbstständig: Deine reguläre Krankenkasse oder -versicherung will in den meisten Fällen einen Meldeadresse vorliegen haben, da diese als Indiz deines Wohnsitzes dienen soll.
Tatsächlich gibt es aber keine Pflicht zum festen Wohnsitz mit Meldeadresse, so dass dir eine fehlende Meldeadresse zwar das Leben erschweren kann, aber dich nicht in jedem Fall von den Leistungen deiner Krankenkasse ausschließt. Je nachdem, wie dein Status in Deutschland nach deiner Abmeldung sein soll, kannst du weiterhin in Deutschland Leistungen in Anspruch nehmen (z.B. bei Sozialversicherungspflicht durch Anstellung). Hier gilt nicht der Wohnsitz, sondern das Beschäftigungsland als ausschlaggebend. Besprich dies aber vorab mit deiner gesetzlichen Krankenversicherung. Bist du privat in Deutschland versichert, sieht das ganze aber noch einfacher aus.
Beim Abmelden aus Deutschland und ohne sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis gibt es für dich auch die Möglichkeit, gänzlich aus der deutschen Krankenkasse rauszukommen. So wirklich kündigen kann man nicht, da die Krankenversicherung ja in Deutschland verpflichtend ist für alle in Deutschland wohnhaften oder sozialversicherungspflichtigen Personen. Gehörst du nicht mehr zu diesem Personenkreis, gibt es auch keine Versicherungspflicht mehr für dich. Im Grunde reicht hier eine Mitteilung, dass du abgemeldet bist und ausgewandert und eine Kopie deiner Abmeldung. Was leider nicht bedeutet, dass dein Sachbearbeiter deine Situation begreift und auch entsprechend handelt.
Trotz Abmeldung noch angestellt sein und versichert?
Ja, es ist sogar möglich weiterhin in einem Anstellungsverhältnis in Deutschland zu bleiben und trotzdem abgemeldet zu sein. Bei dieser Konstellation solltest du aber bedenken, dass du weiterhin sozialversicherungspflichtig bist und für dich damit die Versicherungspflicht gilt. Diese kannst du auch bei Entsendung ins Ausland in einem anderen Staat erfüllen. Gibt es keinen anderen Staat, bleibt es in Deutschland.
Du hast aber die Möglichkeit, die gesetzliche Krankenkasse zu kündigen und einen Nachweis über eine Folgeversicherung, die dich auch im Ausland versichert, vorzulegen. Hier gilt dann auch eine Kündigungsfrist.
Mir ist bis dato allerdings keine private Auslandsversicherung bekannt, die alle Sozialversicherungen abdeckt, so dass du auch im Ausland ohne Wohnsitz als sozialversichert giltst!
Auch Selbstständige können sich abmelden und ihre Firma in Deutschland belassen. Da hier oft nicht alle Sozialversicherungen nötig sind (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung können wegfallen) wie bei Anstellung, ist eine private Auslandskrankenversicherung als Folgeversicherung oftmals ausreichend, um aus der gesetzlichen Krankenkasse auszusteigen.
Leider kommst du um diesen Punkt nicht herum, wenn du wirklich keinen Stress mit deiner Versicherung willst: Lies die Vertragsbedingungen gründlich, damit du weißt, ob die Versicherung sich in deinem Fall nicht wegen einer Klausel im „Kleingedruckten“ aus dem Staub machen kann und dich auf einem Schaden sitzen lassen kann, dessen Übernahme sie dir versichert hat.
Muss ich die Abmeldung dem Finanzamt melden?
Auch das Finanzamt will wissen, ob du noch in Deutschland gemeldet bist. Das ist allerdings nur von Belangen, wenn du Einkünfte aus Deutschland beziehst, z. B. durch ein Arbeitsverhältnis, selbstständiges in Deutschland angemeldetes Unternehmen, Vermietung o.ä.
Wenn du also weiterhin steuerlich in Deutschland in Erscheinung trittst, benötigt das Finanzamt dann eine von dir bestimmte Person mit Wohnsitz in Deutschland, die als Empfangsbevollmächtigte deine Post empfängt.
Zuverlässige Verwandtschaft oder richtig gute Freunde eignen sich dafür sehr gut. Die Post gilt dann als offiziell an dich zugestellt!
Wenn du verheiratet bist oder in eingetragener Lebenspartnerschaft lebst und sich nur ein Teil deiner Familie abmelden will, dann interessiert das auch das Finanzamt. Je nachdem, wie du vorher steuerlich aufgestellt warst, kann sich bei Abmeldung nur eines Partners aus Deutschland die Steuerklasse zu deinen Ungunsten verändern. Bevor sich also eine/r von euch abmeldet, solltest du mit deinem Finanzamt in Kontakt treten, um zu erfahren, welche Unterlagen sie von dir brauchen.
Wie bekommt man Kindergeld, wenn man abgemeldet ist?
Kindergeld im Ausland ist einer der Punkte, den du höchstwahrscheinlich nicht komplett vor deiner Weltreise oder auch Auswanderung klären kannst. Keine Sorge, das ist ganz normal und geht vielen Familien so. Bei uns ging es jedenfalls nicht vorher, da die Familienkasse sehr langsam arbeitet und gerne viele Nachfragen hat. 😉
Dieses Thema ist wohl für viele Familien eines der wichtigsten, daher habe ich ihm einen ganz eigenen Artikel gewidmet, in dem du mehr erfahren kannst: Kindergeld im Ausland und auf Reisen.
Fest steht auf jeden Fall: Wenn die Finanzierung deiner Reisepläne mit dem Kindergeld oder anderen staatlichen Geldern steht oder fällt, ist das kein guter Startpunkt. Bau dir erst ein Einkommen auf, mit dem du stressfrei in dein neues Leben starten kannst.
Auch hier fordern viele Banken eine Meldeadresse in Deutschland. Bisher scheinen aber noch keine Abgleiche mit den Meldeämtern durchgeführt zu werden, da Banken private Unternehmen sind, so dass die meisten Familien ihre Konten einfach so weiter nutzen können. Es gibt trotz allem auch Banken, die keine Meldeadresse verlangen. Da sich dies schnell ändern kann, mag ich an dieser Stelle keine spezielle Bank empfehlen.
Bedenke also, dass du neue Konten am besten vor deiner Abmeldung eröffnest oder aber mit deiner Bank eine Absprache triffst (z. B. weil du ein Geschäftskonto benötigst). Insbesondere dann, wenn du eine oder zwei Kreditkarten mitnehmen willst und noch keine hast. Direktbanken können hier der way to go sein, wenn du doch noch von unterwegs ein Konto benötigt.
Was ist mit der Schulpflicht nach der Abmeldung aus Deutschland?
Schulpflichtige Kinder an Bord interessieren das Schulamt und die Schule, auf die sie zuletzt gingen bzw. an der sie angemeldet sind. Normalerweise reicht die Kopie der Abmeldung des Kindes aus Deutschland als Nachweis aus, um aus der Schulpflicht entlassen zu werden.
Manche Schulämter oder Schulen allerdings wollen Schulbescheinigungen der Folgeschule ausgestellt bekommen, was natürlich dann nicht notwendig ist, solange du wirklich Deutschland mit ihnen längerfristig verlässt und ihr euch alle gemeinsam abmeldet. Diese Forderungen darf man getrost ignorieren oder aber bestimmt, aber freundlich reagieren. In einigen Fällen sind diese Forderungen aber leider rechtens, nämlich dann, wenn doch noch die Schulpflicht greift, auch wenn du meinst, dass das nicht mehr sein kann.
Doch wann sind deine Kinder wirklich nicht mehr schulpflichtig?
Genau dann, wenn laut dem Schulgesetz deines Bundeslandes keine Schulpflicht mehr begründet werden kann. Je nachdem, was das jeweilige Gesetz vorsieht, könnt ihr gemeldet bleiben oder müsst euch abmelden, müsst euer Haus verkaufen, langfristig vermieten oder könnt es einfach so stehen lassen, wie es gerade ist. Hast du eventuell vor, in das Haus zurückzukehren? Auch diese Absicht spielt mit rein. Es dürfen sich im Einzelfall dann auch keine Gegenstände der Kinder in der Wohnung befinden, sie müssen komplett ausgezogen sein. Is‘ kacke, is‘ aber so.
Manche Familien möchten nur ihre Kinder aus Deutschland abmelden und selbst in Deutschland gemeldet bleiben. Manche Meldeämter machen das mit. Online soll es noch einfacher sein. Es gibt einige Familien, bei denen es so funktioniert. Wer es aber rechtlich einwandfrei möchte, schaut sich am besten die Gesetze dazu an:
§11 BGB : „Ein minderjähriges Kind teilt den Wohnsitz der Eltern;…“
Wenn du es genau wissen willst, hüpf rüber zum Beitrag Kinder abmelden und erfahre, wie und wann es funktioniert.
Diese Gesetze haben auch durchaus ihre Berechtigung. Sie sollen u.a. dem Schutz des Kindes dienen, das somit nicht einfach abgemeldet werden kann um z. B. eine Straftat zu vertuschen. Eine Abmeldung des Kindes alleine kann aber trotz allem erfolgreich sein, insbesondere dann, wenn es z.B. bei Verwandten im Ausland gemeldet wird.
In Raus aus der Schulpflicht! findest du noch weitere Informationen dazu, wie du deine Kids aus den Schulen holst.
Und jetzt viel Erfolg beim Abmelden und wenig Behördenstress!
Welche Erfahrungen hast du bei der Abmeldung gemacht? Erzähl mir davon in den Kommentaren!
Du hast noch weitere Fragen zu den Themen Abmeldung und Familie?
Nun gibt es diverse Varianten, wie Familien reisen oder auswandern. Bleibst du in Deutschland gemeldet, bist du abgemeldet? Bleibt ein Elternteil in Deutschland gemeldet? Bist du vom Arbeitgeber entsendet? Hast du einen offiziellen Wohnsitz? Bist du wohnsitzlos? Bist du in Elternzeit? Sind die Kinder im schulpflichtigen Alter? Sind sie zum Reisen befreit? Nur die Kinder abmelden? Ziehst du ganz in ein anderes Land, also wanderst du aus? Woher stammt dein Einkommen? Und was sagt das Finanzamt zu dem Ganzen?
Mit einer Abmeldung aus Deutschland verändert sich nicht nur für dich ziemlich viel, sondern auch für den Staat. #badummtzzzz Es wahrer Rattenschwanz zieht diese Abmeldung nach sich und nicht alle Veränderungen hast du grad auf dem Schirm oder spielen dir in die Karten.
Um deine Möglichkeiten abzuklopfen, ist eine Auseinandersetzung mit der rechtlichen und steuerlichen Seite leider unausweichlich. Diese Seite sieht nämlich bei jedem Menschen und jeder Familiensituation total individuell aus, weshalb ich dir die rechtlichen und steuerlichen Grundlagen dazu bestmöglich und leicht verständlich in „Zwischen Freiheit und Finanzamt“ zusammengefasst, erklärt und anhand von geltenden Gesetzestexten belegt habe.
Mit den enthaltenen Informationen kannst du den für dich besten Weg finden und lernst auch, an welchen Schrauben du noch drehen kannst, das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen.
Wie der Minimalismus unsere zugerümpelte Tür fand und Marie Kondo gleich mitbrachte.
Wer schon mal umgezogen ist, weiß, wie lästig das Geschleppe ist. Alleine zwischen 2011 in 2018 sind wir sechsmal umgezogen, ich insgesamt in meinem Leben zehnmal und mein Partner dreizehnmal. Was liegt da näher als der Realität ins Auge zu blicken und die Massen an Krempel loszuwerden und sich dem Trend zum Minimalismus zu beugen?
Obwohl es viel Arbeit ist, ist es jedes Mal, wenn ein Ding durch die Haustür nach draußen verschwindet, auch ein großes Gefühl der Befreiung. Die Vorbereitung unserer Reise, unseres neuen Lebensstils sozusagen, beinhaltet für uns daher nicht nur, dass wir unsere Sachen packen und abhauen, sondern eine fast komplette Haushaltsauflösung.
Bis dahin war es aber ein langer Weg für uns und wir sind längst noch nicht am Ende angelangt. Plant ihr vielleicht auch eine längere Reise und wollt wissen, wie andere so eine Sache angehen? Oder möchtet ihr euch in eurem Zuhause neuen Platz schaffen? Ich bin sicher, dass ihr die eine oder andere Anregung in unseren Erlebnissen auf unserem Weg zum Minimalismus findet.
Aus eins mach zwei – Das Gegenteil von Minimalismus
Nachdem der Haushalt meines Partners und mein eigener 2011 aufeinander stießen, wussten wir noch gar nicht, wohin uns das führen wird. Plötzlich hatten wir alles doppelt und merkten es gar nicht. Ja, die zweite Waschmaschine muss in den Keller. Für den Fall, versteht sich. Ja, der zweite Herd bleibt vorerst auch, wer weiß denn, wie lange der jetzige noch macht? Horten wir nur oder hatte das ganze einen tieferen Sinn? Habt ihr auch Dinge auf dem Dachboden, die ihr nur seht, wenn ihr sie verpacken müsst, weil ein Umzug ansteht? Oder sogar noch verpackte Kartons vom letzten Umzug verschlossen im Keller?
Aller Anfang…
Wir wollten wieder mal umziehen. Dieser Umzug ging nach Leipzig. Unsere damalige 100qm Wohnung mitsamt dem 100qm Dachboden in der Oberpfalz sollte einer 75qm Wohnung mit winzigem Kellerabteil weichen. Es führte kein Weg daran vorbei, wir mussten ausmisten. Fast völlig planlos verkauften, spendeten, verschenkten und warfen wir die Sachen weg und dachten, wir hätten es geschafft als wir alle unsere Sachen in der neuen Wohnung unterbrachten. HA! Weit gefehlt. Wir mussten für den Umzug sogar kurzfristig noch einen Transporter dazu mieten…
Ich begann mich immer unwohler zu fühlen mit allem um uns herum, ich war regelrecht “bedrückt”, fühlte mich erdrückt, schwer und war das ständige Aufräumen leid. Nichts schien einen wirklichen Platz zu haben oder den nur kurzzeitig zu bewohnen… Wir wollten doch bald in einen Truck ziehen, wie soll denn das gehen, wenn wir so viel Zeug besitzen? Brauchen wir wirklich noch das Fondueset? Den Sandwichmaker? Das Abendkleid? Ich bin keine Freundin von Toastbrot und Veranstaltungen, die Abendkleider notwendig machen 😀 .
Wo soll ich nur anfangen? Minimalistisch denken.
Jetzt gibt es aber so viele Wege und Methoden das Ausmisten zu starten und dem Minimalismus zu frönen, dass man fast schon geneigt ist es wieder sein zu lassen ;). Natürlich nicht! Aber herausfinden, welche Methode zu einem passt, war für mich wichtig. Nun kann man sich darüber streiten, ob eine Methode notwendig ist, ob Struktur oder Plan Einzug halten soll oder ob das auch einfach so geht. Ich für meinen Teil wollte mich von anderen inspirieren lassen und suchte Input.
In diversen Facebookgruppen werden folgende Tipps diskutiert:
Jeden Tag verlässt ein Ding den Haushalt.
Macht auf jeden Fall Spaß, sich täglich damit zu befassen. Wenn ich mich aber nicht nur auf’s Wegwerfen konzentriere, finde ich unter Umständen nicht am selben Tag einen Käufer oder Abnehmer und ich muss eine Ecke anlegen, um die Gegenstände zu sammeln.
Für jedes neue Ding, muss ein anderes die Wohnung verlassen.
Eine super Möglichkeit langfristig auszumisten. Neues wird nicht mehr leichtfertig angeschleppt. Leider neige ich dazu, diesen Vorsatz im Alltag zu vergessen und komme so nicht so schnell voran wie ich möchte.
Alles weg, was ein halbes Jahr nicht angesehen oder benutzt wurde.
Lässt man saisonale Dinge wie Klamotten außen vor, so kann das auf jeden Fall ein guter Anhaltspunkt sein um zu starten und sich selbst zu fragen, ob man wirklich noch von etwas Gebrauch macht.
KonMari – Marie Kondo und ihr Weg zu mehr Freude
Auf der Suche nach mehr Inspiration entdecke ich dann Marie Kondo*, eine japanische Ausmistkoryphäe und ihre Bücher. Sie nennt ihre Methode schlicht nach sich selbst: KonMari* und wird stets in Verbindung mit dem minimalistischen Lebensstil gebracht, was beiden allerdings nicht gerecht wird.
KonMari beruht im Gegensatz zum generellen Minimalismus, bei dem es darum geht sein Leben nur mit den nötigsten Dingen auszustatten, nicht darauf, so wenig wie möglich zu besitzen, sondern sich nur mit Dingen zu umgeben, die einen glücklich machen. Puh! Wie kann mich denn dieses Glas hier glücklich machen und die Steuererklärung vom letzten Jahr? Das gilt es für sich herauszufinden. Sowieso musste ich mich erstmal auf meine eigenen Sachen beschränken, denn der Rest der Familie teilt meine Euphorie zu Beginn nicht. Die brauchen immer etwas länger 😉
Ich hielt mich an die von ihr vorgegebene Reihenfolge:
Kleidung inkl. aller Textilien
Bücher (Oh, ja… alle Bücher!)
Papiere (Alles, was abgeheftet oder nicht abgeheftet durch den Haushalt wirbelt)
Alles andere (Küche, Spielzeug, CDs, DVDs, Fotos, Erinnerungen, Kleinkram)
Diese Reihenfolge ist nicht zufällig so gewählt, sondern wird mit jedem Punkt anspruchsvoller laut Kondo. Ich persönlich hatte zwar schon mit den Büchern zu kämpfen und fand die Papiere sehr einfach, aber bis ich dann bei den Fotos angelangt war, war ich so routiniert, dass es fast schon leicht war, kiloweise Fotos und vermeintliche Erinnerungen zu entsorgen.
Der Fokus ist also darauf gerichtet, was ich gerne behalten möchte und nicht, was ich loswerden will, was einen deutlich positiveren Ansatz verspricht und mich daher sehr anspricht. Und trotzdem musste ich mich damit befassen, was mit den Dingen passiert, die ich aussortiere, denn Marie Kondo spricht gerne nur vom Wegwerfen, was mit meinem Empfinden für Umwelt und unsere Ressourcen nicht gut zusammenpasst (mittlerweile soll sich das bei ihr aber auch gewandelt haben).
Wohin damit also?
Alles einfach wegzuwerfen ist für mich keine Option. Heutzutage wird schon genug Müll produziert und tatsächlich trennt man sich ja auch von noch guten und eventuell sogar wertvollen Sachen, an denen sich noch andere Menschen erfreuen könnten.
Ich kategorisiere daher alles, was weg soll in:
zu verkaufen
zu verschenken
tatsächlich Müll
Verkaufen
Für den Verkauf nutze ich in erster Linie die Kleinanzeigen, das funktioniert super und ist wirklich leichter als noch vor ein paar Jahren. Für Technikartikel, Sachbücher und ähnliches gibt es Onlineunternehmen, die diese Sachen ankaufen, meist sogar zu einem besseren Preis als Privatpersonen. Mindestens zwei Gebrauchtkleinwägen könnten wir uns von den Einnahmen durch Verkäufe alleine schon finanzieren! Und keine Schrottschleudern um die 300 Euro!
Verschenken
Was ich verschenken möchte, stelle ich je nach Wohnort in einen Karton an die Straße. Hier ist es wichtig, dass am Tag viele Leute vorbeigehen und es nicht regnet. Für größeres oder auch in Gegenden ohne viel Laufkundschaft gibt es für fast jede Region „Free Your Stuff“- oder „Verschenke“-Gruppen auf Facebook mit (meistens) dankbaren Abnehmer*innen. Auch die Heilsarmee, Caritas oder Diakonie freuen sich über Spenden, allerdings müssen dort die Kunden wieder für die Waren zahlen, wenn auch nicht viel. Wenn ihr also wollt, dass alles kostenlos direkt bei den Menschen ankommt, die es benötigen, nutzt die anderen Plattformen.
Abfall und Alternativen
Was aus den Verschenkekisten nicht mitgenommen wird oder sowieso unbrauchbar geworden ist, wandert bei uns dann in den Müll. Ab und an ist auch das ein oder andere gute Buch dabei und da fällt es dann nicht leicht. Bei den Abfallwirtschaftsstationen gibt es manchmal extra Bücherschränke für solche Fälle, aus denen sich bedient werden darf. Die Busse des HVV in Hamburg haben oftmals auch Bücherregale integriert und auch andere Städte haben öffentliche Bücherregale wie z.B. Bonn, manchmal sind es auch ausgediente Telefonzellen. Frag am besten in lokalen Gruppen nach, wo sich solche Orte in deiner Stadt befinden.
Nun aber ans Eingemachte. Können Dinge Freude machen?
Meine Klamotten machten den Anfang. Zum Glück bin ich noch nie ein Fashion Victim gewesen und so fiel es mir leicht in einem angemessenen Zeitrahmen jedes einzelne Stück in die Hand zu nehmen, zu spüren und mein Gefühl dabei zu erspüren. Da mag es anderen Menschen deutlich schwerer fallen, alleine schon der Zeitaufwand alles mal anzupacken und in sich reinzuhorchen.
Ja, da gab es diesen kleinen Funken in meinem Bauch, der bei bestimmten Teilen einfach explodierte! Das muss der „Ding“ sein, von dem Marie Kondo dauernd spricht! “Does it spark joy?” YES… nope… maybe?
Die Müllsäcke, die ich zur Heilsarmee um die Ecke bringen wollte, füllten sich einer nach dem anderen… am Ende misteten mein inzwischen angefixter Partner und ich fünf volle, große, blaue Säcke aus. Wir besaßen zu dem Zeitpunkt einen 2,5m breiten Kleiderschrank, den wir danach auch direkt verkauften, weil unsere Klamotten, Handtücher und Bettwäsche nun in die alte Kommode passten, die vorher die Kindersachen beherbergte.
Dass die beiden Zöglinge am liebsten im Adamskostüm durch die Wohnung flitzen, kommt uns hier nun einmal endlich entgegen! Wir haben nämlich nicht die Berge an Klamotten, die ich schon woanders bestaunen durfte. Es soll Kinder geben, die so viele Klamotten haben, dass sie vieles davon nicht einmal getragen haben. Unfassbar für uns. Unsere beiden haben also nur das, was sie brauchen und selbst da konnten wir noch etwas weg legen, so dass nun jeder von ihnen eine einzige Schublade benötigt.
Übrigens: Seit wir in unserer Wendy wohnen, hat jedes Familienmitglied genau eine Schrankebene zur Verfügung von 60x70x30cm. Und auch da ist noch Luft nach oben und wir empfinden es als “zu viel”. Ausmisten ist auch hier alle paar Monate angesagt, insbesondere bei den Kids, die aus ihren Klamotten rausgewachsen sind oder die zerschlissen sind.
Bettwäsche und Handtücher lassen sich ebenfalls super reduzieren. Ein Laken pro Matratze und höchstens insgesamt 1-2 Ersatzlaken reichen uns vollkommen aus und lassen uns trotzdem jeden Magendarmvirus mit Wechsellaken überstehen. Pro Person behalten wir aktuell zwei kleine und ein großes Handtuch.
Bei den Büchern wurde es dann knifflig.
Darf man Bücher eigentlich wegschmeißen? Hier sind sich fast alle einig: NEIN! Oder doch?! Wie würde sich das anfühlen?
Bei locker über 500 Büchern keine leichte Sache. Zugegeben, die meisten hab ich nur einmal gelesen, aber es ist schön sie da zu wissen. Irgendwann will ich sie bestimmt mal wieder lesen… oder was nachschlagen.. oder meinen Kindern vererben oder… halt! So wird das nichts. Bücher sind zum Lesen da und wenn ich sie nicht lese, dann erfüllen sie nicht ihren Zweck. Ich werde ihnen nicht gerecht, könnte man sagen. Und sie brauchen Platz und die Bücherkisten bei unseren ständigen Umzügen sind einfach kein Spaß. Ich ging tief in mich und nahm mir wirklich jedes einzelne Buch vor. Von den anfänglich 500 Büchern blieben am Ende nur noch 50 übrig! Ein Wahnsinnsunterschied!
Und der Rest? Einen kleinen Teil vermachte ich meinem Vater, der historische Romane so verschlingt wie ich und sich über Nachschub freute, ein ganz großer Berg Bücher wurde an eine dir sicher aus der Werbung bekannte Firma geschickt, die gebrauchte Bücher aufkauft und wieder verkauft. Eine nicht unansehnliche Summe kam hier zustande, da Sach- und Fachbücher nicht nur für ein paar Cent angekauft werden, sondern teilweise zu höheren Preisen als man sie jemals auf dem Flohmarkt loswerden könnte.
Ich war etwas geflasht davon, dass diese Bücher bald ein neues Zuhause finden würden und nicht in der Müllpresse landen sollten. Leider gab es aber auch diese Exemplare, die dir niemand abkauft. Hier kam die Verschenkekiste zum Einsatz und die ungewollten Exemplare waren sehr schnell vergriffen. In unserer zweiten Ausmistrunde ein halbes Jahr später durften noch ein paar weitere Exemplare in eine der örtlichen Bibliotheken ziehen. Weggeworfen haben wir kein einziges Buch.
Papiere
Wie könnte mir eine Steuererklärung Freude bereiten? Gar nicht. Darf ich sie trotzdem wegschmeißen? Vielleicht. Bei diesem Punkt geht es nun leider nicht mehr so einfach um Gefühle. Hier müssen wir uns an Aufbewahrungsfristen halten, die du besser gesondert nachliest, da sich da immer wieder mal was ändert. Was ihr aber direkt entsorgen könnt sind:
Aufbau- und Bedienungsanleitungen, denn die finden sich bei Bedarf im Netz.
lange abgelaufene Garantiescheine
sämtliche Schreiben von Versicherungen, Banken usw., die keine Bewandtnis mehr haben
Geblieben sind bei uns:
Aktuell laufende Verträge
Versicherungspolicen
Schreiben über Steuernummern, Sozialversicherungsnummern u.ä.
Abschlusszeugnisse, Geburtsurkunden u.ä.
Meine persönlichen Dokumente nehmen nicht mal einen halben Aktenordner ein. Der Rest zum Altpapier. Tipp: Wenn ihr eure Dokumente digitalisiert, könnt ihr auch da noch weiter ausmisten. Insbesondere, wenn ihr wie wir plant euren Haushalt aufzulösen, lohnt es sich die Dinge, die ihr eventuell einlagern wollt so gering wie möglich zu halten.
Alles andere
Nun, da bleibt jetzt noch ne Menge. Braucht man wirklich 15 Töpfe und Pfannen? Der Herd in unserer letzten Wohnung hat drei Kochplatten, warum sollten wir mehr Töpfe als Platten haben? Dazu blieben noch zwei Pfannen, eine groß, eine klein. Wieviele Tassen braucht der Mensch eigentlich? Unsere Antwort: jeder eine. Und da kann man noch nicht mal wirklich von „brauchen“ sprechen.
Auf diese Art sind wir nun auch unsere gesamten Küchenutensilien und sonstigen Kleinkram durchgegangen und platzierten einen Karton nach dem anderen erfolgreich in der Fußgängerzone oder am Straßenrand. Selbstverständlich achten wir darauf, dass nichts liegen bleibt oder durch die Gegend fliegt.
Eine ganz besondere Herausforderung waren für mich meine Fotos. Marie Kondo sagt nicht zu Unrecht, dass man nicht jedes Foto eines Wasserfalls aus dem Urlaub aufbewahren muss. Wie hieß dieser hier eigentlich noch? Und wo war er? Oftmals schaut man sich ein schön gestaltetes Fotobuch häufiger an als den unsortierten Haufen auf dem Dachboden ?. Fünf Fotos pro Urlaubstag sollen hier eine Hilfe darstellen.
Auch digitale Fotos soll es treffen. Sie nehmen zwar nicht den Platz weg (außer Speicherplatz), aber was hat man von unsortierten digitalen Ordnern, wenn man sich erst durch ganze Fotosessions klicken muss um genau das EINE Bild zu finden.
Marie Kondo empfiehlt ein Ausmistfest zu feiern und den Prozess nicht über mehrere Monate, gar Jahre hinzuhalten. Seit sie selber Mutter geworden ist, haben sich ihre Ansichten auch noch ein Stück weit geändert, da sie in einem weiteren Buch, das ich nicht mehr extra gelesen habe, auch Tipps für Eltern hat, die nunmal nicht die Zeit haben, alles in einem Rutsch durchzuziehen. Wir haben ihre Methode einfach unseren Bedürfnissen angepasst.
Wenn man nun wie wir den gesamten Haushalt auflöst, dann bleibt es nicht aus, dass man wirklich noch viel mehr loswerden muss, weshalb wir eine Mischung aller möglichen Ausmiststile gebraucht haben.
Für uns hat sich das Ausmisten in jeder Hinsicht sehr gelohnt. Mehr Zeit für uns, weniger Zeit mit Aufräumen verbringen, putzen geht schneller und es ist für das Auge eine wahre Wohltat nicht nur Rumpelecken vorzufinden. 😀
Und auch seit wir in Wendy, unserem Wohnmobil leben, taucht immer wieder mal was auf, das zu Unrecht mit auf Reisen kam.
Der Begriff Schulangst breitet sich langsam, aber sicher immer intensiver aus, insbesondere unter Eltern und Schulpsycholog*innen. Mir selbst kam der Begriff erst vor wenigen Jahren unter – lange nach meiner eigenen Schulzeit. Ich stellte fest, dass ich inhaltlich sehr viel damit anfangen kann und ich mein Erleben darin wiederfinde.
Wovor haben Menschen mit Schulangst wirklich Angst?
Sie haben doch nicht etwa vor der Schule selbst Angst?
Zunächst einmal kann eine Angst entstehen, wenn negative Erfahrungen gemacht wurden. Ganz leicht zu verstehen: Ich wurde von einer Wespe gestochen und halte mich in Zukunft lieber fern von Wespen. Hier ist der Grund eindeutig.
Bei Schulangst ist der Grund nicht so eindeutig. Habe ich nun Angst vor der Schule, weil ich negative Erfahrungen innerhalb der Schule gemacht habe, z.B. durch Mobbing?
Oder habe ich diese negativen Erfahrungen aufgrund der Schule gemacht? Also Erfahrungen, die überhaupt erst aus der Existenz der Schule selbst entstanden sind, wie sie heutzutage in Deutschland und anderen Staaten mit strikter Schulpflicht existiert? Das können Bewertung, Zwang, Druck und andere Erfahrungen sein.
Und suggeriert das Pathologisieren dieser Ängste (zu sagen, diese Angst sei krankhaft) nicht auch, dass hier ein “Fehler im System” der Betroffenen vorliegt? Dass sie damit nicht als “normal” betrachtet werden, sondern als behandlungsbedürftig?
Diese Fragen kannst du nur dir selbst beantworten. Für mich steht fest:
Das Wort Schulangst gefällt mir gar nicht. Und doch möchte ich anhand meiner eigenen, sehr persönlichen Erfahrung berichten, was viel zu oft unter Schulangst verbucht wird.
Vielleicht mag dein Kind nicht mehr zur Schule gehen?
Oder es hat Probleme in der Schule und ist oft krank mit Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen?
Weint es morgens?
Möchte es nicht aus dem Bett steigen und
ist sonntagabends oder in der letzten Ferienwoche schon wieder krank?
Bricht dein Kind oder vielleicht sogar du selbst viel ab, was angefangen wurde?
Mein Werdegang ist von Abbrüchen gekennzeichnet. Ich habe zweimal(!) das Gymnasium geschmissen, zwei staatlich anerkannte und eine nicht staatlich anerkannte Ausbildung abgebrochen, meinen ersten Versuch das Abitur zu erlangen vorzeitig aufgegeben.
Bin ich eine Abbrecherin – so wie mir manche nachsagen? Und ist das immer schlecht?
Mit meinen eigenen, sehr persönlichen Erfahrungen mit Schule und Schulangst möchte ich dir zeigen, auf welche Art und Weise sich Schulangst zeigen kann und welche Emotionen da wirklich im Spiel sind. Erkennst du einige Situationen, Gedanken und Gefühle aus deiner eigenen Schulzeit oder der deiner Kinder wieder?
Meine Erfahrung mit Schulangst
Ich war am liebsten zu Hause. Ich mochte gerne unter anderen Kindern sein, aber ich genoss auch die Zeit alleine in meinem Zimmer. Ich ging nicht sehr gerne in den Kindergarten, denn das war mir oft einfach zu viel. Ich wollte immer direkt den Mittagstisch decken, denn das bedeutete, dass ich bald wieder abgeholt wurde. Abgeholt werden war das Ziel, um wieder in Ruhe sein zu können oder mit ausgewählten Freunden zu spielen.
Hier zeigte sich schon, dass große Menschenmengen, ohne die Möglichkeit ihnen zu entkommen oder sie nur freiwillig aufzusuchen, problematisch für mich waren.
Und damit bin ich nicht alleine: In meinen Gesprächen später als Mutter mit anderen Eltern, höre ich immer wieder, dass nur sehr wenige Kinder mit der Menge an Gleichaltrigen wirklich zurecht kommen und viel öfter, dass sie überreizt und gestresst aus dem Kindergarten oder der Schule kommen.
Wir halten Kindergarten und Schule in unserer Gesellschaft für so normal, dass wir meist gar nicht hinterfragen, ob das Umfeld wirklich das ist, was wir oder unser Kind wirklich braucht, um sich optimal zu entwickeln. Es machen ja alle so und da müssen wir halt durch. Oder etwas doch nicht? Dazu gleich mehr.
Schlechte Aussichten: Noch 10 Jahre…
Irgendwann in der Grundschule wurde mir klar, dass ich noch viele Jahre dort werde sitzen müssen. Ich kann mich noch ziemlich genau an den Moment erinnern, als ich die Jahre zählte, die ich noch zur Schule gehen sollte und wie sich das dann in mir anfühlte:
aussichtslos,
gefangen,
ausgeliefert,
unfrei
und machtlos.
Noch zehn Jahre zur Schule müssen – damals in der dritten Klasse – eine Ewigkeit für eine 8-jährige. Meine Mutter berichtete mir später einmal, dass ich ungefähr in der dritten Klasse anfing immer wieder über Bauchschmerzen zu klagen. Zufall?
Bauchschmerzen aus psychosomatischer Sicht (wenn also kein körperliches Leiden festgestellt werden kann) können durch psychische Belastungen wie zu viel Stress, Ängste, Überforderung, Trauer und ähnlichem entstehen. Leider war das zu der Zeit noch niemandem in meinem Umfeld klar oder es wollte niemand sehen, weil es zumindest gefühlt keine Alternativen gab, als meine Äußerungen zu ignorieren.
Psychische Belastungen in der Schule: Wie Wettbewerb & Bewertung zu Schulangst führen
Jetzt mag man denken: Aber in der Grundschule gibt es doch keinen Druck. Andere Kinder haben das ja nicht alle.
Wie viele Kinder heutzutage an psychischen Beschwerden in den Grundschulen leiden, steht nun fast täglich in den Zeitungen. Auslöser soll immer die Pandemie gewesen sein, doch das halte ich für zu kurz gefasst.
Die hohen Zahlen, die heute berichtet werden, haben eine gute und eine schlechte Seite.
Zum Einen wurden psychische Beschwerden wie z. B. Bauchschmerzen als Symptom von Schulangst in den 1990ern und 2000ern oft ignoriert. Ein Anstieg der Zahlen kommt der Realität also nun näher.
Zum Anderen jedoch wird das Verhalten der Schulkinder heutzutage viel schneller zum Problem gemacht, indem ihnen Krankheiten angedichtet werden, die sie eigentlich nicht haben, aber deren Symptome sie aufgrund der Umstände in den Schulen überhaupt erst entwickeln. Ein typisches Beispiel hierfür ist ADHS.
Auf meine Schulzeit bezogen, fühlte ich mich nicht nur dem Leistungsdruck einer Grundschule ausgesetzt, sondern gleichzeitig dem Wettbewerb um die besten Noten mit meinem älteren Bruder und damit um Anerkennung. Frei nach dem Motto: Wer ist klüger, intelligenter, gebildeter. So wurde es mir in der Schule vorgelebt. Wettkämpfe verabscheue ich noch heute.
Klar, der Leistungsdruck an einer Grundschule mag nichts sein im Vergleich zu dem der weiterführenden Schulen. Für einen Menschen wie mich wirkte er damals schon entwürdigend, weil ich meine gesamte Person bewertet fühlte nach Richtig oder Falsch oder Eins bis Sechs. Ein Objekt auf dem Seziertisch.
Auch damals schon fragte ich mich, wieso jemand es sich herausnehmen durfte über mich ein Urteil zu fällen, das diesen Einfluss auf mich und mein weiteres Leben haben darf. Aus diesem Grund war meine Schulzeit von Wut geprägt. Wut über die Dreistigkeit der Schule über mich zu werten und meine eigene Machtlosigkeit, mich aus dieser Umgebung befreien zu können.
Weiterführende Schulen: Bullying und Mobbing
Die wirklichen Probleme fangen bei vielen Kindern ab der 5. Klasse an. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Kids durch die Grundschule schon „eingenordet“ auf Bewertung, Vergleich und Wettbewerb. Der Druck steigt.
Für mich ging es auf’s örtliche Gymnasium. Nach weiteren zwei Jahren in diesem Umfeld begann ich mich sozial aus dem Klassenverband auszuklinken.
Alleine schon das alle zwei Jahre durchgeführte Durchwürfeln aller Gleichaltrigen in neue Klassenverbände brachte mich jedes Mal aus dem Konzept. Gerade war ich einigermaßen hereingewachsen in meine Klasse und all die verschiedenen Charaktere, mit denen ich mich täglich ungewollt auseinandersetzen musste, schon wurde wieder alles auf die Grundmauern niedergerissen.
In dieser Zeit entwickelte ich einen speziellen Kopfschmerz, den ich immer als „Würfel im Kopf“ beschrieb. Bei jeder Erschütterung flog dieser mit seinen spitzen Ecken durch meinen Kopf und bereitete mir so üble Kopfschmerzen, dass ich tagelang nicht aus dem Bett kam. Kein Arzt wollte oder konnte da irgendwas ernsthaft diagnostizieren. “Migräne” fiel ein paar Male. Der Vorwurf des „Simulierens“, also einfach vorzugeben krank zu sein, wurde allerdings immer größer, da meine Fehltage beständig anstiegen.
Ich spürte die Hilflosigkeit meiner Eltern, die versuchten die Problematik zu verdrängen (meine Brüder zeigten eben nicht die gleichen Symptome) und spürte die fehlende Akzeptanz des Großteils meiner Mitschüler*innen aufgrund meiner Fehltage, meines Andersseins, was sie durch ausgrenzendes Verhalten – Bullying – offen zeigten.
Diesem Verhalten zugrunde liegt laut Schulforscher Wolfgang Melzer das Schulklima, nicht jedoch bestimmte Täter- und Opferpersönlichkeiten.
Dies ist ein erneuter Hinweis darauf, dass das Umfeld soziale oder asoziale Verhaltensweisen in uns auslösen kann. Mobbing & Bullying sind heutzutage an der Tagesordnung an fast allen Schulen. Und trotzdem beschäftigen wir uns weiter mit Täter und Opfer, anstatt uns das Umfeld, nämlich das System „Schule“ genauer anzusehen.
Körperliche Auswirkungen durch Schulangst
So quälte ich mich durch die Jahrgangsstufen bis ich Anfang der 11. Jahrgangsstufe mich endlich in der Lage sah zu entscheiden, dass ich mich von der Schule abmelden wollte.
Zu dem Zeitpunkt war ich kaum bis gar nicht mehr in der Lage morgens das Bett zu verlassen, da ich wie gelähmt aufwachte und nicht in der Lage war auch nur ins Badezimmer zu gehen, geschweige denn das Bett zu verlassen. Erst wenn ich mich bewusst und sicher entschieden hatte, dass ich heute nicht in die Schule gehen würde, wurden körperliche Bewegungen wieder möglich.
Ich stellte mich nicht irgendwie an, wie mir damals vorgeworfen wurde, ich fühlte mich tatsächlich gefangen im eigenen Körper. Er machte einfach nicht mehr mit und diese Reaktion war – wie ich später in einer Therapie herausfand – ein Stop-Signal, um mich vor schlimmerem zu bewahren.
Längerfristig hatte ich auch nach der Schule noch viel mit Therapeuten zu tun bis ich letztendlich mit 25 Jahren fühlte, dass ich wieder klar kam.
An dieser Stelle zeigt Erich Fromm, dass er 1980 bereits schon allen um Jahrzehnte voraus war:
“Die Normalen sind die Kränkesten und die Kranken die Gesündesten. […] Wie glücklich der, der einen Schmerz hat, wenn ihm etwas fehlt. Wir wissen ja, wenn der Mensch keinen Schmerz empfinden würde, wäre er in einer sehr gefährlichen Lage. Aber sehr viele Menschen, also die “Normalen”, sind so angepasst, die haben so Alles, was Ihr Eigen ist, verlassen. Die sind so entfremdet, so Instrumente, so Roboter-haft geworden, dass sie gar keinen Konflikt mehr empfinden. Das heisst ihr wirkliches Gefühl, Liebe oder Hass, ist schon so verdrängt, so verkümmert, dass sie das Bild einer chronischen, leichten Schizophrenie bilden.”
Erich Fromm
Das gesamte Zitat (durchaus hörenswert) siehst und hörst du hier auf Youtube:
Erich Fromm – ganzes Zitat
Von Schulangst zu Schulabbruch: Glück im Unglück
Mir war natürlich zu dem Zeitpunkt, als ich entschied, die Schule zu verlassen oder „abzubrechen“, nicht bewusst, dass der Schulleiter des Gymnasiums mir einen Gefallen tat, indem er mich mit 16 Jahren von der Schule entließ. Anscheinend ohne meine Akte ans Schulamt zurückzusenden.
Ich war zu dem Zeitpunkt noch schulpflichtig, wenn auch „nur“ berufsschulpflichtig, konnte und wollte bei meiner Abmeldung keine Folgeschule nachweisen. Trotzdem bekamen meine Eltern oder ich keine Bußgeldbescheide zugestellt wegen Nichterfüllung der Schulpflicht. Das ist heute allerdings anders. Beim Fernbleiben auch nur über mehr als die übliche Anzahl von Fehltagen, kann heute schon sehr schnell das Jugendamt vor der Tür stehen.
Ich denke, mein damaliger Schulleiter hatte verstanden, dass es mir nur mehr schaden würde, wenn ich weiter zum Schulbesuch gezwungen würde und entließ mich folgenlos.
Ist Schulangst eine “Jugendliche Anpassungsstörung” ? – Therapieversuche einer Gesunden
Schon während meiner Schulzeit mit gerade einmal 13 Jahren wurde ich das erste mal zu einer Psychologin gebracht. Denn das Problem war offenbar klar: Ich.
Dort war ich zweimal, wollte dann nicht mehr hin, da mir der Sinn nicht klar wurde. Ich sah mich ja nicht als krank oder falsch an. Mit 16 Jahren ging ich dann mehr oder weniger freiwillig in Therapie, weil ich wirklich begann zu denken, dass etwas mit mir nicht stimme, wenn ich nicht wie andere Jugendliche zur Schule gehen konnte. Immerhin wurde mir jahrelang gezeigt, wie ich zu sein habe und vorgehalten wie ich nicht bin.
Es wurde eine „jugendliche Anpassungsstörung“ diagnostiziert, die mir nicht weiter benannt oder erklärt wurde. Ich war also das Problem.
Ich passte mich nicht an.
Ich empfand sehr viel als ungerecht & unfair.
Ich funktionierte schlichtweg nicht so, wie ich sollte, damit aus mir eine vollwertige, anständige Arbeitskraft wurde, die für Steuereinnahmen sorgte.
Ich hinterfragte zu viel und stellte Regeln in Frage, die niemand sonst aus meinem Umfeld offen kritisierte oder sich dran zu stören schien.
Ich bekam verschreibungspflichtige Medikamente, die dafür sorgen sollten, dass mir kurzfristig alles etwas egaler wurde.
In der Zeit nach dem Schulabbruch und bis heute wurde und werde ich von fast allen meinen damaligen Mitschüler*innen gemieden (sogar dieser Artikel machte die Runde unter ihnen und führte natürlich zu Aufruhr).
Es gibt glücklicherweise trotzdem einige wenige Ausnahmen, die mir in dieser Zeit eine große Stütze waren, auch wenn sie damals nicht wussten, wie es in mir aussah.
Ein Kind, das von seinen Mitschüler*innen abgelehnt wird, hat zudem selten noch anderweitig viele Freunde und Bekannte.
Aufgrund der vielen Stunden, die es in der Schule verbringt, bleibt nicht viel Zeit außerhalb der Schule Freundschaften zu schließen. Zu der Ablehnung kann sich also auch schnell Einsamkeit gesellen. Diese Schlussfolgerung bringt auch die Frage “Und was ist mit der Sozialisation?” mit sich, die beim Thema Freilernen häufig gestellt wird.
Was nicht gesehen wird, ist, dass es natürlich auch außerhalb der Schule genügend Möglichkeiten gibt, neue Freundschaften zu schließen. Sofern die Zeit dafür vorhanden ist. Und die hatte ich ja nun endlich durch den Schulabbruch und zudem das Glück, dass Internetforen, studiVZ und Facebook so stark am Wachsen waren, dass ich mich vor Input und neuen Kontakten kaum retten konnte. Endlich war ich in der Position, mir meine Freunde selbst auszusuchen und nicht mit denen mir durch den Klassenverband und mein Geburtsjahr zugeteilten Menschen vorlieb nehmen zu müssen.
Hast du dich schon mal gefragt, wie sinnvoll es tatsächlich ist, einen Haufen Gleichaltriger auf einen Haufen zu schmeißen? Wie viel positive soziale Interaktion da wirklich draus entstehen kann, wenn es keine Vorbilder gibt?
Dass nicht ich selbst das Problem war, fand ich leider erst sehr viel später raus. Es hätte mich vor sehr viel Leid bewahrt.
Fazit zur Diagnose Schulangst – was nun?
Schulangst war mir und meinem Umfeld damals noch kein Begriff und auch heute wird sie noch gerne mit einer abwinkenden Handbewegung abgetan oder aber von anderen Seiten auch schon als krankhaft angesehen.
Schulangst wird diagnostiziert oder in den Raum geworfen, wenn ein junger Mensch Probleme in Bereichen der Schule hat. Dazu zählen nicht nur der Leistungsdruck oder eine Bewertungsangst, sondern auch das soziale Umfeld wie etwa Bullying durch andere Schulkinder und Lehrkräfte.
Nicht selten werden aber auch Probleme im familiären Umfeld herangezogen, um diese Diagnose zu untermauern. Wenn das passiert, werden Eltern und Betroffene damit alleine gelassen. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Kinder zuhause keine bis wenige Symptome zeigen.
Bist du in der Situation, dass bei dir oder deinem Kind Schulangst im Raum steht oder erkennst du dich hier im Text wieder, zählt in erster Linie, wie damit zuhause umgegangen wird. Ob du ernst genommen wirst, ob du dich bedingungslos geliebt und gesehen fühlst oder ob man wie ich als „Simulantin“ oder ähnliches von Lehrkräften, anderen Schulkindern und sogar den eigenen Eltern abgetan wird. Versuch die Schwierigkeiten klar zu benennen und lass dir niemals einreden, dass du falsch bist, wie du bist.
Das kranke (Schul-)System
Auf ein krankes System reagiert jeder Mensch anders:
Manche werden empathielos, weil sie selbst keine Empathie erfahren haben. Andere kennen sich und ihre Emotionen nicht, weil sie diese nie leben durften, um einen Umgang mit ihnen zu erlernen und wieder andere werden körperlich krank als Ausdruck dieses kranken (Schul-)Systems.
Das alles sind nur Symptome und noch keine zu behandelnde Krankheit. Die Symptome verschwinden, wenn sich das System, das sie erst erschaffen hat, ins Positive verändert. Oder wenn du das System verlässt, weil Veränderung sonst nicht möglich ist.
Ich fühlte mich in der Schule permanent bevormundet und gedrängt zu Dingen, an denen ich kein Interesse hatte. Die „Angst“ vor der Bewertung, die regelrecht Empörung in mir hervorrief, ging so weit, dass ich am Ende Einträge mit „Leistungsverweigerung“ im Klassenbuch bekam oder Klausurenhefte ohne Aufgaben zu lösen lediglich mit meinem Namen und einen Datum versehen abgab. Wer nicht liefert, kann auch nicht bewertet werden. Das war die Logik dahinter und mein persönlicher Beginn aus dem kranken Schulsystem auszusteigen, um gesund zu bleiben.
Sich ausgrenzen und nicht dazugehören
Selbstverständlich war ich mit meinem neuen, nicht angepassten Verhalten einigen Lehrkräften ein noch größerer Dorn im Auge, obwohl ich bis dahin eher als zurückhaltend und reif für mein Alter galt. Ich grenzte mich so selber aus und wurde ausgegrenzt – ein fließender Übergang. In dieses System wollte ich nicht gehören.
Und ein bisschen bin ich auch froh darüber. Nicht nur ein bisschen. Denn so habe ich mir meine Natur erhalten, nicht einfach alles mitzumachen, sondern zu hinterfragen, immer wieder nachzuhaken und Dinge auch einfach sein zu lassen, wenn ich merkte, dass sie mir nicht gut taten. Mittlerweile kann ich finanziell von dieser Denkweise leben, weil sie mich immer wieder zu neuen Ideen inspiriert und mein Denken mit jeder Idee noch freier und wilder wird!
Das zu erkennen, war ein langer Prozess, benötigte viele Therapieversuche und viel Input anderer Menschen. Die damit verbundenen Schmerzen psychischer und auch physischer Art möchte ich trotz allem niemandem wünschen und schon gar nicht meinen eigenen Kindern.
Es mag nun auch einleuchten, dass ich um alternative Wege bemüht bin und meine Kinder den Weg des Freilernens öffne. Aber auch ohne diese sehr prägsamen Erfahrungen der Schulangst würde ich an ihm festhalten, sofern es meine Kinder möchten, denn für ein respektvolles Miteinander ist die selbstbestimmte Bildung unerlässlich.
Wenn du Mama oder Papa bist und Schulangst oder ähnliches bei deinem Kind bemerkst, bitte nehmt es ernst! Hofft nicht darauf, dass alles einfach verschwindet, denn diese Probleme wachsen am besten, wenn sie ignoriert werden. Vielleicht nicht sofort in den nächsten Jahren, aber sie werden die Leben deiner Kinder auf ungeahnte Weise negativ beeinflussen. Bist du selbst vielleicht auch davon betroffen (gewesen)?
Bitte schreib mir deine Erfahrungen zur Schulangst hier unten in die Kommentare
Freilernen? Was ist das und wie kommt man auf sowas? Ungläubige Augen schauen mich an, wenn ich sage, dass unsere Kinder keine Schule besuchen. Hä? Wie geht das denn? Darf man das? Und überhaupt, wenn die kein Mathe können, wie sollen sie dann studieren? Diese und ähnliche Fragen diktieren den Gesprächsablauf. Nur wenige Menschen haben ein ernsthaftes Interesse an dem Warum zum Freilernen oder halten uns nicht direkt für religiös-motivierte Homeschooler. Der Rest steht sich selbst im Wege, um sich der darauf folgenden Antwort zu öffnen.
Ich spreche gerne über das Thema Freilernen, aber nicht mit jedem ungläubig dreinschauenden oder trollmäßig postenden Menschen in den sozialen Medien. Interessiert dich aber unser Warum tatsächlich, dann lies gerne weiter:
Was ist Freilernen aus unserer Sicht?
Kurz und knapp: Unter Freilernen verstehen wir selbstbestimmte und selbstorganisierte Bildung, die nicht von einer Institution wie z. B. der Schule ausgeht.
Bedeutet das, dass wir unsere Kids nun einfach vernachlässigen? Definitiv nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Als Freilernerfamilie übernehmen wir die Verantwortung für die Bildung unserer Kinder und geben diese nicht ab in fremde Hände fremder Menschen. Wir sind tief involviert in alle Lernprozesse, die in unseren Kindern stattfinden und entwickeln ein immer tieferes Verständnis dafür, wie lernen bzw. leben funktioniert. Dabei lassen wir uns von unseren Kindern und ihrer intrinsischen Motivation leiten und lernen ihnen das Vertrauen zu schenken, das wir uns für uns selbst damals gewünscht hätten.
„Wenn man es genau nimmt, ist „Unschooling“ eigentlich nur ein schicker Begriff für „Leben“ oder „nicht-institutionalisiertes Aufwachsen“. – Grace Llewellyn, Guerilla Learning
„When you get down to it, unschooling is really just a fancy term for „life“ or „growing up uninstitutionalized.“ – Grace Llewellyn, Guerilla Learning
Welche Gründe haben uns zum Freilernen geführt?
In unserem Fall ist die Entscheidung zum Freilernen eine Mischung aus einer für uns nicht von der Hand zu weisenden Kritik an der Institution Schule und einer Reihe Überlegungen, die u. a. möglich wurden durch sehr persönlichen Erfahrungen, die ich euch u.a. auch im Beitrag zum Thema Schulangst näher bringen möchte. Somit wurde Freilernen für uns die logische Konsequenz aus unserem Ziel, einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen und unsere Kinder nicht zu Menschen verbiegen zu lassen, die sie gar nicht sein wollen.
Unser Ziel für unsere Kinder, das wir wohl mit allen Eltern gemein haben (nämlich glückliche, sich selbst und andere liebende Menschen zu bleiben), möchten wir u. a. durchs Freilernen erreichen. Wir möchten ihr Interesse an unserer Welt, ihren Spieldrang, ihre Neugier, Kreativität und ihre Wissbegierde nicht ersticken, wie es der Schulbesuch tagtäglich bei vielen Kindern in Deutschland aus unserer Sicht tut und auch schon mit uns getan hat.
In starre Rahmen gequetscht und von morgens bis abends bewertet, wie schnell und gut sie sich Themengebiete aneignen, die sie zu dem Zeitpunkt gar nicht bearbeiten möchten, dabei die Beziehung zu unseren Kindern aufs Spiel setzend, wenn wir als verlängerter Arm der Lehrkraft wirken sollen, ist für uns keine erstrebenswerte Aussicht beim Verfolgen unserer Ziele.
Der erste Kontakt
Als “Neuschwangere” tauchte ich in eine komplett neue Welt für mich ein. Plötzlich ging es an jeder Ecke um Verantwortung und Entscheidungen. Frauenarzt oder Hebamme? Schmerzmittel unter der Geburt oder keines? Will ich meine Kinder impfen? Ab wann in den Kindergarten oder überhaupt nicht? Stillen oder Flasche? Tragen oder Schieben?
Viele dieser Fragen hätte ich mir wohl nie gestellt, wenn ich nicht in ein Umfeld hineingerutscht wäre, das sich genau diese stellte. Und so hörte die Fragerei nicht plötzlich auf, sondern brachte mich noch während meiner ersten Schwangerschaft zu der Frage, wie ich mir die Schulzeit meines noch ungeborenen Kindes vorstellte. Schule oder Freilernen? Homeschooling oder gar Unschooling? Freie Schule oder Regelschule?
Da ich selbst kaum positive Erinnerungen an die Schulzeit hatte, war mir schnell klar, dass ich mich nach Alternativen umsehen muss. Ziemlich schnell stieß ich dabei nun auf die Begriffe Unschooling und das in Deutschland gebräuchlichere Freilernen.
Ich realisierte mit der Schwangerschaft und Geburt unseres ersten Kindes, dass Kinder mit allem geboren werden, was sie benötigen. Es fängt schon damit an, dass sie wissen, wo sie saugen müssen und was sie zu tun haben, um an die Milch zu kommen. Sie beobachten und ahmen alles nach, was die Umgebung ihnen bietet. So lernen sie bald sitzen, laufen und sprechen – alles ohne besondere schulisch geprägte Unterstützung, Hilfsmittel oder Programme.
Mit 3,5 Jahren kannte sich meine Tochter besser mit Dinosauriern aus, als ich es jemals tat. Seither entwickelt sie von ganz alleine ein Interesse an Buchstaben und Zahlen, dem Schreiben, Lesen und Rechnen. Meine Aufgabe war und ist es nur, ihre Fragen zu beantworten und sie mit den Quellen vertraut zu machen, aus denen sie mehr erfahren kann. Alles andere bringt sie mit: Interesse, Lerneifer, Motivation.
Andere Zeiten – andere Wege
Um uns herum veränderte sich die Welt in einem Tempo, dem aus meiner Sicht kein Lehrplan einer Schule folgen kann. Die Lehr- und Lernmaterialien, die ich in den 1990ern bis 2000ern besaß, entstammten nicht selten den 1970ern und 1980ern. Wie kann ich meine Kinder auf eine Zukunft vorbereiten, die noch nie so vollkommen ungewiss war, wie sie es heute ist und das mit Lehrmaterialien und den dazugehörigen Denkweisen von gestern?
Ich bin der Meinung, dass andere Zeiten auch andere Herangehensweisen bedürfen. Für meine Kinder möchte ich Zeit. Zeit um sie auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Hier sehe ich die Basis des Wissens nicht in auswendig Gelerntem, wieder vergessenen Fakten oder “Richtig oder Falsch” wie es in den meisten Schulen heutzutage noch immer selbstverständlich ist.
Als essentiell empfinde ich kritisches Hinterfragen aller Themen, selber Denken und nicht vorkauen lassen und natürlich das Bilden von Gemeinschaften, statt im Wettbewerb zueinander zu stehen. Auch unsere Erde, die Natur als Lebensgrundlage für uns alle, an erste Stelle zu setzen und vieles mehr darf hier nicht fehlen. Das alles kann keine Schule bieten und die Zeit ist uns zu kostbar, um sie an die heutigen Schulen zu verschwenden.
„Da wir nicht wissen können, welches Wissen in der Zukunft am meisten gebraucht wird, ist es sinnlos, zu versuchen, es im Voraus zu lehren. Stattdessen sollten wir versuchen, Menschen hervorzubringen, die das Lernen so sehr lieben und so gut lernen, dass sie in der Lage sein werden, alles zu lernen, was gelernt werden muss.“ – John Holt
„Since we can’t know what knowledge will be most needed in the future, it is senseless to try to teach it in advance. Instead, we should try to turn out people who love learning so much and learn so well that they will be able to learn whatever needs to be learned.“ – John Holt
Schulkritik – Bildung in Massenproduktion?
Uns allen bekannt: Produkte, die in Masse produziert werden, sind nicht nur fast alle gleich, ihnen fehlt es auch an Qualität.
Neben unserem obigen Überlegungen, die eher durch unsere Wünsche für unsere Kinder und durch unsere persönlichen Erfahrungen gespeist sind, gibt es natürlich auch noch die Betrachtung gegen die Institution Schule.
Auch wenn ich viel wichtiger finde zu wissen, wofür man ist, anstatt wogegen, ermöglicht ein genauer Blick auf die Schule als Institution womöglich dem einen oder anderen eine neue Betrachtungsweise, so dass sich das „Für“ weiter entwickeln kann. Einige Punkte sorgten auch bei uns noch nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit der Thematik Freilernen für „Ja klar, logisch!“-Effekte.
Die Schulkritik im Sinne des Deschooling (schaut mal bei uns zum Thema Deschooling als Prozess rein) oder heutzutage Unschooling bzw. Freilernens entwickelte sich recht zügig in der Nachkriegszeit und brachte so einige neue Sichtweisen im Zuge der 68er-Bewegung auch in die breitere Masse.
Neben heutigen bekannten Namen wie die Familie Stern (Arno, Bertrand und André Stern), John Taylor Gatto, sowie der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther, haben John Holt, Paul Goodman, Ian Lister, Everett Reimer und Ivan Illich wichtige Werke für alle Interessierten zu bieten. Ian Lister fasst in „The Challenge of Deschooling“ in 31 Punkten seine Kritik zusammen. Einige davon sind die Folgenden (Hervorhebungen durch fett und kursiv stammen von mir):
Schule verhindert Lernen, statt es zu fördern. Schulen sind weltfremd und machen die Welt nicht erfahrbar. Sie nehmen den Unterprivilegierten die Möglichkeit zur Kontrolle, ihr eigenes Lernen zu gestalten.
Schulen verfehlen, das zu lehren, was sie zu lehren vorgeben.
Die Fehler der Schule werden individualisiert und damit personalisiert; dabei liegt der Fehler im Schulsystem.
Wenn die Schule versagt, vergrößert sie sich. (Der braucht etwas..!)
Schule ist eine moderne Idee. In ihrer heutigen Form existiert sie seit dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Vielleicht ist die Schule nur eine Erscheinung in der Geschichte und verschwindet wieder in der Zukunft, wenn die Bedingungen sich verändern.
Die Schule ist ein politischer Akteur. Sie wird explizit vom geschriebenen Lehrplan und implizit vom „heimlichen Lehrplan“ („hidden curriculum“) dazu benutzt, um politisch zu erziehen – jeweils im Sinne dessen, der gerade die Macht im Staate hat, als Beispiel hierzu dient häufig das Dritte Reich. Außerdem werden die Eliten dazu erzogen zu „führen“, während die Mehrheit dazu erzogen wird, geführt zu werden.
Die Schule tritt als Lehrer für die Ökonomie auf. Die große Leistung im 19. Jahrhundert ist gewesen, die Menschen darauf vorzubereiten, die Leiden der harten, sich ständig wiederholenden Arbeit bis an ihr Lebensende zu ertragen. Die Schule erzieht zu Pünktlichkeit, Gehorsam, Fleiß, … (Protestantische Ethik)
Die Lehrer sind konservativ.
Die Kindheit ist eine neue Kreation.
Das „Schulalter“ ist ein verrücktes Konzept.
Paul Goodman und Ivan Illich verglichen Schulen, Gefängnisse, Hospitäler, Psychiatrien, Kasernen und die Kirche. Jede dieser Institutionen hat einen Aufseher, Vermittler und die Teilnahme ist Pflicht. Es besteht in jeder Institution ein Unterschied zwischen dem, was sie offiziell zu tun vorgeben, und dem, was die Mitarbeiter täglich verrichten. Was bringt die Schule in eine solch angreifbare Position? Schule wählt aus. Schulzeugnisse werden behandelt wie das Sakrament. Die Schule bietet ein Leben nach der Schule an – aber abhängig von der „Güte“ des Abschlusszeugnisses. Aber selbst ein Abschluss führt heute zur Akademikerarbeitslosigkeit. Die Versprechen der Schule sind falsch.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass das Gelernte ein Resultat von Lernen in der Schule ist. James Herdton schreibt: „Niemand lernt etwas in der Schule, aber Mittelklassekinder lernen genügend woanders und geben dann vor, dass die Schule ihnen etwas beigebracht hat.“
Schule gibt vor zu lehren, wie man lernt, wie man mit Menschen umgeht (Toleranz) – aber nach Ivan Illich lehrt Schule hauptsächlich den heimlichen Lehrplan (hidden curriculum). Hilbert Meyer versteht unter hidden curriculum: Es geht „um die Einübung in hierarchisches Denken, in Leistungskonkurrenz und Normkonformität.“ Ivan Illich vergleicht in diesem Zusammenhang das heutige Schulsystem mit dem chinesischen Beamtenprüfungssystem. Dieses war über Jahrhunderte stabil. Hier wird Wissen als Tauschwert begriffen und nicht für eine Teilnahme der Individuen in seiner Kultur – Wissen als Gebrauchswert.
Zertifikate werden wie ein Pass und eine Kreditkarte wahrgenommen.
Weltweit haben die Schule bzw. die Schulbildung es nicht geschafft, die großen Ungleichheiten von Arm und Reich aufzuheben.
„The ‚real world‘ that parents worry unschooled kids won’t be able to cope with is not the ‚real world‘ of the future, it’s one designed to churn out obedient workers and consumers. But times – and the economy – are changing.“ – Wendy Priesnitz
Die „reale Welt“, von der die Eltern befürchten, dass Freilerner sie nicht bewältigen können, ist nicht die „reale Welt“ der Zukunft, sondern eine, die darauf ausgelegt ist, gehorsame Arbeiter und Konsumenten hervorzubringen. Aber die Zeiten – und die Wirtschaft – ändern sich.“ – Wendy Priesnitz
Wollen wir wirklich diese Produktion an Arbeitern en masse auf Kosten der Leben und des Glücks unserer eigenen Kinder?
Unsere Kinder sollen die Wahl haben sich so zu bilden, wie sie es wünschen und so bleiben sie die Freilerner, als die sie geboren wurden bis sie sich anders entscheiden.
Ich wette, es schwirren jetzt ganz viele Fragen im Kopf umher, die dringend beantwortet werden wollen. Hüpf mal rüber in das große FAQ Unschooling / Freilernen, wo wir die gängigsten Fragen beantworten. Deine Frage ist nicht dabei? Schreib sie in die Kommentare!
Freilernen und Homeschooling bei anderen Familien?
„Also bei uns gilt das Motto spielen ist lernen. Spezielle Dinge wie Buchstaben, malen, schreiben, lesen, basteln etc. machen wir bei Interesse des Kindes.“ – Lisa & Eugen
„Ich lege Wert darauf, dass die Kinder Basics wie Deutsch und Mathe lernen, zwinge sie hierbei jedoch zu nichts. Stattdessen hat es bisher sehr gut funktioniert und auch völlig ausgereicht, die Zeitfenster zu nutzen, in denen die Kinder ein natürliches Interesse an den Themen gezeigt haben. Auch spielerisch, indem sie zum Beispiel selbstgemachte Limonade verkauft haben, ergeben sich immer wieder schöne Gelegenheiten zum Üben – vom Schreiben des Preisschildes über die Kalkulation des Verkaufspreises bis hin zum gerechten Aufteilen des Gewinns unter allen Beteiligten.“ – Anna